mini|hochkant=1.3|Hauptstraße in Seybothenreuth
Seybothenreuth ist eine Gemeinde im Landkreis Bayreuth (Regierungsbezirk Oberfranken). Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg.
Geografie Gemeindegliederung Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöde Einzigenhof ist kein amtlich benannter Gemeindeteil.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Seybothenreuth und Seybothenreuther Forst (jeweils nur Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Seybothenreuth hat eine Fläche von 18,553 km² und ist in 1871 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen sämtliche Gemeindeteile von Seybothenreuth zuzüglich Brüderes, Buschmühle und Weißenreuth.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Weidenberg, Kirchenpingarten, Speichersdorf und Emtmannsberg.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Seybothenreuth ist in seinen Ursprüngen urkundlich nicht sicher nachweisbar. Vermutlich ist der Ort Anfang des 12. Jahrhunderts entstanden. Der Ort Döberschütz, eine slawische Gründung, wurde erstmals im Jahr 1150, der Ort Lessau im Jahr 1157 urkundlich erwähnt. Auf dem Höhenzug Burgstall stand früher eine Befestigungsanlage, die aus den Jahren 900–1000 stammen dürfte.Landkreis Bayreuth in Zusammenarbeit mit d. Bayer. Landeszentrale für Polit. Bildungsarbeit (Hrsg.): Unser Landkreis Bayreuth, S. 130 = Geschichtliches bei seybothenreuth.de, abgerufen am 13. März 2020 Der erste sichere Nachweis findet sich im Bayreuther Landbuch von 1398 als „Seybotenreut“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Si(gi)boto, das Grundwort ist -reuth, demnach also die Rodung des Si(gi)boto.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 208.
Das ehemalige Landadelsschloss in Seybothenreuth wechselte häufig den Besitzer. Als Rittergut war es mit dem Ritterlehen Göppmannsbühl verbunden. Vor 1529 war es im Besitz derer von Heydenaab, weitere adelige Besitzer waren u. a. die von Flotow, Benkendorf und Lindenfels. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde es von einem schwedischen Kapitän bewohnt und ist heute in bäuerlichem Besitz.
Seybothenreuth bildete mit Forst eine Realgemeinde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Seybothenreuth 13 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Hofkastenamt Bayreuth. Grundherren waren das Hofkastenamt Bayreuth (1 Forsthaus, 6 Halbhöfe, 1 Halbhof mit Zapfenschenke, 1 Haus mit Schmiede) und das Rittergut Seybothenreuth (1 Schlossgut, 2 Sölden, 1 Sölde mit Schmiede).Richard Winkler: Bayreuth, S. 390.
Das Amt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 durch Verkauf zum Königreich Bayern. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth.
1812 wurde infolge des Gemeindeedikts der Steuerdistrikt Seybothenreuth gebildet. Außer dem Hauptort gehörten hierzu Brüderes, Buschmühle, Döberschütz, Draisenfeld, Einzigenhof, Fenkensees, Forst, Hundsmühle, Petzelmühle, Wallenbrunn, Weißenreuth, Windischenlaibach und Würnsreuth.Richard Winkler: Bayreuth, S. 495. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Seybothenreuth, zu der Forst gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Weidenberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden vier Anwesen bis 1826 dem Patrimonialgericht Seybothenreuth. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 kam es zur Eingliederung folgender Gemeinden: Brüderes mit Buschmühle und Weißenreuth, Draisenfeld, Döberschütz, Fenkensees, Wallenbrunn mit Einzigenhof und Petzelmühle, Würnsreuth. Ab 1862 gehörte Seybothenreuth zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Weidenberg (1879 in Amtsgericht Weidenberg umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Bayreuth zuständig.Richard Winkler: Bayreuth, S. 484. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 18,568 km².
Deutscher Krieg 1866 mini|hochkant|Gedenkstein an das Gefecht von 1866 in Seybothenreuth Am 29. Juli 1866 fand in der Endphase des Deutschen Krieges ein Gefecht zwischen dem 4. Bataillon des Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-RegimentsBernd Mayer: Als die Bayreuther Preußenadler putzten in: Heimatkurier 6/1996 des Nordbayerischen Kuriers, S. 6 f. und einem aus Teilen des preußischen 4. Garde-Regiments, des mecklenburgischen Dragoner-Regiments und eines mecklenburgischen Infanterieregiments zusammengesetzten Verband statt.Michael Weiser: Das Debakel von Seybothenreuth, Nordbayerischer Kurier vom 29. Juli 2016, abgerufen am 9. Juni 2021. Höhepunkte des Gefechts waren eine Reiterattacke an der Petzelsmühle sowie ein Infanteriescharmützel am Goldhügel. Dort waren die Bayern arglos und mit klingendem Spiel in die preußische Falle gegangen, was ihnen den Beinamen „Das unglückliche Regiment“ einbrachte. Die vorzügliche Schießausbildung und Ruhe der preußischen Füsiliere sowie die Überlegenheit des Zündnadelgewehrs hatten offenbar den Ausschlag gegeben.
Vom bayerischen Bataillon gelang nur einem Rest von 300 Mann der Rückzug. Durch Verwundung verloren die Mecklenburger Dragoner einen Offizier und 14 Mann und die Preußen einen Füsilier. Auf bayerischer Seite gab es drei Tote (beerdigt in Birk) und 46 Verwundete. Vier bayerische Offiziere und 210 Mann gingen in Gefangenschaft.Eine ausführliche Darstellung des Gefechts bei von Bagensky: Geschichte des Königlich Preußischen 4. Garde-Regiments zu Fuß 1860–1889, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1889, S. 117–121 mit Karte S. 116 Anderen Quellen zufolge hatte das 670 Mann starke bayerische Regiment vier Tote, 74 Verwundete und 257 Gefangene zu beklagen. Zur Erinnerung wurde 1875 am Denkmalweg ein Gedenkstein errichtet.
Ausgliederungen Am 1. Mai 1978 wurden Gebietsteile mit den Orten Brüderes, Buschmühle und Weißenreuth an die Nachbargemeinde Speichersdorf abgetreten.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 746 auf 1289 um 543 Einwohner bzw. um 72,8 %, das ist der höchste Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum.
Gemeinde Seybothenreuth Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2015 2020Einwohner 460 678 702 710 795 783 746 830 782 732 707 686 655 687 701 708 698 662 1041 1055 814 726 725 1373 1279 1274HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2020 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 82 101 105 106 98 116 126 137 183 417 428Quelle
Ort Seybothenreuth Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 116 132 189 184 144 196 384 304 285 409Häuser 14 21 19 35 49 50 108Quelle
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2026 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: +Partei/Liste202620202014%Sitze%SitzeSitzeCSU47,9641,7755Freie Wählergemeinschaft33,2434,7044Überparteiliche Wählergemeinschaft19,0223,5333
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2026 Stefan Roder (CSU). Vorgänger waren Reinhard Preißinger (Freie Wählergemeinschaft) und Hans Unterburger (CSU).
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.
Bau- und Bodendenkmäler mini|„Schlösschen“
Wirtschaft und Infrastruktur Industrie und Gewerbe Seybothenreuth verfügt über zwei alteingesessene Wirtshäuser mit Fremdenzimmern, den Gasthof Ruckriegel sowie das Gasthaus Zum edlen Hirschen. Daneben gibt es mit den Schreinereien Hammon und Pauscher Bauelemente zwei Handwerksbetriebe. Mit Lauterbach Kießling und utp Umwelttechnik Pöhnl sind zwei Hersteller von Kleinkläranlagen vertreten.seybothenreuth.de
Aus dem einstmals artesischen Osterbrunnen nahe dem Gemeindeteil Wallenbrunn entnimmt die Stadt Bayreuth einen Teil ihres Wasserbedarfs. Seine Quellen wurden 1965 abgedichtet und statt ihrer drei Tiefbrunnen errichtet. Fünf Mühlen- und Sägewerksbetriebe an den Fließgewässern Laimbach und Ölschnitz erlitten daraufhin Leistungseinbußen durch den entstandenen Wassermangel.Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 13. März 2020, S. 8.
Verkehr Fernstraßen Autobahnen: ca. 15 Kilometer zur Anschlussstelle Bayreuth Süd an der Bundesautobahn 9: Berlin–Leipzig–Bayreuth–Nürnberg–Ingolstadt–München ca. 15 Kilometer zur Anschlussstelle Bayreuth Nord zur Bundesautobahn 70: Schweinfurt–Bamberg–Bayreuth ca. 40 Kilometer zur Anschlussstelle Weiden an der Bundesautobahn 93 Hof–Weiden–Regensburg–Kiefersfelden; über die A 6 nach Nürnberg
Bundesstraßen: Seybothenreuth liegt (Ortsumgehung) an der Bundesstraße 22 Würzburg–Bamberg–Hollfeld–Bayreuth–Seybothenreuth–Weiden in der Oberpfalz–Cham.
Eisenbahn Am 1. Dezember 1863 wurde die Bahnstrecke Weiden–Bayreuth der Ostbahn eröffnet. Seybothenreuth erhielt einen Bahnhof mit einem gemauerten, zweigeschossigen Empfangsgebäude und ein Eisenbahnerwohnhaus. Der Bahnhof mit fünf Weichen wies ein Kreuzungsgleis und ein Ladegleis auf. 1977 wurden diese Gleise abgebaut und die Station zu einem Haltepunkt am Durchgangsgleis herabgestuft.
Derzeit wird die Station in beide Richtungen je zweimal in der Stunde von Triebwagen der Linie Weidenberg–Weiden bzw. Bayreuth–Bad Steben des Unternehmens Agilis bedient.Fahrplan ab 09.06.2024 (PDF), abgerufen am 16. November 2024
Flugverkehr Ca. 5 Kilometer östlich in der Gemeinde Speichersdorf befindet sich der Flugplatz Rosenthal-Field Plössen. Ca. 15 Kilometer westlich auf dem Bindlacher Berg befindet sich der Verkehrslandeplatz Bayreuth, auf dem bis 2002 Linienmaschinen der Strecke Frankfurt/Main–Bayreuth–Hof verkehrten. Er dient heute vor allem als Segelflugzentrum. Der nächste Flughafen mit nationalem und internationalem Linienflugverkehr liegt in Nürnberg (Flughafen Nürnberg).
Persönlichkeiten Konrad Höreth (1905–1973), höherer Beamter in der Zeit des Nationalsozialismus und Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront, geboren im Gemeindeteil Draisenfeld
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bayreuth Kategorie:Ersterwähnung 1398 Kategorie:Gemeindegründung 1812
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bayreuth