Das Kraftwerk Martigny-Bourg ist ein Mitteldruck-Laufwasserkraftwerk in Martigny-Bourg im Kanton Wallis in der Schweiz, das von Alpiq betrieben wird.
Geschichte mini|links|Maschinensaal nach dem Umbau von 1945 Das Kraftwerk wurde 1908 von der Betreibergesellschaft im Auftrag der Société d’Électro-Chimie aus Paris in Betrieb genommen. Sein Hauptzweck war die Stickstoffdünger-Fabrik in Les Vorziers bei Martigny mit Strom zu versorgen. 1922 ging das Kraftwerk an die Energie de l’Ouest Suisse S.A. (EOS) über und diente fortan auch der öffentlichen Stromversorgung. Im Jahre 1944 wurden die ursprünglich aufgestellten 18 Maschinensätze durch drei Maschinensätze ersetzt.
Technik Das Wasser wir der Dranse unterhalb von Sembrancher mit einem Drucksegmentwehr entnommen, fliesst unter dem Mont Chemin hindurch und wird in der Zentrale in Martigny-Bourg verarbeitet. Ursprünglich war die Wasserfassung oberhalb von Bovernier geplant, wurde aber während dem der 2840 m lange fast horizontal verlaufende Zulaufstollen schon im Bau war durch eine Änderung der Konzession 55 Höhenmeter höher gelegt.
Damit die bereits geleisteten Bauarbeiten am Zulaufstollen nicht verloren waren, wurde vom neuen Standort der Wasserfassung ein zwei Kilometer langer Freispiegelstollen parallel zur Dranse angelegt, dessen Ende mit einem 60 % geneigten Druckschacht mit dem ursprünglichen Zulaufstollen verbunden ist. Der ursprünglich als Freispiegelstollen vorgesehene Zulaufstollen wurde dadurch zu einem Druckstollen, der mit 5,3 bar betrieben wird. Am Ende des Stollens liegt das Wasserschloss sowie der Übergang zur 420 m langen Druckrohrleitung zur Zentrale. Diese verläuft vollständig unterirdisch in einem 42 % geneigten Tunnel. Der Querschnitt des Tunnels ist so gross, sodass er bei einem Schadenfall der Druckleitung die ganze Wassermenge aufnehmen könnte und dem Unterwasser des Kraftwerks zuführen könnte.
In der Zentrale in Martigny-Bourg standen 1914 die folgenden 18 Maschinensätze mit Pelton-Turbinen: +Maschinensätze im Jahre 1914AnzahlErzeugte StromartSpannungFrequenzLeistung pro MaschinensatzVerwendung9Gleichstromkeine Angabe1100 PSIndustrie (Aluminiumherstellung)3Dreiphasenwechselstrom10 000 V25 Hz2500 PSIndustrie (Karbidfabrik, Gewinnung von Natrium und Chlor mit Schmelzflusselektrolyse)1Einphasenwechselstrom8 000 V15 Hz1000 PSChemin de fer Martigny–Orsières1Dreiphasenwechselstrom5 000 V50 Hz1100 PSKraftstrom2Dreiphasenwechselstrom5 000 V50 Hz500 PSBeleuchtung von Martigny-Bourg2Gleichstromkeine Angabe80 PSErregermaschine Die Gesamtleistung der Maschinensätze betrug 20 660 PS, das Kraftwerk konnte aber nur Wasser für 14 000 PS zur Verfügung stellen, sodass nicht alle Maschinensätze gleichzeitig betrieben werden konnten.
Im Jahre 1945 wurden die oben aufgeführten 18 Turbinen durch 3 doppelte Francis-Turbinen von Ateliers des Charmilles SA ersetzt. Jede der Turbinen hat eine Leistung von 7,36 MW, es können jedoch maximal 13 MW elektrische Leistung an das Netz abgegeben. Das Kraftwerk wurde von 2009 bis 2013 abermals erneuert, wobei das Dach des Maschinenhauses mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet wurde, die jährlich 80 000 kWh in das Stromnetz einspeist.
Literatur
Partie 1: Description générale des travaux. doi:10.5169/seals-81440 Partie 2: Barrage mobile. doi:10.5169/seals-81442 Partie 3: Vanne automatique à débit constant. doi:10.5169/seals-81447 Partie 4: Conduite métallique sous pression. doi:10.5169/seals-81453 Partie 5: Salle des machines. doi:10.5169/seals-81458
Weblinks
Einzelnachweise
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