Eine Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist eine geographische abgegrenzte administrative Einheit der Kirche, der Missionare zugeteilt werden. Fast jedes Gebiet auf der Erde liegt innerhalb einer Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, unabhängig davon, ob Missionare in dem Gebiet leben oder missionarischen Tätigkeiten nachgegangen wird. Mit Stand Dezember 2022 gab es 411 Missionen der Kirche.
Administrativer Organisationsaufbau Geographisch gesehen, kann eine Mission eine Stadt, eine Stadt und ihr Umland, ein Bundesland, einen Teilstaat oder eine Provinz, ein ganzes Land oder eine Reihe von Ländern umfassen. Typischerweise ist der Name der Mission der Name des Landes (oder in den USA des Bundesstaates), gefolgt vom Namen der Stadt, in der die zentrale Verwaltungsstelle, oft auch Missionsbüro genannt, ihren Sitz hat.Die wichtigsten Ausnahmen zu diesen Regeln sind die Singapore Mission und die Baltic States Mission. Des Weiteren ist bei Missionen, wie bei der Washington, D.C. South Mission, die namensgebende Stadt nicht einmal im Missionsgebiet, wurde aber trotzdem ausgewählt, da es keine ausreichend große Stadt innerhalb der Missionsgrenzen gibt. In der Michigan Detroit Mission ist das Missionsbüro in Farmington, Michigan, aber der Name der größten Stadt wurde verwendet. Dem 2007 Deseret News Church Almanac kann man alle Ausnahmen zu dieser Regel entnehmen. Neue Missionare bekommen eine formelle Missionsberufung, die sie einer bestimmten Mission für einen Dienst von zwei Jahren oder achtzehn Monaten zuteilt. Jede Mission hat im Durchschnitt etwa 150 Missionare, die in ihrem Gebiet tätig sind.
Missionspräsident mini|Das Missionsbüro der Bulgaria Sofia Mission. Das Missionsbüro ist der offizielle Sitz des Missionspräsidenten. Alle Missionare arbeiten unter der Anleitung eines Missionspräsidenten, der wie alle Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage berufen und zugeteilt wird. Der Missionspräsident muss ein verheirateter Hohepriester sein, der das sogenannte Melchisedekische Priestertum trägt; seine Frau wird berufen, um an seiner Seite zu wirken. 2013 wurde der Ehefrau des Missionspräsidenten eine noch stärkere Führungsrolle in der Mission übertragen.
Missionspräsidenten sind normalerweise mindestens 40 Jahre alt und verfügen normalerweise über die finanziellen Mittel, um sich vollzeitig für die nächsten drei Jahre ihren Verpflichtungen zu widmen. Die Kirche gibt Missionspräsidenten eine Mindestsicherung, aber normalerweise muss diese durch eigene Mittel aufgestockt werden. In der Regel muss der Missionspräsident genauso wie alle Missionare die lokale Sprache lernen, die im Missionsgebiet gesprochen wird. Allerdings waren viele Missionspräsidenten schon vorher als Missionare tätig oder die Missionssprache ist ihre jeweilige Muttersprache.
Der Missionspräsident hat mindestens zwei Ratgeber, die normalerweise auch Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind und normalerweise aus dem Missionsgebiet stammen und diese Tätigkeit nur neben einer normalen beruflichen Tätigkeit ausüben. Die Rolle der Ratgeber variiert sehr stark, abhängig vom Missionsgebiet. In der Regel ist es ihre Aufgabe, eine Brücke zwischen dem Missionspräsidenten und den örtlichen Mitgliedern der Kirche zu bilden. In Gebieten, in denen die Kirche noch wenig etabliert ist, können ältere Männer gemeinsam mit ihren Frauen in Vollzeittätigkeit zu Ratgebern berufen werden.
Missionsräte Eine Versammlung der zu Führungsaufgaben berufenen Mitglieder der Mission wird einberufen, um die Führung der Mission zu organisieren. Vor April 2013 wurde dies oft als Zonenleiterrat bezeichnet, der aus dem Missionspräsident, dessen Assistenten und den Zonenleitern bestand. Im April 2013 wurde der Zonenleiterrat durch den Missionsrat ersetzt, dem die Ehefrau des Missionspräsidenten und leitende Missionarinnen angehören. Missionarinnen werden dadurch stärker in die Leitung der Missionen einbezogen.
Organisation in einer Mission
Organisation in Gebieten mit Pfählen Die Missionen sind in zwei parallelen Strukturen organisiert. Die erste ist die Organisation der Missionare. Es gibt zwei oder mehr Missionare, die als Assistenten des Präsidenten dienen (nicht zu verwechseln mit den Beratern in der Missionspräsidentschaft). Die Assistenten setzten die Anweisungen des Missionspräsidenten um und teilen je zwei Mitarbeiter (engl. Companionships also zwei Missionare) einem Arbeitsgebiet für die zu verrichtende Missionsarbeit zu. Außerdem sind sie für das Wohlergehen und die Aus- und Fortbildung der Missionare zuständig.
Die Mission ist in Zonen eingeteilt, die jeweils von einem oder mehreren Missionaren geleitet werden, die als Zonenleiter, also als Führungskraft für ein bestimmtes Gebiet tätig sind. In vielen Missionen bildet eine Mitarbeiterschaft von stets männlichen Ältesten die Zonenleitung. Es gibt aber auch Missionen, bei denen nur ein Ältester zum Zonenleiter berufen wird und sein Mitarbeiter keine besondere Führungsaufgaben hat. Die Zonen der Mission haben unterschiedliche Größe, auch die Anzahl der Missionare variiert.
Die Zonen sind in Distrikte unterteilt, die jeweils von einem Missionar als Distriktsleiter geführt werden. Ein Distrikt hat in der Regel zwei bis vier Companionships (engl. Mitarbeiterschaften). Die Zonenleiter und Distriktsleiter bilden die Missionare aus, führen Interviews und missionieren. Gewöhnlich dienen männliche Missionare als Assistenten, Zonenleiter und Distriktsleiter. In Missionen, Zonen und Distrikten, in denen nur Missionarinnen tätig sind, werden diese Aufgaben von den Missionarinnen wahrgenommen.
Jedes Missionarspaar ist für ein bestimmtes Gebiet zuständig. In diesem Gebiet predigen sie das Evangelium.
Die kirchliche Autoritätslinie (auch Ekklesiologie) einer Mission reicht vom Missionspräsidenten bis hin zu den Missionaren. Die Missionare unterstehen dem Missionspräsidenten direkt, im Gegensatz zum lokalen Zweigpräsidenten, Bischof oder Pfahlpräsidenten.
Organisation in Gebieten ohne Pfähle Die Distrikte innerhalb einer Mission bestehen ausschließlich aus Zweigen. Nachdem die Anzahl der Mitglieder ausreichend gewachsen ist, können die Zweige in Gemeinden und der Distrikt in einen Pfahl umgewandelt werden. In der Regel wird dies erst dann geschehen, wenn es mindestens fünf in der Größe einer Gemeinde entsprechenden Zweige in einem Distrikt gibt. Sobald ein Distrikt zu einem Pfahl wird, ist der Missionspräsident nur noch für die missionierenden Missionare in der Region verantwortlich, nicht für die lokalen Mitglieder der Kirche.
Die LDS Church Mission mit dem kleinsten geografischen Gebiet (etwa 2,5 Hektar) ist die Utah Salt Lake Temple Square Mission, in der Missionare aus der ganzen Welt auf dem Temple Square dienen. Diese sind oft für Besucher aus ihren eigenen Heimatländern zuständig und dienen sowohl am Temple Square sowie zeitweise in einer anderen Mission in den Vereinigten Staaten. Nach dem Dienst in einer anderen Mission kehren sie für die letzten Monate ihres 18-monatigen Missionsdienstes zum Temple Square zurück. Nur weibliche Missionare und ältere, pensionierte Paare werden zur Temple Square Mission berufen.
Die Mission mit der größten geografischen Ausdehnung ist derzeit die Mikronesien Guam Mission. Der überwiegende Teil dieser Mission besteht jedoch aus einem Ozean. Die größte Mission in Bezug auf geografische Landmasse und Bevölkerung ist derzeit die China Hong Kong Mission, die fast die gesamte chinesische Landmasse und Bevölkerung umfasst. Außerhalb von Hongkong und Macau gibt es in China keine Missionare der Kirche. Vor ihrer Spaltung im November 2007 hat die Indien Bangalore Mission die größte Bevölkerungszahl, in der Missionierung gestattet war. Diese Mission erstreckte sich über ganz Indien und hat somit mehr als eine Milliarde Einwohner innerhalb ihrer Grenzen. Es ist unklar, ob die Mission von Neu-Delhi oder Bangalore jetzt als die Mission betrachtet werden kann, die mehr Einwohner umfasst, da die Mission von Neu-Delhi auch Nepal, Bangladesch und Pakistan sowie Nordindien abdeckt und außerhalb von Nordindien wenig formelle Missionsarbeit erlaubt ist.
Auch auf russischem Staatsgebiet befinden sich Missionen mit großen Ausdehnungen. In der Russland Novosibirsk Mission ist es möglich, eine 42-Stunden-Zugfahrt zurücklegen zu müssen, um in die Stadt Novosibirsk zu kommen, wenn man innerhalb der Missionsgrenzen reist.
Besondere Sprachzuteilungen innerhalb von Missionen Missionare werden manchmal in einer Mission berufen, ohne der Standard-Sprachzuteilung zu folgen. Beispiel sind: Kentucky Louisville, mit spanischer Sprachzuteilung; California Anaheim, mit vietnamesischer Sprachzuteilung; Canada Vancouver, mit mandarin-chinesischer Sprachzuteilung; Illinois Chicago, mit polnischer Sprachzuteilung.
Zentrale Kirchenstruktur Die Arbeit der Missionen wird vom Missionsausschuss überwacht, der sich aus der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf Apostel zusammensetzt. Ein Großteil der eigentlichen Arbeit der Leitung der Missionen wird an den Missionary Executive Council (MEC) delegiert. Dieses Komitee hat seine Wurzeln im Radio-, Werbe- und Missionsliteraturkomitee, das in den 1930er Jahren unter dem Vorsitz von Stephen L. Richards und Gordon B. Hinckley als Exekutivsekretär gegründet wurde. In den späten 1940er Jahren hatten Richards und Hinckley die gleichen Positionen inne, wobei Hinckley im Wesentlichen die Aufgaben erfüllte, die später von der Missionsdepartment der Kirche übernommen wurden.
In den frühen 1970er Jahren bestand das Missionary Executive Council (Exekutivrat für Missionarsangelegenheiten) aus Spencer W. Kimball, Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson und Bruce R. McConkie, und allen Mitgliedern des Kollegiums der Zwölf Apostel.Loren C. Dunn, "A Mission Call", in New Era, July 1973 L. Tom Perry war der Vorsitzende bis in die späten 2000er Jahre. Er wurde dann von Russell M. Nelson abgelöst. Mit Stand August 2015 sind die meisten Mitglieder des Rates unbekannt. Historisch waren immer zwei Apostel, ein Mitglied der präsidierenden Bischofschaft und der Executive Director der Missionsabteilung, der normalerweise ein Mitglied des ersten Kollegiums der Siebziger ist, unter den Mitgliedern. Vor August 2015 hat David F. Evans diese Funktion innegehabt.R. Lanie Britsch, "Missions and Missionary Organization" in A Firm Foundation: Church Organization and Administration, ed. David J. Whittaker and Arnold K. Garr (Provo: BYU Religious Studies Center, 2011) Im August 2015 wurde bekannt gegeben, dass Bonnie L. Oscarson, Präsidentin der Jungen Damen der Kirche, als erste Frau in den Mission Executive Council berufen wurde.
Die Missionsabteilung der Kirche arbeitet unter der Führung des Mission Executive Council. Die Missionarsabteilung der Kirche entwickelt keine Richtlinien, sondern setzt diese um. Sie leitet die Missionen der Kirche, zu denen auch 9 Missionarsschulen sowie zahlreiche Besucherzentren und historische Stätten gehören.British, "Missionas and Missionary Organization"
Die Geschichte der Missionen links|mini|302x302px|Rudger Clawson und Joseph Standing (sitzend), Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die im Süden der Vereinigten Staaten ihre Mission erfüllen, posieren für ein Porträt im Jahr 1879. Standing wurde am 21. Juli 1879 in der Varnell Station, Georgia, von einem anti-mormonischen Mob ermordet. Der Titel der „Erste Mission“ wird der Britannien Mission gegeben, die heute als Vorläufer der England London Mission gilt. Diese wurde unter Heber C. Kimball im Jahr 1837 gegründet.