mini|Abū 'l-Fazl überreicht Akbar das Akbar-nāma, 1598. Das Akbar-nāma (, „Akbar-Buch“) von Abū 'l-Fazl Allāmī ist die umfangreichste historische Darstellung der Akbarzeit im Mogulreich. Sie reicht bis zum Jahre 1602. Der dritte Band des Werkes, bekannt unter dem Namen Ā'īn-i Akbarī, enthält eine enzyklopädische Beschreibung nahezu aller Belange des Reiches. Der Autor bietet eine Fülle von historischen Zusammenhängen und Sachinformationen, verfolgt aber vor allem das Ziel, Akbar als vollkommenen Herrscher zu präsentieren.Conermann: Historiographie als Sinnstiftung. Indo-persische Geschichtsschreibung während der Mogulzeit. 2002, S. 159–173. Franke: Akbar und Ǧahāngīr. 2005, S. 333f. Das Akbar-nāma ist in persischer Sprache geschrieben, der Hofsprache des Mogulreiches. Akbar hat das Werk mindestens dreimal mit großem Aufwand illustrieren lassen. Zwei dieser Handschriften, das Victoria-and-Albert-Akbar-nāma und das Chester-Beatty Akbar-nāma, sind nach den Museen benannt, in denen sie heute zu größeren Teilen verwahrt werden. Ein seit den 1990er Jahren auf dem Kunstmarkt aufgetauchtes Manuskript, von dem heute nur noch einzelne Illustrationen bekannt sind, wird als Drittes Akbar-nāma bezeichnet.
Zeitlicher Rahmen der Abfassung Den Auftrag zur Abfassung hatte Abū 'l-Fazl am 4. März 1589 und ein weiteres Mal am 19. Mai desselben Jahres erhalten.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1897, Band I, S. 33. Seyller: „Codicological Aspects of the Victoria and Albert Museum Akbarnāma.“ 1990, S. 379 hatte erstmals auf diese Notiz von Beveridge hingewiesen. Diese Datumsangaben finden sich nur noch in einem weiteren Manuskript in privater Sammlung, vgl. Beveridge 1903, S. 116f. Dazu Stronge: Painting for the Mughal Emperor. 2002, S. 39 und Fußnote 10. Am 16. April 1596 (1004 d.H.) vollendete er den ersten Teil, der die Geschichte von Akbars Ahnen und die ersten dreißig Lebensjahre des Herrschers bis zum September 1572 umfasst.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1904, Band II, S. 544. Zwei Jahre später konnte er die Lebensgeschichte Akbars bis zu dessen 42. Regierungsjahr (1597/98) und zugleich das Ā'īn-i Akbarī abschließen.The Ā-īn-i Akbarī By Abu L-Fazl Allami. Translated into English by H.S.Jarrett. 1994, Band III, S. 475–476. Für die Abfassung seines Werkes hatte Abū 'l-Fazl in den ersten Jahren noch die Hilfe seines Bruders Faizī in Anspruch genommen, dessen Wissen er ebenso rühmt wie dessen dichterische Raffinesse. Faizī hatte die Entwürfe zum Akbar-nāma durchgesehen und dem Werk den letzten sprachlichen Schliff gegeben. Durch seinen Tod im Oktober 1595 kam er jedoch nur bis zum zehnten Regierungsjahr Akbars, so dass Abū 'l-Fazl von da an ohne die Unterstützung seines Bruders auskommen musste.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1904, Band II, S. 558–559. Bis zu seiner Ermordung im August 1602 gelang es ihm, die Ereignisse von nahezu vier weiteren Jahren hinzuzufügen. Sein Bericht endet abrupt Mitte Februar 1602.The Ā-īn-i Akbarī. By Abu L-Fazl Allami. Translated into English by H.S.Jarrett. 1994. Band III, S. 475 (Das entspricht Band II, S. 256–257 in der persischen Edition). Manche Handschriften enthalten eine Fortsetzung für die verbleibende Zeit von etwa zweieinhalb Jahren bis zu Akbars Tod. Auch wenn sich diese Fortsetzungen in verschiedene Handschriften erheblich voneinander unterscheiden, basieren sie doch alle auf dem Iqbāl-nāma, einem Geschichtswerk über die Zeit Schāh Dschahāns von Muhammad Sālih Kambū.Anmerkung von Beveridge zu den verschiedenen Fortsetzungen des Akbar-nāma nach 1602 in: Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1939, Band III, S. 1204. Hierzu auch Marshall, Dara Nusserwanji: Mughals in India. A bibliographical survey of manuscripts. Mansell Publishing Limited, London und New York 1967, S. 32.
Versionen des Akbar-nāma und die verschiedenen Bandaufteilungen Das Akbar-nāma war ursprünglich auf fünf Bände ausgelegt. Vier davon hatte Abū 'l-Fazl für den historischen Teil vorgesehen, wobei jeder eine Einheit von dreißg Jahren (pers. qarn, „Generation“) abdecken sollte. Die Geschichte der Ahnen und die ersten dreißig Lebensjahre Akbars waren im ersten Band zusammengefasst. Ein abschließendes Buch über die Institutionen (pers. āʾīn) des Mogulreiches unter Akbar erhielt den Namen Āʾīn-i Akbarī und war anfangs als fünfter Band geplant.The Ā-īn-i Akbarī. By Abu L-Fazl Allami. Translated into English by H.S.Jarrett. 1994, Band III, S. 476. Auch wenn Abū 'l-Fazl diese Bandaufteilung am Ende des Āʾīn-i Akbarī eindeutig beschrieben hat, kam es dennoch aus verschiedenen Gründen zu einer anderen Anordnung. So hatte Akbar gefordert, dass er den zweiten Band mit seiner Geburt beginnen lassen solle.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1939, Band III, S. 5.; vgl. Stronge: Painting for the Mughal Emperor. 2002, S. 42. Die Geschichte der Ahnen von Adam bis Humāyūn war folglich weiterhin Band I, der aber mit dem Tod des letzteren endet. Band II umfasst die ersten dreißig Lebensjahre Akbars bis 1572, Band III dessen verbleibende Lebenszeit. In dieser Form ist dann auch die Übersetzung von Henry Beveridge erschienen. Das Āʾīn-i Akbarī stellt somit eigentlich den vierten Band des Gesamtwerkes dar. Gleichwohl bezeichnen es zahlreiche Autoren als dritten Band und folgen damit der ursprünglichen Zählung von Abū 'l-Fazl. Er hatte ja die Ahnen und die ersten dreißig Jahre Akbars im ersten Band zusammenfassen wollen und konnte bis zu seinem Tod (fast) dreißig weitere Jahre Akbars in einem zweiten Buch festhalten. Nach dieser Rechnung ist das Āʾīn-i Akbarī der dritte Band.Dara Nusserwanji Marshall: Mughals in India. A bibliographical survey of manuscripts. Mansell Publishing Limited, London and New York 1967, S. 32, No. 99, ISBN 0-7201-1772-0. Vorwort von Heinrich Blochmann in: The Ain-i-Akbari by Abul-Fazl-i-ʿAllami Edited in the original Persian by H. Blochmann. Vol. I. Printed for the Asiatic Society of Bengal in the Bibliotheca Indica, Calcutta 1872, Preface S. V.
Abū 'l-Fazl hat sein Werk insgesamt fünfmal überarbeitet.The Ā-īn-i Akbarī. By Abu L-Fazl Allami. Translated into English by H.S.Jarrett. 1994, Band III, S. 474. Schon bevor es 1596 seine abschließende Form erhalten hat, waren Teile davon in Umlauf, wie die Vorrede von Nizām ud-Dīn Ahmad zu seinem Tabaqāt-i Akbarī aus dem Jahr 1001h (1592/93) belegt.Khwājah Niẓāmuddīn Aḥmad: The Ṭabaqāt-i-Akbarī. A History of India from the Early Musulmān Invasions to the 36th Year of the reign of Akbar. English Translation by B. De. Asiatic Society of Bengal, Calcutta 1927. Vol. 1. Bibliotheca Indica No. 225. Vol. I, S. V. Hierzu Rizvi 1975, S. 264. Beveridge weist auf eine Handschrift in privatem Besitz hin, in der man eine der früheren Versionen erkennen kann.Henry Beveridge: „A New MS. of the Akbarnāma.“ The Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland (Jan., 1903) 115-122. S. 115–122. Stronge: Painting for the Mughal Emperor. 2002, S. 45. Der Text des sogenannten 1. Akbar-nāma im Victoria and Albert Museum stellt ebenfalls nicht die endgültige Version dar.Stronge: Painting for the Mughal Emperor. 2002, S. 45.
Inhalt des Akbar-nāma mini|Zweite Schlacht von Panipat, 1556: Hemu ist gefangen. 2. Akbar-nāma Der Autor leitet den ersten Teil seines Werkes mit einer rund vierzigseitigen Erläuterung zu Akbars Geburtshoroskopen ein. Es folgt eine kurze Aufzählung der Ammen und ein Bericht über Akbars Geburt im Jahr 1542. Nach einer Danksagung des Autors für das Glück, dem Padischah dienen zu dürfen, werden die Vorfahren des Mogulherrschers jeweils kurz vorgestellt. Am Anfang steht Adam, der über seine Eigenschaft als erster Mensch hinaus eine wichtige Rolle in Abū 'l-Fazls neuem ideologischen System spielt.Franke: Akbar und Ǧahāngīr. 2005, S. 232–239. Conermann: Historiographie als Sinnstiftung. Indo-persische Geschichtsschreibung während der Mogulzeit. 2002, S. 164. Eine zentrale Bedeutung in der Reihe der nun folgenden Ahnen nimmt Alanquwa ein, die mythische Ahnmutter der Tschingiziden. Sie hatte ihre drei Söhne nicht durch einen menschlichen Vater, sondern durch ein göttliches Licht empfangen, das auf die weiteren Generationen überging und in Akbar zur vollen Reife gelangte.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1897, Band I, S. 178–183. Franke: Akbar und Ǧahāngīr. 2005, S. 216–220. Acht Generationen nach Alanquwa zweigt die Linie Tschingis Chans ab. Abū 'l-Fazl erwähnt ihn, weist aber darauf hin, dass er kein unmittelbarer Vorfahre Akbars väterlicherseits ist. Er verdiene nur deshalb Erwähnung, weil auch er ein Strahl von Alanquwas heiligem Licht gewesen sei.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1897, Band I, S. 191. Thackston I: 238/39. Nach weiteren sieben Generationen folgt die wichtigste Persönlichkeit in der Ahnenreihe: Amir Tīmūr Gūrkānī. Die Moguln, die sich selbst als Timuriden bezeichneten, sahen sich vor allem in seiner Nachfolge, zumal Timur selbst schon 1398 nach Indien eingefallen war und Delhi erobert hatte.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1897, Band I, S. 210. Thackston Akbar-nāma I: 262f. Vgl. Conermann: Historiographie als Sinnstiftung. Indo-persische Geschichtsschreibung während der Mogulzeit. 2002, S. 207–208. Über Timurs dritten Sohn Mīrān Schāh verläuft die Linie weiter zu Bābur und schließlich zu Akbars Vater Humāyūn. Den Viten der letzteren wird, da sie die Gründer des Mogulreiches sind, erheblich mehr Raum gewährt. Der Bericht über Bābur ist mit rund dreißig Seiten in der persischen Edition allerdings deutlich weniger ausführlich als der über Humāyūn mit über 240 Seiten. Die Geburt Akbars im Oktober 1542 ist bereits eingerahmt von ersten Wundern,Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1897, Band I, S. 375–376. und Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1897, Band I, S. 384–385. Zu den Bemühungen, ein passendes Horoskop zu präsentieren, vgl. Stephan Popp, „Akbar's horoscopes: how to become a Leo if you are not.“ Asian and African studies blog der British Library vom 30. Januar 2015. die den späteren Mogulherrscher sein gesamtes Leben begleiten.Franke: Akbar und Ǧahāngīr. 2005, S. 188f. Die Thronbesteigung am 14. Februar 1556 und das Horoskop dieses Ereignisses, das nur das Beste erwarten lässt, preist Abū 'l-Fazl als den Beginn einer neuen Ära. Er stellt dann auch in der Tat die von Akbar eingeführte Zeitrechnung Tārīkh-i ilāhī (pers. „göttliche Ära“) vor, die allerdings erst 1584 begann, rückwirkend zum ersten Neujahrsfest nach der Thronbesteigung, im März 1556.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1904, Band II, S. 10–24. In streng chronologischer Reihenfolge berichtet Abū 'l-Fazl nun von allen Geschehnissen bis zum Jahre 1602. Ausführlich erfährt der Leser von sämtlichen Schlachten, wie etwa der besonders wichtigen Zweiten Schlacht von Panipat, von Kämpfen und anderen Aktionen gegen verschiedenste Gegner, von Gebietserweiterungen, Beförderungen und Bestrafungen. Erwähnt werden aber auch familiäre Ereignisse, wie Heiraten, Geburten von Kindern der Königsfamilie, Todesfälle und beispielsweise auch die Übersiedlung von Akbars Mutter und anderer Damen des königlichen Harems von Kabul nach Indien.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1904, Band II, S. 85. Über Akbars Religionspolitik, seinen Umgang mit den Vertretern der verschiedenen islamischen, hinduistischen und christlichen Glaubenslehren oder auch von Akbars Religionsdiskussionen unterrichtet uns Abū 'l-Fazl ebenfalls.Abu-l-Fazl: The Akbar Nāma. Translated from the Persian by H. Beveridge. 1939, Band III, S. 365–369.
Quellen des Akbar-nāma