mini|Georg Friedrich Walz 1813–1862 Georg Friedrich Walz (* 24. Juli 1813 in Heppenheim; † 20. März 1862 in Zwingenberg) war ein deutscher Pharmakologe.

Leben Georg Friedrich Walz wurde als Sohn eines großherzoglich-hessischen Steuereinnehmers in Heppenheim an der Bergstraße geboren. Nach Besuch der Volksschule in Heppenheim und ab 1827 der Lateinschule in Waldmichelbach begann er 1828 eine Lehre beim Apotheker Ruprecht in Fürth. Am 28. Juli 1830 bestand er die Gehilfenprüfung in Darmstadt. Ostern 1831 wechselte er in die Stadt-Apotheke von Johann Philipp Bronner in Wiesloch, in der er zwei Jahre lang blieb. Mit Bronner, einer Kapazität für alle Fragen des Weinbaus, blieb Walz in der Folge freundschaftlich verbunden. Von Wiesloch aus ging er auf Wanderschaft („Konditionierung“). Von Ostern 1833 bis August 1834 „konditionierte“ er in Heidelberg in der Hofapotheke bei Heinrich Schweinsberg, von August 1834 bis April 1837 in Mannheim in der Pelikan-Apotheke bei Aloys Hansen. Während seines Aufenthalts bei Aloys Hansen legte er am 20. Juli 1835 ohne Universitätsstudium das hessische Staatsexamen ab, wobei Heinrich Emanuel Merck als Prüfer fungierte.

mini|Die bayerische Rheinpfalz Heidelberg – Schwanen-Apotheke / Studium der Pharmazie 1837 wurde Georg Friedrich Walz zusammen mit Johann Philipp Odenwald1809-1877. Führte die Schwanen-Apotheke in Heidelberg von 1838 bis 1867 (Eberhardt 1990, S. 27) Teilhaber der Schwanen-Apotheke in Heidelberg. Er besaß weder das badische Staatsbürgerrecht noch verfügte er über ein badisches Apothekerexamen. Durch die Teilhaberschaft an der Apotheke sicherte er sich jedoch ein Auskommen. Vom Mai 1837 bis zum Oktober 1838 studierte er Pharmazie an der Universität Heidelberg und schloss mit einer Dissertation über die chemische Zusammensetzung des Giftlattich-Milchsafts ab. Seine pharmazeutischen Kenntnisse wurden in Heidelberg vor allem durch Leopold Gmelin und durch Johann Maximilian Alexander Probst geprägt. Es ist anzunehmen, dass Walz allmählich die Stellung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters Probsts einnahm, als dieser 1837 die Ausarbeitung der Badischen Pharmakopöe und zusätzlich das Amt eines badischen Apothekenvisitators übernahm.Georg Friedrich Walz. Nekrolog auf Johann Maximilian Alexander Probst. In: Jahrbuch für practische Pharmacie und verwandte Fächer, 5 (1842), 190–195 (Digitalisat)Pharmacopoea Badensis. Chr. Fr. Winter – Heidelberg 1841 (Digitalisat)Georg Friedrich Walz. Leopold Gmelin. Biographische Skizze, als Vorwort zum siebten Band des Jahrbuchs. In: Jahrbuch für practische Pharmacie und verwandte Fächer, 7 (1843), V–XII (Digitalisat)Gunter Eberhardt. G. F. Walz (1813–1862) Apotheker, Forscher, Revolutionär. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 1990, S. 22–26

Speyer Schwanen-Apotheke / Private Pharmazeutische Lehranstalt Am 22. August 1840 bestand Walz in Bamberg das bayerische Staatsexamen. Am 12. Juli 1840 hatte er die Schwanen-Apotheke in Speyer gekauft und er übernahm sie am 26. Oktober 1840. Angeschlossen an die Apotheke gründete er ein privates pharmazeutisches Institut, in welchem bis zum Jahre 1856 etwa 70 Pharmazeuten ausgebildet wurden, darunter Georg Franz Merck.

Gewerbeverein Zusammen mit Georg Friedrich Kolb bemühten sich 30 Speyrer Bürger, darunter auch Walz, ab dem 29. Januar 1843 um die Gründung eines „Gewerbevereins“ mit dem Ziel „der Hebung und Beförderung der Industrie und Verbreitung theoretischer und praktischer Kenntnisse in Künsten und Gewerbe.“ Zu Beginn des Jahres 1844 konnte der Verein definitiv einen Lesesaal und eine mechanische Werkstatt in der Gewerbeschule beziehen, nachdem auf obrigkeitliches Drängen sichergestellt war, dass in dem Lesesaal „keine anderen Bücher und Zeitschriften aufzustellen seien, als mathematische, naturwissenschaftliche, technische und merkantile.“ Kolb wurde zum Vorsitzenden des Vereins gewählt, Walz zum Sekretär. Im März 1846 richtete der „Gewerbeverein“ eine „Gewerbehalle“ ein, in der Speyrer Handwerker ihre Produkte in einer Art Kommissionsgeschäft zum Verkauf anbieten konnten. Ab 1848/1849 übernahm Walz im „Gewerbeverein“ und in der „Gewerbehalle“ zusehends die Aufgaben von Kolb. Im März 1857 wurden beide Institutionen aufgelöst.Gunter Eberhardt. G. F. Walz (1813–1862) Apotheker, Forscher, Revolutionär. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 1990 S. 72–79

Pfälzischer Aufstand An der Bewegung von 1848/49 in Speyer nahm Walz begeistert, jedoch ohne Fanatismus oder Radikalisierung teil. Während des Pfälzer Aufstands von 1849 ging er auf Distanz zur herrschenden provisorischen Regierung in Kaiserslautern.

Anfang Mai 1849 konstituierte sich in Kaiserslautern ein sogenannter «Landesverteidigungsausschuss», der die zahlreichen « Volkswehren» seinem Kommando unterstellte und versuchte, die bayerisch-pfälzische Verwaltung zur Annahme der Reichsverfassung zu zwingen. Damit begann der Pfälzer Aufstand, denn der «Landesverteidigungsausschuss» handelte ohne Zustimmung der Nationalversammlung. Die Nationalversammlung sandte daraufhin den Abgeordneten Bernhard Eisenstuck als Reichskommissar in die Pfalz. In Speyer traf Eisenstuck mit dem Regierungspräsidenten des bayerischen Rheinkreises Franz Alwens zusammen, der den Wunsch nach Annahme der Reichsverfassung äußerte. Eisenstuck reiste weiter nach Kaiserslautern und bestätigte die revolutionäre Bewegung als «Landesausschuss für Verteidigung und Durchführung der deutschen Reichsverfassung». Statt den Aufstand zu beschwichtigen, verlieh Eisenstuck ihm damit das Ansehen einer formellen Legitimität. Daraufhin berief ihn die Nationalversammlung ab. Eisenstuck hielt sich jedoch noch einige Tage in Kaiserslautern auf. mini|Pfälzische Ludwigsbahn 1870 Am 7. Mai 1849 beschädigten Freischärler die Bahnstrecke bei Mutterstadt und bei Haßloch. Um eine rasche Reparatur der Strecke zu verhindern, rissen sie die Schienen heraus und transportierten sie nach Neustadt. Durch diese punktuellen Zerstörungen sollte der Transport bzw. Durchzug preußischer Soldaten nach der Festung Landau verhindert werden.Erich Schneider. Die pfälzische Ludwigsbahn im Revolutionsjahr. In: Erich Schneider und Jürgen Kreddigkeit (Hrsg.): Die Pfälzische Revolution 1848/49. Kaiserslautern 1999, S. 85–91

Am 11. Mai verlegte der in Speyer kommandierende bayerische Brigadegeneral seinen Sitz in die Festung Germersheim. Ein erheblicher Teil seiner Truppen desertierte und trat zur «Volkswehr» über. In Speyer konstituierte sich am 12. Mai ein lokaler «Kantonalverteidigungsausschuss», dessen Vorsitz Georg Friedrich Walz übernahm. Walz bemühte sich in Neustadt in Gesprächen mit dem dortigen «Kantonalverteidigungsausschuss» darum, dass die zerstörte Eisenbahnlinie wiederhergestellt wurde.

Bei seiner Rückkehr von Neustadt wurde in einer Sitzung des Speyrer «Kantonalverteidigungsausschusses» beschlossen, dass Pulvervorräte, die das abziehende bayerische Militär in einem Depot in Speyer zurückgelassen hatte, an einen sicheren Platz zu bringen seien. In der unübersichtlichen Situation gelangte Walzs Unterschrift schließlich am 15. Mai auf ein Schriftstück, in dem angewiesen wurde, die Pulverfässer mit der Eisenbahn nach Neustadt zu bringen.

Beflügelt durch die Revolution in Baden verlangte der Pfälzer «Landesverteidigungsausschuss» die Wahl von Kantonalvertretern, die zu einer Versammlung nach Karlsruhe gerufen wurden. In Speyer betraute man Walz mit dieser Aufgabe. Am 17. Mai 1849 versammelten sich 28 von 31 pfälzischen Kantonalvertretern in Kaiserslautern. Georg Friedrich Walz wurde zum Vorsitzenden dieser Versammlung gewählt. Der «Landesverteidigungsausschuss» verlangte die Einsetzung einer provisorischen Regierung. Walz hingegen versuchte die Entscheidung dieser Frage zu verzögern. Es kam zu einer namentlichen Abstimmung, die knapp mit 15 zu 14 Stimmen für eine provisorische Regierung entschieden wurde. Walz stimmte gegen die Einsetzung einer provisorischen Regierung.

Schon am nächsten Tag verkündete die provisorische Regierung die Vereinigung mit dem revolutionären Baden und sie forderte die noch in Speyer befindliche bayerisch königliche Regierung auf, den Eid auf die Reichsverfassung zu leisten. Dieser Forderung entzog sich der Pfälzer Regierungspräsident Franz Alwens, indem er sich in die Festung Germersheim zurückzog. Walz bemühte sich daraufhin vergeblich, die pfälzischen Nationalversammlungsabgeordneten für ein beschwichtigendes Einwirken auf die Revolutionäre zu gewinnen.Regina-Margarete Schneider. Landesausschuss und Provisorische Regierung in Kaiserslautern 1849. In: Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern 22/23 (1984/85), S. 91–117. Unveränderter Nachdruck in: Erich Schneider und Jürgen Kreddigkeit (Hrsg.): Die Pfälzische Revolution 1848/49. Kaiserslautern 1999, S. 29–60 mini|Lithographie von Friedrich Kaiser. Pfälzische Revolutionssoldaten 1849, darunter rechts Mathilde Franziska Anneke und Fritz Anneke In der Nacht vom 19. auf den 20. Mai wehrte die Festung Landau einen Angriff ab, den die Revolutionäre unter der Leitung von Ludwig Blenker ausführten.Marlene Jochem. Bürgerliche Frauen und die Revolution 1848/49. In: Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern 22/23 (1984/85), S. 91–117. Unveränderter Nachdruck in: Erich Schneider und Jürgen Kreddigkeit (Hrsg.): Die Pfälzische Revolution 1848/49. Kaiserslautern 1999, S. 73–84 Am 22. und 23. Mai hielt sich die provisorische Regierung in Speyer auf und nahm die nahezu leere Stadtkasse in Beschlag. Walz wurde als „Verräter an der Sache“ bezeichnet.

Reaktion Als preußische Truppen am 12. Juni 1849 die Pfalz eroberten, erhielt eine Gruppe, zu der auch Walz zählte, in einer Stadtratssitzung den Auftrag, den herannahenden Preußen entgegenzugehen und die Stadt Speyer ihrem Schutz zu übergeben. Bei der Ausführung dieses Auftrags wurde ihnen von vorüberreitenden Soldaten der Hut vom Kopf geschlagen und ihnen wurde das Gerücht zugetragen, dass man sie zur Verhaftung aufgezeichnet habe. Walz floh nach Baden, das sich noch in der Hand von Aufständischen befand. In Weißenburg erfuhr er, dass er als Mitglied des Speyrer Kantonalverteidigungsausschusses keine Verhaftung zu befürchten hätte. Daraufhin ging er über Geinsheim auf Speyer zu, wurde am 25. Juni von bayerischen Truppen entdeckt, als Freischärler gefangen genommen und in Speyer inhaftiert. Die darauf folgende Untersuchung deckte lediglich die Beteiligung von Walz an der demokratisch orientierten „Neuen Speyrer Zeitung“ auf. Seine Rolle als Vorsitzender des Speyrer Kantonalverteidigungsausschusses erweckte das Bild eines gemäßigten Bürgers, der um die Aufrechterhaltung der Ordnung in einer Zeit bemüht war, als die legitime Regierung versagt hatte. Nichts deutete auf Straftaten während des Aufstandes hin oder auf den Versuch, die Untersuchungsbehörden zu täuschen.Gunter Eberhardt. G. F. Walz (1813–1862) Apotheker, Forscher, Revolutionär. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 1990, S. 61, S. 85–98

Das Jahr 1849 verstrich, ohne dass Schritte gegen Walz unternommen wurden und er behielt zunächst unbehelligt seine öffentlichen Ämter.

Im Februar 1850 erschien ein Beauftragter des Appellationsgerichts aus Zweibrücken in Speyer um Walz zu verhören. Es ging um den Pulvervorrat, den die in Speyer stationierten bayerischen Soldaten am 11. Mai 1849 bei ihrer Flucht in die Festung Germersheim in Speyer zurückgelassen hatten, und der nach Neustadt zu den Freischärlern verbracht worden war. Walz konnte im Februar 1850 keine Mitwisserschaft oder Teilnahme an strafbaren Vorgängen im Zusammenhang mit diesem Pulvertransport nachgewiesen werden.