mini| Keir Starmer (2024)rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Keir Starmer, 2011 Sir Keir Rodney Starmer [] KCB, KC, PC (* 2. September 1962 in Southwark, London) ist ein britischer Anwalt und Politiker (Labour Party). Vom 5. Juli 2024 bis zum 20. Juli 2026 war er Premierminister des Vereinigten Königreichs.

Als Mitglied des britischen Unterhauses vertrat er dort von 2015 bis 2026 den Londoner Wahlkreis Holborn and St Pancras, der als ein sicherer Labour-Wahlkreis gilt. Diesen konnte er in den Unterhauswahlen 2019 und 2024 verteidigen. Starmer war vom 4. April 2020 bis zum 17. Juli 2026 Vorsitzender der Labour Party. Am 22. Juni 2026 kündigte er seinen Rücktritt als Parteivorsitzender und Premierminister an. Sein Nachfolger ist seit dem 20. Juli 2026 Andy Burnham.

Leben Ausbildung und berufliche Karriere Keir Starmer ist das zweite von vier Kindern einer Krankenschwester und eines Werkzeugmachers. Als starke Sympathisanten der Labour Party benannten sie Keir nach dem ersten Parteiführer der Partei, Keir Hardie. Starmer wuchs in Oxted auf, sein Vater war an verschiedenen Orten (u. a. in den Grafschaften Surrey und Kent) als Selbstständiger im Werkzeughandel tätig. Durch gute schulische Leistungen erlangte er Zugang zur Grammar School (vergleichbar mit dem deutschen Gymnasium). Nach dem Schulabschluss studierte er Rechtswissenschaft an der University of Leeds mit dem Abschluss Bachelor of Laws (LLB). Er erwarb anschließend an der Universität Oxford den Bachelor of Civil Law (BCL) und wurde 1987 als Anwalt zugelassen.

Als Anwalt verteidigte er unterschiedliche Klientel (oft pro bono), darunter Friedensaktivisten, Umweltaktivisten, Soldaten und Terrorverdächtige. Ab 2003 war er Menschenrechtsberater der Polizeibehörde von Nordirland (Northern Ireland Policing Board), der Aufsichtsbehörde des Police Service of Northern Ireland. Im selben Jahr prangerte er die Beteiligung des Vereinigten Königreichs am Irakkrieg an, die von seinem Parteifreund und damaligen Premierminister Tony Blair bewilligt wurde.

Von 2008 bis 2013 war er Direktor des Crown Prosecution Service, der Staatsanwaltschaft für England und Wales. In dieser Zeit betrieb er die Strafverfolgung gegen den Minister für Energie und Klimawandel Chris Huhne, die zu dessen Rücktritt am 3. Februar 2012 führte. Außerdem verschärfte er die Strafverfolgung von Jugendlichen. Am Ende seiner fünfjährigen Amtszeit wurde er zum Knight Commander of the Order of the Bath geschlagen.

Politik Bis zur Kandidatur um Parteivorsitz Nach dem Rücktritt von Ed Miliband 2015 galt Starmer als Kandidat für den Labour-Parteivorsitz. Er trat wegen geringer parlamentarischer Erfahrung nicht an und unterstützte Andy Burnham.

Beim EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016 plädierte er gegen den Brexit und setzte sich für den Verbleib des UK in der Europäischen Union ein. Nach dem Referendum trat er mit zahlreichen anderen prominenten Labour-Politikern aus Protest gegen die Haltung des Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn aus dessen Schattenkabinett aus und forderte einen Wechsel der Parteiführung. In den daraufhin anberaumten Wahlen zum Parteivorsitz unterstützte er Owen Smith gegen Corbyn. Corbyn gewann und berief im Oktober 2015 Starmer zum Brexit-Schattenminister (Shadow Secretary of State for Exiting the European Union). In dieser Position war er bis 2020 tätig. Von 2015 bis 2016 war er zusätzlich Immigrations-Schattenminister (Shadow Immigration Minister). Starmer gab dafür seine Beraterposition bei einer auf Menschenrechtsfälle spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei auf. Er folgte der Linie Corbyns, das Referendum zu respektieren, und stimmte daher trotz seiner proeuropäischen Haltung dafür, die Regierung zu autorisieren, den Austrittsantrag zu stellen, was Premierministerin Theresa May im März 2017 tat. Starmer plädierte ab 2016 für ein zweites Referendum über den in Vorbereitung befindlichen Brexit-Vertrag und lehnte die Verträge ab, die May dem Unterhaus zur Abstimmung vorlegte. Entgegen der neutralen Haltung des Parteivorsitzenden Corbyn plädierte er für eine klare Positionierung Labours für einen EU-Verbleib. Er setzte sich für eine künftige Niederlassungsfreiheit ein und konzedierte, dass die Immigration ins UK zu hoch sei. Deshalb solle man die Niederlassungsfreiheit von Arbeitnehmern in der EU fundamental ändern.

Seit Kandidatur um den Parteivorsitz +Urwahl des Labour-Vorsitzenden 2020KandidatStimmenProzentKeir Starmer275.78056,2 %Rebecca Long-Bailey135.21827,6 %Lisa Nandy79.59716,2 % Am 4. Januar 2020 gab Starmer seine Kandidatur für den Vorsitz der Labour Party bekannt. Seine Gegenkandidatinnen waren Rebecca Long-Bailey und Lisa Nandy. Umfragen prognostizierten ihm gute Chancen, die Wahl zu gewinnen. mini|Starmer im britischen Unterhaus (2024) Starmer galt als Vertreter mittiger und pragmatischer politischer Standpunkte – im Gegensatz zum früheren Vorsitzenden Corbyn, der mit dem mittigen Kurs der Partei gebrochen hatte, und der Konkurrentin Long-Bailey, die den Kurs Corbyns fortsetzen wollte. Andere hielten Starmer für einen Vertreter der „soften Linken“, dem Flügel der Labour-Partei, der auch Ed Miliband, Angela Rayner und Sadiq Khan angehörten. Sein früherer Kollege Gavin Millar bezeichnete ihn als einen rotgrünen Politiker, eine Zuschreibung, die Starmer akzeptierte.

Starmer wurde in einer Direktwahl (Labour-Parteimitglieder und erklärte Labour-Sympathisanten waren wahlberechtigt) gewählt, die drei Monate dauerte. Rund 490.000 der 784.151 Abstimmungsberechtigten (62,5 %) stimmten ab. Am 4. April 2020 wurde Starmers Wahlsieg bekanntgegeben. Im März 2020 war wegen der weltweiten COVID-19-Pandemie in Großbritannien ein strenger Lockdown verhängt worden. Dadurch traten die Wahl und das Wahlergebnis in den Hintergrund. Starmer berief am 5. April 2020 sein Schattenkabinett. Er berief unter anderem den früheren Parteiführer Ed Miliband sowie beiden unterlegenen Kandidatinnen Long-Bailey und Nandy. Er berief Anneliese Dodds als Schatten-Schatzkanzlerin, die erste Frau in dieser Position. Um zu verhindern, dass die Labour-Partei je wieder von ihrem ganz linken Flügel gekapert werden könne, änderten Starmer und seine Unterstützer interne Wahl- und Verfahrensregeln. Der Einfluss der weit überwiegend linken Parteimitglieder auf Nominierungen für Gemeinderäte oder Parlamente wurde stark reduziert. Starmer entfernte nach und nach fast alle linken und halblinken Abgeordneten aus seinem Schattenkabinett.Unmittelbar nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden bat Starmer im Namen der Labour Party den Deputiertenausschuss britischer Juden (Board of Deputies of British Jews) um Entschuldigung für den Antisemitismus in seiner Partei.Grossbritannien. Neuer Labour-Chef entschuldigt sich. In: juedische-allgemeine.de, 5. April 2020. Starmer schloss Corbyn aus der Unterhausfraktion aus, nachdem dieser behauptet hatte, Antisemitismusvorwürfe gegen die Parteilinke seien aufgebauscht. Im Juni 2020 entließ Starmer Rebecca Long-Bailey wegen Antisemitismus-Vorwürfen aus seinem Schattenkabinett. Blitz-Umfragen auf YouGov zeigten, dass eine Mehrheit sowohl in der Bevölkerung als auch in der Labour-Partei Starmers Entscheidung begrüßte. Starmer berief Kate Green ins Schattenkabinett.

Als Oppositionsführer kritisierte Starmer wiederholt die konservative Regierung (Kabinett Boris Johnson II) für ihr Missmanagement in der COVID-19-Pandemie. Vor allem beklagte er zu geringe Mengen an COVID-Tests. Die Johnson-Regierung habe mehr versprochen.theguardian.com:

Diverse Wahlniederlagen bei den Regionalwahlen im Mai 2021 (u. a. in Hartlepool) wurden als Rückschlag und Verlust an Autorität für Starmer gewertet. Dieser nahm nach den Wahlen Änderungen in seinem Schattenkabinett vor. Er berief alte Blair-Vertraute in sein Schattenkabinett. Er wurde dafür kritisiert, die Interessen der Arbeiterklasse vernachlässigt zu haben. Stattdessen gab Starmer sich betont konservativ, indem er Margaret Thatcher pries, auf Parteitagen die Nationalhymne anstimmen ließ und eine starke Senkung der Einwandererzahlen forderte. Unter seiner Parteiführung wurden dutzende als links geltende Parteimitglieder an einer Kandidatur für regionale oder nationale Wahlen gehindert oder von einer Wiederwahl ausgeschlossen, weil sie u. a. mit Corbyn in Verbindung standen, Israel kritisierten, sich mit Streikenden solidarisierten oder die Ausbootung von Parteimitgliedern von Wahlen an sich kritisierten. Der Regisseur und Drehbuchautor Ken Loach, der unter der Führung Corbyns noch einen Ehrenplatz in der Partei gehabt hatte, wurde 2021 aus der Partei ausgeschlossen. Loach warf Starmer daraufhin vor, entgegen seinen Versprechen die Partei nicht einen, sondern den linken Parteiflügel vertreiben zu wollen; dies sei ihm bereits bei 120.000 ehemaligen Mitgliedern gelungen. Tatsächlich wuchs Labour während Corbyns Vorsitz auf rund 550.000 Mitglieder und zur größten Partei in Westeuropa an und verlor bis zum Jahr 2024 wieder mehr als 170.000 Mitglieder. Loach warf Starmer vor, er plane einen „Rückzug von linker Innenpolitik in den Bereichen des öffentlichen Eigentums, des Wohnungsbaus, des Sozialstaats und der Umwelt“ und wolle stattdessen zurück „zur Partei von Tony Blair“. mini|Starmer trifft EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2024

Seinen Plan, mit Investitionen in Höhe von 28 Milliarden Pfund jährlich eine grüne Transformation der Wirtschaft einzuleiten und umzusetzen, gab Starmer auf. Auch die zehn Versprechen, die er vor seiner Wahl zum Parteivorsitz im Jahr 2020 abgegeben hatte, darunter höhere Steuern für Spitzenverdiener, die Verstaatlichung von Post-, Energie- und Wasserunternehmen, ein Ende der Privatisierungen im Gesundheitssystem, die Abschaffung von Studiengebühren und eine Beteiligung an Kriegen nur im Fall einer absoluten Notwendigkeit, gab er mit der Begründung auf, der Krieg in der Ukraine, die COVID-Pandemie und die Haushaltspolitik der Torys hätten seine Spielräume verengt. Die Politikwissenschaftlerin Eunice Goes beschrieb 2021 seine Strategie als „ideologische Stille“ (ideological quietism): er versuche zu vermeiden, sich auf eine konkrete politische Agenda festzulegen und mit ideologischen Standpunkten in Verbindung gebracht zu werden. Dies tue er, um möglichst breite Wählerschichten anzusprechen und zu vereinen. Starmer plädierte im Jahr 2021 gegen Steuererhöhungen für Unternehmen und gegen die Unabhängigkeit Schottlands. Als Starmer im Zuge des im Jahr 2023 neu aufgeflammten Israel-Gaza-Kriegs Forderungen nach einem Waffenstillstand, die seine Labour-Partei in großen Teilen unterstützte, zurückwies, traten acht Mitglieder seines Schattenkabinetts aus Protest zurück.

Starmer schloss im Wahlkampf vor der britischen Unterhauswahl am 4. Juli 2024 eine Rückkehr des Vereinigten Königreiches in die Europäische Union aus.

Als britischer Premierminister mini|Starmer mit seiner Frau vor 10 Downing Street am 5. Juli 2024, dem Tag seines Amtsantritts mini|Starmer mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Dezember 2025

Am 5. Juli 2024 wurden Starmer als Premierminister und sein Kabinett vereidigt. Er hatte mit seiner Labour-Partei bei der britischen Unterhauswahl am 4. Juli 2024 einen Erdrutschsieg errungen und damit die 14-jährige Regierungszeit der Torys beendet. Im Wahlkampf war es Labour gelungen, die Unterstützung von 14 Zeitungen zu gewinnen, darunter auch wirtschaftsliberalen Blättern wie dem Economist und der Financial Times und rechtsgerichteten Blättern des Murdoch-Medienkonzerns wie der Sun und der Sunday Times.Full list: Which newspapers backed Labour? In: The Spectator, 4. Juli 2024; Wegen seiner Artikel und Werbeanzeigen in der Sun wurde Starmer in Liverpool auch innerhalb seiner Partei kritisiert, da die Zeitung in Liverpool teils boykottiert wird, seit sie 1989 mit Falschbehauptungen zur Hillsborough-Katastrophe die Fans aus Liverpool für die Toten verantwortlich machte.