Stubenberg (inoffiziell auch Stubenberg am See) ist eine Gemeinde in der Oststeiermark (Österreich), die im oberen Feistritztal unterhalb des Kulms liegt. Sie hat Einwohner (Stand ) und gehört zum Gerichtsbezirk Fürstenfeld sowie zum politischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld.
Der im 12. Jahrhundert entstandene Ort ist bekannt für das Bundessportzentrum Schloss Schielleiten sowie den 1971 fertiggestellten 40 ha großen Stubenbergsee, der durch das Wasser der Feistritz gespeist und als Naherholungsgebiet für Graz und Wien genutzt wird. Touristisch ist Stubenberg eine Station der Schlösserstraße (Schloss Stubenberg, Schloss Herberstein mit Zoo Tierwelt Herberstein, Altschielleiten, Burg Neuhaus), der Steirischen Apfelstraße sowie der Steirischen Weinstraße und der Oststeirischen Römerweinstraße. Es gehört zur Kleinregion „Herzland–Herberstein–Stubenbergsee“.
Geografie Stubenberg liegt im Tal der Feistritz in den südöstlichen Ausläufern der Fischbacher Alpen am Fuße seines Hausberges, des Kulms (). Das Gemeindegebiet liegt auf einer Seehöhe von 386 bis Stubenberg liegt im Stubenberger Becken, das eine Länge von zwei Kilometern und eine Breite von einem Kilometer aufweist, und in nord-südlicher Richtung ausgelegt ist. Im Westen wird es vom Kulm (), im Norden vom Rabenwald (), im Osten von tertiären Riedeln und im Süden vom Buchberg () begrenzt. Nicht weniger als sieben Bäche fließen hier zusammen: Mühlbach, Zinkbach, Zeilbach, Schmidbach, Rossbach, Mühlbach und die Feistritz.7-Bacherl-Weg, abgerufen am 27. Dezember 2019.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet setzt sich aus fünf Katastralgemeinden bzw. gleichnamigen Ortschaften zusammen (Bevölkerung am nach Ortschaften; Fläche Stand ): Buchberg (), Buchberg bei Herberstein ( Einwohner) mit Herberstein, Hüttenbüchel und Kagl Freienberg (, Ew.) mit Auerberg, Freienbergdörfl, Kulm und Sonnleiten Stubenberg (), Stubenberg am See ( Ew.) mit Ebene, Eck, Hausberg, Klamm, Rubland, Schmiedviertel, Schwemmbauer und Winkelhöf Vockenberg (, Ew.) Zeil-Stubenberg (), Zeil bei Stubenberg ( Ew.) mit Birkensiedlung und Mittelzeilsiedlung
Nachbargemeinden
Geologie Das in N-S-Richtung liegende Stubenberger Becken mit einer Länge von 2 km und einer Breite von 1 km wird im Westen vom Kulm, im Norden vom Rabenwald und im Süden vom Buchberg begrenzt.Gottfried Allmer: Stubenberg am See. Größte Vielfalt auf kleinstem Raum in der Oststeiermark. Mit Beiträgen von Wolfgang Artner, Karl Friesenbichler, Bernhard Hebert und Franz Lang. Gleisdorf 1997, S. 10. Der 1986 aufgelassene „Granitsteinbruch Stubenberg“ in der Freienberger Klamm, in dem schon vor 1821 Granit gebrochen wurde,Gottfried Allmer: Stubenberg am See. Größte Vielfalt auf kleinstem Raum in der Oststeiermark. Mit Beiträgen von Wolfgang Artner, Karl Friesenbichler, Bernhard Hebert und Franz Lang. Gleisdorf 1997, S. 330 f. gilt als Fundort der Mineralien Korund, Spinell, Zoisit und Baddeleyit.
Klima Die Gemeinde befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Durch seine Lage südöstlich der Alpen ist Stubenberg von den vorherrschenden Westwinden, die Wetterfronten vom Nordatlantik nach Nordwest- und Mitteleuropa bringen, weitgehend abgeschirmt. Stubenberg liegt am Rande des pannonischen Klimas und wird dem Alpinen Vorlandklima (S. Morawetz) zugeordnet, wobei Stubenberg selbst ein Berginselklima mit kurzen relativ milden Wintern aufweisen soll. Die Hagelhäufigkeit liegt bei 240 Hagelfällen in 100 Jahren (zum Vergleich: am Schöckl 480 Hagefälle in 100 Jahren).Gottfried Allmer: Stubenberg am See. Größte Vielfalt auf kleinstem Raum in der Oststeiermark. Mit Beiträgen von Wolfgang Artner, Karl Friesenbichler, Bernhard Hebert und Franz Lang. Gleisdorf 1997, S. 13.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 7,8 °C und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 844 Millimeter. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17,9 °C und der kälteste der Januar mit −3,2 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juli mit 117 Millimeter im Durchschnitt, der wenigste im Januar mit 34 Millimeter im Mittel.
Flora und Fauna An den nordwärts geneigten Hängen dehnen sich größere Laubmischwälder und Fichtenforste aus, während in den Südlagen auf flachgründigen Böden über Gneis überwiegen Föhren-Stieleichenwälder verbreitet sind, in denen regelmäßig die Edelkastanie (Castanea sativa) anzutreffen ist.Willibald Maurer, Karl Mecenovic, Helga Pittoni-Dannenfeldt: Die Flora von Pischelsdorf und Stubenberg (Steiermark, Österreich). In: Mitteilungen der Abteilung Botanik am Landesmuseum Joanneum. Heft 47/6, Graz 1975, S. 6 (). Für eine Edelkastanie mit neun Meter Stammumfang wird ein Alter von 1200 Jahren angegeben.
Geschichte mini|Römerzeitliche Grabhügel, 2012 Vor- und Frühgeschichte Antike Spuren sind bisher nur wenige bekannt, vor allem Römersteine aus Freienberg, beim Bachbauer, in Schloss Herberstein und an der benachbarten Pfarrkirche St. Johann bei Herberstein. Ein Römerstein aus dem Pfarrhof Stubenberg mit der Darstellung „Leda mit Schwan“ befindet sich heute im Lapidarium Graz-Eggenberg.Gottfried Allmer: Zur Siedlungsgeschichte des Stubenberger Beckens, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Jahrgang 79, Graz 1988, S. 27–64, hier S. 27 f. (historischerverein-stmk.at). Auf dem Gebiet Stubenbergs wurden in jüngerer Zeit römische Grabhügel freigelegt.Ulla Steinklauber, Manfred Hainzmann u. a.: Untersuchung und Konservierung eines provinzialrömischen Grabhügels in Stubenberg (Steiermark), in: Fundberichte aus Österreich. Bd. 42, 2003, S. 423–442.
Mittelalterliche Geschichte Otto von Stubenberg ließ um 1160 eine Burg auf dem Kögerl über Stubenberg errichten. Er stammte aus der Grafschaft Pitten. Sein Vater war Wulfing von Prosset (auch Wuluinch de Brozzeth) aus der Gegend der Prosset-Schlucht bzw. der Neuen Welt westlich von Wiener Neustadt. Das „Castrum Prozath“ wird in der aktuellen Forschung auf dem Gebiet der heutigen Schafflersiedlung in Winzendorf am Rande des Steinfelds lokalisiert.Ronald Woldron: Prosset. In: Wehrbauten und Adelssitze in Niederösterreich. Das Viertel unter dem Wienerwald. Band 4. Hrsg.: Institut für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten (in Vorbereitung). Ottos zweiter Sohn Ulrich fiel als Teilnehmer des Kreuzzugs von Damiette im Jahr 1218 bei Damiette.
Ein Otto Capellanus de Stubenberch wird erstmals im Jahr 1217 in der Liste der Zeugen einer Stubenberger Urkunde erwähnt.StUB 2, S. 222, Nr. 149.Gottfried Allmer: Stubenberg am See. Größte Vielfalt auf kleinstem Raum in der Oststeiermark. Mit Beiträgen von Wolfgang Artner, Karl Friesenbichler, Bernhard Hebert und Franz Lang. Gleisdorf 1997, S. 131.
Als Maßnahme gegen den Aufstand 1269 ließ Ottokar II. Přemysl die Burg Stubenberg zusammen mit zahlreichen anderen Burgen in der Steiermark zerstören.
Für das Jahr 1396 werden 42 Bauern im Bereich der Gemeinde Stubenberg namentlich aufgeführt.Gottfried Allmer: Stubenberg am See. Größte Vielfalt auf kleinstem Raum in der Oststeiermark. Mit Beiträgen von Wolfgang Artner, Karl Friesenbichler, Bernhard Hebert und Franz Lang. Gleisdorf 1997, S. 42.
Im Rahmen der Baumkircher Fehde wurden Stubenberg und Haßbach im Jahr 1470 von kaiserlichen Truppen erstürmt und im Jahr 1474 geschleift.
Neuere Geschichte mini|hochkant|Straßenszene vor der Pfarrkirche, 1898 Am 25. Juni 1893 wurde unter der Leitung des Oberlehrer Johann Gartler die Freiwillige Feuerwehr Stubenberg gegründet.Die Geschichte der Feuerwehr Stubenberg, abgerufen am 25. Dezember 2019.Gottfried Heidenbauer, Gottfried Allmer: 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Stubenberg am See: 1893–1993. Weiz 1993.
Mit Gründung der Feistritzwerke im Jahr 1905 begann die Einrichtung eines Kraftwerkes in der Stubenbergklamm und der systematische Ausbau der Stromversorgung im Ort.Gemeinde-Nachrichten 27/4 vom November 2019, S. 2. Das Wasserkraftwerk in der Klamm ist zumindest seit 2006 als Schaukraftwerk für Besichtigungen zugänglich.Schaukraftwerk Stubenbergklamm auf Google Maps
Die Einwohnerzahl für 1934 wird mit 549 und für 1939 mit 523 Einwohnern angegeben.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Schloss Schielleiten in Stubenberg als Gauschule (Sport) verwendet.
Am 26. Juni 1940 müssen in Stubenberg SS, NSRKB, Hitlerjugend und BDM vor dem Ortsgruppenleiter Johann Postl Sprechchöre aufsagen.Wolfgang Brossmann: Die Zeit der Feste im nationalsozialistischen Kreis Hartberg (Aichbergiana. Handreiche zum geschichtlichen Alltag, Heft 7). Eichberg 2009, S. 276. ISBN 978-3-200-01654-5.
Am 1. November 1944 warfen zwischen 12 und 13 Uhr aus Richtung Pöllau kommende, in einen Luftkampf mit deutschen Jägern verwickelte Flugzeuge auf Zeil-Stubenberg 31 mittelschwere Bomben. Dabei werden drei Gebäude schwer, drei mittelschwer und drei leicht beschädigt.Walter Brunner: Der Luftkrieg in der Steiermark. 1941–1945. Luftschutz und Luftkrieg in der Steiermark. Luftschutzmaßnahmen außerhalb der Landeshauptstadt, in: Mitteilungen des steiermärkischen Landesarchives 38 (1988), S. 93. Am 20. März 1945 wurden zwischen 15 und 16 Uhr aus einer amerikanischen Staffel mit fünf Bombern, die aus Richtung Rabenwald-Pöllau anflog, zwei mittelschwere Bomben auf Stubenberg geworfen. Es entstand leichter Gebäude- und umfangreicher Glas- und Dachschaden an einigen Objekten.Walter Brunner: Der Luftkrieg in der Steiermark. 1941–1945. Luftschutz und Luftkrieg in der Steiermark. Luftschutzmaßnahmen außerhalb der Landeshauptstadt, in: Mitteilungen des steiermärkischen Landesarchives 38 (1988), S. 131.
Im Jahr 1971 wurde der See in Stubenberg eröffnet. Der 40 ha große See, der sich von Norden nach Süden über etwa 1000 m und von Westen nach Osten über etwa 420 m erstreckt, wurde zwischen 1968 und 1971 angelegt und durch das Wasser der Feistritz gespeist.
Vom 7. bis 9. November 1977 fand im Parkhotel in Stubenberg am See ein internationales Symposium zum „Gesundheitswesen im ländlichen Raum“ statt.Ernst Scheiber: Thema: Gesundheitswesen im ländlichen Raum: [Symposium] ; vom 7. bis 9. Nov. 1977 im Parkhotel Stubenberg in Stubenberg am See, Steiermark. Wien 1977.
Vom 10. bis 13. Oktober 1985 fand die 16. Tierärztetagung in Stubenberg am See statt.
Vom 3. Mai bis 26. Oktober 1986 fand in Schloß Herberstein bei Stubenberg die Landesausstellung „Die Steiermark: Brücke und Bollwerk“ statt.Gerhard Pferschy, Peter Krenn: Die Steiermark: Brücke und Bollwerk; Katalog der Landesausstellung (= Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives 16). Leykam, Graz 1986.
Im Jahr 2003 stürzte der FPÖ-Politiker Norbert Hofer mit einem Paragleiter in Stubenberg am See in der Steiermark ab und zog sich schwere Wirbelsäulenverletzungen zu.
Vom 15. bis 18. Mai 2017 fand in Stubenberg das Seminar „Bauunternehmensführung“ statt.Gottfried Mauerhofer, Michael Kraninger: Seminarreihe Bauunternehmensführung. Stubenberg/See 2017. Graz: Verlag der Technischen Universität Graz 2017. ISBN 978-3-85125-562-1
Am 24. Oktober 2019 wurde eine der größten Infrastrukturmaßnahmen der letzten Jahre in Stubenberg begonnen. Bis 2025 werden für 4,2 Mio. Euro über 100 km Glasfaserkabel auf dem Gemeindegebiet verlegt.Gemeinde-Nachrichten 27/4 vom November 2019, S. 2.
Im Frühjahr 2021 geriet Stubenberg im Rahmen der Covid-19-Pandemie in die österreichweiten Schlagzeilen, weil sich der Bürgermeister Alexander Allmer (ÖVP) entgegen den vom Gesundheitsministerium vorgegebenen Prioritätenreihungen hatte impfen lassen,Gemeinde Stubenberg: Gemeindevorstand, abgerufen am 27. Mai 2015„Impfvordrängler“ nun auch in der Steiermark. In: ORF Steiermark, abgerufen am 20. Jänner 2021Mehr als 20 Bürgermeister haben sich bereits „vorgedrängt“. In: Kleine Zeitung vom 22. Jänner 2021, eingesehen am 22. Jänner 2021. worüber sich Regierungsmitglieder empört zeigten.Patrick Pleul: Regierung über Bürgermeister als „Impf-Drängler“ empört. In: Die Presse vom 20. Jänner 2021, eingesehen am 22. Jänner 2021.