mini|hochkant=1.5|Tempel der Loge Carl zur gekrönten Säule Carl zur gekrönten Säule (CzgS) ist eine Freimaurerloge in Braunschweig. Sie wurde am 12. Februar 1744 als Loge Jonathan gegründet und 1802 in Carl zur gekrönten Säule umbenannt.Friedrich Knoll: Braunschweig und Umgebung: historisch-topographisches Handbuch und Führer durch die Baudenkmäler und Kunstschätze der Stadt. 1881, S. 144.
Carl zur gekrönten Säule ist eine der ältesten bestehenden Logen in Deutschland und die älteste in Niedersachsen. Sie gehört der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.) an und hat die Matrikelnummer 15. Das „Haus der Bruderschaft“ befindet sich am Löwenwall 9 und beherbergt ebenfalls die zwei Logen Zum Neuen TempelWebsite der Loge „Zum Neuen Tempel“ und Friedrich zur Beständigkeit.Website der Loge „Friedrich zur Beständigkeit“ (Loge seit 2020 geschlossen)
Geschichte Seit 1743 hatten in Braunschweig bereits drei Logen bestanden. Die Loge Jonathan, Vorläuferin von Carl zur gekrönten Säule, wurde am 12. Februar 1744 in der Regierungszeit Welfen-Herzog Karls I. von Braunschweig-Wolfenbüttel gegründet. Erst sieben Jahre zuvor war die erste Freimaurerloge auf deutschem Boden in Hamburg gegründet worden. In Anerkennung des Förderers der Freimaurerei, Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, erfolgte 1802 die Umbenennung Jonathans in Carl zur gekrönten Säule.
Drei Fürsten des Braunschweiger Hofes waren führende Logenmitglieder: Prinz Albrecht Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel und Herzog Leopold von Braunschweig-Wolfenbüttel. Ferdinand war Großmeister sämtlicher norddeutscher Logen.Friedrich Knoll: Braunschweig und Umgebung. Historisch-topographisches Handbuch und Führer durch die Baudenkmäler und Kunstschätze der Stadt. 2. Aufl., Goeritz, Braunschweig 1881, S. 144.
Bei seinem Besuch in Braunschweig besuchte Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach am 27. August 1784 zusammen mit Johann Wolfgang von Goethe, Mitglied der in Weimar beheimateten Loge Anna Amalia zu den drei Rosen, die Loge Jonathan.Franz Heinrich August Lachmann: Geschichte der Freimaurerei in Braunschweig von 1744 bis Neujahr 1844., S. 105.
1933 bis 1945 Am 2. Juli 1935 trafen sich die in Braunschweig ansässigen Logen Carl zur gekrönten Säule und Friedrich zur Einheit – bereits unter Aufsicht eines Vertreters der politischen Polizei – ein letztes Mal im Logenhaus Leopoldstraße 29. Die Logen Zum Neuen Tempel und Dankward zum rauhen Stein schlossen ihr Logenhaus am Fallersleber-Tor-Wall 8 am 20. Juli des Jahres. Nach der Schließung der Logenhäuser wurden die Logen vom NS-Regime enteignet. SA-Angehörige drangen in die Häuser ein, wobei sie das Inventar stahlen oder zerstörten.Braunschweiger Freimaurerlogen (Hrsg.): Braunschweiger Freimaurer. Die Geschichte und das heutige Wirken der Freimaurer in Braunschweig. S. 45. Am 17. August 1935 ordnete NSDAP-Innenminister Wilhelm Frick das Verbot der Freimaurerei in Deutschland an und ließ das Eigentum der Logen beschlagnahmen.
1990, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde ein großer Teil der gestohlenen Logen-Dokumente in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wiedergefunden. Die Unterlagen waren 1935 von der Geheimen Staatspolizei beschlagnahmt und an einem unbekannten Ort eingelagert worden. Durch die Kriegswirren kamen die Dokumente nach Moskau, von wo aus sie 1965 an die Regierung der DDR übergeben wurden. Dort lagerten sie zuletzt im Deutschen Zentralarchiv in Merseburg. Im Frühjahr 1993 wurde sämtliche Unterlagen an das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem übergeben, wo sie verbleiben sollen.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 62.
Neubeginn nach Kriegsende Unmittelbar nach Übergabe der Stadt Braunschweig am 12. April 1945 unterstand Braunschweig zunächst der amerikanischen Militärverwaltung. Wenige Wochen darauf gehörten Stadt und Land Braunschweig zur britischen Besatzungszone. Da ein allgemeines Versammlungsverbot galt, konnten die verbliebenen Angehörigen der verschiedenen Braunschweiger Logen nicht zusammentreten. Dies war erst nach einer Lockerung der Vorschriften möglich. Noch 1945 schlossen sich die vier Logen der Stadt zur Vereinigten Braunschweiger Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule zusammen und erhielten von der britischen Militärverwaltung am 15. Oktober 1945 die Erlaubnis wieder zusammentreten zu dürfen – allerdings war jegliche Ritual- und Tempelarbeit bis 1947 untersagt. Da das alte Logenhaus in der Leopoldstraße 29 zerstört und das Logenhaus Löwenwall 9 stark beschädigt war, wich die Loge in Räumlichkeiten des Corps Teutonia-Hercynia aus.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 59. Erst am 14. Juni 1953 konnte das wieder in Stand gesetzte Haus am Löwenwall bezogen werden. In der Folge löste sich der den Nachkriegsumständen geschuldete Zusammenschluss der Logen nach und nach wieder auf, sodass heute jede ihren eigenen Weg verfolgt.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 60.
Stiftungen Im Laufe der Jahrhunderte gingen aus der Arbeit der Loge bzw. auf Initiative ihrer Mitglieder eine Vielzahl verschiedener mildtätiger Stiftungen hervor, von denen einige noch heute bestehen.
1806 richtete die Loge ein „Witwen- und Waiseninstitut“ ein, das die Witwen und minderjährigen Kinder verstorbener Logenmitglieder beherbergte. 1824 gründete das Logenmitglied David Mansfeld zusammen mit anderen Braunschweiger Bürgern eine Speiseanstalt für bedürftige Rekonvaleszenten und Wöchnerinnen. 1828 beteiligte er sich an der Gründung des örtlichen Taubstummeninstituts, 1833 schließlich gründete Mansfeld zusammen mit Amalie Löbbecke die „Pflegeanstalt für dürftige Kinder“, aus der die noch heute bestehende Mansfeld-Löbbecke-Stiftung von 1833 hervorging.Norman-Mathias Pingel: Mansfeld, David Magnus, Dr. In:
1836 entstand eine Handwerker-Zeichenschule, aus der über mehrere Zwischenstufen schließlich die Keimzelle der heutigen Hochschule für Bildende Künste Braunschweig wurde.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 63. 1881 wurde eine Stipendiatenstiftung für bedürftige Studenten eingerichtet, die dann in eine Unterstützung einer Knabenbewahranstalt umgewandelt wurde, die ab 1885 „Herzog-Leopold-Stiftung“ hieß. 1851 entstand die „Schwesternhilfe“, deren Ziel die finanzielle Unterstützung verwaister Töchter von Logenmitgliedern war. 1894, zum 150. Gründungsjubiläum der Loge, wurde die „Jubiläumsstiftung“ ins Leben gerufen, die bedürftige Freimaurer-Witwen unterstützte. Das Vermögen der diversen Logen-initiierten Stiftungen stieg beständig, wurde aber durch die Weltwirtschaftskrise, Ende der 1920er Jahre, vollständig vernichtet.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 64.
Am 21. November 1993 gründeten einige Mitglieder und Freunde der Loge Carl zur gekrönten Säule die „Stiftung Einsatzopfer“. Ziel der Stiftung ist es, Angehörigen von Polizei und Feuerwehr, die im Rahmen ihres dienstlichen Einsatzes einen körperlichen oder seelischen Schaden erlitten haben und dadurch bedürftig geworden sind, Unterstützung zu gewähren.„Den Menschen in Not verpflichtet“ auf neue-braunschweiger.de vom 13. April 2014Stiftung hilft Einsatzopfern und Weißem Ring In: Braunschweiger Zeitung vom 22. Juni 2006 (Paywall)
Logenhäuser Leopoldstraße 29 mini|hochkant=1.2|1907: Das Logenhaus Leopoldstraße 29 und die zwei Denkmäler im Garten, für Leopold von Braunschweig-Wolfenbüttel links und Ernst Sigismund von Lestwitz rechts. In welchem Gebäude die Loge Jonathan 1744 gegründet wurde, ist unbekannt. Vermutet wird jedoch, dass es in der Wilhelmstraße 96 war.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 69. Die Loge zog in den folgenden Jahrzehnten mehrfach um. Ca. 1772 ließ der Kabinettssekretär Friedrich Karl von Liebeherr, einer der führenden Freimaurer der Stadt, für sich Auf dem Bruche (Assekuranznummer 342) ein großes Haus errichten. Der Bauherr verstarb aber noch vor Fertigstellung des Gebäudes. Seine Witwe verkaufte es anschließend an die Schottenloge Zu den neun Sternen.Mechthild Wiswe: Freimaurer in ihrer Zeit. S. 40. 1845 wurde die Straße Auf dem Bruche zu Ehren des Welfen-Herzogs Leopold von Braunschweig-Wolfenbüttel in Leopoldstraße umbenannt.Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten. Band 1: Innenstadt. Elm-Verlag, Cremlingen 1995, ISBN 3-927060-11-9, S. 294. Die neue Hausnummer war nun 29.Albert Sattler: Kleiner Führer durch Braunschweig. 4. Aufl., Braunschweig 1914, S. 19. Im selben Gebäude residierte später auch der 1818 gegründete kaufmännische Verein Union.Braunschweigisches Adreßbuch für das Jahr 1936. Joh. Heinr. Meyer, Braunschweig 1936, S. 156.
Zunächst wurden lediglich die Räumlichkeiten im Obergeschoss des Hauses durch die Loge genutzt, aber im Laufe der Zeit wurde mehr Platz für die Logentätigkeiten benötigt, sodass 1874 ein größerer Erweiterungsbau hinzukam. Dieser Gebäudekomplex wurde bis 1935 genutzt, als die Freimaurerlogen von den Nationalsozialisten zwangsweise aufgelöst wurden.
Durch alliierte Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde das Logenhaus Leopoldstraße 29 zerstört. Es existiert heute nicht mehr.Klaus-Michael von Swiontek: 250 Jahre Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule 1744–1994. S. 71.
Logenwappen mini|2019: Logenwappen am ehemaligen Logenhauses Leopoldstraße 29 Am heutigen Haus Leopoldstraße 29 ist als einziges Relikt aus alter Zeit über dem Haupteingang ein beschädigtes und stark vernachlässigtes Wappen zu sehen, das 1774 vom Herzog verliehen wurde. Die ursprünglich farbige Fassung ist nicht mehr vorhanden. Zwei herzogliche Löwen rechts und links, jeweils seitwärts nach außen blickend, halten, aufrecht auf den Hinterläufen auf einem Spruchband stehend, den Wappenschild. Dieser ist zweigeteilt: Links ist ein großes (Andreas-)Kreuz, ehemals rot auf silbernem Feld der Andreasloge, der Strikten Observanz, zu erkennen, rechts ein Dreieck aus neun ehemals goldenen Sternen (nach der Schottenloge „Zu den neun Sternen“). Über dem Schild ist durch eine deutliche Farbveränderung eine Fehlstelle sichtbar, dort befand sich früher die Herzogskrone. Auf dem Spruchband sind die drei Buchstaben L V C in Gold zu sehen, sie stehen für den Logen-Wahlspruch „“ (Arbeit ziemt dem Mann).Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. Band 1, Brockhaus, Leipzig 1863, S. 130.
Löwenwall 9 mini|Eingang Löwenwall 9. Im Türgiebel: Zirkel und Winkelmaß.