Der Große Preis von Kanada 1999 (offiziell XXXVII Grand Prix Air Canada) fand am 13. Juni auf dem Circuit Gilles-Villeneuve in Montreal statt und war das sechste Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1999.

Bericht Hintergrund Nach dem Großen Preis von Spanien führte Michael Schumacher in der Fahrerwertung mit sechs Punkten vor Mika Häkkinen und mit neun Punkten vor Eddie Irvine. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit 15 Punkten vor McLaren und mit 35 Punkten vor Jordan.

Der Fahrer des Safety-Cars, Oliver Gavin, lieh sich einen Helm von Alexander Wurz aus.

Vor dem Rennwochenende gab es einen Fahrerwechsel: Der für die Saison 1999 nominierte Einsatzfahrer Ricardo Zonta reiste mit vier gerissenen Sehnen im Fuß zu dem Großen Preis an. In den vorherigen drei Rennen wurde er von Mika Salo vertreten.

Mit Michael Schumacher (dreimal), Jean Alesi und Damon Hill (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Freitagstraining Mit einer Zeit von 1:20,576 Minuten holte sich Irvine die Bestzeit vor David Coulthard, Michael Schumacher, Alesi, Giancarlo Fisichella, Zonta und auf Platz sieben mit einem Rückstand von 1,3 Sekunden Häkkinen. Der langsamste Fahrer, Pedro Diniz, lag rund vier Sekunden hinter der schnellsten Zeit.

Samstagstraining Michael Schumacher erzielte mit 1:19,281 Minuten die beste Trainingszeit vor Coulthard, Häkkinen, Irvine, Heinz-Harald Frentzen und Fisichella. Der langsamste Fahrer, Luca Badoer, lag rund dreieinhalb Sekunden hinter der schnellsten Zeit.

Qualifying Erstmals in dieser Saison holte sich nicht Häkkinen die Pole-Position, da er sich um 29 Tausendstel Michael Schumacher geschlagen geben musste. Dahinter folgten Irvine, Coulthard, Rubens Barrichello und Frentzen. Der langsamste Fahrer, Marc Gené, lag rund vier Sekunden hinter der schnellsten Zeit.

Warm-Up Im Warm-Up vor dem Rennen holte sich Coulthard mit 1:20,614 Minuten die Bestzeit vor Barrichello, Johnny Herbert, Häkkinen, Fisichella, Irvine und Michael Schumacher auf Platz sieben. Der langsamste Fahrer, Gené, lag rund fünfeinhalb Sekunden hinter der schnellsten Zeit.

Rennen

Michael Schumacher zog nach dem Start aggressiv vor Häkkinen, um dem Finnen keine Möglichkeit zum Überholen zu bieten. Vor Kurve eins musste Jarno Trulli auf das Gras ausweichen, daraufhin brach sein Heck aus und traf Alesi sowie seitlich Barrichello. Durch das Chaos und die vielen Teile auf der Strecke musste das Safety-Car erstmals auf die Strecke geschickt werden. Alesi und Trulli mussten durch den Unfall das Rennen beenden, Barrichello schaffte es an die Box zurück, wo der Wagen lange repariert wurde. Unter anderem wurde der linke seitliche Kühler mit Klebeband fixiert. Nach den Arbeiten kam Barrichello mit zwei Runden Rückstand wieder ins Rennen. Währenddessen rollte Wurz in der Boxengasse aus, da die Antriebswelle gebrochen war. Mit der zweiten Runde wurde das Rennen wieder freigegeben, Häkkinen und Irvine verpassten den richtigen Zeitpunkt und Michael Schumacher konnte einen Vorsprung herausfahren. Nach der dritten Runde führte Michael Schumacher eineinhalb Sekunden vor Häkkinen, dahinter folgten Irvine, Coulthard, Fisichella und Frentzen.

In der letzten Kurve verpasste Zonta den Scheitelpunkt; daraufhin brach ihm das Heck aus und sein Auto schlug mit dem rechten Hinterrad in die Mauer ein. Durch die schwierige Bergung des Wagens musste das Safety-Car zum zweiten Mal auf die Strecke geschickt werden. In Runde sieben wurde das Rennen erneut freigegeben. Wie beim ersten Neustart verpasste Häkkinen den richtigen Zeitpunkt und Michael Schumacher konnte wieder einen Vorsprung herausfahren. Nach Runde 15 führte der Deutsche 2,7 Sekunden vor Häkkinen beziehungsweise 7,5 Sekunden vor dem Dritten Irvine. In derselben Kurve wie Zonta schlug in der 15. Runde Hill in die Mauer; allerdings wurde der Wagen auf der Strecke gelassen, da Hill weit genug von der Ideallinie wegrollen konnte. Für mehrere Runden wurde die Ölflagge, eine rot-gelb gestreifte Fahne, geschwenkt.

In Runde 29 schließlich setzte mit Michael Schumacher, in Führung liegend, der dritte Fahrer seinen Wagen in die letzte Kurve in die Mauer. Bei der Einfahrt in die Kurve brach dem Deutschen das Heck weg und beim Korrigieren rutschte der Wagen zu weit nach außen. Durch eine zügige Bergung mit einem Kran musste das Safety-Car nicht ausrücken. Auf die Frage, was passierte, antwortete Michael Schumacher nur folgendermaßen:

Jacques Villeneuve setzte in Runde 35 das fort, was Zonta, Hill und Michael Schumacher widerfahren ist: Er verlor seinen Wagen in der letzten Kurve; anders als bei den davor genannten Fahrern untersteuerte Villeneuves Fahrzeug und schlug frontal in die Wand ein. Diesmal wurde das Safety-Car zum dritten Mal auf die Strecke geschickt. Häkkinen, Irvine und Ralf Schumacher konnten rechtzeitig reagieren und suchten die Boxengasse zu einem Stop auf. Bei Irvine jedoch hatte man Probleme beim Tanken und verlor viele Sekunden. Coulthard suchte erst eine Runde später die Boxengasse auf und musste sich so im Starterfeld weiter hinten einreihen.

In Runde 40 wurde das Rennen wieder freigegeben. Häkkinen konnte die Führung behalten, Coulthard versuchte außen an Irvine vorbeizugehen, traf jedoch Irvines Heck und schlitterte ins Gras während Irvine sich drehte. Dafür erhielt Coulthard sechs Runden später eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe. Dieselbe Strafe bekamen Olivier Panis, Alessandro Zanardi und Badoer, da sie Fisichella und Frentzen beim Überrunden blockierten. In Runde 65 erlitt Frentzen auf Platz zwei liegend einen Defekt der vorderen rechten Bremsen und schlitterte rückwärts in Kurve vier in die Mauer. Das Safety-Car wurde nun zum vierten Mal auf die Strecke geschickt, da Frentzen anfänglich nicht alleine aussteigen konnte. Durch die späte Safety-Car-Phase wurde das Rennen erstmals in der Formel-1-Geschichte hinter dem Safety-Car beendet und so gewann Häkkinen vor Fisichella und Irvine das Rennen. Ralf Schumacher, Herbert und Pedro Diniz belegten die restlichen Punkteränge. Die Siegertrophäe an Häkkinen wurde von Lucien Bouchard, dem Premierminister der kanadischen Provinz Québec, überreicht.

Irvine sicherte sich mit 1:20,382 Minuten die schnellste Runde.

In der Fahrerwertung übernahm Häkkinen die Führung vor Michael Schumacher und Irvine. In der Konstrukteurswertung blieben die ersten drei Positionen unverändert.

Nach dem Rennen Da mit Hill, Michael Schumacher und Villeneuve drei ehemalige Formel-1-Weltmeister sowie mit Zonta der amtierende Titelträger der FIA-GT-Meisterschaft in der letzten Schikane einen Unfall bauten, wurde diese fortan unter dem Namen „Wall of Champions“ berühmt.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren MP4/14 Mercedes-Benz 3.0 V10 2 3 Ferrari F399 Ferrari 3.0 V10 4 5 Williams FW21 Supertec 3.0 V10 6 7 Jordan 199 Mugen-Honda 3.0 V10 8 9 Benetton B199 Playlife 3.0 V10 10 11 Sauber C18 Petronas 3.0 V10 12 14 Arrows A20 Arrows 3.0 V10 15 16 Stewart SF3 Ford Cosworth 3.0 V10 17 18 Prost AP02 Peugeot 3.0 V10 19 20 Minardi M01 Ford 3.0 V10 21 22 BAR 01 Supertec 3.0 V10 23

Klassifikation Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Start 1 1:19,298 1 2 1:19,327 2 3 1:19,440 3 4 1:19,729 4 5 1:19,930 5 6 1:20,158 6 7 1:20,378 7 8 1:20,459 8 9 1:20,557 9 10 1:20,829 10 11 1:21,000 11 12 1:21,076 12 13 1:21,081 13 14 1:21,094 14 15 1:21,252 15 16 1:21,302 16 17 1:21,467 17 18 1:21,571 18 19 1:21,693 19 20 1:22,613 20 21 1:22,808 21 22 1:23,387 22 107-Prozent-Zeit: 1:24,849 min (bezogen auf die Bestzeit von 1:19,298 min)

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 69 1 1:41:35,727 2 1:21,047 (28.) 2 69 1 + 0,782 7 1:21,345 (65.) 3 69 1 + 1,797 3 1:20,382 (62.) 4 69 1 + 2,392 13 1:22,002 (28.) 5 69 2 + 2,805 10 1:22,078 (64.) 6 69 1 + 3,711 18 1:21,864 (63.) 7 69 3 + 5,004 4 1:20,961 (35.) 8 68 1 + 1 Runde 22 1:22,888 (60.) 9 68 2 + 1 Runde 15 1:22,100 (57.) 10 67 2 + 2 Runden 21 1:23,394 (32.) 11 65 1 DNF 6 1:21,284 (65.) – 50 2 DNF 12 1:23,442 (27.) – 41 1 DNF 19 1:22,792 (26.) – 34 0 DNF 16 1:22,283 (29.) – 29 0 DNF 1 1:20,709 (28.) – 22 0 DNF 20 1:23,280 (19.) – 14 0 DNF 14 1:23,953 (12.) – 14 1 DNF 5 1:23,785 (11.) – 2 0 DNF 17 2:03,038 (2.) – 0 0 DNF 8 – – 0 0 DNF 9 – – 0 0 DNF 11 –

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 10, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e).

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 McLaren-Mercedes 34 2 Ferrari 30 3 Ferrari 25 4 Jordan-Mugen-Honda 13 5 Benetton-Playlife 13 6 McLaren-Mercedes 12 7 Williams-Supertec 12 8 Stewart-Ford 6 9 Jordan-Mugen-Honda 3 10 Stewart-Ford 2 11 Benetton-Playlife 1 12 Prost-Peugeot 1 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 13 Prost-Peugeot 1 14 Arrows 1 15 Sauber-Petronas 1 16 Sauber-Petronas 1 17 Arrows 0 18 BAR-Supertec 0 19 Minardi-Ford 0 20 Minardi-Ford 0 21 Williams-Supertec 0 – BAR-Supertec 0 – BAR-Supertec 0 – Minardi-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 55 2 46 3 16 4 14 5 12 6 8 Pos. Konstrukteur Punkte 7 2 8 2 9 1 10 0 11 0

Einzelnachweise

Weblinks

#1999 Kanada Kategorie:Sportveranstaltung in Montreal Kategorie:Circuit Gilles-Villeneuve