Die Aachener Altstadt umfasst als historischer Stadtkern der Stadt Aachen das Gebiet, das vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von der Aachener Stadtmauer umgeben war.

Lage mini|Blick vom Lousberg auf die Altstadt Die Aachener Altstadt liegt im Stadtbezirk Aachen-Mitte südlich des Lousbergs innerhalb des Aachener Talkessels. Die Grenzen des ehemals ummauerten Bereichs sind größtenteils durch den Alleenring gekennzeichnet, der vom Kaiserplatz aus über Heinrichsallee, Monheimsallee, Ludwigsallee, Pontwall, Turmstraße, Junkerstraße, An der Schanz und Boxgraben bis zum Marschiertor dem Verlauf des ursprünglich vor der Stadtmauer gelegenen Stadtgrabens folgt. Zwischen Marschiertor und Kaiserplatz folgt die heutige Verkehrsführung der Ringstraße vorbei an Hauptbahnhof und Normaluhr jedoch nicht dem mittelalterlichen Mauerverlauf. Dieser verlief vielmehr ungefähr entlang der heutigen Straßen Wallstraße, Schützenstraße, Gottfriedstraße und Martin-Luther-Straße.

Geographie Ein Höhenrücken zieht sich entlang der Jakobstraße von Südwesten nach Nordosten bis zum Markt. Während er beim Eintritt in die Altstadt am Ende der Jakobstraße noch eine Höhe von etwa hat, beträgt sie am Markt nur noch und fällt von dort aus nach allen Seiten schnell ab. Der höchste Punkt der Altstadt ist mit einer Höhe von der Hügel, auf dem der Lange Turm steht. Die tiefste Stelle liegt mit etwa in der Nähe des Kaiserplatzes.

Von den Aachener Bächen verlaufen Pau, Paunell und Johannisbach größtenteils verrohrt durch die Altstadt, vereinigen sich in der Gegend von Adalbert- und Stiftstraße und münden nordöstlich des Kaiserplatzes in die Wurm. Ein Teil des Johannisbachs ist seit 1999 wieder offengelegt und fließt in einer Rinne vom Lindenplatz entlang den Straßen Annuntiatenbach und Augustinerbach bis zur Pontstraße.

Geschichte mini|Modell der Königspfalz nach Leo Hugot, 1981 mini|Das Aachener Rathaus auf einem Stich von Matthäus Merian, 1647 mini|Das Kaiserbad am Büchel, 1682

An der Stelle der heutigen Altstadt von Aachen gab es bereits in der Römerzeit eine Siedlung, seit dem Mittelalter als Aquae Granni bezeichnet, mit mehreren Thermen, die das heiße Wasser der Aachener Thermalquellen nutzten. Auch nach dem Abzug der Römer blieb die Siedlung bewohnt, während der Völkerwanderung kamen die Franken in das Gebiet. Im 8. Jahrhundert ließ Karl der Große in der Nähe der Siedlung seine Königspfalz mit Pfalzkapelle und Thermenbezirk errichten. Otto der Große ließ sich 936 in der Aachener Pfalz zum römisch-deutschen König krönen, wodurch die bis 1531 fortgeführte Tradition der Krönung der römisch-deutschen Könige in Aachen begründet wurde.

Die Geschichte Aachens als Stadt begann im Jahr 1165, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa der Siedlung, die sich um die Königspfalz herum entwickelt hatte, das Markt- und Münzrecht verlieh und sie zur Freien Reichsstadt erhob. 1171 begann der Bau einer Stadtmauer, die 2,5 km lang war und ein Gebiet von 45 Hektar einschloss. Sie wird nach ihrem Initiator meist „Barbarossamauer“ genannt.

Die von Friedrich Barbarossa vergebenen Rechte bewirkten einen schnellen Bevölkerungsanstieg, sodass die Stadt bald über das ummauerte Gebiet hinauswuchs. Die Regierung der Freien Reichsstadt, die zunächst durch einen königlichen Beamten erfolgte, ging 1250 auf einen Rat über, dem zwei Bürgermeister vorstanden. 1267 wurde das Grashaus als erstes Rathaus fertiggestellt. 1270 begann mit finanzieller Unterstützung des 1257 in Aachen zum König gekrönten Richard von Cornwall der Bau einer zweiten Stadtmauer, die etwa 5,3 km lang war und ein Gebiet von 175 Hektar einschloss, also etwa das Vierfache der bisherigen Stadtfläche. Diese Mauer blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Grenze des eigentlichen Stadtgebiets, während die in der Umgebung der Stadt liegenden Ländereien und Dörfer in der Umgebung der Stadt 1336 von Kaiser Ludwig dem Bayern als Aachener Reich offiziell der Iurisdiktion der Stadt unterstellt wurden.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde auf den Resten der Königshalle der alten Pfalz ein neues Rathaus errichtet. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde an das Oktogon der Pfalzkapelle eine gotische Chorhalle angebaut. Die mittelalterliche Stadt, die vorwiegend aus Holz- und Fachwerkhäusern bestand, wurde 1656 beim großen Stadtbrand von Aachen zum großen Teil zerstört, auch Dachstuhl und Turmhelme des Rathauses brannten ab. Der Neuaufbau erfolgte zunächst noch im Stil der Renaissance, der jedoch bald durch den Barock abgelöst wurde. Vor allem der Barock-Baumeister Johann Joseph Couven und sein Sohn Jakob prägten durch ihr Wirken das Erscheinungsbild der Stadt. Auf Initiative des Mediziners François Blondel entwickelte sich Aachen im 17. und 18. Jahrhundert dank seiner Thermalquellen zu einem der modernsten Bade- und Kurorte seiner Zeit.

Mit dem Einmarsch der Franzosen 1792 und dem Anschluss der Rheinlande an Preußen 1815 wurde Aachen zu einer Bürgermeisterei, die neben dem ummauerten Stadtgebiet einen Teil des ehemaligen Aachener Reiches umfasste. Andere Teile des Aachener Reichs wurden zu eigenständigen politischen Gemeinden. 1802 wurde die ehemalige Pfalzkapelle als Bischofssitz zum Dom. Die unter Napoleon Bonaparte begonnene Schleifung der Stadtmauern wurde im Lauf der Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts fortgeführt, heute sind nur noch wenige Reste erhalten. Nach einigen Großbauten im Stil des Klassizismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte die weitere Bebauung des alten Stadtgebiets und der außerhalb der Mauern gelegenen neuen Quartiere vorwiegend in den verschiedenen Stilrichtungen des Historismus. Entsprechend diesem Stilempfinden wurde auch dem Dom und dem Rathaus, die zumindest teilweise barockisiert worden waren, wieder ein mittelalterliches Aussehen gegeben. Das Gebiet der Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu wesentlichen Teilen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter weitgehender Erhaltung der mittelalterlichen Straßenverläufe und der meisten das Stadtbild bestimmenden Großbauten. Einige Häuser wurden originalgetreu restauriert, andere neu errichtet. Vielfach wurden noch erhaltene Bauwerksteile in den Neubau integriert oder zu anderen Neubauten transloziert. Ein größerer Bereich im Nordwesten der Altstadt wurde, wie auch angrenzende Bereiche im Westviertel und auf der Hörn, für Erweiterungsbauten der RWTH Aachen genutzt. Das Rathaus erhielt erst 1978 wieder neue Turmhelme, die an ihrem mittelalterlichen Erscheinungsbild orientiert sind, wie es beispielsweise auf einer Silberstiftskizze von Albrecht Dürer aus dem Jahre 1520 oder auf einem 1647 von Matthäus Merian geschaffenen Stich überliefert ist.

Stadtbild

Straßen, Plätze, Grünanlagen Trotz der Zerstörungen durch den Stadtbrand von 1656 und den Zweiten Weltkrieg ist der mittelalterliche Stadtgrundriss im Wesentlichen noch zu erkennen. Den Kern der Altstadt bildet der ehemalige Pfalzbezirk mit Dom, Rathaus und dem dazwischenliegenden Katschhof. Durch Ostung der Kaiserpfalz im Gegensatz den dem natürlichen Geländeverlauf folgenden römischen Straßen entstanden im Stadtkern einige dreieckige Plätze, darunter Markt, Hühnermarkt, Hof und Klosterplatz. Viele der Straßen und Plätze in der Nähe des Pfalzbezirks sind als Fußgängerzone ausgewiesen oder verkehrsberuhigt, über die Adalbertstraße erstreckt sich die Fußgängerzone bis zum Kaiserplatz.

Der ursprüngliche Verlauf der Barbarossamauer ist noch an dem Grabenring zu erkennen, einer Ringstraße, die dem Verlauf des ursprünglich vor der Mauer gelegenen Stadtgrabens folgt und deren Straßennamen überwiegend auf „-graben“ enden (Templergraben, Karlsgraben, Löhergraben, Alexianergraben, Kapuzinergraben, Friedrich-Wilhelm-Platz, Holzgraben, Dahmengraben, Komphausbadstraße, Seilgraben, Hirschgraben). Entlang dieses Straßenrings sind noch kleinere Teilstücke der Barbarossamauer erhalten.

Im Süden ist der Grabenring zu einem Platz aufgeweitet, dem Friedrich-Wilhelm-Platz, an dem der klassizistische Elisenbrunnen liegt. Hinter dem Elisenbrunnen liegt mit dem Elisengarten die einzige größere Grünanlage im Inneren des Altstadtbereichs. Eine archäologische Vitrine im Elisengarten gibt, wie einige kleinere archäologische Fenster der Altstadt, Einblicke in archäologische Funde der Aachener Stadtgeschichte. Am unteren Ende der Sandkaulstraße liegt der kleine Sandkaulpark. Weitere Grünanlagen sind der Veltmanplatz am Nordrand der Altstadt und der Mittelstreifen des Alleenrings zwischen Ponttor und Kaiserplatz.

Bauwerke Zu den mittelalterlichen Bauwerken, die den Stadtbrand überlebt haben, zählen neben Dom und Rathaus vor allem die beiden ehemaligen Stadttore Ponttor und Marschiertor, einige Türme der Stadtmauer, die romanische Adalbertskirche, das gotische Grashaus am Fischmarkt, das Haus Löwenstein am Markt und das Große Haus von Aachen in der Pontstraße. Ein Beispiel für den noch der Renaissance verhafteten Baustil beim Wiederaufbau nach dem Stadtbrand zeigen das Haus mit dem Hausnamen Rote Burg am Büchel und das an den Granusturm des Rathauses angebaute Gebäudeensemble Eulenspiegel/Postwagen. Zu den zur Zeit von Barock und Rokoko errichteten Bauten zählen vor allem die Pfarrkirche St. Peter, das von Vater und Sohn Couven gemeinsam errichtete Wylre’sche Haus in der Jakobstraße sowie das Alte Kurhaus, das Haus Brüssel am Markt und das Haus Monheim am Hühnermarkt, drei Werke des jüngeren Couven.

Zur Zeit des Klassizismus entstanden vor allem die Säulenhalle des Elisenbrunnens, der Neubau des Quirinusbades, das Theatergebäude am Theaterplatz und das benachbarte Verwaltungsgebäude, das bis 1972 Sitz der Regierung des damals aufgelösten Regierungsbezirks Aachen war. Aus der Zeit des Historismus stammen neben zahlreichen Wohnbauten unter anderem die neoromanische Oberpostdirektion am Kapuzinergraben, die neogotische Heilig-Kreuz-Kirche an der Pontstraße, das Hauptgebäude der RWTH Aachen am Templergraben im Stil der Neorenaissance und das neobarocke Bankhaus Suermondt in der Theaterstraße. Das Bankhaus Kapuzinergraben gegenüber dem Theater ist in einem Mischstil aus Neobarock und Jugendstil errichtet, das herausragendste Beispiel des Jugendstils in der Aachener Altstadt ist das städtische Hallenbad der Elisabethhalle.

Ein Beispiel für die Neue Sachlichkeit ist das 1925–1929 errichtete Rogowski-Institut neben dem Hauptgebäude der RWTH. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde die ehemals gotische Kirche St. Foillan unter Einbeziehung der erhaltenen Teile im modernen Stil wiederaufgebaut. Zu den modernen Nachkriegsbauten zählen ein Gebäude der Aachener Domsingschule am Katschhof sowie Erweiterungsbauten der RWTH Aachen: das Audimax an der Wüllnerstraße und das Kármán-Auditorium gegenüber dem Hauptgebäude. Im 21. Jahrhundert entstanden das SuperC, ein Servicegebäude der RWTH Aachen am Templergraben, und das Aquis Plaza, ein Einkaufszentrum am Kaiserplatz.

Brunnen und Plastiken Neben dem Elisenbrunnen, dem einzigen Trinkbrunnen für Thermalwasser, gibt es in der Aachener Altstadt auch zahlreiche Zierbrunnen. Der älteste darunter ist der Karlsbrunnen auf dem Markt mit einem von Johann Joseph Couven 1735 entworfenen Brunnenbecken, einer Brunnenschale aus Bronze, im Volksmund zweideutig Eäzekomp (= eherne Schale oder Erbsenschüssel) genannt, und einer 1620 gegossenen Statue Karls des Großen. 1825 wurde die Hotmannspief als Zierbrunnen anstelle eines früheren Laufbrunnens errichtet. An den vier Seiten eines Obelisks sind vergoldete Gusseisenfiguren von Frauen im Halbrelief angebracht, die in ihren Händen Kannen halten, aus denen Wasser in je eine Brunnenschale fließt. Zu den am Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Brunnen mit Brunnenfigur zählen beispielsweise das Fischpüddelchen am Fischmarkt, der Hühnerdieb am Hühnermarkt und der Wehrhafte Schmied in der Jakobstraße.