mini|hochkant=1.5|Darstellung von Lucas Mayer, 1589 mini|Der Werwolf oder der Kannibale, 1512 von Lucas Cranach mini|Infotafel auf dem Werwolf-Wanderweg, Bedburg Peter Stump (auch Peter Stubbe, Stubbe- oder Stübbe-Peter genannt, * 1525; † 31. Oktober 1589 in Bedburg) wurde im bekanntesten Werwolfprozess des 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum angeklagtTod dem Werwolf! Damals, aufgerufen am 12. November 2021, gefoltert und hingerichtet.
Der Prozess ist jedoch urkundlich nicht belegt und nur durch Flugschriften überliefert.
Leben Für Peter Stump sind keine Kirchenbucheinträge vorhanden und die wenigen Informationen über Peter Stump stammen aus diversen zeitgenössischen Flugschriften, die seinen Familiennamen unterschiedlich schreiben (Stubbe Peeter, Petter Stump, Stump Petter, Stupe Peter). Der verwitwete Stump soll ein Bauer („baur“) aus dem Dorf Epprath gewesen sein und dort mehr als 20 Jahre gewirkt haben. Mehrere Quellen erwähnen eine unverheiratete Tochter, die bei ihm gelebt und mit der er ein Kind gezeugt haben soll. Darüber hinaus wird als ältestes Kind ein Sohn erwähnt, den der Vater getötet haben soll.Lena M. Kaiser. Masterarbeit: „Weil er geführt ein Wolff leben“ Hintergründe, Rezeption und Deutungen des Werwolfprozesses gegen Peter Stump im späten 16. Jahrhundert. Universität Duisburg-Essen, aufgerufen am 13. November 2021
Nachdem in Bedburg und Umgebung über einen längeren Zeitraum immer wieder verstümmeltes Vieh aufgefunden wurde, wurde Peter Stubbe aus dem benachbarten Epprath verdächtigt. Zur damaligen Zeit galt der Wolf in ländlichen Gebieten im Rheinland als Bedrohung und Gefahr sowohl für Nutztiere (z. B. Schafe, Ziegen oder Kühe) als auch für die Menschen selbst. Angst vor wilden Tieren, in diesem Fall vor dem Wolf, bekam durch den Mythos des Werwolfes einen neuen Stellvertreter. Dem Werwolf wurde vorgeworfen, er habe Tiere gerissen und der Mensch, der angeblich dahintersteckte, soll somit auf bestialische Weise das Vieh seiner Mitmenschen auf dem Gewissen haben.
Werwolfprozess Ob der Prozess tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht belegt, da keine Prozessakten erhalten sind. Der Fall fand 1589/1590 jedoch in den Niederlanden, England und Dänemark Beachtung und wurde auf Kupferstichen dargestellt und ist vor allem durch ausländische Publikationen überliefert.Flugblätter zum Fall Peter Stump. Auf: www.elmar-lorey.de; abgerufen am 28. Oktober 2009
Anklage und Urgicht Nach zeitgenössischen Quellen und Flugblättern, in denen das Urgicht genannte Geständnis erwähnt wird, wurde er angeklagt, sich in einen Werwolf verwandeln zu können.
Unter Folter habe Stump gestanden, seit seinem zwölften Lebensjahr schwarze Magie praktiziert zu haben. Durch einen Pakt mit dem Teufel habe er einen Wolfsfellgürtel erhalten, mit dem er sich in einen Werwolf verwandeln konnte. In Wolfsgestalt habe er im Laufe der Jahre 14 Kinder ermordet sowie zwei schwangere Frauen, deren Föten er aus dem Leib gerissen und gefressen habe. Zu den 14 ermordeten Kindern zählte auch sein ältester Sohn, dessen Gehirn er angeblich gegessen habe. Den Gürtel habe er auf der Flucht weggeworfen. Dass an der angegebenen Stelle nichts gefunden wurde, erklärte man damit, dass der Teufel den Gürtel wieder an sich genommen habe. Er soll Teufelsbuhlschaft mit einer Teufelin getrieben haben, und ein Kind mit seiner eigenen Tochter gezeugt haben.Before Salem: The Real-Life Werewolf Trials That Plagued European Nations History of Yesterday, abgerufen am 13. November 2021
Hinrichtung Die zeitgenössischen Quellen sprechen davon, dass Stump am 31. Oktober 1589 in Bedburg auf ein hölzernes Rad gebunden wurde. Das Fleisch sei ihm mit glühenden Zangen von den Knochen gerissen, sowie Arme und Beine abgehackt worden, bevor man ihn geköpft und seine Überreste auf einem Scheiterhaufen verbrannt habe. Seine Tochter hätte das Schauspiel mit ansehen müssen, bevor sie selbst misshandelt, erwürgt und ebenfalls verbrannt wurde.
Die Bürger errichteten nach seiner Hinrichtung im Zentrum von Bedburg eine Stange mit seinem Kopf, dem zum Rädern genutzten Rad und einer Wolfsfigur. Die öffentliche Hinrichtung diente der Abschreckung.Geschichte: Verwesung im Trog Spiegel Abgerufen am 13. November 2021.
Nachwirkung Die Darstellung von schaurigen Verbrechen und die öffentlichen Hinrichtungen erregten großes Interesse und trugen zur Hexenverfolgung und zu Prozessen gegen vermeintliche „Werwölfe“ bei. In der Literatur sind etwa 250 Werwolf-Prozesse aus der Zeit zwischen 1423 und 1720 belegt.Flugblätter zum Fall Peter Stump. Auf: www.elmar-lorey.de; abgerufen am 28. Oktober 2009
In Erinnerung an diesen Fall heißt der Werwolf in dieser Gegend bei Köln bis heute Stüpp. Der Werwolf-Wanderweg Bedburg (Erft) informiert auf sieben Stationen über das Leben und Sterben des Peter Stubbe.
Verschiedene Bands wurden durch die Geschichte zu Liedern inspiriert. Macabre, eine extreme Metal-Band aus Chicago hat auf dem Album Murder Metal im Jahr 2003 ein Lied „Werewolf of Bedburg“ veröffentlicht.MACABRE - Werewolf of Bedburg Die Horrorpunk-Band The Other hat im Oktober 2017 das Lied „Werewolf of Bedburg“ auf dem Album „Casket Case“ veröffentlicht.The Other - Werewolf of Bedburg 2024 veröffentlichte die Metal-Band Powerwolf die Single „1589“, welche sich mit der Geschichte Peter Stumps auseinandersetzt.Powerwolf - 1589 (Official Music Video) , Mitteilung zur Single
Siehe auch Werwolf Hexenverfolgung Teufelspakt Schadzauber
Literatur Peter Kremer: Der Werwolf von Bedburg. Versuch einer Rekonstruktion des Werwolfprozesses von 1589. Düren 2005. Lena Maria Kaiser: "Weil er geführt ein Wolff leben" – Hintergründe, Rezeption und Deutungen des Werwolfprozesses gegen Peter Stump im späten 16. Jahrhundert. Masterarbeit Duisburg-Essen 2016 (online). Erika Münster-Schröer: Hexenverfolgung und Kriminalität. Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit. Essen: Klartext 2017, ISBN 978-3-8375-1881-8. S. 270–277. Aljoscha Drögemeier: Der Werwolf von Bedburg: Der historische Werwolfprozess gegen Peter Stump (Stubbe) von 1589 in zeitgenössischen Quellen. (= Documenta Historica. Bd. 4). Leopoldshöhe 2026, ISBN 979-8188158255.
Weblinks
Elmar Lorey: Der Fall Peter Stump, Teil 2 Powerwolf - 1589 (Official Music Video)
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Bedburg) Kategorie:Opfer der Hexenverfolgung Kategorie:Kriminalfall (16. Jahrhundert) Kategorie:Hingerichtete Person (Heiliges Römisches Reich) Kategorie:Hingerichtete Person (16. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1525 Kategorie:Gestorben 1589 Kategorie:Mann