Staatssekretäre in der Schweiz sind im Wesentlichen protokollarisch höhergestellte Amtsdirektoren innerhalb der Bundesverwaltung, die einem Staatssekretariat vorstehen. Der Titel wird seit 1979 durch den Bundesrat verliehen. Dieser kann ihn gemäss dem Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz (RVOG) weiteren Direktoren sowie Generalsekretären vorübergehend zuerkennen, wenn sie im Auftrag des Bundesrates die Schweiz an internationalen Verhandlungen auf höchster Ebene vertreten.
Staatssekretariate Zurzeit gibt es sechs Staatssekretäre. Diese sind fünf der sieben bestehenden Departemente zugeordnet.
Staatssekretariat im Departement für auswärtige Angelegenheiten Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) im Finanzdepartement Staatssekretariat für Migration (SEM) im Justiz- und Polizeidepartement Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (SEPOS) im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport
Geschichte Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war die Verwaltungsstruktur der Bundes bewusst klein gehalten worden, was sich insbesondere im Verkehr mit dem Ausland zunehmend als Nachteil erwies. Im Vergleich zu den meisten ausländischen Staatsapparaten fehlte in der Schweiz eine Verwaltungsebene, da auf einen Bundesrat (entspricht dem Rang eines Ministers) sogleich Direktoren und Abteilungsleiter folgten. So kam es ab den 1960er Jahren immer häufiger vor, dass der Leiter der Politischen Direktion, eigentlich die Nummer zwei im Politischen Departement (wie das Aussenministerium damals hiess), häufig nicht auf gleicher protokollarischer Stufe verhandeln konnte. Gleichzeitig fühlten sich verschiedene Bundesräte durch die immer wichtiger werdende Besuchsdiplomatie zunehmend überlastet und klagten, sie hätten kaum noch Zeit für das eigentliche Regieren.
1975 beschloss die Bundesversammlung eine Revision der Regierungs- und Verwaltungsorganisation. Im Grundsatz waren sich die Parlamentarier einig, dass die Bundesräte von Verwaltungs- und Repräsentationsaufgaben entlastet werden mussten. Allerdings erwies es sich als schwierig, eine auf die Verhältnisse der Schweiz zugeschnittene Lösung zu finden. Nicht in Frage kam das Modell der Bundesrepublik Deutschland, wo Staatssekretäre auch eine politische Funktion haben, denn das Parlament sträubte sich gegen die Schaffung «departementaler Nebenkönige». 1978 entschied sich der Bundesrat für eine Kompromisslösung und führte so genannte «Titularstaatssekretäre» ein, die keine eigenständigen Entscheidungsbefugnisse besitzen. Die zwei ersten Staatssekretariate wurden am 1. Februar 1979 geschaffen. Im Laufe der Zeit kamen vier weitere hinzu.
Liste der Staatssekretäre Folgende Personen hatten bzw. haben das Amt eines Staatssekretärs inne: Staatssekretariat im EDA Name Amtsdauer Livia Leu 2021–2023Alexandre Fasel2023– Direktion für europäische Angelegenheiten (DEA) Name Amtsdauer Roberto Balzaretti 2018–2020 Livia Leu 2020Staatssekretariat EDA mit neuer Struktur und neuer Leitung. Website des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA. Abgerufen am 23. April 2021.
Politische Direktion (PD) Name Amtsdauer Albert Weitnauer 1979–1980 Raymond Probst 1980–1984 Edouard Brunner 1984–1989 Klaus Jacobi 1989–1992 Jakob Kellenberger 1992–1999 Franz von Däniken 1999–2005 Michael Ambühl 2005–2010 Peter Maurer 2010–2012 Yves Rossier 2012–2016 Pascale Baeriswyl 2016–2019EDA-Staatssekretärin Pascale Baeriswyl übernimmt 2020 die Leitung der Mission der Schweiz bei der UNO in New York. Website des Schweizerischen Bundesrates. Abgerufen am 23. April 2021.
Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) (zunächst Bundesamt für Aussenwirtschaft BAWI, 1999 mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit BWA zum SECO zusammengeschlossen) Name Amtsdauer Paul Jolles 1979–1983 Cornelio Sommaruga 1984–1986 Franz Blankart 1986–1998 David Syz 1999–2004 Jean-Daniel Gerber 2004–2011 Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch 2011–2022 Helene Budliger Artieda 2022–
Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) (zunächst Gruppe für Wirtschaft und Forschung GWF, ab 2005 Staatssekretariat für Bildung und Forschung SBF, seit 2013 SBFI) Name Amtsdauer Heinrich Ursprung 1992–1997 Charles Kleiber 1997–2007 Mauro Dell’Ambrogio 2008–2018 Martina Hirayama 2019–
Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) Name Amtsdauer Michael Ambühl 2010–2013 Jacques de Watteville 2013–2016 Jörg Gasser 2016–2019 Daniela Stoffel 2019–
Staatssekretariat für Migration (SEM) Name Amtsdauer Mario Gattiker 2015–2021 Christine Schraner Burgener 2022–2025Vincenzo Mascioli2025–
Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (SEPOS) Name Amtsdauer Markus Mäder 2024–
Einzelnachweise
Kategorie:Öffentliche Verwaltung (Schweiz)
Kategorie:Amtsbezeichnung (Schweiz)