Bergbau in Sachsen beschreibt den historischen und aktuellen Bergbau auf dem Territorium des heutigen Sachsens. Sachsen ist das Kernland im deutschen Erzbergbau. Auch nach vielen Jahrhunderten teils intensiven Bergbaus sind die Vorräte nicht erschöpft und Sachsen bleibt auch international mit seinen Lagerstätten attraktiv. Der Bergbau hat eine lange Tradition in der Förderung und Verarbeitung der Rohstoffen. Lag der Fokus anfänglich auf der Gewinnung von Silber, Kupfer, Blei und Zinn, kam schon im 15. Jahrhundert Wismut im 16. Jahrhundert Kobalt und im 18. Jahrhundert Nickel und Zink hinzu. Der Bergbau auf Eisen spielte eine eher untergeordnete Rolle. Im 19. Jahrhundert wurde neben der Gewinnung von Wolfram auch der Bergbau auf Flussspat und Schwerspat begonnen. Im 20. Jahrhundert prägte der Uranbergbau für 45 Jahre stellenweise die Landschaft des Erzgebirges. 1991 wurde der Erzbergbau komplett eingestellt. Die jüngsten Versuche, den Bergbau auf Kupfer, Zinn, Wolfram und Lithium wieder aufzunehmen, sind bisher gescheitert. Einzig der 2013 aufgenommene Bergbau auf Flussspat behauptet sich am Markt.

Der Bergbau auf Kohle spielt in Sachsen seit dem 18. Jahrhundert eine große Rolle. Während der Umfang der Steinkohlenlagerstätten begrenzt war und der Abbau 1978 eingestellt wurde, spielt der Braunkohlenbergbau noch immer eine große Rolle und trägt mit zur Versorgungssicherheit bei Elektroenergie in Deutschland bei.

Erze Betrachtet werden soll hier der Erzbergbau ab den ersten Nachweisen um 1130. Keinen Eingang findet der prähistorische Bergbau und die Seifnertätigkeit vor der Gründung der Markgrafschaft Meißen im Jahr 965. Herausgestellt werden hier die wichtigsten Erze und Lagerstätten.

Die Menge der ausgebrachten Erze zu ermitteln gestaltet sich sehr schwierig. Belastbare Zahlen liegen hier erst ab 1825 vor. Eine Ausnahme bildet das Silber, das gegenüber dem Landesherren abgerechnet werden musste, wovon in den Archiven entsprechende Unterlagen vorhanden sind. Dasselbe gilt aufgrund seiner Monopolstellung in Europa für das Kobalt. Außer dem Uranbergbau der Wismut AG/SDAG, spielte der Erzbergbau in der DDR eine untergeordnete Rolle. Nach der Wiederaufnahme des Bergbaus auf Silber, Blei und Zink 1937, wurde er endgültig 1968 in Brand-Erbisdorf und 1969 in Freiberg eingestellt. Nur der Zinnbergbau in Altenberg und Ehrenfriedersdorf hatte bis 1991 Bestand. Heute sind im Weltmaßstab eventuell die sächsischen Zinn-, Wolfram- und Indiumvorkommen von Bedeutung.

Silber Die ersten großen Silberfunde in Freiberg um 1170 lösten das erste Berggeschrei aus. 1363 stellte Markgraf Friedrich III. fest, dass die Silberförderung in Freiberg stetig rückläufig ist und nur noch bei einer Tonne Silber im Jahr liegt. Allerdings wurden Gegenmaßnahmen erst 1444 ergriffen. In deren Folge wurde 1470 die Lagerstätte Schneeberg fündig. Innerhalb von zwei Jahren wurden 10 Tonnen Silber gefördert, während in Freiberg im selben Zeitraum 200 Kilogramm Silber gefördert wurden. Das zweite Berggeschrei hatte begonnen. Nachfolgend wurden die Lagerstätten Annaberg (1491), Marienberg (1519) und Johanngeorgenstadt (1662) aufgefunden. In den folgenden Jahrzehnten wurden im gesamten sächsischen Erzgebirge weitere kleine Lagerstätten entdeckt und ausgebeutet. Bei Einführung des Goldstandards im Deutschen Reich im Jahr 1871 war Freiberg die einzig nennenswerte Silberlagerstätte in Sachsen. Aufgrund hoher Verluste durch den fallenden Silberpreis wurde der Bergbau 1915 vorübergehend eingestellt. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Silbergewinnung in t Vorräte in t Freiberg/Brand-Erbisdorf Gangförmig 1168-1915 1937–1969 4.800280 406 Annaberg-Buchholz Gangförmig 1491-1874 354,0 abgebaut Johanngeorgenstadt Gangförmig 1662-1954 102,5 abgebaut Marienberg Gangförmig 1519-1874 207,1 abgebaut Schneeberg-Neustädtel Gangförmig 1470-1874 244,8 abgebaut

Zinn Der Zinnbergbau wurde das erste Mal in einer Abrechnung von 1293 genannt, wo alte Halden bei Ehrenfriedersdorf angeführt werden. Durch die reichen Zinnfunde in Krupka (Graupen) und Ehrenfriedersdorf konnte am Ende des 13. / Anfang des 14. Jahrhunderts das englische Zinnmonopol gebrochen werden. Neben seinem Einsatz als Geschirr und Schmuck wird Zinn schon seit ca. 6.000 Jahren als Legierungsmetall zur Herstellung von Bronze verwendet. Heute liegt die Verwendung als Lot, vor allem in der Elektronikindustrie, mit 35 % an erster Stelle. Mit den ausgewiesenen Vorräten liegt Sachsen nach China und Indonesien an dritter Stelle in der Welt. Einen lückenlosen Nachweis der Zinnförderung gibt es erst ab 1825. Die bekannten Zahlen aus der davor liegenden Zeit sind oft sehr lückenhaft und nicht aussagekräftig. Sachsen deckte mit einer Jahresproduktion von 2.500 Tonnen Zinn pro Jahr vollständig den Bedarf der DDR. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Zinngewinnung in t Vorräte in t Altenberg Greisen 1446-1991 106.500 95.000 AuersbergGreisen 1501-1864 - 32.500 Ehrenfriedersdorf GangzügeTrümerzügeGreisen 1935–1990 10.600 22.600 Geyer TrümerzügeGreisen 1395-1913 2.200 3.600 SachenhöheGreisen 1449-1877 - 28.000 SadisdorfGreisen 1505-1954 276 28.000 Seiffen Greisen 1324-1855 - 15.300 PobershauGangförmig 1497-1866 - 5.000 AntonsthalSkarn unverritzt - 28.000 Bernsbach-SüdostSkarn unverritzt - 50.400 BreitenbrunnSkarn unverritzt - 55.000 Geyer-SüdwestSkarn unverritzt - 46.000 Gottesberg Greisen ? -1954 - 102.800 GroßschirmaSkarn unverritzt - 70.000 Pöhla-GlobensteinSkarn unverritzt - 83.900 Pöhla-HämmerleinSkarn unverritzt - 51.600 Pöhla-TellerhäuserSkarn unverritzt - 69.600 SchenkenshöheSkarn 1553-1695 - 13.500 Zinnwald Greisen-Flöze 1550-1939 - 5.530

Uran Über Uranfunde wird das erste Mal 1772 aus dem Schneeberger Revier berichtet. Gewonnen wurden Schaustufen. Ab 1813 gewann die Herstellung von Uransalzen zum Färben von Gläsern an Bedeutung. Erst mit der Entdeckung der Kernspaltung gewannen Uranerze an Bedeutung. Bis 1945 wurden in Sachsen ca. 100 t Uranerze gefördert. Zwischen 1945 und 1991 kamen aus Sachsen mit 116.234 t ca. 50 Prozent des in der DDR geförderten Urans. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Urangewinnung in t Vorräte in t Döhlener Becken Kohleflöze 1946–1989 3.690 3.300 Johanngeorgenstadt Gangförmig 1946–1959 3.585 abgebaut Königstein Linsenförmig StratiformKluftgebunden 1967–1991 18.514 12.300 Oberschlema Gangförmig 1946–1959 7.822 abgebaut Pöhla-Tellerhäuser Gangförmig 1970–1991 1.200 5.340 Schlema-Alberoda Gangförmig 1949–1991 73.125 2.000 Zobes Gangförmig 1950–1964 4.836 abgebaut Bernsbach Nordwest Gangförmig unverritzt - 6.900Tellerhäuser Nordwest Gangförmig unverritzt - 6.000

Blei Blei ist schon seit dem Altertum bekannt. Da man Blei und Zinn als ein Mineral in zwei verschiedenen Erscheinungsformen ansah, ist es schwierig zu unterscheiden, ob mit dem in alten Urkunden genannte Plumbum Blei oder Zinn gemeint ist. Blei ist unverzichtbar im Schmelzprozess zur Silbergewinnung und in dem ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts entwickelten Saigerprozeß zur Gewinnung von Silber aus silberhaltigen Kupfererzen. Blei hatte und hat eine breite Anwendungspalette. Während Bleifarben (Bleiweiß, Bleimennige) sowie Drucklettern heute keine Rolle mehr spielen, wird Blei weiterhin bei der Herstellung von Munition, Akkumulatoren und Initialsprengstoffen verwendet sowie als Strahlenschutz eingesetzt. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Bleigewinnung in t Vorräte in t Brand-Erbisdorf Gangförmig 1387-1910 1960–1969 - 80.900 Freiberg Gangförmig 1168-1913 1939–1969 - 76.000 Halsbrücke Gangförmig 1200-1900 1935–1969 - 28.400 GroßschirmaSkarn unverritzt - 5.000 JahnsbachStratiform unverritzt - 6.500 WeißwasserStratiform unverritzt - 161.000

Zink Obwohl man schon im antiken Griechenland Zinkerze zur Herstellung von Messing verwendete, wurde es als eigenständiges Metall erst 1746 dargestellt. Die erste Lieferung von Zinkerzen erfolgte 1841 aus dem Revier Brand-Erbisdorf von der Grube Himmelsfürst. Heute werden 47 % des geförderten Zinks für den Korrosionsschutz eingesetzt. Daneben spielt es weiterhin als Batteriegrundstoff eine wichtige Rolle. Die ausgewiesenen Vorräte in Sachsen entsprechen einer Weltzinkförderung von 14 Tagen. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Zinkgewinnung in t Vorräte in t Brand-Erbisdorf Gangförmig 1387-1910 1960–1969 - 81.100 Freiberg Gangförmig 1168-1913 1939–1969 - 103.400 Halsbrücke Gangförmig 1200-1900 1935–1969 - 14.800 Geyer-SüdwestSkarn unverritzt - 92.000 GroßschirmaSkarn unverritzt - 28.000 JahnsbachStratiform unverritzt - 31.600 WeißwasserStratiform unverritzt - 61.800 Pöhla-GlobensteinSkarn unverritzt - 300.000 Pöhla-HämmerleinSkarn unverritzt - 65.800 Pöhla-TellerhäuserSkarn unverritzt - 31.100

Wolfram Von der Entdeckung 1783 bis zur breiten Anwendung vergingen Jahrzehnte. Nach Versuchen, Wolframsalze zum Färben von Gläsern zu verwenden, wurden ab 1856 die ersten Eisenlegierungen mit Wolfram hergestellt, die aber erst ab etwa 1910 als Wolframstahl eine breitere Anwendung erfuhren. Die erste Lieferung von Wolframerzen erfolgte 1854 von der Grube Vereinigt Zwitterfeld in Zinnwald. Neben der Leuchtmittelindustrie war ab dem Ersten Weltkrieg die Rüstungsindustrie größter Verbraucher von Wolfram. Heute ist die Herstellung von Hartmetall das wichtigste Einsatzgebiet. Mit den ausgewiesenen Vorräten liegt Sachsen nach China und Kanada an dritter Stelle in der Welt. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Wolframgewinnung in t Vorräte in t Altenberg Greisen 1917–1991 - 12.100 Ehrenfriedersdorf GangzügeTrümerzügeGreisen 1935–1990 342 PechtelsgrünGangförmig 1937–1969 - 228 SadisdorfGreisen 1874–1954 276 4.000 Tirpersdorf Gangförmig 1909–1919 - 172 Zinnwald Greisen 1854–1924 1.960 ZschorlauGangförmig 1918 1955 - abgebaut AntonsthalSkarn unverritzt - 23.000 Bernsbach-NordwestGangförmig unverritzt - 53.900 Bernsbach-SüdostSkarn unverritzt - 49.300 Delitzsch-SWSkarn unverritzt - 40.900 Pöhla-GlobensteinSkarn unverritzt - 43.400

Kobalt Der Kobaltbergbau nimmt in Sachsen eine Sonderstellung ein. Schneeberg-Neustädtel ist die einzig nennenswerte Lagerstätte in Deutschland. Sehr früh wurde den Landesherren die Monopolstellung bei der Herstellung des Kobaltblaus bewusst und man begann die Förderung des Kobalts und die Herstellung der blauen Farbe zu reglementieren. Am 15. November 1575 wurde das erste Mal durch Kurfürst August ein Privileg zum Kobalthandel erlassen, dem sich alle Hersteller der Farbe unterwerfen mussten. Allerdings konnte man die Blaue Farbe noch keinem Mineral zuordnen. Man war der Meinung, dass die Farbe vom Wismut kommt. So wird in einer Urkunde von 1551 der Verkauf von 1.000 Zentner Wismutfarbe gesprochen. Gemeint ist hier aber Kobaltblau. Als Kobalterz wurde Arsenkies angesprochen. Mit der Einführung des synthetischen Ultramarins ab 1856 nahm die Bedeutung des Kobalts als Farbrohstoff ab. Heute wird Kobalt zur Herstellung hochfester Stähle verwendet. Weiterhin ist Kobalt der Grundstoff zur Produktion von Lithium-Ionen-Akkus. Belastbare Zahlen zur Kobaltförderung liegen erst ab 1620 vor. Lagerstätte Lagerstättentyp Abbauzeitraum Kobalterzgewinnung in t Vorräte in t Schneeberg-Neustädtel Gangförmig 1510-1861 61.832 abgebaut Annaberg-Buchholz Gangförmig 1701–1850 8.170 abgebaut

Wismut Der erste Hinweis auf Wismut stammt vom Schneeberg. Hier wird 1467 die Neuverleihung der alten Wismutzeche erwähnt. 1479 wird explizit auf die Förderung von Wismut eingegangen. Schneeberg war zu diesem Zeitpunkt die einzig bekannte Lagerstätte. Verwendet wurde Wismut als Malfarbe und zur Auskleidung von Zinngeschirr. Es verlieh diesen einen silbernen Glanz. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es auch zur Behandlung der Syphilis eingesetzt. Heute wird Wismut als Legierungsmetall und in der Farbenindustrie eingesetzt. Die in Sachsen bekannten Vorräte entsprechen 1,3 Prozent der Weltvorräte.