Die Geschichte Tuvalus beschreibt die Entwicklung des im Pazifischen Ozean liegenden Inselstaates Tuvalu von der Besiedlung durch die Urbevölkerung, über die Erkundungen, Christianisierung und Kolonialisierung durch Europäer bis zum Weg in die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich am 1. Oktober 1978.

Geschichte Tuvalus Die Inseln mini|Karte Tuvalus miniatur|Sir Tannatt William Edgeworth David unternahm 1897 eine Forschungsreise nach Funafuti zur Untersuchung der Korallenriffe

Die Inseln Funafuti, Nanumea, Nui, Nukufetau, Nukulaelae und Vaitupu sind Atolle, ringförmige Korallenriffe, die eine Lagune umschließen, die außer im Fall von Vaitupu wesentlich größer als die jeweilige Landfläche ist. Die Bildung von Koralleninseln war im 19. Jahrhundert ein Thema mit erheblichen wissenschaftlichen Argumenten. Da Korallen nur in geringen, selten unter 80 Meter Tiefen des Meeres wachsen, beunruhigte Wissenschaftler der damaligen Zeit besonders, warum die sich aus ihren Überresten gebildeten Korallenfelsen oft über Hunderte von Metern unter dem Meer erstreckten.

Im Jahr 1842 brachte der berühmte Wissenschaftler Charles Darwin, der 1835/36 den Pazifik besuchte, die Theorie auf, dass Koralleninseln auf langsam abfallenden Vulkangesteinen errichtet wurden. Als das vulkanische Fundament sank, trug es die toten Korallen in größere Tiefen. In der Zwischenzeit wuchsen auf der Oberseite dieser Haufen in der Nähe der Oberfläche neue Korallenablagerungen, so dass das Aufwärtswachstum der Korallen mit der Absenkung Schritt hielt. Später kam es zu einer weiteren Vulkanbewegung, die einige der Korallen zu Inseln drängte. Dadurch war es laut Darwin so, dass sich eine feste Masse aus Korallenfelsen über der Oberfläche des Meeres befand und sich von dort aus durch die Gewässer erstreckte, in denen es geformt wurde, bis in Tiefen, in denen die Korallen nie gelebt hatten.

Nach vielen Jahren der Diskussion über die Atollstrukturen entschied sich die Royal Society in London dafür, Bohrungen in die Korallen vorzunehmen und eine Probe davon von weit unter der Oberfläche zu entnehmen, um zu erforschen, ob diese Proben Spuren von Flachwasserorganismen enthalten. Im Jahr 1896 wurde eine Expedition nach Tuvalu entsandt, die auf Funafuti 33 Meter tief bohren konnte. 1897 führte eine andere Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung von Professor Edgeworth David von der Universität Sydney Bohrungen in einer Tiefe von 200 Metern durch, während eine dritte Gruppe im folgenden Jahr eine Probe aus einer Tiefe von 340 Metern erhielt. Dabei wurde herausgefunden, dass alle Proben Spuren von Flachwasserorganismen enthielten. Allerdings konnte keine der Bohrungen die Tiefe der vulkanischen Basis von Funafuti erreichen. Ein weiterer Versuch wurde im Jahr 1911 unternommen, der ebenfalls nicht erfolgreich war. Die Bohrlöcher sind bis heute an der Stelle zu sehen, die jetzt Davids Drill genannt wird.

Die Ehefrau von Professor Edgeworth David schrieb ein Buch, in dem sie ihre Erfahrungen in Funafuti beschrieb. Dieses erschien 1899 unter dem Titel Funafuti, Or Three Months on a Coral Island (Funafuti oder Drei Monate auf einer Koralleninsel).

Ankunft der Tuvaluer Laut Sprachwissenschaftlern reicht die Tuvaluische Sprache und damit die Besiedlung des Landes etwa 2000 Jahre zurück. Die traditionellen Geschichten und Abstammungen reichen jedoch meist nur etwa 300 Jahre bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurück, so dass die Geschichte Tuvalus nicht von den früheren Vorfahren stammt, sondern von späteren Ankömmlingen in Tuvalu. Es wird allgemein angenommen, dass die früheren Vorfahren hauptsächlich aus Samoa stammten, die möglicherweise über Tokelau, oder aus Tonga und Uvea (Wallis-Inseln) kamen. Diese Siedler waren alle Polynesier, mit Ausnahme von Nui, wo viele Menschen von den Mikronesier aus Kiribati abstammen.

An der Nordküste von Nanumanga untersuchten Taucher 1986 die örtliche Legende eines „großen Hauses unter dem Meer“. Sie fanden eine Unterwasserhöhle, die mehr als 40 Meter entlang der Korallenfelsen hinunterführte. In der Höhle fanden sich rund 8.000 Jahre alte Hinweise auf eine antike Besiedlung, die der allgemeinen Auffassung der Besiedlung des Pazifikraumes vor 4.000 Jahren widersprechen. Klimatische Hinweise auf einen massiven Anstieg des Meeresspiegels, der vor 18.000 Jahren begann und vor 4.000 Jahren aufhörte, haben aber mutmaßlich die meisten Beweise für eine viel frühere menschliche Migration nach Tuvalu und andere Inseln im Pazifik vernichtet.

Es gibt drei unterschiedliche Sprachgebiete in Tuvalu. Das erste Gebiet umfasst die Inseln Nanumea, Niutao und Nanumanga. Die zweite ist die Insel Nui, auf der die Einwohner eine Sprache sprechen, die sich grundlegend von der kiribatischen Sprache ableitet. Die dritte Sprachgruppe umfasst die Inseln Vaitupu, Nukufetau, Funafuti und Nukulaelae. Heute werden Tuvaluisch und Englisch auf den Inseln gesprochen. Laut heutigen Wissenschaftlern betrug die Bevölkerung von Tuvalu vor 1900 nie mehr als 3000 Einwohner. Diese Meinungen basieren auf frühen Berichten der Mission und auf sorgfältigen Schätzungen der Kapazität der Nahrungsressourcen des Landes. Obwohl sie durchaus richtig sein mögen, sollten diese Ansichten nicht unkritisch akzeptiert werden, denn die schriftlichen Aufzeichnungen stammen von Personen, die mit dem Leben in Tuvalu nicht vertraut waren und anders einschätzen als die auf Tuvalu lebenden Menschen.

Von Archäologen wird teilweise vertreten, dass die Urbevölkerung möglicherweise höher entwickelt waren. Beispielsweise wurde bei einer durch einen der Pastoren der Mission in Niutao in den frühen 1930er Jahren organisierten Grabung um das Dorf Malae viele menschliche Schädel entdeckt, die etwa einen Meter unter der Oberfläche begraben waren. In Nukufetau konnten ebenfalls zahlreiche Menschengräber entdeckt werden, insbesondere auf der Insel Fale. Weitere Beweise stammen aus den riesigen Löchern, die in die Erde gegraben wurden, um das auf Tuvaluisch Pulaka genannte Taro zu züchten. Diese Gruben wurden unterschiedlich tief gegraben. Die meisten waren zwischen 30 Zentimetern und sechs Metern tief, aber einige sind zwanzig Meter tief von der Basis bis zum höchsten Punkt des aufgeworfenen Bodens. Diese Art von landwirtschaftlichen Nutzungsflächen und Vorratslagern werfen teilweise die Vermutung auf, dass die Bevölkerungszahl auch über 3.000 Menschen gelegen haben könnte. Darüber hinaus enthalten die traditionellen tuvaluischen Erzählungen keine Berichte über enorme Bevölkerungsverluste, auch wenn Menschen in Kriegen getötet wurden oder wahrscheinlich an Dürren oder Wirbelstürmen starben. 1979 wurde die Bevölkerung von Tuvalu auf 7349 geschätzt. Die gegenwärtige Bevölkerung von Tuvalu beträgt rund 10.640 Einwohner, sowie darüber hinaus wachsende tuvaluische Gemeinden in anderen Ländern, vor allem in Australien, Neuseeland und Kiribati.

Europäische Erforschungen mini|Der spanische Entdecker und Seefahrer Alvaro de Mendaña de Neyra war der erste Europäer, der 1568 mit Tuvalu in Kontakt kam mini|Der spanische Kaufmann und Seefahrer Francisco Antonio Mourelle de la Rúa wurde 1781 zur Zwischenlandung auf Tuvalu gezwungen und entdeckte Nanumanga und Nanumea mini|Nach dem englischen Kaufmann und Politiker Edward Ellice wurde Tuvalu 1819 Ellice Islands benannt

Der erste Europäer, der mit Tuvalu in Kontakt kam, war Alvaro de Mendaña de Neyra, ein spanischer Entdecker und Seefahrer. Er segelte in den Jahren 1567 und 1568 westwärts über den Pazifik, um einen wesentlichen Teil der östlichen Hälfte der Salomonen zu entdecken, zu erkunden und zu benennen. Am 16. Januar 1568 sah Mendaña mit seinem Schiff Capitana seine erste Insel, die sich als Nui herausstellte, und nannte sie die Isla de Jesús (Insel Jesu). Mendaña selbst berichtete über Nui: „Wir fanden es so klein, dass es nicht mehr als sechs Meilen im Umfang war. Die Insel war voller Bäume wie Palmen; Richtung Norden hatte es ein Riff…“ Obwohl sich die Insulaner zum Schiff wagten, wurde kein Kontakt zu ihnen hergestellt. Gallego, der erste Steuermann, dokumentierte lediglich, dass es sich um ‚Nackte und Mulatten‘ handelte, und Sarmiento, der Kapitän des Flaggschiffs, stellte fest, dass die Insel ‚eine große Fischerei‘ hatte.

Ein Vierteljahrhundert später erhielt Alvaro de Mendaña de Neyra erneut Schiffe und Mannschaften, um den Pazifik erneut zu erkunden. Am 11. April 1595 brach Mendaña de Neyra mit seiner Frau Isabel zu einer weiteren, der zweiten Entdeckungsreise auf. Am 29. August 1595 wurde das Atoll von Niulakita entdeckt und La Solitaria genannt. Wieder einmal wurde kein Kontakt hergestellt und Mendaña segelte auf der Suche nach den Salomonen ab, wo er auf Santa Cruz am 18. Oktober 1595 starb.

Dies war der erste und einzige europäische Kontakt mit Tuvalu für fast zwei Jahrhunderte. Die Atolle wurden bis 1781 außer Acht gelassen, ehe der spanische Kaufmann und Seefahrer Francisco Antonio Mourelle de la Rúa bei ungünstigen Winden auf einer Reise von Manila nach Mexiko südlich des Äquators gezwungen wurde, dort zwischen zu landen. Mit unzureichenden Vorkehrungen und aufgrund der durch Kakerlaken aufgefressenen Vorräte, wurde er bis in den Süden des tonganischen Archipels gezwungen. Er segelte am 5. Mai 1781 nordwärts zu einer Insel, die er Isla del Cocal, das Atoll von Nanumanga, nannte. Es war unmöglich zu landen, obwohl die Insulaner, die ebenfalls an Bord kamen, versuchten, seine Fregatte La Princesa zu schleppen, indem sie Leinen an den Bug banden. Mourelle gab schließlich den Versuch auf und segelte nach Nordwesten und sah Nanumea, den er San Augustin nannte, aber nicht näher als sechs Leugen. Wieder einmal waren Tuvalu-Atolle durch Zufall entdeckt worden, weckten aber weiterhin wenig oder kein Interesse bei ihren Entdeckern.

Der US-amerikanische Kapitän Arent Schuyler de Peyster führte die Wiederentdeckung von Tuvalu durch. Er befehligte die britische Brigantine Rebecca, die im Mai 1819 eine Gruppe von vierzehn Inseln entdeckte, die als bewohnt zu gelten schienen. Das erste Atoll wurde entdeckt, als die Rebecca nur knapp 50 Meter vom Ufer entfernt war. Weniger die Sichtbarkeit und die Isolation von Tuvalu, sondern eher die Sorge für Schiffbrüche waren der sehr deutliche Grund für die verspätete Entdeckung. Das Atoll war Funafuti und de Peyster nannte es Ellice’s Group nach dem englischen Kaufmann Edward Ellice, dem Eigner der Ladung der Rebecca und Mitglied des House of Commons für Coventry. Ellice war auch ein Finanzier mit weitreichenden imperialistischen Interessen und eine führende Persönlichkeit der Hudson’s Bay Company in Kanada. Am nächsten Morgen sah de Peyster Nukufetau, das er de Peyster’s Group nannte, ehe der englische Hydrograf Alexander George Findlay in seinem 1851 erschienenen Werk Coasts and Islands of the Pacific Ocean den Namen Ellice Islands auf alle neun Inseln anwandte.

Im darauffolgenden Jahrzehnt besuchten mehr Händler und Walfänger kurz Tuvalu, vor allem nach der Entdeckung des Walfanggebiets im Zentralpazifik im Jahre 1818. Kapitän George Barrett war mit dem aus Nantucket kommenden Walfängerschiff Independence II der erste, der Nukulaelae entdeckte, und am 6. November 1821 Niulakita wiederentdeckte. Vier Jahre später entdeckte Obed Starbuck 1825 mit dem Walfängerschiff Loper Niutao und Vaitupu und Kapitän Eeg des holländischen Schiffes Pollux, Nui, mehr als 250 Jahre nach Mendañas erster Reise. Obwohl nur wenige Reisebericht verfasst wurden, dienen sie schließlich dazu, die Position der Atolle auf der Karte des Pazifiks zu bestimmen. Unbeabsichtigte Entdeckungen führten zu einer fast unbeabsichtigten Eingliederung. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Tuvaluer offensichtlich mit den unglücklichen medizinischen Auswirkungen der zunehmenden Zahl von Europäern vertraut. Als Kapitän Pease des Schiffes Planter als einer der ersten Europäer das Atoll von Nanumea besuchte, wurde er gewaschen und durfte erst nach verschiedenen weiteren Zeremonien an Land treten.