Mitterfels ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mitterfels. Mitterfels ist staatlich anerkannter Luftkurort.

Geographie Lage Der Markt liegt im Naturpark Bayerischer Wald auf einem Felsplateau über der Menach. Die exponierte Lage brachte dem Ort schon früh die Bezeichnung „Bayerisches Jerusalem“ ein.

Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf im Gemeindeteil Kögl, der tiefste auf im Gemeindeteil Aichmühl.

Gemeindegliederung

Es gibt 36 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Das Gebiet der Gemeinde und der Gemarkung Mitterfels sind deckungsgleich.

Einige frühere Ortsteile/Gemeindeteile sind Hochfeld, Leimgruben, Reinbach, Reitschul, Unterholzen, Weiherfeld, Ziegelhütte.

Nachbargemeinden Ascha Haselbach Hunderdorf Bogen Steinach

Klima Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7 °C–8 °C, die Jahresniederschlagssumme liegt zwischen 750 mm bis 850 mm.Bayerisches Landesamt für Umwelt, GeoFachdatenAtlas

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im Jahre 1104 gründeten die Grafen von Bogen das nahe Kloster Oberalteich. Die Burg Mitterfels wird erstmals 1194 genannt. Diese fiel mit dem Aussterben der Grafen von Bogen im Jahr 1242 an die Wittelsbacher. Mitterfels war von 1280 bis 1799 Sitz eines Pflegamts und von 1799 bis 1879 eines Landgerichts des Kurfürstentums und Königreiches Bayern. Im Dreißigjährigen Krieg fiel die Festung Mitterfels 1633/34 an die Schweden. Im 18. Jahrhundert wurden Angriffe der Panduren erfolgreich abgewehrt. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Sie wurde aus den Orten des Steuerdistrikts Mitterfels, sowie einzelnen Orten aus den Steuerdistrikten Gaishausen (Vorder- und Hinterbuchberg), Haselbach (Einfürst) und Ascha (Auhof, Englberg, Hörmannsberg) gebildet.

19. bis 21. Jahrhundert Das Landgericht wurde 1861 aufgelöst, ein Amtsgericht bestand im Schloss Mitterfels bis zum Jahr 1973. Trotz seiner zentralörtlichen Funktion als Verwaltungsmittelpunkt besaß Mitterfels kein Markt- oder Stadtrecht. Erst 1968 wurde es zum Markt erhoben. Die Burganlage, die heute im Eigentum der Gemeinde und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mitterfels ist, gehört zu den landschaftsprägenden Baudenkmalen der Region. Die historische Hien-Sölde, ein 1436 errichtetes Kleinbauernhaus in Blockbauweise, besitzt überregionale Bedeutung.

Eingemeindungen Im Jahr 1876 wurde die Gemeinde Scheibelsgrub eingemeindet. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeindeteile Hagnberg, Kögl und Wiespoint der aufgelösten Gemeinde Gaishausen nach Mitterfels eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Einwohner 949 1017 1047 1098 1136 1630 1583 1659 2047 2125 2221 2372 2459 2504 2478 2483 2468 2445 2421 2441 2467 2514 2609 2732 2799 2807 2823 2829 2858 2870

Religion Nach den Ergebnissen des Zensus 2022 waren 63,7 % der Einwohner römisch-katholisch und 8,5 % evangelisch. Bei der Volkszählung 1987 hatten die Anteile 87,9 % bzw. 10,3 % betragen.

Politik

Bürgermeister Seit 1. Mai 2020 ist Andreas Liebl (FW/FWG) hauptamtlicher erster Bürgermeister der Marktgemeinde. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 erreichte er 66,78 % der gültigen Stimmen. Bei der Wahl 2026 trat er ohne Gegenkandidat an und wurde für weitere sechs Jahre bestätigt. Sein Vorgänger war Heinrich Stenzel (Freie Wählergemeinschaft), der im Jahr 2002 Nachfolger von Werner Lang (CSU/Unabhängige Bürger) wurde.

Gemeinderat Der Marktgemeinderat besteht aus dem berufsmäßigen ersten Bürgermeister und 14 ehrenamtlichen Mitgliedern, die zuletzt am 8. März 2026 gewählt wurden. In der Amtszeit 1. Mai 2026 bis 30. April 2032 sind diese 14 Mitglieder wie folgt verteilt: CSU/UB: 3 Sitze Freie Wähler/FWG 7 Sitze SPD/FB: 2 Sitze CWM: 2 Sitze

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler Schloss Mitterfels ging aus der Burganlage der Grafen von Bogen hervor. Die Reste der mittelalterlichen Burganlage sind von der Ortschaft durch einen 20 Meter tiefen Burggraben getrennt, der von einer 1791 errichteten Steinbrücke überspannt wird. Der Hauptturm stürzte 1812 ein. Erhalten blieben Reste der Ringmauern, der Gefängnistrakt des 18. Jahrhunderts und das Pflegerhaus. Das 1780 anstelle eines älteren Gebäudes erbaute Schloss, ehemals Pfleg-, Land- und Amtsgericht, dient seit 1973 als Rathaus und ist seit 1977 Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mitterfels.

Das ehemalige Gefängnis wurde im 18. Jahrhundert in den Turmzwinger eingefügt. Es war bis 1879 Gefängnis des Landgerichts und bis 1949 des Amtsgerichts Mitterfels. Hier befindet sich seit 1982 das Heimatmuseum mit originalen Gefängniszellen. Die Nebenkirche St. Georg entstand aus einer Burg- und Schlosskapelle. Sie wurde 1734 neu errichtet und war bis 1805 Filialkirche der Klosterpfarrei Kreuzkirchen. Von 1805 bis 1970 diente sie als Pfarrkirche der neuen Pfarrei Mitterfels, bis sie durch den Neubau Hl. Geist abgelöst wurde. Das zweijochige Kirchenschiff weist eine toskanische Pilastergliederung und ein Stichkappengewölbe auf. Seit 2001 werden im Burggarten vom Burgtheaterverein Mitterfels Singspiele und Musicals aufgeführt.

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Im Jahr 2020 gab nach der amtlichen Statistik 960 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1109. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 28 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 597 ha, davon waren 305 ha Ackerfläche und 291 ha Dauergrünfläche.

Tourismus Das Gemeindegebiet, außer den Gemeindeteilen Hagnberg, Kögl und Wiespoint, ist als Luftkurort staatlich anerkannt.

Verkehr Die Staatsstraße 2140 und die Staatsstraße 2147 kreuzen in Mitterfels. Die Entfernung zur Autobahn A 3 beträgt sechs Kilometer. Die Bundesstraße 20 kann in fünf Kilometern erreicht werden.

ÖPNV Durch Mitterfels verkehren drei Regionalbuslinien der Verkehrsgemeinschaft Straubinger Land(VSL). Linie 10: Konzell - Mitterfels - Bogen - Straubing Linie 11: Untergschwandt-Haibach-Mitterfels-Bogen Linie 31: Geraszell - Wiesenfelden - Falkenfels - Bogen

Von 1896 bis 1984 war Mitterfels durch die Bahnstrecke Straubing–Miltach an das Bahnnetz angebunden.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2024):

drei Kindertagesstätten: 204 genehmigte Plätze, 161 betreute KinderStatistik kommunal 2023, Seite 16 zwei allgemeinbildende Schulen: Grundschule Mitterfels-Haselbach: 11 hauptamtliche Lehrkräfte, 158 Schülerinnen und Schüler (Stand: 2024/25) Zum Sprengel der Grundschule Mitterfels-Haselbach gehören der Großteil des Gebietes der Gemeinde Mitterfels, außer deren Gemeindeteile Aign, Aichmühl, Dunk, Englberg, Einfürst und Pürstenberg, sowie der Großteil des Gemeindegebietes von Haselbach, hier ohne die Gemeindeteile Buchhof, Hamberg, Gonnersdorf und Zachersdorf. Aus Haibach gehören die Gemeindeteile Leimbühlholz und Roßhaupten zum Grundschulsprengel. Mittelschule Mitterfels-Haselbach: 14 hauptamtliche Lehrkräfte, 168 Schülerinnen und Schüler (Stand: 2024/25) zwei öffentliche Berufsfachschulen: Staatl. Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung Mitterfels: 8 hauptamtliche Lehrkräfte, 32 Schülerinnen und Schüler (Stand: 2024/25) Staatl. Berufsfachschule für Kinderpflege Mitterfels: 9 hauptamtliche Lehrkräfte, 82 Schülerinnen und Schüler (Stand: 2024/25) Die Kreismusikschule des Landkreises Straubing-Bogen hat ihren Sitz in Mitterfels. Öffentliche Bücherei

Persönlichkeiten Ehrenbürger Alois Radler, von 1899 bis 1930 Oberamtsrichter in Mitterfels Joseph Obermayer (~1892–1981), von 1934 bis 1937 Gefängnisverwalter in Mitterfels Joseph Brettner, von 1920 bis 1951 katholischer Pfarrer in Mitterfels Ludwig Pramps (1926–2009), von 1966 bis 1999 katholischer Pfarrer in Mitterfels Werner Lang (1937–2020), von 1978 bis 2002 Erster Bürgermeister in Mitterfels Quelle: Markt Mitterfels

In Mitterfels geboren Johann Strassmaier (1846–1920), Altorientalist Wilhelm Bohl (1886–1958), Theologe Dionys Schötz (1891–1972), katholischer Theologe und Bibliothekar Franz Mayer (1920–1977), Rechtswissenschaftler, erster Rektor der Universität Regensburg Adelheid Brunner (* 1957), Judoka Mit Mitterfels verbunden Johann Kaspar Thürriegel (1722–1800), Abenteurer, Gerichtsschreiber in Mitterfels Hans Gutbrod (1877–1948), Tierarzt Gustav Kelber (1881–1961), bayerischer Schriftsteller und Jurist Johann Wartner (1883–1963), Abgeordneter, aus dem Ortsteil Scheibelsgrub Georg Fritz (1884–1967), Maler und Grafiker Josef Bauer, (1881–1958), Politiker, um 1900 Lehrer in Mitterfels Josef Rußwurm (1907–1969), zwischen 1941 und 1950 kath. Pfarrer in Mitterfels Hans Rieser (* 1934), österreichischer Bildhauer Wolfgang Hammer (* 1946), Pädagoge und Autor Alexander Stern (* 1976), Bildhauer, Maler und Installationskünstler Johanna Uekermann (* 1987), Politikerin (SPD)

Literatur

Weblinks

Markt Mitterfels

Einzelnachweise

Kategorie:Ortsteil von Mitterfels Kategorie:Ort im Landkreis Straubing-Bogen Kategorie:Markt in Niederbayern Kategorie:Gemeindegründung 1818