Richard Kleine (* 4. Juli 1874 in Magdeburg; † 10. April 1948 in Halle (Saale)) war ein deutscher Entomologe, Koleopterologe und Phytopathologe. Seine Forschungsschwerpunkte waren die Familien der Rotdeckenkäfer (Lycidae) und der Langkäfer (Brentidae).
Leben Kleine kam als Sohn eines Tischlermeisters in Magdeburg zur Welt. Seine Leidenschaft für Pflanzen und Insekten wurde bereits von klein auf von der Mutter, die eine eifrige Blumenzüchterin war, gefördert, indem sie ihn auf ihre botanischen Harztouren mitnahm. Auf Druck seines Vaters erlernte er in Magdeburg das Buchdruckerhandwerk, hielt sich einige Jahre als Geselle im Rheinland auf und arbeitete von 1899 bis 1910 als Maschinenmeister in Halle (Saale). 1911 gab er seinen Beruf auf und wurde Assistent von Kurt Störmer (1878–1950) an der Station für Pflanzenschutz der Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen. 1912 erfolgte der Wechsel an die Anstalt für Pflanzenbau der Landwirtschaftskammer für die Provinz Pommern in Stettin. 1924 wurde er zum Hauptstellenleiter für Pflanzenschutz und der Samenprüfstelle und 1928 zum Landwirtschaftskammerrat ernannt.
1937 wurde er pensioniert und 1938 wurde er ehrenamtlicher Mitarbeiter am Museum für Naturkunde in Stettin, bis er im März 1945 während der Evakuierung die Stadt verlassen musste. Kleine und seine Frau kamen zunächst in Zettemin und in Pinnow unter, bevor sie 1946 nach Halle (Saale) zurückkehrten. 1947 starb Kleines Frau und im April 1948 starb er an den Folgen einer Tuberkuloseerkrankung.
Kleines Bibliographie umfasst 417 entomologische Titel und eine ähnlich hohe Anzahl von phytopathologischen Publikationen, die sich mit Unkräutern und ihrer Bekämpfung, mit Pilzerkrankungen der Getreide und Futterpflanzen, mit Getreidebeizung, mit Anbau und Krankheiten der Kartoffel, darunter Kartoffelkrebs, mit Rübenkrankheiten und anderen Fragen des Pflanzenschutzes befassen. Zu den von ihm behandelten Schadinsekten zählen die Kümmelmotte, der Erbsenwickler, die Kohleule, die Wintersaateule, der Brotkäfer, der Rübenaaskäfer, Erdflöhe, Kornkäfer, Fritfliege, Weizenhalmfliege, Getreideblumenfliege, Rübenfliege und der Borkenkäfer.
Lange wurde angenommen, dass Kleines Sammlung während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde, 2004 stellte sich jedoch heraus, dass ein Teil von Stettin nach Warschau transportiert wurde, wo sie noch heute im Museum und Institut für Zoologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften untergebracht ist.
Von Kleine beschriebene Käfergattungen Neben mehreren hundert Käferarten, darunter 103 aus Neuguinea, beschrieb Kleine 91 Gattungen, dazu zählen:
Gyalostoma Kleine, 1914 Heterothesis Kleine, 1914 Elytracantha Kleine, 1915 Baryrhynchus (Eupsalomimus) Kleine, 1916 Caenosebus Kleine, 1916 Dyscheromorphus Kleine, 1916 Isomorphus Kleine, 1916 Schizoadidactus Kleine, 1916 Stibacephalus Kleine, 1916 Tetanocephalus Kleine, 1916 Anepsiotes Kleine, 1917 Heteroblysmia Kleine, 1917 Schizoeupsalis Kleine, 1917 Suborychodes Kleine, 1917 Systellus Kleine, 1917 Acramorphocephalus Kleine, 1918 Hadramorphocephalus Kleine, 1918 Hypomiolispa Kleine, 1918 Leptamorphocephalus Kleine, 1918 Micramorphocephalus Kleine, 1918 Ithystenomorphus Kleine, 1919 Mesitogenus Kleine, 1919 Perisymmorphocerus Kleine, 1919 Syggenithystenus Kleine, 1919 Anocamara Kleine, 1920 Atenophthalmus Kleine, 1920 Homophylus Kleine, 1920 Isoceocephalus Kleine, 1920 Myrmecobrenthus Kleine, 1920 Palaeoceocephalus Kleine, 1920 Paramorphocephalus Kleine, 1920 Pseudoceocephalus Kleine, 1920 Pseudophocylides Kleine, 1920 Agrioblepis Kleine, 1921 Allacompsus Kleine, 1921 Corporaalia Kleine, 1921 Hemiorychodes Kleine, 1921 Henorychodes Kleine, 1921 Hetaeroceocephalus Kleine, 1921 Megateras Kleine, 1921 Paratrachelizus Kleine, 1921 Parorychodes Kleine, 1921 Proteramocerus Kleine, 1921 Sclerotrachelus Kleine, 1921 Synorychodes Kleine, 1921 Thaumastopsis Kleine, 1921 Ananesiotes Kleine, 1922 Autometrus Kleine, 1922 Calyptulus Kleine, 1922 Chalybdicus Kleine, 1922 Chelorhinus Kleine, 1922 Euschizus Kleine, 1922 Hemicordus Kleine, 1922 Leptocymatium Kleine, 1922 Opisthenoxys Kleine, 1922 Periceocephalus Kleine, 1922 Peritrachelizus Kleine, 1922 Pittodes Kleine, 1922 Proepisphales Kleine, 1922 Pseudanchisteus Kleine, 1922 Pyresthema Kleine, 1922 Stroggylosternum Kleine, 1922 Uropteroides Kleine, 1922 Aneorhachis Kleine, 1923 Holobrenthus Kleine, 1923 Peraprophthalmus Kleine, 1923 Schizephebocerus Kleine, 1923 Amobaeus Kleine, 1925 Ceragogus Kleine, 1925 Genogogus Kleine, 1925 Hemisamblus Kleine, 1925 Metatrachelus Kleine, 1925 Parusambius Kleine, 1925 Perorychodes Kleine, 1925 Plesiophocylides Kleine, 1925 Schizuropterus Kleine, 1925 Teraticorhynchus Kleine, 1925 Catablysmia Kleine, 1926 Catagogus Kleine, 1926 Eupsalomorphus Kleine, 1926 Paragogus Kleine, 1926 Pseudomiolispa Kleine, 1926 Hyposphales Kleine, 1927 Nemocephalinus Kleine, 1927 Raphirhynchidus Kleine, 1927 Stereobatinus Kleine, 1927 Taphroderomimus Kleine, 1927 Macropareia Kleine, 1932 Hypotrachelizus Kleine, 1933 Leptomiolispa Kleine, 1933 Parapisthius Kleine, 1935
Dedikationsnamen 1918 benannte Embrik Strand die Langkäfergattung Kleineella nach Richard Kleine.
Literatur Hans Sachtleben: Richard Kleine. Ein Nekrolog Koleopterologische Zeitschrift Band 1, Ausgabe 2, 1949, S. 89–92
Kategorie:Entomologe Kategorie:Koleopterologe Kategorie:Phytopathologe Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1948 Kategorie:Mann