Nur eine Frau (internationaler Titel A Regular Woman) ist ein Kino-Spielfilm von Sherry Hormann, der am 9. Mai 2019 in die deutschen Kinos kam. Die Filmbiographie handelt vom Leben der deutsch-kurdischen Berlinerin Hatun Sürücü, die einem sogenannten Ehrenmord durch einen ihrer Brüder zum Opfer fällt. Sandra Maischberger produzierte den Spielfilm, die Hauptrolle übernahm die Deutsch-Türkin Almila Bagriacik.

Handlung Hatun „Aynur“ Sürücü will ein freies, selbstbestimmtes Leben führen, was auf den Widerwillen ihrer Familie stößt. Nachdem sie sich entschied, die arrangierte Ehe mit ihrem gewalttätigen Mann zu beenden und mit ihrem Sohn zurück nach Deutschland zu kommen, stößt sie auf starken Widerstand in ihrer Familie. Ihren Mann zu verlassen hat Schande über sie und ihre Familie gebracht. Sie möchte jedoch ab jetzt selbst über ihr Leben entscheiden. Insbesondere ihre Brüder wollen ihren „westlichen“ Lebensstil auf keinen Fall akzeptieren. Immer wieder wird sie von ihnen bedroht und beschimpft. Schließlich erstattet Aynur Anzeige gegen ihren ältesten Bruder und zieht mit ihrem Kind zu einer Freundin.

Zunächst arbeitet sie in einem Supermarkt; dann entscheidet sie sich, eine Ausbildung zur Elektroinstallateurin zu machen.

Sie beginnt, abends tanzen zu gehen, legt das Kopftuch ab und hat Liebhaber. Eines Tages lernt sie ihre große Liebe Tim kennen. Der kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Can und fährt mit Hatun Motorrad. Immer wieder sucht Hatun den Kontakt zu ihrer Familie und hofft, dass sich der Konflikt lösen lässt. Die Mutter und die Schwester Shirin treffen Hatun heimlich. Der älteste Bruder ruft Hatun immer wieder an, um sie zu beschimpfen und zu bedrohen. Tim gegenüber redet Hatun das Problem klein; doch Tim kann den Familienterror nicht ertragen und trennt sich schließlich von ihr.

Derweil holen sich die Brüder Rat in der Moschee, wie mit Frauen umzugehen sei, die vom „wahren Weg“ abweichen. Als Hatuns jüngster Bruder Nuri sie zum Geburtstag in ihrer Wohnung besucht und bemerkt, dass sich dort fremde Männer aufhalten, verlässt er die Feier umgehend, ohne sein Geschenk übergeben zu haben. Das sei der Augenblick gewesen, in dem er endgültig beschlossen habe, Hatun zu töten, sagt er später.

Einer der älteren Brüder beschafft eine Pistole und Nuri erschießt seine Schwester an der Bushaltestelle in der Nähe ihrer Wohnung.

Beim Prozess tritt Hatuns Schwester Shirin als Nebenklägerin auf und kann so den Verteidigern der Brüder Akteneinsicht verschaffen. Lediglich Nuri wird nach Jugendstrafrecht zu neun Jahren Gefängnis verurteilt; seine Brüder werden freigesprochen. Das Sorgerecht für Hatuns Sohn Can wird nicht der Familie zugesprochen. Er kommt in eine Pflegefamilie.

Produktion mini|hochkant|Almila Bagriacik spielte die Deutschtürkin Hatun Aynur Sürücü Die Regie für das Dokudrama führte Sherry Hormann, das Drehbuch schrieb Florian Oeller, basierend vor allem auf dem Sachbuch von Matthias Deiß und Jo Goll, die mit der Familie Sürücü Interviews geführt hatten.dpa: «Nur eine Frau». Sandra Maischberger über Zwangsverheiratungen. In: Badische Neueste Nachrichten, 6. Mai 2019, Interview mit Sandra Maischberger. Produziert wurde der Film von der Journalistin und Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger.

Der Film erhielt vom Medienboard Berlin-Brandenburg eine Produktionsförderung in Höhe von 200.000 Euro und von der Nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen in Höhe von 100.000 Euro.

Almila Bagriacik übernahm die Hauptrolle von Aynur. Wie diese kommt die Schauspielerin aus einer türkischen Familie, wurde 1990 in Ankara geboren und kam mit fünf Jahren nach Berlin.Susanne Lenz: Almila Bagriacik: „Herkunft ist ja nur ein Hintergrundgeräusch“. In: Frankfurter Rundschau, 9. Mai 2019. Meral Perin spielt Aynurs Mutter Deniya, Mürtüz Yolcu ihren Vater Rohat. Ihr Bruder Tarik, der als Soldat bei der Bundeswehr arbeitet, wird von Aram Arami gespielt.Nur eine Frau. In: filmportal.de, aufgerufen am 17. Mai 2019. Der Nachwuchsschauspieler Rauand Taleb spielt Nuri, Aynurs kleinen Bruder, der den „Ehrenmord“ durchführt.Tim Sohr: Verfilmung „Nur eine Frau“: Vom kleinen Bruder erschossen – die unerträgliche Geschichte eines „Ehrenmordes“. In: Stern Online, 8. Mai 2019.

Die Dreharbeiten haben am 8. August 2018 begonnen und wurden nach 23 Drehtagen am 7. September 2018 beendet. Als Kamerafrau fungierte Judith Kaufmann. Den Schnitt machte die Filmeditorin Bettina Böhler.

Der Film wurde am 9. Februar 2019 in der Reihe LOLA at BerlinaleHier Cannes Oscar Berlinale schauen – Pressemappe zur Berlinale 2019. In: rbb-online.de, aufgerufen am 17. Mai 2019, (PDF; 4,3 MB). der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Akkreditierte des European Film Market gezeigt. Am 27. April 2019 hatte der Film beim Tribeca Film Festival im Rahmen des internationalen Wettbewerbs seine Weltpremiere.A Regular Woman. In: Tribeca Film Festival, aufgerufen am 17. Mai 2019. Die deutsche Premiere fand am 2. Mai auf dem Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern statt. In: Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2019: „Das Publikum entschied sich für Sherry Hormanns Drama Nur eine Frau, der in Schwerin seine deutsche Premiere feierte.“ Am 9. Mai 2019 kam er im Verleih/Vertrieb von NFP – neue film produktion und The Match Factory in die deutschen Kinos.. In: insidekino.com, aufgerufen am 17. Mai 2019. Ende Juli 2019 wurde er beim Jerusalem Film Festival gezeigt.A Regular Woman. In: jff.org.il. Abgerufen am 24. Juli 2019. im August 2019 beim Melbourne International Film Festival,A Regular Woman. In: miff.com. Abgerufen am 9. Juli 2019. Ende August 2019 beim Festival des deutschen Films.Nur eine Frau In: festival-des-deutschen-films.de. Abgerufen am 18. Juli 2019. Am 29. Januar 2020 wurde der Film auf Das Erste ausgestrahlt.

Film- und Themenanalyse Filmtitel und Aufbau Anke Westphal von epd film erklärt, der Filmtitel Nur eine Frau wecke verschiedene Assoziationen: „Hier geht es nicht allein um die Geringschätzung und totale Bevormundung von Frauen in patriarchalisch-archaischen Strukturen, sondern auch darum, dass vielen Frauen in einem solchen Milieu das Gleiche wie Aynur angetan wurde und wird.“Anke Westphal: Kritik zu Nur eine Frau. In: epd Film, 23. April 2019, abgerufen am 20. August 2019.

Der Film ist chronologisch aufgebaut. Die Schauspielerin Almila Bagriacik, die die Hauptrolle von Aynur übernahm, kommentiert aus dem Off ihre Leidensgeschichte.Luitgard Koch: Nur eine Frau. In: programmkino.de, aufgerufen am 17. Mai 2019. Zu Beginn des Films sprechen die Figuren untereinander noch Türkisch, bis die Protagonistin einwirft „Ach so, ihr versteht uns ja nicht“ und sie ins Deutsche wechseln.Ceyda Nurtsch: „Nur eine Frau“: Geschichte eines „Ehrenmords“. In: Focus Online, 9. Mai 2019. Anke Westphal lobt die prägnanten Kommentare aus dem Off („Quasi aus dem Jenseits“), die mitunter das Geschehen vorwegnehmen. Außerdem würde das soziale Drama immer wieder durch grafische Elemente wie Texteinblendungen und Standfotos rhythmisiert und damit etwas versachlicht. Der Spielfilm sei auch das Psychogramm einer Familie. Die eigentliche Spielhandlung werde in ihrer Dramatik öfter unterbrochen und dadurch etwas gemildert; so werden Fotos und Heimvideos mit Aufnahmen der realen Hatun Sürücü dazwischengeschnitten, gewissermaßen als Momente des Innehaltens, so Westphal.

Diesen Ansatz erklärt Produzentin Sandra Maischberger so: „Über diesen Fall wurden vor allem Dokumentarfilme gemacht. Die lassen vor allem natürlich die Männer zu Wort kommen, die leben. Also den Mörder, die Brüder.“ Mit dem Film wolle man nun Aynur eine Stimme geben, da sie einen Kampf führte, der heute noch so gegenwärtig sei und den viele Frauen führten.Ceyda Nurtsch: „Nur eine Frau“: Geschichte eines „Ehrenmords“. In: Deutsche Welle, 9. Mai 2019. Gleichzeitig skizziert der Film, wie herzlos sämtliche Familienmitglieder, auch die Schwestern, die aufgeweckte Aynur, die nicht mit ihrer Familie brechen will, behandelten, so Ceyda Nurtsch von der Deutschen Welle: „Er bewegt sich fernab von Klischees wie ‚westliche freie Welt gegen fanatische muslimische Welt‘, sondern ist vielmehr auch eine Anklage an die Justiz, die nur den jüngsten Bruder verurteilt, der die Tat gesteht und mit der geringsten Strafe zu rechnen hat.“

„Ehrenmorde“ in Deutschland mini|Hatun Sürücüs Grabstein auf dem Landschaftsfriedhof Gatow Der „Ehrenmord“ an Hatun Sürücü ist laut einer Studie des Bundeskriminalamtes kein Einzelfall, sondern einer von einem Dutzend Tötungsdelikten, die pro Jahr in Deutschland „im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände“ verübt werden. Vielen Deutschen wurde erst durch die Medienberichte über diesen Fall der Begriff geläufig. Die Geschichte sorgte 2005 bundesweit für Entsetzen, und der Begriff „Ehrenmord“ prägte fortan die Debatten über Integration und Parallelgesellschaft.cke: Hatuns Mörder arbeitete für deutschen Botschafter. In: Die Welt, 29. Juli 2015. Jörg Lau von der Zeit sagte damals, der Fall habe ein Schlaglicht auf den Zustand des Einwanderungslandes Deutschland geworfen und fragte: „Kann es sein, dass wir gerade riesige Rückschritte bei der Integration der türkischen Einwanderer machen? Sind türkische Familien mitten in Deutschland ein rechtsfreier Raum für tausende junge Mädchen und Frauen? Ist das Frauenbild des Islams mit unserem Werte- und Rechtssystem unvereinbar? Oder ist die moralische und ökonomische Verwahrlosung einer kulturell fremd gebliebenen Unterschicht das Problem?“ Zudem stellte sich Lau die Frage, was eigentlich in den Köpfen junger türkischer Männer vorgeht, für die „deutsche Frau“ offenbar ein Synonym für „Hure“ sei.Jörg Lau: „Wie eine Deutsche“: Hatun Sürücü hatte sich von ihrer türkischen Familie gelöst und wurde ermordet – wie fünf weitere Frauen in den letzten Monaten allein in Berlin. Erst jetzt wird der „Ehrenmord“ zum Politikum. In: Die Zeit, 24. Februar 2005, Nr. 9.

Luitgard Koch von der Gilde deutscher Filmkunsttheater schreibt, die Zerrissenheit junger Migrantinnen zwischen einem selbstbestimmten westlichen Lebensstil und den streng patriarchalen Traditionen ihrer Familie sei seit langem ein Thema. Fern aller Klischees und Vorverurteilungen beleuchte Regisseurin Sherry Hormann den Konflikt von allen Seiten und mache die Zerrissenheit der Figuren und die fatale Abhängigkeit von patriarchal-religiösem Absolutismus spürbar. Intensiv arbeite Hormann die perfide Paradoxie des brutalen Verbrechens „Ehrenmord“ heraus und zeigt auch die juristische schwierige Aufarbeitung des Falls. Die Juristin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş wies darauf hin, dass Ehrenmorde unter Türken und Muslimen in Deutschland noch begrüßt würden. Außerdem wurde Ayhan Sürücü im Gefängnis, wie vielfach berichtet, für den Mord an seiner Schwester als „Märtyrer“ gefeiert.Seyran Ateş im Interview mit Anna Reimann: Sürücü-Todestag: „Die Angst bestimmt den Alltag der Frauen“. In: SpOn, 7. Februar 2007. Für viele Menschen hingegen wurde Hatun Sürücü zu einer tragischen Heldin.

Das Thema „Ehrenmorde in Deutschland“ verarbeitete Feo Aladag auf Basis ihrer Recherchen für Amnesty International mit starker Anlehnung an das Leben von Hatun Sürücü 2010 zu einem international vielfach ausgezeichneten Spielfilm.

Hatun Sürücü als Heldin mini|hochkant|Für Regisseurin Sherry Hormann ist Hatun Sürücü eine Kriegerin