Ganzhorns Mausmaki (Microcebus ganzhorni) ist eine Primatenart aus der Gattung der Mausmakis innerhalb der Teilordnung der Lemuren. Er ist im Südosten Madagaskars endemisch und wurde mit zwei weiteren Arten der Mausmakis 2016 erstbeschrieben.
Merkmale Da der Holotyp eine Gewebeprobe ist enthält die Erstbeschreibung keine Angaben zu den Merkmalen der Art. Der Zoo Prag bezeichnet seine zuvor als Graue Mausmakis identifizierten Tiere als Ganzhorns Mausmakis, allerdings ohne anzugeben wie die Identifizierung erfolgte. Den Angaben des Zoos zufolge haben sie ein feines gräuliches Fell, bisweilen mit einem dunklen Längsstreifen, und einen buschigen Schwanz. Ganzhorns Mausmaki gehört zu den größeren Mausmakiarten und erreicht eine Körperlänge von 12,5 bis 15 Zentimetern und eine Schwanzlänge von etwa 13,5 Zentimeter bei einem Gewicht von 39 bis 90 Gramm.Maki ganzhurnov (Microcebus ganzhorni), Website des Zoo Prag, abgerufen am 25. März 2019. Für eine vergleichende Studie vermeintlicher Populationen des Grauen Mausmakis wurden zwischen 2000 und 2003 127 Exemplare von Ganzhorns Mausmaki im Mandenga Forest vermessen und einige Maße dokumentiert. Die Schwanzlänge betrug durchschnittlich 13,25 Zentimeter, die Länge der Hinterfüße 3,24 Zentimeter, Länge und Breite des Schädels 3,5 und 2,18 Zentimeter, und Länge und Breite der Ohren 2,35 und 1,76 Zentimeter. Das Gewicht der männlichen Exemplare schwankte zwischen durchschnittlich 56,6 Gramm im Juni und 76,9 Gramm im Dezember. Bei den etwas größeren weiblichen Exemplaren schwankte das Gewicht zwischen durchschnittlich 64,3 Gramm im Juni und 105,6 Gramm im November. Dabei wurde nicht zwischen trächtigen und anderen Weibchen unterschieden.Petra Lahann, Jutta Schmid und Jörg U. Ganzhorn: Geographic Variation in Populations of Microcebus murinus in Madagascar: Resource Seasonality or Bergmann’s Rule? In: International Journal of Primatology 2006, Band 27, Nr. 4, .
Lebensweise Ganzhorns Mausmaki ist wie alle Mausmakis nachtaktiv und hält sich meist auf den Bäumen auf. Er ist ein Allesfresser, der sich vor allem von Früchten und Insekten ernährt. Der Zoo Prag nennt eine Ernährung von Wirbellosen, Früchten, Blüten und Nektar. Eine Freilandstudie über vier Jahre erbrachte das Ergebnis, dass Ganzhorns Mausmaki sich vorwiegend von Früchten ernährt, wobei Früchte von mehr als 35 Millimeter Länge ganz gemieden und deutlich kleinere Beeren bevorzugt werden. Durch direkte Beobachtung, Samen im Kot und Fraßspuren an Früchten konnte der Verzehr der Früchte von 66 verschiedenen Pflanzenarten nachgewiesen werden. Die Samen der Früchte von 34 verschiedenen Arten passierten den Verdauungstrakt unbeschadet. Ganzhorns Mausmakis spielen in ihrem Habitat eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung von Pflanzensamen bis zu einer Länge von 6,5 Millimeter. Während 63 Prozent aller beobachteten Nahrungsaufnahmen Früchte betrafen, wurden bei 22 Prozent Blüten, 11 Prozent Gliederfüßer und 4 Prozent Gummen gefressen. Die Untersuchung erbrachte für die beiden sympatrischen Arten der Fettschwanzmakis sehr ähnliche Ergebnisse, die Nahrungskonkurrenz wird nicht durch die Wahl unterschiedlichen Futters, sondern durch den Aufenthalt in unterschiedlichen Höhen der Baumkronen vermindert: durchschnittlich 4 Meter bei Ganzhorns Mausmaki, 5 Meter beim Westlichen Fettschwanzmaki und 7 Meter beim Braunen Fettschwanzmaki.Petra Lahann: Feeding ecology and seed dispersal of sympatric cheirogaleid lemurs (Microcebus murinus, Cheirogaleus medius, Cheirogaleus major) in the littoral rainforest of south-east Madagascar. In: Journal of Zoology 2007, Band 271, S. 88–98, .
Ganzhorns Mausmakis verbringen die Nächte alleine mit der Nahrungssuche und die Tage alleine oder in Gruppen in Schlafnestern. Dabei gibt es im Unterschied zu Lemuren wie den Fettschwanzmakis keine feste Paarbindung. Während die weiblichen Tiere auf einer Fläche von etwa einem halben Hektar verbleiben, streifen die männlichen auf bis zu drei Hektar umher.Brigitte M. Raharivololona, Rakotondravao und Jörg U. Ganzhorn: Gastrointestinal parasites of Small Mammals in the Littoral Forest of Mandena. In: Jörg U. Ganzhorn, Steven M. Goodman und Manon Vincelette (Hrsg.): Biodiversity, Ecology, and Conservation of Littoral Ecosystems in the Region of Tolagnaro (Fort Dauphin), Southeastern Madagascar. Smithsonian Institution, Washington, D.C. 2007, ISBN 978-1-893912-00-7, S. 247–258. Die Trächtigkeitsdauer wird vom Zoo Prag mit 54 bis 68 Tagen angegeben, ein Wurf umfasst zwei oder drei Junge. Ganzhorns Mausmakis haben innerhalb eines Jahres zwei oder drei Würfe. Obgleich es zwischen Oktober und April oder Mai zu Würfen kommt, ist der November der Monat mit mehr als der Hälfte der Würfe und der Januar/Februar der Zeitraum mit mehr als einem Viertel aller Würfe. Es wird vermutet, dass es im April/Mai zu einem dritten Wurf kommt.
Ganzhorns Mausmakis haben zwei alternativ zu nutzende Strategien, um auf Zeiten mangelnden Nahrungsangebots und ungünstiger Umweltbedingungen mit einem reduzierten Energieverbrauch zu reagieren. Ein Winterschlaf eines Tieres dauerte 30 Tage. Dabei folgte die Körpertemperatur der Umgebungstemperatur und sank bis auf 11,5 °C ab. In unregelmäßigen Abständen wachte das Tier auf, dabei stieg die Körpertemperatur auf das normale Niveau an. Diese Wachphasen umfassten insgesamt 17,1 Prozent der Dauer des Winterschlafs. Ein zweites untersuchtes Tier fiel nur wiederholt während der Morgenstunden in Phasen des Torpors, wobei der Torpor durchschnittlich etwa eine Stunde und maximal fünf Stunden anhielt, und an 24 von 85 Untersuchungstagen auftrat. Die Körpertemperatur sank dabei nicht unter 27 °C und während der Nächte wurde normale Aktivität gezeigt.Jutta Schmid und Jörg U. Ganzhorn: Optional strategies for reduced metabolism in gray mouse lemurs. In: Naturwissenschaften 2009, Band 96, S. 737–741, . Da Weibchen häufiger Winterschlaf halten kann zu Zeiten, in denen sich große Teile der Population im Winterschlaf befinden, der Anteil männlicher Tiere unter den umherstreifenden Mausmakis erhöht sein.Jean-Baptiste Ramanamanjato und Jörg U. Ganzhorn: Effects of forest fragmentation, introduced Rattus rattus and the role of exotic tree plantations and secondary vegetation for the conservation of an endemic rodent and a small lemur in littoral forests of southeastern Madagascar. In: Animal Conservation 2001, Band 4, S. 175–183, . Insbesondere im Juli und August, dem Südwinter und der Zeit, in der es an Früchten und Blüten mangelt, befinden sich viele Tiere im Winterschlaf.
Die Lebensdauer beträgt in der Gefangenschaft bis zu 14 Jahre. In der Freiheit wird diese Lebensdauer bei weitem nicht erreicht. Im Rahmen einer Langzeitstudie wurden zwischen den Jahren 2000 und 2003 171 Exemplare gefangen. Nur 13 Prozent der Tiere, 16 Prozent der Weibchen und 9 Prozent der Männchen, wurden im folgenden Jahr erneut gefangen, und nur zwei Weibchen und ein Männchen im dritten Jahr.
Parasiten Die Parasitenfauna der frei lebenden Population von Ganzhorns Mausmaki ist eingehend untersucht worden. Im Zeitraum von März 2003 bis April 2004 wurden 101 Exemplare in Fallen gefangen und ihre Fäkalien auf Endoparasiten untersucht. Dabei wurden Spulwürmer (Prävalenz 26,7 %), Strongyliden (15,9 %), Peitschenwürmer (8,9 %), Haarwürmer (1 %), Trichostrongyliden (2 %), Pfriemenschwänze (16,8 %), nicht näher bestimmte Nematoden (59,4 %), Bandwürmer (38,7 %), Saugwürmer (2 %), Kratzwürmer (2 %) und Kokzidien (68,3 %) nachgewiesen. Den mindestens 20 nachgewiesenen Arten gastrointestinaler Parasiten bei Ganzhorns Mausmaki stehen ganze vier Arten von Nematoden gegenüber, die der französische Parasitologe Alain Chabaud mit seinen Mitarbeitern 1965 für den Grauen Mausmaki nennen konnte.Alain G. Chabaud, Edouard-R. Brygoo und Annie-J. Petter: Les nématodes parasites de lémuriens malgaches. VII. Description de six espèces nouvelles et conclusions générales. In: Annales de Parasitologie 1965, Band 40, Nr. 2, S. 181–214, . Die Prävalenz des Parasitenbefalls ist bei Ganzhorns Mausmaki deutlich höher als bei den ebenfalls im Mandena Forest vorkommenden Arten Brauner Fettschwanzmaki und Westlicher Fettschwanzmaki. Das wird auf die deutlich höhere Populationsdichte des Mausmakis zurückgeführt. Als Folge ihrer Promiskuität und der größeren Mobilität weisen männliche Mausmakis eine größere Diversität ihrer Parasitenfauna auf. Die Übertragung einwirtiger Parasiten wird durch das Sozialverhalten der Wirte mit engem Kontakt in Familienverbänden begünstigt, während mehrwirtige Parasiten mit Entwicklungsstadien in wirbellosen Wirten davon profitieren, dass Mausmakis auch Wirbellose verzehren. Da einige Parasiten sowohl die an den Mandena Forest gebundenen Mausmakis als auch die innerhalb und außerhalb der Fragmente des Waldes lebenden Hausratten befallen gelten die Ratten als wichtige Vektoren, die Parasiten zwischen weitgehend voneinander isolierten Populationen von Mausmakis transportieren. Da der Lebensraum von Ganzhorns Mausmaki häufig von Menschen aufgesucht wird besteht die Sorge der Übertragung von zoonotischen Parasiten auf Besucher oder menschlicher Krankheitserreger auf die Mausmakis.Brigitte M. Raharivololona: Gastrointestinal parasites of Cheirogaleus spp. and Microcebus murinus in the littoral forest of Mandena, Madagascar. In: Lemur News. The Newsletter of the Madagascar Section of the IUCN/SSC Primate Specialist Group Juni 2006, Nr. 11, S. 31–35, .
Verbreitung und Lebensraum mini|Mandena Conservation Zone im südöstlichen Madagaskar, markiert sind der Mandena Forest, Fort Dauphin (heute Tolagnaro) und das große Waldgebiet Tsitongambarika mini|Mandena Conservation Zone, monatlicher Niederschlag, Durchschnittstemperatur und mittlere Tageslänge im Jahr 2013 Der Typenfundort ist der Mandena Forest im Bezirk Taolanaro der Region Anosy, etwa 12 Kilometer nördlich der Stadt Tolagnaro im Südosten Madagaskars (). Der Mandena Forest ist ein etwa 230 Hektar großes Schutzgebiet, das eine unmittelbar benachbarte madagassische Bergbaugesellschaft der Rio Tinto Group 1999 zum Ausgleich von Eingriffen in die Natur durch den Abbau von Ilmenit einrichten musste. Über die Ausdehnung des tatsächlichen Verbreitungsgebiets und die Größe der Population ist nichts bekannt, es besteht jedoch keine Verbindung mit den Verbreitungsgebieten des Grauen Mausmakis im Westen Madagaskars. Der Madena Forest liegt etwa drei Kilometer von der Küste entfernt auf 0 bis 20 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Er besteht aus immergrünen Bäumen von zehn bis fünfzehn Meter Höhe mit dichtem Unterholz, die in einem sandigen Substrat wurzeln. Im Vergleich zu den Regenwäldern im Osten Madagaskars hat die Küstenzone einen weniger ausgeprägten saisonalen Wechsel der Niederschlagsmengen. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 22,5 °C und der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt etwa 1600 mm, mit einer Regenzeit von November bis April. Etwa 82 Hektar des Schutzgebiets werden periodisch überflutet, die übrigen 148 Hektar bestehen aus fragmentierten Resten des Küstenwalds.Timothy M. Eppley et al.: Ecological Flexibility as Measured by the Use of Pioneer and Exotic Plants by Two Lemurids: Eulemur collaris and Hapalemur meridionalis. In: International Journal of Primatology 2017, Band 38, Nr. 2, S. 338–357, .