Dieter Mathoi (* 26. September 1943; † 18. August 2012) war ein österreichischer Architekt. Er wirkte über Jahrzehnte im Architekturbüro Heinz & Mathoi & Streli in Innsbruck und gründete dort 2008 sein eigenes Büro.

Leben Mathoi studierte von 1963 bis 1967 Architektur an der Akademie der bildenden Künste München. Nach einigen Jahren Praxis wurde er 1972 Assistent am Institut für Hochbau der Universität Innsbruck, wo er bis 1976 arbeitete.

mini|Grundriss des Landes­jugend­heims in Jagd­berg, Schlins 1973 schloss sich Mathoi mit zwei Kollegen zusammen, Karl Heinz und Jörg Streli. Sie gründeten in Innsbruck das Architekturbüro Heinz & Mathoi & Streli. Die von ihnen gebaute Landesberufsschule für Vorarlberg in Feldkirch erhielt 1981 den Österreichischen Bauherrenpreis. Während sie viele Projekte gemeinsam durchführten, verfolgte jeder auch individuelle Aufgaben. Mathoi baute unter anderem Einfamilienhäuser, zum Beispiel für Günther Mader, MPreis-Märkte und das Autohaus Vowa in Innsbruck. Zusammen bauten die drei Architekten zum Beispiel ein Gruppenwohnheim in Jagdberg, Schlins, Vorarlberg, das 1984 fertiggestellt wurde. Ein weiteres gemeinsames Werk war die Aufstockung der Frauen- und Kopfklinik in Innsbruck um zwei Stockwerke. Das Projekt wurde von 2006 bis 2008 gebaut und für den Mies van der Rohe Award 2009 nominiert. 2008 veröffentlichte Springer einen Überblick ihrer Werke, sowohl der gemeinschaftlichen als der individuellen, Heinz-Mathoi-Streli / Architekten / Bauten und Projekte / Buildings and Projects, mit Beiträgen der Architekturkritiker Friedrich Achleitner und Otto Kapfinger. Im selben Jahr lösten die Architekten ihr gemeinsames Büro auf, und Mathoi eröffnete sein eigenes Büro in Innsbruck.

mini|Kaufhaus Tyrol im Zentrum von Inns­bruck Ein wichtiges und umstrittenes Projekt war das Kaufhaus Tyrol in der Innenstadt von Innsbruck, das Mathoi in Zusammenarbeit mit David Chipperfield plante. Der britische Stararchitekt war vom Investor Rene Benko mit der Gesamtgestaltung das Kaufhausneubaus beauftragt worden, nachdem die vorherigen Pläne des Innsbrucker Architekten Johann Obermoser insbesondere wegen dessen Gestaltungsvorschlag für die Fassade an der Maria-Theresien-Straße in heftige Kritik geraten waren und Benko schließlich das Auftragsverhältnis mit Obermoser einvernehmlich aufgelöst hatte. Auch die Planung von Chipperfield (und Mathoi) blieb anfangs umstritten,Zur ursprünglichen architektonischen Umstrittenheit des Kaufhauses Tyrol: Wojciech Czaja: Konzertant bis kontrovers – Das Haus der Musik eröffnet. In: Der Standard, 6. Oktober 2018, Onlineversion: (Zitat) „Schon seit den Rathaus-Galerien von Dominique Perrault, seit der Bergiselschanze von Zaha Hadid, seit dem Kaufhaus Tyrol von David Chipperfield wird nicht das realisiert, was dem Mittelmaß und dem größten gemeinsamen Geschmacksnenner der Bevölkerung entspricht, sondern schlichtweg das, was eine Gruppe hochkarätiger Profis für die bestmögliche Lösung hält. Die drei eben genannten Projekte waren bei Planung, Errichtung und Fertigstellung Hassobjekte von Mensch und Medien. Heute sind sie heißgeliebte Sehenswürdigkeiten, die niemand mehr vermissen will.“ indes wurde das 2010 eröffnete Kaufhaus Tyrol im Jahr 2011 für den renommierten Architekturpreis Mies van der Rohe Award nominiert.

Ein Spezialgebiet von Mathoi wurde der Bau von Justizanstalten, wobei er sich für einen menschlichen Umgang mit Gefangenen einsetzte. Das Justizzentrum Korneuburg in Niederösterreich, errichtet zusammen mit dem Architekturbüro DIN A4, wurde 2014 als eines von fünf Gebäuden mit dem den Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Bauten von Mathoi wurden in der internationalen Ausstellung Autochthone Architektur in Tirol gezeigt, unter anderem in München.

Dieter Mathoi starb am 18. August 2012 im Alter von 68 Jahren.

Bauten Unter den Werken von Heinz & Mathoi & Streli befinden sich Machbarkeitsstudien, Stadtplanung, Wohngebäude, Kindergärten, Schulen, Sporteinrichtungen, Geschäfte, Büros, Industrie- und Verkehrsbauten; so zum Beispiel: mini|Hauptschule Fulpmes, 1978 mini|Autohaus Vowa 1978: Hauptschule in Fulpmes 1978: Fremdenverkehrsfachschule in Zell am Ziller 1980: Landesberufsschule Feldkirch in Feldkirch 1981: Kapelle Innerberg in Finkenberg 1982: Modegeschäft Einwaller Anna in Innsbruck 1983: Doppelhaus Knofler/Mikuz, Innsbruck 1984: Landesjugendheim Jagdberg in Schlins 1987: Krankenpflegeschule in Feldkirch 1987: Seilbahn Brixen im Thale in Brixen 1989: Volksschule in Igls 1990: Porsche Interauto Verkaufscenter in Innsbruck 1993: MPreis Barwies in Mieming 1993: Bürohaus EBB in Innsbruck 1994: Eisenbahnumfahrung Innsbruck in Mils 1995: Autohaus Vowa in Innsbruck 1996: Mehrzweckgebäude mit Rasthaus an der Europabrücke 1996: Wohnanlage und Bürohaus in Innsbruck 1998: Totenkapelle an der Pfarrkirche Herz-Jesu in Stans 1999: Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck 2001: Landesfeuerwehrschule Tirol in Telfs 2004: HTBL und VA Mödling in Mödling 2005: MPreis Bramberg in Bramberg 2006: Naturparkhaus Ginzling 2008: Aufstockung der Frauen- und Kopfklinik in Innsbruck

Weblinks

Autochthone Architektur in Tirol : individuelle Figuren der Tiroler Baukunst im kollektiven Rahmen der Alpinen Landschaftsrezeption (Ausstellungskatalog) catalog.hathitrust.org

Heinz - Mathoi - Streli im Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck Bauherrenpreise zv-architekten.at Bürohaus Innsbruck architektur-heinz.at vor ort 85 "dieter mathoi: neue justizanstalt west, innsbruck" aut.cc 2007 vor ort 103 "david chipperfield architects, dieter mathoi architekten: kaufhaus tyrol, innsbruck" aut.cc 2010 Dieter Mathoi Architekten ZT GmbH, Innsbruck; Arch. DI Axel Birnbaum, Innsbruck architekturwettbewerb.at

Einzelnachweise

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