Reform UK ist eine rechtspopulistische Partei im Vereinigten Königreich, die am 20. Januar 2019 unter dem Namen Brexit Party () von europaskeptischen Politikern gegründet wurde, um an der Europawahl 2019 teilzunehmen – nachdem klar geworden war, dass sich der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs („Brexit“) verzögern würde. Die Partei ist gegen Einwanderung und lehnt Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie und den Klimawandel ab. Teils werden Parteivertretern auch anti-westliche und prorussische Positionen vorgeworfen.

Nigel Farage und Richard Tice gründeten die Partei als Kapitalgesellschaft; statt stimmberechtigten Mitgliedern hat sie „Unterstützer“, die lediglich spenden. Nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs im Januar 2020 änderte die Partei mit Wirkung vom 4. Januar 2021 ihren Namen in Reform UK.

Geschichte Brexit Party Gründungsgeschichte 2018 kam es zu einem Rechtsruck in der UK Independence Party. Unter anderem ernannte der seit dem Februar des Jahres amtierende UKIP-Vorsitzende Gerard Batten im November 2018 Tommy Robinson, den Gründer und ehemaligen Leiter der islamfeindlichen English Defence League, zu seinem Berater. Daraufhin traten vormals führende UKIP-Politiker aus der Partei aus. Catherine Blaiklock gründete im Januar 2019 mit Wissen und Unterstützung von Nigel Farage die Brexit Party.The new Ukip? Nigel Farage offers ‘full support’ for another Brexit party. independent.ie, 26. März 2019. Kurze Zeit später trat Farage der Partei bei. Er erklärte, es gehe nun darum, dass „das Volk gegen die Politiker“ kämpfen müsse.„No more Mr Nice Guy“: Nigel Farage fumes over Brexit. sky.com, 23. März 2019. Gemeinsam mit Farage traten sieben weitere Abgeordnete des Europäischen Parlaments zur Brexit Party über. Die anderen Abgeordneten waren Tim Mark Aker, Jonathan Bullock, David Coburn, Nathan Gill, Julia Reid sowie Bill Etheridge, der zuvor für wenige Monate in der Libertarian Party Mitglied gewesen war. Kurze Zeit später folgten die ehemaligen UKIP-Vorsitzenden Paul Nuttall und Diane James.

Nachdem islamfeindliche Aussagen Blaiklocks öffentlich geworden waren,Alex Wickham, Mark Di Stefano: The Founder Of Nigel Farage’s New Brexit Party Has A History Of Anti-Muslim Comments. buzzfeed.com, 11. Februar 2019. trat sie am 20. März 2019 zurück. Führer der Partei wurde daraufhin Farage.

Finanzierung der Partei Die Brexit Party wurde als private Kapitalgesellschaft (Private limited Company) gegründet, Reform UK hat weiterhin dieselbe Unternehmensnummer im Handelsregister von England und Wales (Company number 11694875). Seit ihrer Gründung nimmt die Partei zahlende Unterstützer auf und finanziert sich durch Spenden. Laut ihrem Vorsitzenden Nigel Farage geht es dabei vor allem um Kleinspenden. Im Juni 2019 geriet die Partei in den Fokus der Aufsichtsbehörde (Electoral Commission), die die Nachvollziehbarkeit aller Spenden anmahnte. Der britischen Zeitung The Guardian zufolge sollte die Partei über einen Betrag von insgesamt GBP 2,5 Mio. ungeklärten Ursprungs Rechenschaft ablegen. Ein Verstoß gegen die Parteispendenrichtlinien (wonach Spenden von über £ 500 nachvollziehbar sein müssen) konnte der Brexit Party nicht nachgewiesen werden. Der Politiker Alyn Smith (Mitglied der Scottish National Party) musste sich für seine im Mai 2019 im Nachrichtensender Sky News vorgebrachte Behauptung, die Brexit Party sei eine Frontpartei für Geldwäsche, offiziell entschuldigen. Vermutungen, dass Geschäftsmann Arron Banks hinter der Brexit Party stehtNigel Farage’s funding secrets revealed, Channel 4, 16. Mai 2019., werden von Parteigründer Farage bestritten. Im Juli 2019 leitete das EU-Parlament wegen des Vorwurfs illegaler Schenkungen von Banks an Farage in Höhe von fast einer halben Million Pfund eine Untersuchung gegen die Partei ein.

Am 11. September 2026 gab der britische Krypto-Milliardär Ben Delo in einem Artikel im Telegraph bekannt, dass er 36 Millionen Pfund (entsprechend 42 Millionen Euro) an Reform UK gespendet hatte. Dies war die größte jemals verzeichnete Einzelspende an eine politische Partei im Vereinigten Königreich. Delo begründete seine Spende damit, dass er Chancengleichheit zwischen den politischen Parteien herstellen wolle. Er erklärte, dass er die Spende in Monatsraten zu einer Million Pfund bis zum spätest möglichen nächsten Wahltermin im Jahr 2029 überweisen wolle. Falls die Labour-Regierung unter Premierminister Andy Burnham Anstalten mache, die Höhe von Einzelspenden gesetzlich zu begrenzen, werde er die gesamte Summe sofort spenden. Reform-UK-Parteiführer Farage zeigte sich „geehrt und demütig“.

Reform UK Am 4. Januar 2021 wurde die Namensänderung der Partei in Reform UK von der Wahlkommission genehmigt.

Im Januar 2021 trat das ehemalige konservative Mitglied des schottischen Parlaments Michelle Ballantyne der Partei bei; sie wurde von Nigel Farage zur Führerin von Reform UK im schottischen Parlament ernannt.

Im März 2024 trat der von den Tories aus der Fraktion ausgeschlossene Abgeordnete Lee Anderson der Partei bei und wurde dadurch der erste Vertreter der Reform UK im britischen Unterhaus. Anderson entschied, keine Nachwahl anlässlich seines Parteiwechsels durchführen zu lassen Lee Anderson: Ex-Tory MP defects to Reform UK BBC, 11. März 2024. Er wurde bei den darauffolgenden Parlamentswahlen wiedergewählt.

Am 22. Juli 2025 trat die konservative Abgeordnete des walisischen Parlaments Laura Anne Jones der Reform UK bei; am 27. August 2025 trat der konservative Abgeordnete des schottischen Parlaments Graham Simpson der Partei bei. Am 4. Oktober 2025 trat der konservative Abgeordnete des London Assembly Keith Prince der Partei bei, seitdem sitzen zwei Abgeordnete der Partei im London Assembly.

Am 15. September 2025 wechselte der konservative Abgeordnete Danny Kruger zur Reform UK Party. Am 26. September gab Reform UK bekannt, 250.000 Mitglieder zu haben – mehr als doppelt so viele wie die Tories mit 123.000 und 60.000 weniger als die Labour Party.

2026 verließen die ehemaligen britischen Kabinettsminister Robert Jenrick und Suella Braverman die Conservative Party, um als Abgeordnete der Reform UK ins Unterhaus einzuziehen. Ebenfalls im Januar 2026 nominierte Reform UK Laila Cunningham als Parteikandidatin im Londoner Bürgermeisterwahl 2028.

Politische Bedeutung und Wahlergebnisse Brexit Party Bei einer ersten Umfrage am 10. April 2019 kam die Brexit Party auf 10 % bei einer möglichen britischen Beteiligung an der Europawahl 2019.Joe Curtis: Poll: Voters would punish Tories for Brexit delay at European parliamentary elections. cityam.com, 10. April 2019. Nachdem eine Verschiebung des Brexits um ein halbes Jahr beschlossen worden war, stieg die Partei Mitte April 2019 in einer Umfrage für die EP-Wahl auf 27 %.Peter Mühlbauer: Brexit Party schießt in Umfrage auf Platz 1. Telepolis, 18. April 2019. Nach einer vom 8. bis 10. Mai durchgeführten Online-Umfrage kam die Brexit Party bereits auf 34 % und erreichte damit mehr Zustimmung als Labour (21 %) und Tories (11 %) zusammen.Brexit party may get more EU election votes than Tories and Labour combined – poll, theguardian.com, 11. Mai 2019. Bei der britischen Europawahl am 23. Mai 2019 erreichte die Brexit Party 30,5 % der Stimmen und wurde damit stärkste Kraft des Landes. Zu den Kandidaten gehörten auch ehemalige Kritiker von Nigel Farage und der UKIP.

Mit ihren insgesamt 29 Abgeordneten war die Brexit Party bis zum 31. Januar 2020 die größte Einzelpartei des EU-Parlaments.

Die ehemaligen 23 Abgeordneten (MEP) bis zum 31. Januar 2020 waren: +NameWahlkreisErste WahlBemerkungenDavid BullNorth West England23. Mai 2019ehemaliger konservativer ParlamentskandidatJonathan BullockEast Midlands28. Juli 2017ehemaliger UKIP-Abgeordneter; ehemaliger konservativer ParlamentskandidatMartin DaubneyWest Midlands23. Mai 2019Nigel FarageSouth East England10. Juni 1999Anführer der Partei; ehemaliger UKIP-AbgeordneterClaire FoxNorth West England23. Mai 2019ehemaliges Mitglied der Revolutionary Communist PartyNathan GillWales1. Juli 2014ehemaliger UKIP-AbgeordneterJames GlancySouth West England23. Mai 2019Benyamin HabibLondon23. Mai 2019Michael HeaverEast of England23. Mai 2019Christina JordanSouth West England23. Mai 2019Rupert LoweWest Midlands23. Mai 2019ehemaliger Kandidat der Referendum Party, am 8. März 2025 Ausschluss aus der Reform UK-FraktionBelinda De Camborne LucySouth East England23. Mai 2019Brian MonteithNorth East England23. Mai 2019June MummeryEast of England23. Mai 2019Henrik Overgaard-NielsenNorth West England23. Mai 2019Matthew PattenEast Midlands23. Mai 2019Alexandra Lesley PhillipsSouth East England23. Mai 2019ehemalige UKIP-MedienchefinJake PughYorkshire and the Humber23. Mai 2019Robert RowlandSouth East England23. Mai 2019John TennantNorth East England23. Mai 2019ehemaliger UKIP-Stadtrat, derzeitiger Parteichef der Independent Union PartyRichard TiceEast of England23. Mai 2019James WellsWales23. Mai 2019Ann WiddecombeSouth West England23. Mai 2019ehemaliges konservatives Parlaments- und Regierungsmitglied

Ehemalige Mitglieder (waren danach unabhängige MEP bis zum 31. Januar 2020): +NameWahlkreisErste WahlBemerkungenLance FormanLondon23. Mai 2019Lucy HarrisYorkshire and the Humber23. Mai 2019Andrew England KerrWest Midlands23. Mai 2019John LongworthYorkshire and the Humber23. Mai 2019Annunziata Rees-MoggEast Midlands23. Mai 2019ehemalige ParlamentskandidatinLouis Stedman-BryceScotland23. Mai 2019

An den Kommunalwahlen in England und Nordirland im Mai 2019 nahm die Brexit Party nicht teil.Britische Kommunalwahlen: Klatsche für Mays Partei wegen Brexits?, brf.be, 2. Mai 2019. Bei der Nachwahl zum Unterhaus im Wahlkreis Peterborough am 6. Juni 2019 trat jedoch ein Kandidat der Brexit Party an.Kate Devlin: Farage’s Brexit party eyes seat of disgraced ex-Labour MP, Fiona Onasanya. thetimes.co.uk, 30. April 2019. Er verpasste den Einzug ins Parlament nur knapp.Brexit-Partei verpasst Einzug ins britische Parlament. Spiegel Online, 7. Juni 2019. Zu den Parlamentswahlen im Dezember 2019 trat die Partei entgegen früheren Ankündigungen nur in Wahlkreisen an, die zwei Jahre zuvor nicht von Kandidaten der Konservativen Partei gewonnen worden waren. Damit wollte man die Opposition in Gestalt der Labour Party und der Liberaldemokraten schwächen. Die Partei erreichte schließlich 2,0 % der Stimmen und keine Parlamentsmandate.

Reform UK Reform UK nahm an der Parlamentswahl in Schottland 2021, der Parlamentswahl in Wales 2021 und der Wahl zur London-Versammlung 2021 teil, wobei die Partei kein Mandat erreichte. Bei den Unterhauswahlen vom 4. Juli 2024 errang sie beim einem Stimmenanteil von 14,3 Prozent fünf Sitze (0,8 Prozent). Der im Wahlkreis Great Yarmouth gewählte Reform-UK-Abgeordnete Rupert Lowe wurde am 7. März 2025 wegen Mobbing-Vorwürfen aus der Partei ausgeschlossen. Bei der Nachwahl im englischen Wahlkreis Runcorn am 1. Mai 2025 war die Reform-UK-Kandidatin Sarah Pochin mit ganzen sechs Stimmen Vorsprung vor der Labour-Mitbewerberin erfolgreich, so dass sich die Zahl der Reform-UK-Abgeordneten wieder auf fünf erhöhte. Am 16. Januar 2026 wechselte der konservative Abgeordnete Robert Jenrick zu Reform UK und drei Tage später folgte ihm sein Ex-Parteikollege Andrew Rosindell. Am 26. Januar 2026 erklärte auch die ehemalige Innenministerin Suella Braverman, die 2022 sogar als mögliche Parteivorsitzende der Konservativen im Gespräch gewesen war, ihren Übertritt zu Reform UK. Die Reform-UK-Fraktion im Unterhaus zählte danach acht Abgeordnete.

Wahlergebnisse in der Übersicht Die folgende Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Brexit Party bzw. Reform UK.