mini|Dieffler Pietà, Saarlandmuseum, Alte Sammlung, Depot, Maße 78 × 56 × 30 cm, Inventar-Nr. KII-63 Die Dieffler Pietà ist eine Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus auf ihrem Schoß. Die in Eichenholz gearbeitete Andachtsgruppe (Maße 78 × 56 × 30 cm) des bäuerlichen Kulturschaffens wird kunsthistorisch in der Zeit zwischen dem 16. Jahrhundert und der Mitte des 18. Jahrhunderts datiert. Die Dieffler Pietà, die ursprünglich in der ehemaligen Wendelinus-Kapelle in Diefflen aufgestellt war, ist seit 1926 im Besitz des Saarlandmuseums (Alte Sammlung) in Saarbrücken.Bernd Loch: Die volkskundliche Sammlung, in: Ralph Melcher, Christoph Trepesch, Eva Wolf (Hrsg.): Ein Bild der Kultur, Die Geschichte des Saarlandmuseums, Blieskastel 2004, S. 123–143, hier: S. 127.
Geschichte Die Dieffler Pietà stand ursprünglich, zusammen mit einer ebenfalls aus Holz geschnitzten barocken Wendalinus-Statue (Eiche, 70 cm hoch, heute im Pfarrhaus Diefflen),Katholische Kirchengemeinde St. Josef Diefflen (Hrsg.): 100 Jahre Pfarrkirche St. Josef Diefflen 1900–2000, Dillingen 2000, S. 22–25.Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 105–106. in der 1905 abgerissenen Dieffler Wendalinus-Kapelle am „Kirchenweg“ nach Nalbach (heute Nalbacher Straße). Im Jahr 1926 gelangte die Pietà nach Saarbrücken, wo sie heute, für Besucher unzugänglich, in der Alten Sammlung des Saarland-Museums aufbewahrt wird.Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Dillingen/Saar (Hrsg.): Kunstführer Dillingen/Saar, Dillingen 1999, S. 40. Aufgrund der Rohheit des Körpers der Skulptur darf ein Gebrauch als Ankleidefigur ähnlich wie beim Gnadenbild „Unsere liebe Frau von Todtmoos“ vermutet werden.
Der frömmigkeitsgeschichtliche Ursprung der Dieffler Pietà ist – wie bei ähnlichen Darstellungen in katholischen Kirchen und Kapellen – in der verstärkten emotionalen Hinwendung zum Leiden Christi am Kreuz und zum Mitleiden seiner Mutter mit ihrem Sohn zu sehen. Die Pietà-Szene bildet dabei die vorletzte Station der Kreuzwegandacht. Sie ist Hauptinhalt des Gebetes zum Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Die kunsthistorische Bezeichnung Pietà entstammt der italienischen Sprache und bedeutet „Frömmigkeit“ bzw. „Mitleid“ unter Bezugnahme auf den lateinischen Ehrentitel Marias domina nostra de pietate (dt. „unsere Herrin vom Mitleid“). Die Darstellungsform Jesu wird auch „Vesperbild“ genannt. Diese Bezeichnung beruht auf der Vorstellung, dass nach der Kreuzabnahme Maria den Leichnam ihres Sohnes am Karfreitag ungefähr zur Zeit des Abendgebets, der Vesper, entgegennahm.
Beschreibung und kunsthistorische Einordnung
Hermann Keuth, der Volkskundler und Leiter des damaligen Heimatmuseums Saarbrücken, beschreibt im Jahr 1927 in der Sprache seiner Zeit die Dieffler Pietà in der Zeitschrift „Unsere Saar“ folgendermaßen:zitiert nach: Katholische Kirchengemeinde St. Josef Diefflen (Hrsg.): 100 Jahre Pfarrkirche St. Josef Diefflen 1900–2000, Dillingen 2000, S. 23.Hermann Keuth: Bäuerliche Plastiken im Heimatmuseum der Stadt Saarbrücken, in: Unsere Saar, 1, (1926/1927), Nr. 4, S. 58–62, hier S. 61.
Der Kunsthistoriker Bernd Loch erklärt Keuths Wertschätzung der Dieffler Pietà mit der damaligen Erfahrung des Expressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dessen Rückgriffen auf die Kunst der Naturvölker und zieht Parallelen zu den Holzschnitten von Karl Schmidt-Rottluff. Darüber hinaus schreibt er im Jahr 2004 zur Dieffler Pietà:Bernd Loch: Die volkskundliche Sammlung, in: Ralph Melcher, Christoph Trepesch, Eva Wolf (Hrsg.): Ein Bild der Kultur, Die Geschichte des Saarlandmuseums, Blieskastel 2004, S. 123–143, hier: S. 126–129.
Stilvergleich mit der Eiweiler Josefsskulptur Die Skulptur der Dieffler Pietà weist große Gestaltungsähnlichkeiten mit der Figur des heiligen Josef aus der Vogelsbornkapelle in Eiweiler bei Heusweiler auf.Saarlandmuseum, Alte Sammlung, Inventar-Nr. KII-72. Der Kopf des Nährvaters Jesu ist oval in die Länge gezogen. Er ist nur mit kurzem, angedeutetem Haarwuchs bedeckt, Bart und Hals scheinen identisch zu sein. Die Gesichtspartie ist in völliger Achsensymmetrie gearbeitet, wobei ein spitzer Nasenrücken die Mittelachse bildet. Die Augen blicken vollkommen starr nach vorne. Das bis zum Sockel reichende Gewand, unter dem die nackten Füße herausschauen, zeigt eine Nebeneinanderreihung von Faltenrücken- und -tälern. Während der rechte Arm Josefs schlaff herunterhängt, sitzt auf dem angewinkelten linken in unbeweglicher Haltung das Jesuskind. Es hält eine Weltkugel in der Linken und segnet den Betrachter mit seiner rechten Hand. Die Handhaltung kann auch als Zeigegestus in Richtung des heiligen Josef gedeutet werden. Wie die Dieffler Pietà ist auch die Eiweiler Josefsstatue kunsthistorisch schwierig einzuordnen. Da der Darstellungstyp des heiligen Josefs mit dem Jesuskind erst in der Barockzeit vermehrt anzutreffen ist, scheint eine Datierung in die Zeit seit dem 18. Jahrhundert wahrscheinlich.Bernd Loch: Eiweiler – Hellenhausen – Kirschhof, Geschichte dreier Dörfer, Heusweiler 1998, S. 272–273.Bernd Loch: Die volkskundliche Sammlung, in: Ralph Melcher, Christoph Trepesch, Eva Wolf (Hrsg.): Ein Bild der Kultur, Die Geschichte des Saarlandmuseums, Blieskastel 2004, S. 123–143, hier: S. 129–130. Hermann Keuth schreibt in Bezug auf die Josefsfigur:Hermann Keuth: Bäuerliche Plastiken im Heimatmuseum der Stadt Saarbrücken, in: Unsere Saar, 1, (1926/1927), Nr. 4, S. 58–62, hier S. 61.
Falls die beiden Skulpturen – die Dieffler Pietà und die Eiweiler Josefsstatue – tatsächlich von demselben Schnitzer stammen würden, müsste man das Dieffler Vesperbild ebenfalls später datieren.
Literatur Katholische Kirchengemeinde St. Josef Diefflen (Hrsg.): 100 Jahre Pfarrkirche St. Josef Diefflen 1900–2000, Dillingen 2000, S. 23. Hermann Keuth: Bäuerliche Plastiken im Heimatmuseum der Stadt Saarbrücken, in: Unsere Saar, 1, (1926/1927), Nr. 4, S. 58–62. Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Dillingen/Saar (Hrsg.): Kunstführer Dillingen/Saar, Dillingen 1999, S. 40. Bernd Loch: Die volkskundliche Sammlung, in: Ralph Melcher, Christoph Trepesch, Eva Wolf (Hrsg.): Ein Bild der Kultur, Die Geschichte des Saarlandmuseums, Blieskastel 2004, S. 123–143, hier: S. 126–129.
Einzelnachweise
Kategorie:Pietà (Skulptur) Kategorie:Bistum Trier Kategorie:Kulturdenkmal (Saarland) Kategorie:Werk (13. Jahrhundert) Kategorie:Kultur (Dillingen/Saar) Kategorie:Skulptur (15. Jahrhundert) Kategorie:Skulptur (18. Jahrhundert) Kategorie:Holzskulptur Kategorie:Skulptur (Saarland) Kategorie:Christentum im Saarland Kategorie:Religion (Dillingen/Saar)