mini|hochkant|Erzbischof Louis Petit (1917) Louis Petit AA (* 21. Februar 1868 in Viuz-la-Chiésaz; † 5. November 1927 in Menton) war ein französischer Ordensgeistlicher, Byzantinist und römisch-katholischer Erzbischof von Athen.
Leben Louis Petit wurde in Viuz-la-Chiésaz als siebtes von elf Kindern einer Bauernfamilie geboren. Er besuchte das Alumnat der Assumptionisten in Notre-Dame des Châteaux (1879–1883) und in Clairmarais (1883–1885). Anschließend trat Petit der Ordensgemeinschaft der Assumptionisten bei und wurde am 15. August 1885 eingekleidet. Nachdem er das Noviziat in Osma in Spanien absolviert hatte, legte er am 25. März 1886 in Livry die erste und am 15. August 1887 die ewige Profess ab. Von 1887 bis 1889 war Petit als Lehrer am ordenseigenen Alumnat in Notre-Dame des Châteaux tätig. Anschließend studierte er Philosophie und Katholische Theologie in Rom. Am 15. August 1891 empfing er in Livry das Sakrament der Priesterweihe. Nach weiterführenden Studien erwarb er 1892 in Rom ein Lizenziat im Fach Philosophie.
Petit unterrichtete zunächst an den Alumnaten der Assumptionisten in Clairmarais (1892) und in Fanaraki auf der Halbinsel Peloponnes (1893). Nachdem er 1894 in Rom ein Lizenziat im Fach Katholische Theologie erlangt hatte, wurde er Superior des Scholastikats seiner Ordensgemeinschaft in Toulouse. 1895 wurde Petit in das Osmanische Reich entsandt, wo er das Studienhaus École pratique des hautes études in Kadıköy und 1897 die Zeitschrift Les Echos d’Orient gründete. In der Folge fungierte er als Superior des Studienhauses in Kadıköy, an dem er auch Ostkirchenrecht sowie byzantinische Literatur und Liturgie lehrte. Daneben trug er eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten über das christliche Leben im Orient zusammen. Ferner gehörte Petit dem Zentrum für hellenische Kultur im Osmanischen Reich und dem Russischen Archäologischen Institut in Pera an. Er wirkte überdies an mehreren Wörterbüchern und Enzyklopädien mit und publizierte Artikel in den Zeitschriften Orient Chrétien, Bessarione, Byzantinische Zeitschrift, Vizantiiski Vremennik, Bulletin de l’Institut archéologique russe de Constantinople, Studia bizantina, und Analecta Bollandiana sowie unter dem Pseudonym Victor Semnoz in Les Echos d’Orient. Er gab zusammen mit Jean-Baptiste Martin zudem die Neuauflage und die Fortsetzungsbände 37 bis 46 der von Giovanni Domenico Mansi begonnenen Sammlung Sacrorum conciliorum nova et amplissima collectio heraus und war an der Edition der Akten des Ersten Vatikanischen Konzils beteiligt. Seine Forschungsschwerpunkte waren die monastischen und hagiographischen Akten des antiken Byzanz. 1901 und 1905 unternahm Petit Forschungsreisen auf den Berg Athos, um die dort aufbewahrten Manuskripte zu katalogisieren und zu erforschen. Von Mai bis Dezember 1903 fungierte er außerdem als Provinzial der orientalischen Ordensprovinz der Assumptionisten. Er nahm 1906 am Generalkapitel der Assumptionisten teil und war ab 1911 Generalassistent der Ordensgemeinschaft. Darüber hinaus beriet er 1911 die Synode der armenisch-katholischen Kirche.
Papst Pius X. ernannte ihn am 4. März 1912 zum Erzbischof von Athen und zum Apostolischen Delegat in Griechenland. Die Bischofsweihe spendete ihm der Bischof von Montpellier, François-Marie-Anatole Kardinal de Rovérié de Cabrières, am 25. April desselben Jahres in der Kirche Sant’Agostino in Campo Marzio in Rom; Mitkonsekratoren waren Pierre-Lucien Campistron, Bischof von Annecy, und Kurienbischof Agostino Zampini OESA, Sakristan des Apostolischen Palastes. Petit war damit der erste Assumptionist, der zum Bischof geweiht wurde. Die Amtseinführung fand am 21. Mai 1912 statt.
Als Erzbischof konsolidierte Petit die finanzielle Situation des Erzbistums Athen und koordinierte die Renovierung der Kathedrale St. Dionysius Areopagita in Athen. Ferner engagierte er sich im Dialog mit der griechisch-orthodoxen Kirche. Jedoch bereiteten ihm in seiner Amtszeit mehrfach Widerstände im Klerus Probleme. Im September 1916 unterbreitete Petit im Rahmen eines Ad-limina-Besuchs Papst Benedikt XV. den Vorschlag zur Gründung einer eigenen Kongregation für die Kirchen im Orient und eines Instituts in Rom, das sich mit der Erforschung der christlichen Tradition des Orients befassen solle. Diese Ansinnen wurden 1917 durch die Errichtung der Heiligen Kongregation für die Ostkirche und des Päpstlichen Orientalischen Instituts verwirklicht. 1921 erhielt Petit den Erlöser-Orden (Kommandeur) und wurde als Ritter in die Ehrenlegion aufgenommen. Ab 1921 agierte er als Vermittler zwischen der griechischen Regierung und dem Heiligen Stuhl im Rahmen von Konkordatssverhandlungen, die aber infolge des zweiten Griechisch-Türkischen Kriegs scheiterten. 1922 wurde auf Petits Initiative hin ein Hilfszentrum für Flüchtlinge aus Kleinasien errichtet.
Am 24. Juni 1926 nahm Papst Pius XI. das von Louis Petit aus gesundheitlichen Gründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch an und ernannte ihn zum Titularerzbischof von Corinthus. Petit lebte danach zunächst in der Niederlassung der Assumptionisten in Rom und widmete sich wieder seiner Forschungstätigkeit. 1927 kehrte er nach Frankreich zurück und wohnte seitdem in der Niederlassung seiner Ordensgemeinschaft in Menton, wo er im November desselben Jahres an einer Infektion starb. Sein Grab befindet sich in Roquebrune.
Schriften Monographien
Artikel
Literatur
Weblinks
Biografie von Louis Petit auf der Homepage der europäischen Ordensprovinz der Assumptionisten (französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Erzbischof von Athen (römisch-katholisch) Kategorie:Apostolischer Delegat Kategorie:Titularerzbischof Kategorie:Byzantinist Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Träger des Erlöser-Ordens (Komtur) Kategorie:Assumptionist Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1868 Kategorie:Gestorben 1927 Kategorie:Mann