mini|Die Hauptverwaltung in Ürümqi Das Astronomische Observatorium Xinjiang (, , XAO) in Ürümqi, Wissenschaft 1-Straße 150, ist eine astronomische Forschungseinrichtung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, die 1957 als „Satellitenbeobachtungs-Station Ürümqi der Chinesischen Akademie der Wissenschaften“ (中国科学院乌鲁木齐人造卫星观测站) gegründet wurde. Direktorin des Observatoriums ist seit Februar 2005 Wang Na (王娜, *1965).

Geschichte Am 4. Oktober 1957 startete die Sowjetunion den ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik 1. Elf Tage später, am 15. Oktober, unterzeichneten Vizepremier Nie Rongzhen und Michail Georgijewitsch Perwuchin, stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, in Moskau das „Übereinkommen zwischen der Chinesischen Regierung und der Regierung der Sowjetunion über die Herstellung neuartiger Waffen und militärischer Ausrüstung sowie den Aufbau einer umfassenden Atomindustrie in China“. Auf der Basis dieses Übereinkommens wurde in China ab dem 11. Dezember 1957 das Satellitenbeobachtungs-Netzwerk der Chinesischen Akademie der Wissenschaften aufgebaut, mit zunächst 12 optischen Beobachtungsstationen, eine davon Ürümqi. Die anderen Stationen befanden sich in Peking, Nanjing, Lanzhou, Kunming, Lhasa, Guangzhou, Xi’an, Shanghai (Xujiahui), Wuhan, Changchun und Tianjin. Ab Oktober 1958 waren es Dozenten von der Fakultät für Physik des Landwirtschaftlichen Instituts der Volksbefreiungsarmee (新疆八一农学院, Pinyin Xīnjiāng Bā Yī Nóng Xuéyuàn), damals die einzige Universität in Xinjiang, die die Flugbahnen der sowjetischen Satelliten beobachteten – der erste chinesische Satellit hob erst am 24. April 1970 ins All ab – und die Daten an die übergeordneten Dienststellen weiterleiteten.

Nach dem Bruch mit der Sowjetunion im Jahr 1960Stephen Uhalley Jr.: A History of the Chinese Communist Party. Hoover Institution Press, Stanford 1988, S. 120 und 124–127. wurden die Bahndaten der Satelliten natürlich nicht mehr nach Baikonur weitergemeldet, und man begann mit eigentlichen astronomischen Beobachtungen. Unter der Ägide von Yang Rupu (杨汝朴), von Februar 1980 bis Juli 1987 Leiterin bzw. Parteisekretärin der Satellitenbeobachtungs-Station Ürümqi, Yang Rupu ist die distinguierte Dame mit Brille auf dem 3. Foto von oben. wurde dies intensiviert. Im September 1982 wurde ein binokulares Sonnenteleskop mit einem Linsendurchmesser von 18 cm für die Beobachtung der Chromosphäre und der Photosphäre installiert. Im August 1983 folgte ein Radioteleskop mit einem Schüsseldurchmesser von 2 m, das der kontinuierlichen Beobachtung der elektromagnetischen Strahlung der Sonne im 3,2-cm-Band diente. Dies war das erste Radioteleskop in Xinjiang.

Am 26. Oktober 1987 wurde den neuen Realitäten auch formal Rechnung getragen und die ehemalige Satellitenbeobachtungs-Station in „Astronomische Station Ürümqi der Chinesischen Akademie der Wissenschaften“ (中国科学院乌鲁木齐天文站) umbenannt. Am 21. April 2001 wurde aus dem Astronomischen Observatorium Yunnan, dem Forschungsinstitut für astronomische Optik und Technologie, Nanjing, der Satellitenbeobachtungs-Station Changchun und der Astronomischen Station Ürümqi die Nationalen Astronomischen Observatorien der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mit Sitz in Peking gebildet (das Astronomische Observatorium Shanghai und die Sternwarte am purpurnen Berg waren zwar für praktische Zwecke ebenfalls Bestandteil der neuen Organisation, behielten aber ihren Status als separate juristische Personen).

Bereits am 22. November 1993 hatte die Astronomische Station in der 75 km südlich von Ürümqi liegenden Gemeinde Gangou (甘沟乡) ein Radioteleskop mit einer 25 m großen Parabolantenne in Betrieb genommen (siehe unten). Außerdem wurden 2010 in Bayanbulak und Ulastai, auf der Südseite des Tian Shan, Bezugspunktstationen für die vom Chinesischen Tektonischen Beobachtungsnetzwerk (中国大陆构造环境监测网络) genutzten Navigationssatelliten eingerichtet. Der Bereich der Einrichtung erstreckte sich also weit über Ürümqi hinaus. So wurde die Station (站) im Januar 2011 zum Observatorium (台) hochgestuft und erhielt ihren heutigen Namen Astronomisches Observatorium Xinjiang (新疆天文台, Pinyin Xīnjiāng Tiānwéntái). Am 27. August 2011 wurde in einer feierlichen Zeremonie das neue Türschild enthüllt.

Außenstellen Nanshan mini|Das Nanshan-Radioteleskop Der Aufbau der Nanshan-Basis (南山基地, wörtl. „Basis in den Südbergen“, internationaler Code N87) begann am 30. August 1991 mit der feierlichen Grundsteinlegung für das 25-m-Radioteleskop. Der Name der Einrichtung leitet sich von ihrer Lage in den Vorbergen des Tian Shan 75 km südlich von Ürümqi ab Das Foto zeigt den Blick von Norden, aus Richtung Ürümqi, auf den Tian Shan. und hat nichts mit dem Nan-Shan-Gebirge auf der Grenze zwischen Qinghai und Gansu zu tun. Das auf einer Höhe von 2080 m über dem Meeresspiegel liegende und von Anfang an als Teil des Chinesischen VLBI-Netzwerks konzipierte Radioteleskop wurde im Dezember 1993 in Betrieb genommen. Das Teleskop in der Cassegrain Beam Waveguide Bauform arbeitet derzeit auf den Wellenlängen 18 cm, 13 cm, 6 cm, 3,6 cm und 1,3 cm, also den Frequenzbändern L, C, X, K, und kann bis auf 15 Winkelsekunden genau ausgerichtet werden. Das Teleskop ist fast das ganze Jahr über im Einsatz, 2010 zum Beispiel an 349 Tagen, davon 6453 Stunden reine Beobachtungszeit; in jenem Jahr wurden 813 Stunden für Systemwartung aufgewendet.

Das Nanshan-Teleskop, international als „Nanshan Radio Telescope“ bzw. „NSRT“ bezeichnet, war seit 2005, also seit den ersten Tests am Boden, Teil des Mondprogramms der Volksrepublik China und bildet seit der Chang’e-1 Mission 2007 zusammen mit den Radioobservatorien in Miyun bei Peking, Kunming und Shanghai ein VLBI-Netzwerk zur Bahnbeobachtung der Mondsonden. In den Jahren 2013/14 wurde das Teleskop dann unter der Leitung von Aili Yusup, Chefingenieur der Nanshan-Basis und Planungsleiter für die Monderkundungsaktivitäten des Observatoriums Ürümqi, in Vorbereitung auf die Chang’e-4 Mission sowie für zukünftige Rückkehrmissionen (die 3. Phase des Mondprogramms) auf einen Durchmesser von 26 m erweitert und ein Doppelfrequenz-Empfänger für das S- und X-Band installiert. „Aili Yusup“ ist der Name, den er in seinen englischsprachigen Publikationen verwendet. In der Türkei würde man علي يوسف „Ali Yusuf“ schreiben.

Bereits 2009 war die Basis auf eine Fläche von 21 ha erweitert worden, mit Wohnheim, Kantine, Strom- und Wasserversorgung. Neben dem 26-m-Radioteleskop, aus Tradition bis heute oft als 25-m-Teleskop bezeichnet, verfügt die Einrichtung, 2015 in „Beobachtungsstation Nanshan“ (南山观测站) umbenannt, über ein hochpräzises optoelektronisches 40-cm-Teleskop, ein 80-cm-Teleskop und einige optische Teleskope mit 30 cm Linsendurchmesser, die zur Beobachtung von Weltraumschrott dienen. 2005 wurde ein 1,2-m-Teleskop installiert, mit dem ab 2016 zahlreiche quantenphysikalische Experimente mit dem Satelliten Micius durchgeführt wurden.

Außerdem befinden sich auf dem Nanshan-Gelände noch drei Bodenstationen für Navigationssatelliten:

Bezugspunktstation für den International GNSS Service der International Association of Geodesy

Bodenstation für die vom Mondprogramm der Volksrepublik China genutzten Navigationssatelliten

Bezugspunktstation für die vom Chinesischen Tektonischen Beobachtungsnetzwerk genutzten Navigationssatelliten

Kashgar mini|Eine mit Navigationssatelliten-Daten erstellte Karte der Plattendrift Die Satelliten-Bodenstation Kaschgar des Astronomischen Observatoriums Xinjiang (喀什卫星地面站, Pinyin Kāshí Wèixīng Dìmiànzhàn), nicht zu verwechseln mit der Ende der 1960er Jahre errichteten, der damaligen „Abteilung für Satellitengeodäsie“ in Weinan (heute Satellitenkontrollzentrum Xi’an) unterstehenden Bahnverfolgungsstation Kaschgar (喀什地面观测站) oder der am 28. Januar 2008 in Betrieb genommenen Aufklärungssatelliten-Bodenstation Kaschgar (中国遥感卫星地面站喀什站), ist eine Bodenstation speziell für die Navigationssatelliten des Chinesischen Regionalen Positionsbestimmungssystems (中国区域定位系统, Pinyin Zhōnggúo Qūyù Dìngwèi Xìtǒng), nach der englischen Bezeichnung „Chinese Area Positioning System“ international CAPS abgekürzt, sowie die Satelliten des Beidou-Satellitennavigationssystems.

Gelegen in der Östlichen Muztagh-Straße, etwa 1 km östlich des Ostsees, befassen sich dort 5 Wissenschaftler und Ingenieure sowie 4 Verwaltungsangestellte mit der Aufzeichnung und Weitergabe von Daten, die für Forschungen auf den Gebieten der Geodäsie, Geodynamik und insbesondere Plattentektonik, sowie für Vorhersagen zu Veränderungen der Umdrehungsdauer der Erde verwendet werden. Hierfür stehen eine größere Parabolantenne an der Ostseite des Gebäudes sowie 8 kleinere Parabolantennen auf der Südseite zur Verfügung.

Bayanbulak Im Oktober 2006 hatten das Chinesische Amt für Seismologie, die Chinesische Akademie der Wissenschaften, das damalige Büro für Topografie und Kartographie beim Generalstab (heute Büro für satellitengestützte Navigation des Gemeinsamen Generalstabs bei der Zentralen Militärkommission), das Staatliche Büro für Landvermessung, Kartografie und Geoinformation, das Chinesische Amt für Meteorologie und das Ministerium für Bildung das Chinesische Tektonische Beobachtungsnetzwerk gegründet. Im Dezember 2007 begann man mit dem Aufbau von insgesamt 260 Bezugspunktstationen für Navigationssatelliten, eine davon 2010 die GNSS-Bezugspunktstation Bayanbulak des Astronomischen Observatoriums Xinjiang (巴音布鲁克GNSS基准站, Pinyin Bāyīn Bùlǔkè GNSS Jīzhǔnzhàn) im Kreis Hejing des Mongolischen Autonomen Bezirks Bayingolin auf der Südseite des Tian Shan. Die von Bayanbulak und den anderen Bezugspunktstationen gesammelten Daten dienen neben der Grundlagenforschung zu Plattentektonik, Geodynamik etc. vor allem der Erdbebenvorhersage und der Abschätzung des Ausmaßes von Erdbebenschäden.

Ulastai mini|Die ersten Antennengruppen der 21CMA-Anlage im Dezember 2004 Ebenfalls im Kreis Hejing, 440 km östlich von Bayanbulak auf dem Gebiet des Dorfes Ulastai Chaghan (乌拉斯台查汗村) der Gemeinde Algu (阿拉沟乡), befindet sich die Beobachtungsstation Ulastai (乌拉斯台观测站, Pinyin Wūlāsītái Guāncèzhàn). Auf einer Hochebene 2650 m über dem Meeresspiegel, weit abgelegen von der Zivilisation (194 km von der Kreisstadt entfernt), d. h. mit wenig Störung durch Rundfunk- und Fernsehsignale, wurde hier von 2004 bis Juli 2006 ein Radiointerferometer aus 81 Gruppen mit jeweils 127 logarithmisch-periodischen Antennen (also insgesamt 10.287 Antennen) gebaut, die in zwei L-förmig senkrecht zueinander stehenden, genau in Nord-Süd- bzw. Ost-West-Richtung ausgerichteten Armen von 4 km bzw. 3 km Länge angeordnet sind.Olivier Martineau-Huynh: The Tianshan Radio Experiment for Neutrino Detection. Powerpoint-Präsentation in Shenzhen, Sept. 2012, Folie 7.