mini|Bar-Kochba-Münze mit Darstellung der Tempelfassade, in der Mitte zwischen den Säulen wahrscheinlich der Schaubrottisch Die Münzprägungen des Bar-Kochba-Aufstandes waren eine Währung, die in dem von Bar Kochba kontrollierten Territorium Eretz Israel (ein von der römischen Besatzung befreiter Teil der Provinz Judäa) in den Jahren 132 bis 136 n. Chr. Gültigkeit hatte.

Ähnlich wie die Münzprägungen des Ersten Jüdischen Krieges wurden auch während des Bar-Kochba-Aufstands eigene Münzen geprägt. Das ist ein Vorrecht souveräner Staaten und in sich schon eine Kriegserklärung an Rom, wie sie unter allen aufständischen Provinzen des Reichs nur in Judäa – und zwar in beiden Kriegen gegen Rom – vollzogen wurde.Leo Mildenberg: Der Bar-Kochba-Krieg im Lichte der Münzprägungen. In: Hans-Peter Kuhnen: Palästina in griechisch-römischer Zeit, C. H. Beck, München 1990, ISBN 3-406-32876-8, Göttingen 2016, S. 357–366, hier S. 358.

Wandermünzstätte Bar Kochbas Konnten die Aufständischen im ersten Krieg gegen Rom mit der Münzstätte Jerusalem auf das im Tempelschatz gelagerte Silber zurückgreifen, so stand eine solche Ressource Bar Kochbas Administration nicht zur Verfügung. Stattdessen wurden lokale Münzen überprägt, die mehr oder weniger lange in Umlauf gewesen waren. Interessant im Blick auf die Datierung des Bar-Kochba-Aufstandes wäre die Überprägung einer Münze, die erst kurz vor dem Beginn des Aufstands ausgegeben worden war. Mildenberg verweist hier auf eine überprägte Gaza-Bronzemünze, auf der die Datierung 192 der Ära von Gaza (=131/132 n. Chr.) noch erkennbar ist.Leo Mildenberg: Numismatische Evidenz zur Chronologie der Bar-Kokhba-Erhebung, 1948/49, S. 25.

Das Überprägen der römischen Münzen mit ihrer paganen Symbolik war nach Ya’aḳov Meshorer eine sowohl religiöse als auch politische Botschaft.Ya’aḳov Meshorer: Ancient Jewish Coinage, Band 2: Herod the Great Through Bar Cochba, New York 1982, S. 135. Im Unterschied zur Ausgabe neuer Münzen war das Überprägen bereits vorhandener keine Quelle staatlicher Einnahmen und band Arbeitskräfte. Die Administration nahm das trotz der Belastungen des Krieges in Kauf, weil eigene Münzen die Möglichkeit boten, eine Botschaft an die Bevölkerung zu kommunizieren. Es ging auch, aber nicht nur, um Münzen, deren Motive dem Bilderverbot entsprachen. Als Material dienten hauptsächlich folgende, von den Rebellen eingezogene Münzen: +MaterialMünzstätteSilberTetradrachmen aus Antiochia und TyrosBronze, großProvinzialprägungen aus Antiochia und AlexandriaBronze, mittelProvinzialprägungen aus Askalon, Gaza, CaesareaBronze, kleinProvinzialprägungen aus Askalon Vor dem Überprägen wurden die Bronzemünzen abgefeilt. Bei den Silbermünzen wollte man den damit verbundenen Materialverlust vermeiden und hämmerte sie flach.Ya’aḳov Meshorer: Ancient Jewish Coinage, Band 2: Herod the Great Through Bar Cochba. New York 1982, S. 158. Eine feste Münzstätte, wie sie während des ersten Jüdischen Krieges in Jerusalem bestand, nimmt Meshorer nicht an. Vielmehr habe sich der jeweilige Münzmeister bei Bar Kochba aufgehalten.Ya’aḳov Meshorer: Ancient Jewish Coinage, Band 2: Herod the Great Through Bar Cochba, New York 1982, S. 159.

Die Hersteller der Münzstempel waren keine Spezialisten. Die damit beschäftigten Handwerker nahmen in der Regel einen vorhandenen Münzstempel als Vorlage, wenn es erforderlich war, einen neuen anzufertigen. Sie tendierten dazu, das Motiv zu vereinfachen. Besondere Probleme bereitete ihnen die althebräische Schrift, die wegen ihrer Dignität von der Bar-Kochba-Administration für ihre Münzen verwendet wurde, obwohl sich im Alltag die Quadratschrift schon völlig durchgesetzt hatte. Den Münzen sieht man an, dass die Handwerker diese Buchstaben nicht kannten und ihre Formen veränderten, sie teilweise auch ungelenk um das Münzmotiv gruppierten.Leo Mildenberg: The Coinage of the Bar Kokhba War, Aarau 1984, S. 21 f. Gelegentlich waren unqualifizierte Leute mit dem Schlagen der Münzen beschäftigt, und es wurde unter Zeitdruck gearbeitet.Ya’aḳov Meshorer: Ancient Jewish Coinage, Band 2: Herod the Great Through Bar Cochba, New York 1982, S. 160. Die Qualität der Prägungen ist aus den genannten Gründen deutlich schlechter als bei den Münzen des Ersten Jüdischen Krieges.

Peter Schäfer gibt folgende grobe Übersicht über die Münztypen:Peter Schäfer: Geschichte der Juden in der Antike, Tübingen 2010, S. 186.

Münzen mit der Aufschrift „Jahr eins der Erlösung Israels“; Münzen mit der Aufschrift „Jahr zwei der Befreiung Israels“; Datierte Münzen (Jahr 1, Jahr 2) mit der Aufschrift „Jerusalem“; Münzen, deren Aufschrift als „für die Freiheit/Befreiung Jerusalems“ übersetzt werden kann. Sie wurden wahrscheinlich im dritten Jahr des Aufstands geprägt.

Funde von Bar-Kochba-Münzen Nach Kriegsende wurden die Bar-Kochba-Münzen aus dem Verkehr gezogen. Erhalten blieben sie in Münzhorten sowie als Schmuckstücke, erkennbar an hineingebohrten Löchern.Martin Goodman: Coinage and Identity: The Jewish Evidence. In: Christopher Howgego et al. (Hrsg.): Coinage and Identity in the Roman Provinces, Oxford University Press, Oxford 2007, S. 163–166, hier S. 166. So publizierte David Hendin im Jahr 2000 einen Hortfund, der auf dem Antikenmarkt angeboten wurde. In einer fragmentarisch erhaltenen Öllampe des „herodianischen“ Typs, die angeblich in der Nähe von Hebron entdeckt worden war, befanden sich demnach folgende Münzen: vier römische Goldmünzen (Aurei) aus der Zeit von Domitian, Trajan und Hadrian, fünf Silberdenare aus der Zeit von Markus Antonius, Trajan und Antoninus Pius, sowie sieben bronzene Bar-Kochba-Münzen. Wie die Schlussmünze aus der Regentschaft des Antoninus Pius zeigt, waren die nach Kriegsende wertlosen Bronzemünzen der Aufständischen 15 Jahre später jemandem noch so wichtig, dass er sie wie eine kleine private Münzsammlung zusammen aufbewahrte und schließlich mit Münzen, die einen bedeutenden Wert darstellten, deponierte.David Hendin: A Bar Kokhba Lamp Hoard Collection, S. 181.

In Me‘arat haTe’omim (östlich von Bet Schemesch) gelang es 2011, einen Hort von 83 Silbermünzen der Bar-Kochba-Administration (Hoard A) sicherzustellen. In dieser Karsthöhle suchten Menschen am Ende des Aufstands Zuflucht. Sie hatten die Münzen zusammen mit einem Silberschmuck in einem nicht mehr erhaltenen organischen Behältnis verwahrt und in einer Aushöhlung im Felsen deponiert. Dies ist der einzige derartige Hortfund, der durch eine kontrollierte Grabung bekannt wurde, gegenüber 29 Hortfunden von Bar-Kochba-Münzen, die zwischen 1889 und 1982 auf dem Antiquitätenmarkt auftauchten.Boaz Zissu, Ro’i Porat, Boaz Langford, Amos Frumkin: Archaeological remains of the Bar Kokhba Revolt in the Te’omim Cave (Mu˘ghâret Umm et Tûeimîn), Western Jerusalem Hills, 2011, S. 273–275. In der gleichen Höhle gab es zwei weitere Münzhorte B und C, die Bar-Kochba-Münzen zusammen mit römischen Münzen enthielten. Vermutlich hatten die Besitzer nicht ihr gesamtes Münzgeld in Aufstandswährung umgetauscht, weil die Bar-Kochba-Münzen nur in einem begrenzten Gebiet gültig waren.

Eine Merkwürdigkeit sind Bronzemünzen Bar Kochbas, die in entfernten römischen Provinzen im Kontext von Militärlagern aufgefunden wurden. Hanan Eshel, Boaz Zissu und Gabriel Barkay listen sechzehn Exemplare auf: eine Münze in Britannien (Londinum), 12 in Pannonien (Vindobona, Carnuntum, Brigetio) und drei in Dakien (Sarmizegetusa, Ilişua und Pojejena). Sie vermuten, dass Legionäre, die an der Niederschlagung des Aufstands beteiligt waren, diese Münzen quasi als Souvenirs mitnahmen.Hanan Eshel, Boaz Zissu, Gabriel Barkay: Sixteen Bar Kokhba Coins from Roman Sites in Europe, 2010, S. 94 f.

Münzmotive mini|Silbermünze, Vorderseite: Blasinstrumente, Umschrift: Für die Freiheit Jerusalems; Rückseite: Saiteninstrument (Typ A), Umschrift: Jahr zwei der Befreiung Israels mini|Hellenistisch-römische Parallele für die Leier des Typs A, Statuengruppe Farnesischer Stier, 1. Jahrhundert n. Chr. (Neapel, Museo Nazionale) Auf den Münzen sind Pflanzen und Früchte mit religiöser Symbolik dargestellt, die Tempelfassade sowie Tempelgeräte und Musikinstrumente. Bei den Musikinstrumenten handelt es sich um zwei Typen von Leiern sowie Blasinstrumente.

Tempelfassade Das Münzbild der Tempelfassade zeigt in der Mitte ein Detail, dessen Deutung im 20. Jahrhundert lange umstritten war. Vorgeschlagen wurde die Bundeslade, eine Tür oder ein Toraschrein. Dan Barag konnte durch Hinzuziehung seltener Bar-Kochba-Prägungen wahrscheinlich machen, dass es sich um den Schaubrottisch handelt.Steven Fine: Art and Judaism in the Greco-Roman World: Toward a New Jewish Archaeology, Cambridge 2005. S. 150. Dan Barag: The Table of the Showbread and the Facade of the Temple on Coins of the Bar Kokhba Revolt. In: Hillel Geva (Hrsg.): Ancient Jerusalem Revealed, Jerusalem 1994, S. 272–276. Das Original wurde im Triumphzug des Titus in Rom mitgeführt; nach dem Bar-Kochba-Aufstand verschwand der Schaubrottisch (anders als die Menora) aus der jüdischen Ikonographie.

Musikinstrumente Die Auswertung der Musikinstrumente auf den Münzbildern zum Verständnis der Musik Altisraels hat eine lange Tradition. Schon Johann Jahn erwähnte 1817 Darstellungen zweier „Cithern“ auf Münzen, die er für makkabäisch hielt; die beigefügte Kupfertafel zeigt eine Bar-Kochba-Münze mit einem Saiteninstrument des Typs A.Johann Jahn: Biblische Archäologie, 1. Teil: Häusliche Alterthümer, 1. Band, 2. Auflage, Carl Ferdinand Beck, Wien 1817, S. 496 und Tafel V. Joachim Braun weist darauf hin, dass Leiern ein häufiges Motiv auf antiken griechischen Münzen waren, was im Laufe der Zeit zu einer Stilisierung des Münzbildes auf Kosten der realistischen Instrumentendarstellung führte.Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas. Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 201. Eine kleine Gruppe von Münzen aus Ptolemais (Akkon) aus seleukidischer Zeit (zwischen 125 und 110 v. Chr.) zeigt auf der Vorderseite den Kopf Apollons und auf der Rückseite die Darstellung einer Leier. Dabei sind zwei Leierformen anzutreffen, beide symmetrisch: mit drei Saiten (Typ A) und mit sechs Saiten (Typ B, Unikat). Braun hält diese Münzbilder für Abbildungen lokaler Instrumente und vermutet, dass sie als Prototypen für spätere Münzprägungen dienten. Die in zweifacher Form existierende Leier „wurde ein Charakteristikum der Leierikonographie des hellenistisch-römischen Palästina“ und begegnet auf Münzen aus Antiochia sowie möglicherweise auch auf den Bar-Kochba-Münzen.Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas. Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 202.

„Nur mit Vorsicht kann man die Behauptung der meisten Forscher akzeptieren, dass die Bar Kochba-Leiern authentische Instrumente aus der Zeit des Zweiten Tempels seien.“Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas. Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 203. Es gibt zwei Typen von Leiern auf den Bar-Kochba-Münzen: Typ A wurde von der Musikhistorikerin Bathja Bayer in einer grundlegenden Studie (1968)Bathja Bayer: The Biblical Nebel. In: Yuval 1, 1968, S. 89–131 dem biblischen Instrumentennamen kinnor zugeordnet und Typ B dem Instrumentennamen nevel. Dass die Saiten in beiden Fällen nicht über den Schallkörper hinweg weitergezogen wurden, weist auf eine Stilisierung des Münzbildes hin. Für beide Leiertypen existieren hellenistisch-römische Parallelen.