mini|Leinawald an der Westseite der Talsperre Schömbach mini|Westseite des Leinawaldes mit Gewerbegebiet/Flughafen Altenburg-Nobitz
Der Leinawald ist ein Naturschutzgebiet und Vogelschutzgebiet im Landkreis Altenburger Land in Thüringen. Es erstreckt sich nordöstlich von Klausa, einem Ortsteil von Nobitz. Die Landesstraße L 2460 durchquert das Gebiet in West-Ost-Richtung. Südwestlich des Gebietes verläuft die B 180 und südlich die L 1357. Am westlichen Rand liegt der Leipzig-Altenburg Airport, am nördlichen und nordöstlichen Rand verläuft die Landesgrenze zu Sachsen, am östlichen Rand erstreckt sich die 1,75 km² große Talsperre Schömbach.
Naturschutz Das 1843,7 ha große Gebiet mit der NSG-Nr. 185 wurde im Jahr 1961 unter Naturschutz gestellt.
Das (DDR)-Naturschutzgebiet Nr. 185 (Leinawald) liegt heute teilweise in dem FFH-Gebiet Nr. 142 namens „Leinawald“ (Schutznummer: DE 4941-303) und teilweise im Europäischen Vogelschutzgebiet „SPA 44“ (Nordöstliches Altenburger Land, Schutznummer: DE 4940-420)Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet 142 „Leinawald“ (DE 4941-303) … (PDF; 3,0 MB), Halle, 2019, S. 11.
Das FFH-Gebiet 142 wurde am 7. Dezember 2004 durch die Europäische Union bestätigt.Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet 142 „Leinawald“ (DE 4941-303) … (PDF; 3,0 MB), Halle, 2019, S. 1 Es ist fast vollflächig Bestandteil des Vogelschutzgebietes „SPA 44“.
Im oder am Leinawald befinden sich mehrere Flächennaturdenkmale (FND) und Naturdenkmale (ND), die bereits in der DDR-Zeit unter Schutz standen:Klaus Strumpf: Flora von Altenburg. Die Farn- und Blütenpflanzen des Altenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Florenwandels in einer Industrie-Agrar-Landschaft (Mit 38 Abbildungen, 1 Tabelle und 9 Karten im Text). In: Mauritiana. Band 13, Altenburg 1992, Schutzgebiete im Leinawald S. 362/363, Nr. 5 u. 7 ().Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet 142 „Leinawald“ (DE 4941-303) … (PDF; 3,0 MB), Halle, 2019, Kapitel "Flächennaturdenkmale" S. 11 Dazu gehören die Flächennaturdenkmale Märchensee, Sandgruben Bocka-Leinawald, Teichgraben, Unterer Teichgraben, Oberer Teichgraben (zusammengefasst zum Teichgrabensystem Leinawald) und das Naturdenkmal Findlinge Kiesgrube Leinawald.
Des Weiteren werden folgende Gebiete im Naturschutzgebiet Leinawald hervorgehoben: Quadrant 105: „Auenwald des Spannerbachs an der Nordwestecke des Leinawaldes“ Quadranten 152, 153, 254, 165 teilweise: „naturnaher Laubwald im Feuchtgebiet des Teichgrabens in der Mitte des Leinawaldes“ Quadrant 259: „kleine Bachaue und lindenreicher Eichen-Mischwald am Südrand des Leinawaldes“ An den Leinawald im Osten grenzen das anschließende Landschaftsschutzgebiet der Talsperre Schömbach und das Europäische Vogelschutzgebiet. Das sächsische Landschaftsschutzgebiet „Kohrener Land“ grenzt an die Nordseite und die nördliche Westseite des Leinawaldes an.
Lage miniatur|Ortsteile der Gemeinde Langenleuba-Niederhain mit zugehörigem Leinawald
Orte am Rande des Leinawaldes Klausa an dessen Südwestecke Lohma, Zschernichen und Buscha an dessen Südseite Langenleuba-Niederhain an dessen Südostecke Talsperre Schömbach und Dorf Altmörbitz an dessen Ostseite Pöppschen, Bocka und Dolsenhain vor seiner Nordseite Niederleupten, Nobitz (mit Flughafen/Gewerbegebiet im Leinawald mit Flughafenmuseum), Wilchwitz und Kraschwitz an dessen Westseite Zwei Ortschaften haben den Leinawald symbolisch in ihr Wappen aufgenommen.
Höhe (über NN) Eine Karte in der Studie (Vortrag) von Baade weist für einige Quadranten Höhenangaben aus: Quadrant 233/247, Nordseite: „Pfennigberg“ 214,3 m Quadrant 189, Nordwestbereich: „Fuchsberg“ 227,3 m (nordöstlich davon ganz nah die Jagdhütte) Quadrant 173, nahe Märchensee, Nordostbereich: 211,0 m Quadrant 161, Nordwestbereich: 205,5 m Quadrant 124 (an der nördlichen Grenze zu Quadrant 123): 200,3 m
Für die Wetterstation am Flughafen Altenburg-Nobitz (Leipzig-Altenburg Airport) gibt der Stationsbetreiber Meteogroup eine Höhenlage von 170 m an (Station Nr. 105660 WMO).
Klima Der Managementplan des FFH-Gebietes Nr. 142 „Leinawald“ (2019) benennt auf Seite 11 Klimadaten, die von 1961 bis 1990 erfasst und ausgewertet wurden:
Klimadaten Leinawald (1961–1990)Managementplan des FFH-Gebietes 142 …, Halle/Saale, November 2019, Klimadaten des Leinawaldes S. 11GrößeMesswertEinheitmittlere Jahrestemperatur 8,6°Chöchste gemessene Temperatur 35,73°Cmittlere tägliche Temperaturschwankungen 8,23°Cmittleres Temperaturminimum des kältesten Monats im Jahr −3,21°Cniedrigste gemessene Temperatur −24,1°CAnzahl frostfreier Tage pro Jahr 191mittlerer Jahresniederschlag631mmMonat des höchsten NiederschlagesAugust
Mitten durch den Leinawald verläuft offenbar eine Klimascheide.Hartmut Baade: "Die historischen Karten des Leinawaldes …", in: Mauritiana 12, Altenburg, 1987, S. 137 ()
Die Forstverwaltungsgesellschaft ThüringenForst betreibt hier als forstliches Umweltmonitoring seit 1991 die Waldmessstation „Leinawald“, die neben klassischen Klimadaten auch Bodenfeuchtewerte misst.Haupt- und Waldmessstationen, Website ThüringenForst, abgerufen am 21. September 2023 Am Flughafen Altenburg-Nobitz befindet sich eine weitere Wetterstation eines anderen Betreibers.Wetterstation Altenburg/Nobitz (Leipzig-Altenburg Airport), auf meteopool.org, abgerufen am 21. September 2023
Land- und forstwirtschaftliche Zufahrtswege und Wanderwege Die Außenbereiche des Leinawaldes und Bockaer Forstes werden nur durch Wege erschlossen, die für den Straßenverkehr zumeist gesperrt sind. In Klausa beginnt ein Baumlehrpfad, der in nordöstlicher Richtung im Wald verläuft.
Pflanzen Heute ist der Leinawald ein Nadelwald. Nach der Studie von Hartmut Baade haben Fichte und Kiefer wegen immer wieder auftretendem Wassermangel im Leinawald keine Zukunft. Der Uferbereich des Flugplatzteiches ist mit Weiden bepflanzt worden. Bereits 1938 und 1955 schlugen Forstbeamte vor, den vorliegenden Nadelwald zu einem Mischwald umzugestalten. Dies wurde laut Baade (2022) nicht konsequent genug umgesetzt.
Im ursprünglichen Leinawald und auch generell im Altenburger Land kam die Fichte nicht vor.Studie/Vortrag Baade 2023, S. 5 Im Jahre 1764 erfolgte in der Leina die Aussaat von Kiefern und Fichten. Das Saatgut stammte offenbar aus anderen Regionen.Baade 1987: Oberjägermeister von Einsiedel S. 11 (). Noch heute ist die Potenzielle natürliche Vegetation des Leinawaldes erkennbar und er kann daher in drei Waldgesellschaften eingeteilt werden:Baade 1987: Waldgesellschaften S. 13 () Rotbuchenwald, bzw. Waldschwingel-Tannen-Buchenwald mit dominierender Rotbuche, auf den eher trockenen Standorten der Leina (Stiel)–Eichen-Hainbuchen-Wald auf den lössbedeckten feuchten und wechselfeuchten Standorten der Leina Schaumkraut-Erlenwald, ein Bruchwald, auf den sehr feuchten und wechselfeuchten Standorten der Leina
In der Leina ist die Grasart Waldschwingel vorkommend. Die Rotbuchenwälder der Leina sind daher als „Waldschwingel-Tannen-Buchenwald“ einzustufen. Die ursprünglich daran beteiligte Weiß-Tanne stellte nach Meinung von Fachleuten und bestätigt durch historische Quellen, im ehemaligen Naturwald Leinawald etwa 11–16 % des Baumbestandes dar.Bärthel 1926 u. a. Bis 1837 wurden die meisten starken Weißtannen jedoch gezielt selektiv abgetrieben. Noch in den 1920er Jahren wurden einzelne starke Weißtannen im Leinawald gefällt. Jüngere kleine Aufforstungsversuche mit Weißtannen sind hier gescheitert.Klaus Strumpf: Flora von Altenburg. Die Farn- und Blütenpflanzen des Altenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Florenwandels in einer Industrie-Agrar-Landschaft (Mit 38 Abbildungen, 1 Tabelle und 9 Karten im Text). In: Naturkundemuseum Mauritianum (Hrsg.): Mauritiana. Band 13, Altenburg 1992, Heft 3, S. 339–523, Weißtannen im Leinawald S. 369 ().
Der zweitgrößte Baum des Leinawaldes befindet sich wenige Meter westlich des Flüsschens Wiera an der Waldgrenze bei Langenleuba-Niederhain. Es handelt sich um eine Eiche, die die umgebenden Bäume deutlich sichtbar überragt. Ihr Stammumfang in Brusthöhe ist etwa 4,6 Meter (Stand von 2023).
Einheimische Pflanzen Im Jahre 1983 entdeckte Klaus Strumpf aus Altenburg einen zweiten Standort, an dem die Weiße Pestwurz im Leinawald vorkommt.Baade 1987: Weiße Pestwurz (Petasites albus), siehe S. 142, Nr. 35 ().
Neophyten Für folgende Pflanzenarten werden die Vorkommen im Leinawald als dort neophytisch eingeschätzt:Natur und Mensch verändern die Leina – Erkenntnisse eines Naturschutzbeauftragten ab 1990, Vortrag von Hartmut Baade, 2022Klaus Strumpf: Flora von Altenburg. Die Farn- und Blütenpflanzen des Altenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Florenwandels in einer Industrie-Agrar-Landschaft (Mit 38 Abbildungen, 1 Tabelle und 9 Karten im Text). In: Mauritiana. Band 13, Altenburg 1992, Heft 3, S. 339–523 ().Klaus Strumpf: Flora von Altenburg. Erster Nachtrag 1992-Mitte 1995. In: Mauritiana. Band 15, Altenburg 1995, S. 277–299 (). Wasserfeder: im Erlenbruch (Quadrant 106) sowie im alten Schießstand (Quadrant 115) Drüsiges Springkraut: an der Wyhra und an der Talsperre Schömbach Europäischer Froschbiss: ehemals in den Fürstenteichen (Quadrant 126), scheinbar erloschen (2022) Buntes Springkraut Straußenfarn Hasenglöckchen
Straußenfarn und Hasenglöckchen kommen aktuell (2022) am Bach „Burzelgraben“ (Quadrant 198) östlich nahe dem Ort Langenleuba-Niederhain vor.
Das Bunte Springkraut wurde in Deutschland zum ersten Male im Leinawald entdeckt. Es ist hier mittlerweile stark verbreitet. Unklar ist, wie es hierher gelangte.Natur und Mensch verändern die Leina – Erkenntnisse eines Naturschutzbeauftragten ab 1990, Vortrag von Hartmut Baade, 2022, S. 39Hartmut Baade und Peter Gutte: Impatiens edgeworthii Hook f. – ein für Deutschland neues Springkraut. In: Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 9, S. 55–63, Jahr 2008.
Wassermangel führt im Leinawald zur Veränderung der Populationen oder deren komplettem Erlöschen an manchen Standorten.Natur und Mensch verändern die Leina – Erkenntnisse eines Naturschutzbeauftragten ab 1990, Vortrag von Hartmut Baade, 2022, u. a. S. 24–31
Tiere Schon 1934 beschäftigte sich Hugo Hildebrandt mit seltenen Populationen von Schnecken im Leinawald.Hugo Hildebrandt: „Beitrag zur Molluskenfauna des Osterlandes.“, in: „Mitteilungen aus dem Osterlande“, N. F. 22, S. 45—60, Altenburg 1934 Eine Publikation von Baade aus dem Jahr 1988 beschäftigte sich bereits mit Fischen, Amphibien und Reptilien im Leinawald.Hartmut Baade: „Die Pflege von Feuchtbiotopen im Leinagebiet (Kreis Altenburg) – Mitteilungsblatt für den praktischen Schutz der Ichthyo- und Herpetofauna im Bezirk Leipzig 4“., zwei Seiten, DDR, 1988.
Insekten Beim Forsthaus, das am Forstweg zum Klausaer Holzplatz liegt, wurden in der DDR-Zeit Holzstämme gesägt. Im liegengelassenen Sägemehl lebte eine bedeutende Population von Nashornkäfern, die mit dem Ende der dortigen Sägearbeit verschwand.Pressemitteilung:
Der deutlich seltenere Hirschkäfer wurde vor 2019 in und nahe dem Leinawald gesichtet.Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet 142 „Leinawald“ (DE 4941-303) … (PDF; 3,0 MB), Halle, 2019, S. 42
Fische Anwohner und Förster bestätigten für die 1930er Jahre das Vorkommen der Regenbogenforelle im Spannerbach. Im Jahr 1978 konnte das Vorkommen der Bachforelle im Spannerbach nicht mehr festgestellt werden.Hartmut Baade: „Neue Erkenntnisse zum System der naturgeschützten Objekte im Leinawald und ihre Berücksichtigung bei der Revision dieses Systems 1979-1984. (mit 3 Abbildungen und 3 Tabellen)“, in: Mauritiana (Altenburg), Nr. 12, Heft 1, Altenburg 1987, DDR, Forellen im Spannerbach S. 122, Nr. 7 Nach dem Managementplan (2019) des FFH-Gebietes 142 ist das Vorkommen der Bachforelle im oder beim Leinawald / Talsperre Schömbach wieder bestätigt.
Säugetiere