mini|hochkant|Gorilla entführt eine Frau Gorilla entführt eine Frau (Gorille enlevant une femme) ist eine Gruppenskulptur von Emmanuel Frémiet aus dem Jahre 1887. Eine erste Version mit dem Titel Gorille femelle enlevant une négresse (Weiblicher Gorilla trägt eine Negerin, 1861 zerstört) verursachte im Salon von 1859 einen Skandal. Für die von der ersten abweichende Version von 1887 erhielt der Künstler eine Ehrenmedaille des Salons der Société des Artistes Français. Frémiet schuf 1859 – in dem Jahr, in dem Darwins „Entstehung der Arten“ für Aufsehen sorgte – die erste künstlerische (und nicht nur wissenschaftliche) Darstellung eines Gorillas überhaupt. Es ist zugleich die erste Darstellung, in der ein lebensgroßer Affe, als Hauptfigur bildwürdig wurde. Frémiets frauenraubende Gorillas und King Kong sind Teil einer langen, vorwiegend schriftlichen Tradition, die bis in die Antike zurückreicht.Ulrich Blanché: Images feat. Apes post 1859. Arthistoricum, Heidelberg 2026, ISBN 978-3-98501-397-5, S. 42–49. In den 1870er Jahren, als die zweite Skulptur entstand, war in wissenschaftlichen Kreisen bereits bekannt, dass reale Gorillas friedlich sind, Menschen eher meiden und aufgrund ihrer geringen Libido und anatomischen Unvereinbarkeit kaum Interesse an menschlichen Frauen haben. Als die erste Skulptur entstand, stand Frémiets Darstellung – obwohl sie damals dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung entsprach – im Widerspruch zu den moralischen Normen der Zeit. Bei der zweiten Skulptur hinkte Frémiet der wissenschaftlichen Forschung hinterher, was einer der Gründe war, warum die französische Regierung sich letztendlich weigerte, die Skulptur in Bronze gießen zu lassen. Die teilweise sehr widersprüchlichen Meinungen zu Frémiets Gorilla-Darstellungen hängen von den erheblichen Unterschieden in Absicht und Ausführung zwischen der ersten und der zweiten Version ab – und noch mehr davon, ob man die Skulpturen eher als „Kunst“ oder als „Objekt eines Naturkundemuseums“ betrachtet, da sie beides sind, genauso wie Frémiet in beiden Bereichen ausgebildet war und darauf abzielte, in beiden Bereichen erfolgreich zu sein, da er in der Kunstwelt nicht ausschließlich als Tierbildhauer angesehen werden wollte.Ulrich Blanché: Images feat. Apes post 1859. Arthistoricum, Heidelberg 2026, ISBN 978-3-98501-397-5, S. 42–78. Die zweite Skulptur war eine der Inspirationsquellen für King Kong.King Kong vit à Nantes, on l'a retrouvé Presse OcéanLes singes au cinéma : de King Kong à la Planète des Singes Rockyrama Die Skulptur befindet sich heute im Musée des Beaux-Arts de Nantes. 2016 war die Gipsskulptur im Rahmen der Ausstellung Die Vermessung des Unmenschen in der Kunsthalle im Lipsius-Bau in Dresden zu sehen.Jens Bisky: Affe raubt Frau. sueddeutsche.de, 13. Mai 2016, abgerufen am 22. März 2019
Weblinks Bettina Erche: Keine Frage des Fressens, faz.net, 27. März 2007
Einzelnachweise
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