mini|Maisha-Maureen Auma 2018 bei der Heinrich-Böll-Stiftung Maisha-Maureen Auma (* 1973 in Kisumu, Kenia), auch Maisha-Maureen Eggers, ist eine deutsche Erziehungs- und Genderwissenschaftlerin mit Schwerpunkten in Diversitätsforschung, Rassismuskritik, Intersektionalität und Critical Race Theory. Sie war von 2008 bis 2022 Professorin für Kindheit und Differenz (Diversitätsstudien) an der Hochschule Magdeburg-Stendal und nahm mehrere Gastprofessuren in Berlin, Klagenfurt und Innsbruck wahr.
Leben Auma studierte von 1992 bis 1995 Sozialpädagogik an der staatlichen Fachhochschule Kiel und von 1996 bis 2001 Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 2005 promovierte sie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit der Arbeit Rassifizierung und kindliches Machtempfinden und wurde dabei durch ein Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert.
Von 2005 bis 2006 war sie als Lehrbeauftragte an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Sie unterrichtete an der Philosophischen Fakultät im Bereich Gender Studies, wo sie in den beiden Folgejahren auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin weiter wirkte. Von 2008 bis 2022 war Auma Professorin für Kindheit und Differenz (Diversitätsstudien) am Standort Stendal der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Zwischen 2014 und 2019 war sie Gastprofessorin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin. 2020/2021 war sie Gastprofessorin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Technischen Universität Berlin und vertrat dort die Professur von Sabine Hark. 2021/2022 übernahm sie als erste Wissenschaftlerin den Audre-Lorde-Lehrstuhl für intersektionale Diversitätsstudien, eine Gastprofessur des Diversitäts-Netzwerks der Berlin University Alliance. Im Sommersemester 2024 war sie Gastprofessorin für Gender und Diversität an der Universität Klagenfurt und Gastwissenschaftlerin am Zentrum für interdisziplinäre Genderstudien der Universität Innsbruck.
Forschung und Wirken Aumas Forschung behandelt Diversität und Pluralität in Schulbüchern und didaktischen Materialien, Differenzkonstruktionen, sexualpädagogische Ermächtigung für schwarze Menschen und People of Color, kritische Weißseinsforschung, Dekolonialität, Intersektionalität und Critical Race Theory. Ein weiterer Schwerpunkt ist Rassismuskritik in der postsozialistischen Nachwendegesellschaft. Als Mitherausgeberin des 2006 erstmals erschienenen Sammelbandes Mythen, Masken und Subjekte trug sie zur Etablierung der deutschsprachigen kritischen Weißseinsforschung bei. Sie erklärte Colorism als rassistisch geprägte Körperpolitik und als Technik der ungleichen Ressourcenverteilung.
Seit 1993 ist sie in der schwarzen feministischen Selbstorganisation Generation ADEFRA, Schwarze Frauen in Deutschland, tätig. Gemeinsam mit Peggy Piesche und Katja Kinder führte sie 2018 in Kooperation mit der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung einen Konsultationsprozess zur Diskriminierung und sozialen Resilienz von Menschen afrikanischer Herkunft in Berlin durch. Aus dieser Arbeit ging die von Auma, Kinder und Piesche verfasste bpb-Publikation Rassismus, Rassismuskritik und Resilienz über die Umsetzung der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft 2015–2024 hervor.
Sie betrachtet Intersektionalität und strukturellen Rassismus an Hochschulen und kritisiert die geringe Sichtbarkeit schwarzer Menschen im deutschen Universitätsbetrieb. Sie fordert strukturell verankerte Beauftragte für Rassismuskritik an Hochschulen. Darüber hinaus fordert sie vielfältigeres Unterrichtsmaterial und kritisiert schlecht bezahlte Arbeit in Schulbuchverlagen. Im Jahr 2026 gehörte Auma dem Berliner Gleichstellungsbegleitgremium an, das Verwaltungsvorhaben gegen anti-schwarzen Rassismus begleitet, und befürwortete einen Studiengang Black Studies als Beitrag zur Professionalisierung dieses Feldes. 2025 wurde Auma als von der SPD benannte Sachverständige Mitglied der Berliner Enquetekommission „Für gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung“, die Vorschläge jenseits der Tagespolitik erarbeiten sollte. Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hob sie Berlin als Stadt mit ausgeprägter Antidiskriminierungsinfrastruktur und engagierter Zivilgesellschaft hervor und beschrieb die Zusammenarbeit dieser zivilgesellschaftlichen Expertise mit einer diskriminierungskritischen Verwaltungspraxis als Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe.
Öffentliches Wirken Auma wurde wiederholt von Medien und Veranstaltern als Fachfrau zu Themen rund um ihre Forschungsschwerpunkte eingeladen. So trat sie 2007 in einer Talkrunde in der Sendung 37 Grad im ZDF zum Thema Schwarze Haut – weißer Hass auf. 2009 war sie in der Sendung scobel auf 3sat Gast einer Talkrunde mit dem Titel Darwin und die Rasse. 2010 nahm sie in der Werkstatt der Kulturen in Berlin an einer Talkrunde mit Michel Friedman teil. Im gleichen Jahr übernahm sie gemeinsam mit dem Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner die Schirmherrschaft über die Tage des Interkulturellen Dialogs Berlin-Brandenburg. 2013 schrieb sie ein Statement für die Rubrik Sonntaz-Streit der taz. Darüber hinaus gab sie mehrfach Interviews, unter anderem für die Radiosender Bayern 3 und rbbKultur. In einem taz-Interview nach dem Ende der Berliner Enquetekommission kritisierte sie 2026 politische Widerstände gegen die Anerkennung struktureller und institutioneller Diskriminierung und verband diese Kritik mit einem Plädoyer, Verwaltung diskriminierungskritischer zu gestalten.
Veröffentlichungen (Auswahl) mit Katja Kinder, Peggy Piesche: Rassismus, Rassismuskritik und Resilienz. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2024. Rassismus: Eine Definition für die Alltagspraxis (PDF; 196 kB), Berlin 2018, ISBN 978-3-948002-02-2. Interdependente Konstruktionen von Geschlecht und rassistischer Markierung: Diversität als neues Thematisierungsformat?. In: Bulletin Texte / Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien, Humboldt-Universität zu Berlin, Nr. 37, 2011, S. 56–70, , doi:10.25595/120. als Maisha-Maureen Eggers (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte: kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Unrast, Münster 2006, ISBN 978-3-89771-440-3. als Maisha-Maureen Eggers: Rassifizierung und kindliches Machtempfinden. Wie schwarze und weiße Kinder rassifizierte Machtdifferenz verhandeln auf der Ebene von Identität. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Kiel 2005 (Dissertation; online).
Einzelnachweise
Kategorie:Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung Kategorie:Erziehungswissenschaftler (21. Jahrhundert) Kategorie:Soziologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Geschlechtersoziologe Kategorie:Hochschullehrer (Hochschule Magdeburg-Stendal, Campus Stendal) Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Berlin) Kategorie:Kenianer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Frau