Der S4 war zwischen 1997 und 2023 die Sportversion des Audi A4. Eine noch sportlichere Variante ist der RS4.
Die erste S4-Generation war die Sportversion des Audi 100 C4 und somit der Nachfolger des Audi 200 C3 (Die Sportversion des Audi 100 C3). Das Modell erschien 1991. Seit der Umstellung der Modellbezeichnungen auf Audi A x 1994 heißen die Sportversionen Audi S x.
Da die Audi A4-Plattform aus dem Audi 80 entstand, kann deren Sportversion gewisser Maßen auch als Vorgängerversion bezeichnet werden. Dies wäre der Audi S2, welcher als Coupé, Limousine und Avant gefertigt wurde.
Weil gerade Ziffern in Audis Modellpalette künftig für Elektroautos verwendet werden sollen, wird die Sportversion seit 2024 als Audi S5 angeboten.
S4 C4 (1991–1994)
mini|links|Audi S4 Emblem der ersten Generation Der Audi 100 S4 C4 wurde sowohl als Limousine als auch als Kombi (Avant) angeboten. Der Name S4 leitet sich dabei von der Modellbezeichnung C4 ab.
Der S4 C4 ist die Sportversion des Audi 100 C4. Er orientiert sich dabei weitestgehend an der hohen Verarbeitungsqualität der Serie sowie der altbewährten Motor-Technik aus dem Audi V8 bzw. dem Audi 200. Es ist das einzige Modell der S4-Serie von Audi, der auf der „C“-Basis basiert. Alle folgenden Modelle basieren auf dem Audi A4 und dessen Typisierung „B“. Dadurch ist der S4 C4 von seiner Modellcharakteristik, in Sachen Abmessung und Gewicht eher einem heutigen A6 als einem A4 zuzuordnen. Die Sportversion des Audi 80 B4, der Vorgänger des A4/S4 B5, war damals der S2 bzw. RS2. Erst danach basierte das Modell auf der „B“-Plattform. Er ist daher auch der gehobenen Mittelklasse (Obere Mittelklasse) zuzuordnen, wenngleich er sogar höhere Ausstattungsmerkmale als der damalige Audi V8 der Oberklasse aufweist.
Zum Modelljahr 1992 (nach den Werksferien, August 1991) erschien der S4 zunächst nur mit dem 5-Zylinder 20V Turbomotor, welcher als Grundmotor nahezu baugleich, aber mit zum Teil unterschiedlicher Leistung, bereits seit Mitte der 80er Jahre in verschiedenen anderen Audi-Modellen eingebaut wurde.
Als zum Modelljahr 1993 (ab Oktober 1992) zusätzlich zum Turbomotor auch der aus dem Audi V8 bekannte 4,2 l V8 Motor zur Verfügung stand, wurde der S4 zur sportlicheren, moderneren sowie um 8050 DM günstigeren Alternative gegenüber der Luxusvariante. Dieser Umstand führte zu einer deutlichen internen Konkurrenz, was wohl auch ein Grund für die Einstellung der Produktion des Audi V8 ein Jahr später war. Das Fahrzeug war ab da somit bis zur Präsentation des Audi RS2 bzw. Audi S6 C4 und Audi A8 das Topmodell des Herstellers.
Wohl prominentester Besitzer eines Audi S4 V8 Avant war Ayrton Senna. Er bekam als brasilianischer Generalimporteur von Audi dieses Modell Anfang 1994 zur Verfügung gestellt. Er nutzte das Fahrzeug im Alltag, verunglückte jedoch wenige Wochen später beim Großen Preis von San Marino tödlich. Das Auto befindet sich noch heute im Familienbesitz und hat weniger als 5000 km zurückgelegt.
Mit der Facelift-Version des Audi 100 C4, dem A6 C4 ab Modelljahr 1995, wurde der Audi S4 C4 zum Audi S6 C4 weiterentwickelt. Dieser basiert auf der gleichen Plattform, unterscheidet sich aber optisch wie technisch zum S4.
Der Audi S4 V8 ist der stärkste, schnellste und zur damaligen Zeit mit 97.500 DM (Limousine), bzw. 101.700 DM (Avant) Grundpreis im Jahr 1993 auch teuerstes Modell der gesamten Audi 100 Baureihe. Der Grundpreis des S4 20V lag je nach Ausführung zwischen 81.500 und 89.600 DM.Preisliste "Audi S4, S4 4.2, Audi Avant S4, S4 4.2" Stand 30. August 1993. 302/1063.01.00 Audi AG, Ingolstadt
Die gebauten Stückzahlen belaufen sich für den 2.2 20V Turbo auf 9.286 Limousinen bzw. 4.654 Avant sowie beim 4.2 V8 auf 502 Limousinen und 1.486 Avant. Somit zusammen 13.940 Turbo-Motoren und 1.988 V8-Modelle. Insgesamt wurden 15.928 Stück gebaut, sieben Mal so viele Fünfzylinder wie V8-Modelle.
Karosserie und Technik Die Karosserie des Audi S4 orientiert sich weitgehend an der des Audi 100 C4. Neu gestaltet wurden die Frontpartie, die Kotflügel wurden verbreitert und somit auch der Stoßfänger vorne. Außerdem wurden diesem zusätzlichen Lufteinlässe zur Anströmung von Ladeluft- und Ölkühler hinzugefügt. Wahlweise gab es den Avant auch ohne Dachreling, wodurch das Gesamterscheinungsbild sportlicher wirken soll. Die Scheinwerfer wurden, bedingt durch das Vorhandensein der zusätzlichen Lade- bzw. Ölkühler durch kombinierte Halogen oder Xenon Dreifach-Ellipsoid-Scheinwerfer (DE-Technik) mit integrierten Nebelscheinwerfern ersetzt, welche sonst nur die Turbodiesel-Modelle im Audi 100 C4 Serie haben. Die tiefergesetzten Nebelscheinwerfer in der Stoßstange fielen somit weg. Am Heck wurde ein durchgehendes Heckleuchtenband eingesetzt. Der 4,2 Liter V8 ist äußerlich durch lackierte Stoßleisten erkennbar. Der 20V Turbo hat dagegen kunststoffarbene Leisten. Auch an den S4-Emblemen am Frontgrill sowie am Heck mit den Schriftzügen 20V quattro oder 4.2 ist der S4 zu erkennen.
Beim 5-Zylinder passte erstmals der gesamte Wasserkühler komplett mittig vor den Motor und musste nicht mehr wie noch im Audi 200 C3 oder dem S2 als verkleinerte Ausführung links neben den Motor gesetzt werden.
Der 20V Turbo ist bis Anfang 1994 mit der Faustsattel-HP-Bremse, der sogenannten UFO-Bremse (Bremsscheiben 310 × 25), ausgerüstet. Im letzten Modelljahr erhielt das Modell die Schwimmsattelbremse HP2. Die 4.2 V8 haben dagegen immer die HP2-Bremsanlage mit 314 × 30 großen Bremsscheiben vorn. Die hinteren Bremsscheiben sind, anders als beim Audi 100, innenbelüftet und mit 269 × 20 ebenfalls größer.
Der S4 sticht auch mit einigen Neuerungen in der Audi-Produktpalette hervor. So stand erstmals unter anderem eine Gasentladungslampe zur Auswahl.
Die Bremskraftverstärkung ist hydraulisch mittels Zentralhydraulik ausgeführt, welche auch die Lenkung unterstützt. Das System wird über den Keilriemen von einer Zweikreis- bzw. Tandem-Hydraulikpumpe betrieben. Zur zusätzlichen Lenkunterstützung gibt es neben der Servolenkung die sogenannte Servotronic, welche den Lenkwiderstand im Stand und bei langsamer fahrt spürbar reduziert und bei höheren Geschwindigkeiten verstärkt. Das Bremssystem ist deutlich leistungsfähiger, als die Unterdruck-Bremskraftverstärkung des Audi 100 und überdies durch den oft fehlenden Unterdrucks beim Turbomotor (häufiger Überdruckbetrieb) auch besser für diesen geeignet. Aufgrund der Anfälligkeit, besonders durch Undichtigkeit des hydraulischen Druckspeichers, sind dennoch Umbauten mit Unterdruck-Bremskraftverstärkung bekannt.
Anders als beim Audi 100 standen exklusiv 6-Gang-Schaltgetriebe zur Auswahl. Der V8 hat dieses serienmäßig.
Das Heckdifferential lässt sich pneumatisch/mechanisch per Taster in der Mittelkonsole bis 25 km/h sperren. Dies wird durch eine Anzeige in der Mittelkonsole signalisiert.
Da der V8 über eine stärkere Kupplung verfügt, besitzt das Modell eine geänderte Kupplungspedalerie mit zwei Übertotpunktfedern und einem verstärkten Kupplungsgeberzylinder.ETKA - Parts Information Audi/VW/Seat/Škoda
Modell: A10Q; Jahr: 1993(P); HG: 7; UG: 21; Bildtafel: 721-025
Beide Motorisierungen haben Serie ein Sportfahrwerk, welches deutlich straffer und 25 mm tiefer als das Serienfahrwerk ist.
Der S4 gilt wie der Serien-Audi 100 als äußerst zuverlässig und haltbar. Hohe Laufleistungen von über 300.000 Kilometern sind keine Seltenheit. Dennoch zeichnet sich der V8-Motor durch einen oft hohen Ölverbrauch sowie die 5-Zylinder durch Risse in den Zylinderköpfen aus. Wartungsarbeiten gestalten sich beim S4 sehr häufig als äußerst aufwendig und kostspielig. Etwa für den Zahnriemenwechsel beim V8-Motor werden diverse Spezialwerkzeuge wie Gegenhalter oder Arretierungen für die Zündverteiler benötigt. Allein die Kosten für die Spannrolle des Zahnriemens betragen bei Audi 113,53 €. Das Wechselintervall liegt dafür bei hohen 120.000 Kilometern, ohne zeitliche Begrenzung. Durch die nun über 30 Jahre alte Technik und die oft mangelnde Digitalisierung von Stromlaufplänen und Reparaturleitfäden, stellt sich eine Wartung auch für Audi-Betriebe als zunehmend schwierig heraus. Auch elektronische Prüf- und Testgeräte oder andere Spezialwerkzeuge, welche seit 25 Jahren für neuere Modelle keine Verwendung mehr haben, werden oft für Reparaturen benötigt.
Ausstattung und Besonderheiten gegenüber dem Audi 100 Zur Serienausstattung gehört unter anderem das Sicherheitssystem Procon-ten sowie ABS, eine Zentralverriegelung, eine Domstrebe ab Modelljahr 1993, Sportfahrwerk sowie drei Zusatzinstrumente, auf denen sich Uhrzeit, Öltemperatur und Öldruck ablesen lassen. Bordcomputer und ein Autocheck-Display zur Systemüberwachung sowie vier elektrische Fensterheber sind Serie.
Zur wahlweisen Ausstattung gehörten 1993 unter anderem:
Autotelefonanlage in Mittelarmlehne – 5.660 DM Klimatronic (Automatische Klimaanlage) – 4.610 DM Lederausstattung inkl. belederten Türverkleidungen in Seidennappa-Leder – 4.320 DM Elektrische Sportsitze mit 4-fach Memory-Funktion – 2.875 DM BOSE-Soundsystem – 2.570 DM, zzgl. 10-fach CD-Wechsler – 1.145 DM Stahl- oder Glasschiebedach mit Vorwählautomatik (Schiebe-/Hebedach) – 2.060 DM 3. Sitzbank für die Beförderung zweier Kinder bis 12 Jahren im Kofferraum des Avant – 1.600 DM (nur für V8 Avant) Infrarot-Fernbedienung – 1.470 DM Gasentladungslampe (Xenon-Scheinwerfer) – 1.400 DM (nur für V8) 17"-Leichtmetallfelge auf 245/40, inkl. identischem Ersatzrad – 1.300 DM Diebstahlwarnanlage inkl. Anlasssperre – 925 DM Scheinwerferreinigungsanlage – 795 DM Tempomat – 795 DM Sonnenschutzrollos in den Türen des Fond und Kofferraum – 695 DM Verstellbare Lenksäule – 435 DM Intensivreinigungsanlage – 180 DM
(Preise beziehen sich auf den S4 4.2 Avant)
Für Käufer des V8 Modells gab es Exklusiv die Audi V8 Gold Card, welche ab Kauf eine 4-jährige Mobilitätsgarantie beinhaltet.
Audi S4 GTO Der Audi S4 GTO wurde 1992 bis 1994 von Audi für die südafrikanische Tourenwagenserie WesBank Modified eingesetzt. Hierfür sollte erst der Audi 90 IMSA GTO eingesetzt werden. Da dieser jedoch nicht als Serienwagen in Südafrika angeboten wurde, musste auf den Audi S4 zurückgegriffen werden.
Angetrieben wurde der Wagen von einem 2110 cm³ großen Fünfzylinderturbomotor mit 400 kW Leistung, weiter hatte er ein 6-Gang Schaltgetriebe und Allradantrieb. Das Leergewicht betrug 1206 kg.
Pilotiert wurde der S4 GTO unter anderem von Hans-Joachim Stuck und Terry Moss.
SMS Audi S4 Revo und Revo S In den 90er Jahren wurden etwa 100 Audi S4 20V Turbo exklusiv von Schmidt Motorsport zum Revo und Revo S umgebaut. Durch umfangreiche Modifikationen an Motor, Turbolader, Motorelektronik und der Abgasanlage leistete der S4 Revo 223kW (303 PS) / 390 Nm, der S4 Revo S 276 kW (375 PS) bei einem Spitzen-Drehmoment von 510 Nm. Der Grundpreis betrug für den Revo 104.850, für den Revo S 142.600 DM.
Motoren Es gibt zwei Motorvarianten, einen 2,2-l-Reihenfünfzylinder-Turbomotor mit einer maximalen Leistung von 169 kW (230 PS) und einen 4,2-l-V8-Motor mit 206 kW (280 PS) maximaler Leistung.
Der 2.2 Liter 20V Turbo AAN-Motor ist eine überarbeitete Version des 3B-Motor 162 kW (220 PS) der im Audi S2 verbaut war. Der Rumpfmotor ist im Allgemeinen gleich geblieben. Statt Verteilerzündung (3B) ist im AAN eine Einzelzündung verbaut, mit dieser Zündung leistet der Motor 169 kW (230 PS). Der Motor war mit 5- oder 6-Gang Schaltgetriebe sowie Automatikgetriebe erhältlich.
Der Der 4,2 Liter V8 Motor mit dem Motorkennbuchstaben ABH ist eine hubraumvergrößerte Version des 3.6 Liter V8 (PT) Motors aus dem Audi V8. Der ABH hat insgesamt 32 Ventile mit DOHC-Ventilsteuerung, eine Verdichtung von 10.6 zu 1 und eine Saugrohr Einspritzung mit einer Motronic-Motorsteuerung von Bosch. Der Ventiltrieb entspricht weitestgehend dem des 1.8 16V GTI aus dem Golf 2. Der Motor war im S4 nur mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe (CMG) wählbar. Er verfügt über 206 kW (280 PS) Leistung sowie 400 Nm Drehmoment.