mini|Bernie Sanders (2023)rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift

Bernard „Bernie“ Sanders (* 8. September 1941 in New York City) ist ein US-amerikanischer Politiker. Er vertritt seit 2007 als Independent (Unabhängiger) den Bundesstaat Vermont im US-Senat, wo er sich der Fraktion der Demokraten angeschlossen hat.

Von 1991 bis 2007 war er Mitglied des Repräsentantenhauses. Sanders trat zu allgemeinen Wahlen bisher als Parteiloser an, war Kandidat bei der Vorwahl der Demokratischen Partei zur Präsidentschaftswahl 2016 und gewann mit seiner Kampagne für seine Reformvorstellungen insbesondere viele Junge und Linke in den USA, unterlag jedoch nach einem lange offenen Rennen Hillary Clinton. Zur Präsidentschaftswahl 2020 trat Sanders erneut in der Vorwahl der Demokraten an, zog aber in deren Verlauf seine Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten zurück, nachdem er in Delegiertenstimmen zuletzt deutlich hinter Joe Biden gelegen hatte.

Sanders bezeichnet seine politische Orientierung als (Demokratischer Sozialismus). In: BernieSanders.com (englisch); Here’s How Bernie Sanders Explained Democratic Socialism. In: Time, 19. November 2015 (englisch). Insgesamt sieht er eine Mischform aus Marktwirtschaft und sozialen Leistungen durch den Staat als erstrebenswert an und wird von Kommentatoren im politischen Spektrum der klassischen Sozialdemokratie oder des Linkspopulismus eingeordnet.US-Wahlkampf: Bernie Sanders, der amerikanische Oskar Lafontaine, Berliner Zeitung, 8. Februar 2016

Leben

Kindheit Bernard Sanders wurde in Brooklyn im Osten von New York City geboren, wo er seine komplette Jugend verbrachte. Sein älterer Bruder Lawrence „Larry“ (* 25. April 1935)U.S. Politics. Larry Sanders on Stickball and Breaking Bread in Brooklyn, Seven Days, 15. Juni 2015 und er waren die Söhne des Ehepaars Eli(as) Sanders (1904–1962) und Dorothy „Dora“ (geb. Glassberg; 1912–1960). Der Vater war 1921 im Alter von 17 Jahren mit dem Namen Eliasz Gitman aus dem im südlichen Polen (Woiwodschaft Kleinpolen) gelegenen Dorf Słopnice (Landkreis Limanowa) in die Vereinigten Staaten eingewandert., RBB: Kowalski & Schmidt, 3. April 2016, abgerufen am 25. April 2016 Die Mutter wurde in New York als Tochter ebenfalls jüdischer Eltern geboren, die etwa um 1904 aus dem östlichen Polen (Powiat Radzyński/Woiwodschaft Lublin, zu dieser Zeit noch zum zaristischen Russland gehörend) in die Vereinigten Staaten eingewandert waren. Eli Sanders’ Job als Verkäufer von Farblacken ernährte die kleine Familie, erlaubte aber kaum Luxus. Sanders sagt, dass ihn das nachhaltig geprägt und politisiert habe:Der falsche Sozialist, Der Spiegel Nr. 7, 13. Februar 2016 (Printausgabe), S. 90ff.Straight Outta Brooklyn, by Way of Vermont: The Bernie Sanders Story, Tablet Magazine o. D.

Sanders pflegt enge Beziehungen zur Heimat seines Vaters, der südpolnischen Gemeinde Słopnice, die er mit seinem Bruder zuletzt 2013 besuchte. Seine Mutter starb 1960 im Alter von 48 Jahren kurz nach seinem Schulabschluss.

Ausbildung und frühe Jahre mini|links|Bernie Sanders (1959) Sanders besuchte die P. S. 197 Elementary SchoolKurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 483 und gewann während dieser Zeit mit seiner Mannschaft die Stadtbezirksmeisterschaft (Borough Championship) im Basketball.The untold story of Bernie Sanders, high school track star, Washington Post, 29. Januar 2016 An den Nachmittagen besuchte er eine hebräische Schule und feierte 1954 seine Bar Mitzwa. Danach wechselte er zur James Madison High School in Midwood. Sanders war ein talentierter Mittelstrecken- und Crossläufer (u. a. kam er bei den Brooklyn-Bezirksmeisterschaften 1957 im Meilenlauf mit der Zeit von 4:37 min als Dritter ins Ziel) und wurde Co-Kapitän der Leichtathletikteams dieser Schule.Bernie's Bro: Working-Class Brooklyn Roots Shaped My Brother, Seven Days, 27. Mai 2015 Durch seinen älteren Bruder Larry wurde Bernie Sanders früh an politisches Handeln herangeführt. Larry Sanders war am Brooklyn College Vorsitzender der Young Democrats of America, der Jugendorganisation der Demokratischen Partei, und nahm seinen jüngeren Bruder mit zu den verschiedenen Meetings. Sanders sagt, dass ihm dann vor allem der Aufstieg Adolf Hitlers die Bedeutung von Politik beigebracht habe.

1959 studierte Sanders zunächst ein Jahr Psychologie am Brooklyn College der City University of New York, bevor er zur University of Chicago wechselte und dort Soziologie, Geschichte und Psychologie belegte.The Populist Prophet. Bernie Sanders has spent decades attacking inequality. Now the country is listening. In: The New Yorker 12. Oktober 2015. Sanders schreibt allerdings in seiner Autobiographie Outsider in the House, dass er den regulären Unterricht an der Uni stark vernachlässigte, stattdessen – autodidaktisch – die Werke von Jefferson, Lincoln, Marx, Friedrich Engels, Trotzki, Debs und Freud verschlang. „I read everything I could get my hands on—except what I was required to read for class.“ (deutsch: „Ich las alles, was ich in die Hand bekommen konnte – außer den Büchern, die für den Unterricht erforderlich waren.“) Er begeisterte sich für den Sozialismus, trat der Young People’s Socialist League, der Jugendorganisation der Sozialistischen Partei der USA, bei, wurde beim Congress of Racial Equality (CORE) aktiv, war einer der Initiatoren des Student Nonviolent Coordinating Committee und organisierte 1962 ein Sit-in gegen die Rassentrennung in den zur Universität gehörenden Studentenwohnheimen. 1963 nahm er am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teil. In: Chicago Magazine 4. Mai 2015. Sein Studium finanzierte er mit Teilzeitjobs, Zuschüssen und Darlehen. 1964 schloss er dieses mit einem Bachelor of Arts in Politikwissenschaft ab.Bernard Sanders, Biographical Directory of the United States CongressKurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 484.

Im selben Jahr heiratete er in Baltimore in erster Ehe Deborah Shiling, die er während seiner Studienzeit kennengelernt hatte., Politico, 9. Juli 2015. Ebenfalls im Jahr 1964 verbrachte er mit seiner Frau sechs Monate im 1935 von rumänischen und jugoslawischen jüdischen Immigranten gegründeten Kibbuz Sha'ar HaAmakim in der Nähe von Kirjat Tiw’on (Bezirk Haifa) im Norden Israels. Er war von der linksgerichteten zionistischen Bewegung Hashomer Hatzair eingeladen worden.Sha’ar Ha-Amakim, Jewish Virtual Library; Revealed at Last! Inside the Kibbutz Where Bernie Sanders Lived and Learned Socialism, Forward 4. Februar 2016; Mystery solved: Sanders volunteered at kibbutz Shaar Haamakim, Jewish Telegraphic Agency, 5. Februar 2016; The kibbutz Bernie Sanders stayed in may have been revealed, Washington Post vom 5. Februar 2016 Sein Aufenthalt in dem Kibbuz war aber weder religiös motiviert, noch vom Zionismus bestimmt. Sanders wollte das Wirtschaften in einer kleinen Gemeinde kennenlernen und lernte dort ganz nebenbei – wie er später einmal bemerkte – „…that you could have a community in which the people themselves actually owned the community“. (Deutsch: „… dass Menschen sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen könnten, in der ihnen [denjenigen, die die Gemeinschaft gegründet haben,] diese Gemeinschaft tatsächlich auch gehört.“)

Wieder zurück in den USA, ließen seine Frau und er sich in Vermont nieder und kauften für 2.500 US-Dollar ein rund 34 Hektar großes Grundstück in Middlesex im Washington County (einige Meilen nördlich von Montpelier). Sanders finanzierte den Kauf aus einer kleinen Erbschaft, die ihm sein 1962 verstorbener Vater hinterlassen hatte.Harry Jaffe: Why Bernie Sanders matters. Simon & Schuster 2015 Kap. 4 „The Hippy“ (Keine Seitenangaben). Zu dieser Zeit wurde eine große Anzahl Menschen des so genannten „Counterculture movement“ („Gegenkultur-Bewegung“), insbesondere die so genannten Back-to-the-Land-Hippies, von den grünen Bergen Vermonts angezogen. John Pollack schätzte, dass im Jahre 1970 etwa 36.000 Hippies nach Vermont eingewandert waren – rund 33 Prozent der Einwohner des Bundesstaates im Alter zwischen 18 und 34. Yvonne Daley (The Hippie Legacy, 1983) zählte insgesamt 75 Kommunen in Vermont in der Zeit 1968 bis 1974.Back to the Land: Communes in Vermont, Vermont Historical Society; Bernie Sanders’ hippie 20s: Drugs, free love and Vietnam! Salon, 29. Dezember 2015.

Sanders liebte das Leben auf dem Land:

In der Folge lebten seine Frau und er in einem baufälligen Haus, das sich auf dem Grundstück befand und bis dahin für das Eindampfen von Ahornsaft zu Sirup bzw. Ahornzucker benutzt worden war. Es gab keine Elektrizität und kein fließendes Wasser. In einem Interview mit der Zeitschrift The Atlantic beschrieb Sanders jedoch, was er damals empfand:

Sanders arbeitete in dieser Zeit als Zimmermann, Dokumentarfilmer, freier Autor und Direktor der American People’s Historical Society. 1979 drehte er einen Dokumentarfilm über den amerikanischen Sozialisten und mehrmaligen Präsidentschaftskandidaten Eugene V. Debs, in dem er selbst die Reden Debs' nachsprach.Bernard Sanders: Eugene V. Debs: Trade Unionist, Socialist, Revolutionary, 1855–1926, Smithsonian Folkways (Audioarchiv); (PDF; 6,9 MB), Transkript der Dokumentation über Debs.

Als seine kinderlos gebliebene Ehe mit Deborah Shiling im Jahre 1966 geschieden wurde, ging Sanders zunächst nach New York zurück, nahm Gelegenheitsjobs an – er arbeitete u. a. als Helfer in einem psychiatrischen Krankenhaus – und unterrichtete für kurze Zeit Kinder im Vorschulalter für das Head-Start-Programm. 1968 kehrte er aber wieder nach Vermont zurück und arbeitete u. a. als Rechercheur für die Steuerbehörde (Vermont Department of Taxes) und für die 1974 gegründete NGO Bread and Law Task Force, die versuchte, die Ernährung von Menschen mit geringem Einkommen zu verbessern.

In New York hatte Sanders Susan Campbell Mott kennengelernt. Er kaufte ein Grundstück in der im nordöstlichen Vermont gelegenen 200-Seelen-Gemeinde Stannard, Caledonia County, um dort mit Mott zusammenzuleben. Am 21. März 1969 wurde der gemeinsame Sohn Levi Noah geboren. Das Paar trennte sich 1971, und Sanders zog – gemeinsam mit seinem Sohn – nach Burlington. In: Politico. 9. Juli 2015.

Seit 1988 ist er mit seiner zweiten Ehefrau Jane O’Meara Sanders verheiratet.

Politische Laufbahn

Liberty Union (LU) Anfang der 1970er Jahre wurde Sanders Mitglied der noch jungen Liberty Union Party (LU), einem Ableger der Antikriegsbewegung in Vermont. Für diese trat er bei mehreren Wahlen an: 1972 um den durch den Tod Winston L. Proutys vakant gewordenen Sitz im Senat der Vereinigten Staaten; ebenfalls 1972 um das Gouverneursamt von Vermont, das der Demokrat Thomas P. Salmon gewann, während Sanders nur 1,5 Prozent der Stimmen erhielt. 1974 bewarb er sich erneut für den US-Senat und erhielt 4,1 Prozent der Stimmen, während der Demokrat Patrick Leahy gewann. 1976 bewarb er sich ein weiteres Mal um den Gouverneursposten und unterlag dem Demokraten Richard A. Snelling mit 6,1 Prozent der Stimmen. In dieser Zeit vertrat Sanders sozialistische Positionen wie die Forderung nach einer weitgehenden Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien und Finanzinstituten und einem Einkommensteuerspitzensatz von hundert Prozent, lehnte aber anders als andere linke Aktivisten der Zeit politische Gewalt ab und kritisierte den antidemokratischen Charakter kommunistischer Staaten wie der Sowjetunion.Andrew Kaczynski, Nathan McDermott: Bernie Sanders in the 1970s urged nationalization of most major industries. In: CNN.com, 14. März 2019.

1977 verließ Sanders die LU und arbeitete als Autor und Direktor der Non-Profit-Organisation American People’s Historical Society.

Bürgermeister von Burlington mini|Bernie Sanders (1991)