mini|240px|Gedenkstein an die „Funkenstation“ auf Farm Aar bei Aus (2015) Die Funkstationen in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) ermöglichten die Kommunikation mit dem Deutschen Reich (heute Deutschland), deutschen Hochseeschiffen und die Kommunikation zwischen strategischen Punkten innerhalb des Landes sowie teilweise zu anderen deutschen Kolonien in Afrika. Zu jener Zeit nannte man solch eine Anlage auch Funkenstation.

Geschichte Am 13. März 1914 konnte von der Großfunkstelle Nauen bei Berlin erstmals die Funkstation Windhoek in Deutsch-Südwestafrika erreicht werden.Wilhelm Stahl (Hrsg.): Schulthess’ europäischer Geschichtskalender. 30. Jg. 1914/I, C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1917, S. 137. Die Einführung der zivilen Funk-Telegraphie bedeutete für die Verbindung zwischen dem Deutschen Reich und seiner größten Kolonie großen Fortschritt. Die Nachricht über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erreichte Windhoek am 2. August 1914 über die Funkstation Kamina der Deutschen Kolonie Togo – im heutigen Togo – aus der Reichshauptstadt. Für das Schutzgebiet bedeutete dies die Mobilmachung der Schutztruppe. Im Verlaufe der Kriegsereignisse marschierten die Truppen der Südafrikanischen Union in Deutsch-Südwestafrika ein. Dabei besetzten sie die Großfunkstation Windhoek und die Küstenfunkstationen Swakopmund und Lüderitzbucht, Lüderitz sowie später die Ausweichstationen Aus und Tsumeb.Von der „Sandbüchse“ zum Kommunikationsnetzwerk Die Entwicklungsgeschichte des Post- und Telegraphenwesens in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (1884–1915). Dissertation, Uni Halle, Dezember 2004.

Die Funkstationen, es waren dies zu jener Zeit Löschfunkensender, wurden auf Wellenlängen zwischen 300 und 4500 Metern betrieben. Sie lagen somit im Bereich der Mittelwellen und Langwellen. Kürzere Wellenlängen beziehungsweise höhere Frequenzen konnten vor und zu Beginn des Ersten Weltkrieges technisch noch nicht realisiert werden. Erst in den Jahren danach wurde es technisch möglich, mit den für die Überbrückung von großen Distanzen besser geeigneten Kurzwellen zu funken. Das Betreiben von Sende- und Empfangsanlagen auf Mittel- und Langwelle bedingt Antennenanlagen von relativ großer Ausdehnung und großen Masthöhen. Für den Betrieb der Funkstationen in Deutsch-Südwestafrika wurden T-Antennen eingesetzt.

Großfunkstelle Windhoek Die Großfunkstelle in Windhoek sollte hauptsächlich den Verkehr mit der Funkstation in Kamina sowie mit der Station Nauen bei Berlin sicherstellen. Während Kamina noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fertiggestellt war, ging die Großfunkstation Windhoek erst einige Tage nach Kriegsbeginn in Betrieb. Der direkte Funkkontakt zwischen dem Deutschen Reich und der Großfunkstation Windhoek stellte einen technischen Rekord dar. Mit der Funkspruchverbindung Nauen – Windhoek hatte der deutsche Telefunkbetrieb Mitte März 1914 eine wesentlich größere Entfernung als die Strecke Nauen – New York überbrückt. Windhoek liegt von Nauen 8350 kmIn Von der „Sandbüchse“ zum Kommunikationsnetzwerk Die Entwicklungsgeschichte des Post- und Telegraphenwesens in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (1884–1915). (Dissertation, Uni Halle, Dezember 2004) wird die Distanz Windhuk–Nauen falscherweise mit 9750 km angegeben. entfernt. Die Distanz Nauen – New York beträgt 6360 km. Die Verbindung nach Nauen konnte aber nur sporadisch aufgebaut werden.

Die Großfunkstelle wurde auf den Bergen etwa 30 bis 40 m über Windhoek aufgebaut. Der erste der fünf geplanten Türme konnte in der ersten Dezemberwoche 1913 fertiggestellt werden. Er war 120 m hoch. Aufgrund technischer Probleme, die sich in der Folgezeit zeigten, rechnete man mit der vollständigen Fertigstellung der Anlage im März 1914.

Auch die britische Regierung war über die Errichtung dieser Station informiert. Bereits am 24. Dezember 1913 berichtete der Konsul des britischen Konsulates in Lüderitzbucht an das Außenministerium in London:

Bei Ausbruch des Krieges schützten zwei Kompanien der Rehoboth Baster die Großfunkstation. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Station nur noch für militärische Zwecke genutzt. Die Station war nicht immer einsatzfähig und konnte erst nach dem 5. August mit der Funkstation Kamina (Deutsche Kolonie Togo) und Daressalam (Deutsch-Ostafrika) in Funkkontakt treten. Auch der deutsche Kreuzer Königsberg wurde auf diesem Wege über die Geschehnisse informiert. Für die Funkstation in Windhoek war die Station in Kamina die wichtigste Verbindung. Einen direkten Funkkontakt zum Deutschen Reich aufzubauen war nur selten möglich. Die Station in Kamina wurde am 26. August 1914 durch die abziehenden deutschen Truppen gesprengt. Mit dem Anmarsch der Unionstruppen nach Windhoek beschloss man, Teile der Großfunkstation Windhoek nach Tsumeb zu verlegen. Überreste der Funkstation Windhoek sind bis heute (2022) auf dem freien Gelände nördlich der Universität von Namibia sichtbar.

Küstenfunkstellen Lüderitzbucht und Swakopmund Die Idee der Küstenfunkstellen war, nicht nur deutsche, sondern auch englische Schiffe, von denen wesentlich mehr als etwa deutsche Dampfer auf den Meeren unterwegs waren, zu bedienen. Die endgültige Entscheidung für die Standorte der Küstenfunkstellen fällte der Ingenieur Köhler von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie in Berlin, der am 5. August 1911 im Schutzgebiet eintraf. Nach „heftigen Diskussionen“ entschied man sich für einen Standort am Meer, um dort eine größere Reichweite zu den Schiffen auf See zu erreichen. Die militärischen Vertreter bevorzugten einen Standort im Landesinneren, um die Sicherheit der Stationen bei eventuellen Kriegsgeschehnissen zu gewährleisten.

Die Pläne der deutschen Funk-Telegraphie weckten auch das Interesse der britischen Admiralität. So bat Sir Murray von der Admiralty in Whitehall die Beamten im Außenministerium um eine Liste der deutschen Funkstationen in Übersee, die genaue Daten der Stationen beinhaltet.

Hierbei wurde deutlich, wie wichtig diese Informationen für die britische Überseepolitik und die britischen Kolonien waren. Eine Liste mit den genauen Daten sandte Earl Granville aus Berlin an Edward Grey im Foreign Office am 11. September 1912. Auf dieser Liste waren:

Name of Station(Name der Station) Latitude and Longitude(Geokoordinaten) Call Letters(Rufzeichen) Normal radius of action in kilometers(Einsatzradius in km) Wave length in meters(Wellenlänge in m) Swakopmund German S.W.Africa(not indicated) K.S.K. 800 – 1000 600 Lüderitzbucht German S.W.Africa15° 10’ 50" E 26° 37’ 26" S K.L.Ü not indicate 600

Bis August 1912 wurden durch beide Stationen 8887 Wörter übermittelt.

Da die Großfunkstation Windhoek im Juli / August 1914 nicht voll betriebsbereit war, kam den Küstenfunkstellen in Lüderitz und Swakopmund große Bedeutung zu. Sie konnten untereinander Nachrichten austauschen aber auch mit der kurz vor Kriegsbeginn in Lomé (Togo) eröffneten Station in Kontakt treten. Dabei war die Verbindung zwischen Lomé und Lüderitz oft besser als die zwischen Lomé und dem näher gelegenen Swakopmund. Eine erste Verbindung zwischen den Küstenfunkstellen und Lomé gelang am 27. Juni 1914. So trafen bereits am 1. und 2. August Warntelegramme aus Lomé mit dem Hinweis ein, man solle keine Häfen in Russland, Frankreich oder England anlaufen. Vom 4. zum 5. August kam aus Lomé die Meldung, dass England Deutschland den Krieg erklärt habe. Von den Küstenfunkstationen wurden anschließend alle erreichbaren deutschen Schiffe informiert. Zu ihnen zählte auch das deutsche Kanonenboot Eber, das seit Ende Juli in Kapstadt lag. Durch die Meldung verließ das Schiff den Hafen und traf am 1. August in Lüderitzbucht ein. Später liefen deutsche Schiffe neutrale brasilianische Häfen an.

Die beiden Küstenfunkstellen wurden auch dazu genutzt, den Funkverkehr der englischen und französischen Stationen auf dem Kontinent abzuhören. Die Nachrichten wurden mit denen der Großfunkstation Windhoek, die nur schwerlich Meldungen aus Nauen empfangen konnte, verglichen.

Funkstation Swakopmund mini|Die drei Ankertürmchen der Antennenanlage sind in Swakopmund bis heute erhalten mini|Zwei der drei Ankerpunkte des Sendemasts in Swakopmund Die notwendigen Materialien für den Funkturm in Swakopmund kamen am 6. Oktober 1911 mit dem Dampfer Carl Woermann aus Deutschland an. Mit dem Baubeginn rechnete man Ende September 1911. Allerdings begannen die Arbeiten erst Anfang November 1911. Zweifel gab es hinsichtlich der beabsichtigten Stahlkonstruktion des Turmes, da in Swakopmund die Rostschäden aufgrund des hohen Salzgehaltes in der Luft sehr stark sind. Die Bauarbeiten wurden vor der festgesetzten Frist von Ende Februar 1912 fertiggestellt. Die erste Funktelegraphen-Station der Reichspost des Schutzgebietes war am 1. Februar fertiggestellt und wurde am 4. Februar 1912 in Swakopmund eröffnet. Die Station hatte eine Ausgangsleistung von 5 kW.

Mit der Funkanlage wurde eine Verbindung mit dem Dampfer Windhuk auf eine Entfernung von 2100 km geführt und mit dem Deutsch-Ostafrika-Liniendampfer Admiral wurde ein Kontakt auf 2500 km und später über eine Rekorddistanz von 3760 km aufgebaut.

Aufgrund der nahenden Unionstruppen wurde die Station in Swakopmund am 13. August 1914 abgebrochen. Bereits am 14. September bombardierten die Südafrikaner den noch stehenden Funkturm mit der Armadale Castle. Drei Ankertürmchen des Funkturms sind noch heute erhalten.Millionenstarkes Projekt. Allgemeine Zeitung, 9. April 2019.Die Koordinaten der Türmchen sind: Turm 1: , Turm 2: , Turm 3:

Funkstation Lüderitzbucht mini|Funkturm Lüderitz um 1911 Als Standort für die Funkenstation in Lüderitzbucht (Lüderitz) entschied man sich nicht für die ursprünglich geplante Haifischinsel, sondern für einen Platz, der südlich von Roberthafen lag. Dort war genügend Platz für die Antennenabspannungen. Die Station von Lüderitzbucht glich der Anlage in Swakopmund, obwohl sie nicht von gleicher Stärke war. Die Reichs-Funktelegraphenanstalt in Lüderitzbucht ging am 3. Juni 1912 in Betrieb.

Die Station in Lüderitzbucht wurde am 8. August 1914 abgebaut und am 18. August 1914 erneut in Betrieb genommen. Nach der Beschießung des Funkturmes in Swakopmund am 14. September 1914 stellte man auch in Lüderitzbucht den Funkbetrieb ein und verschob die Geräte nach Aus. Die südafrikanischen Truppen landeten am 19. September in Lüderitzbucht, wo sie sofort das Postamt und die Signalstation besetzten.

Ausweichfunkstation Aus Zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Südwestafrika bauten die Deutschen bei Aus eine Ersatzfunkstelle, da die Küstenfunkstelle in Lüderitzbucht am 14. September 1914 geräumt werden musste.Reinhard Klein-Arendt: „Kamina ruft Nauen!“ Die Funkstellen in den deutschen Kolonien 1904–1918. 3. Auflage. Wilhelm Herbst Verlag, Köln 1999, ISBN 3-923925-58-1, S. 285 ff. Aus war mit seiner Lage und seiner starken Befestigung gut geeignet um recht lange einer Belagerung standzuhalten. Der Funkbetrieb wurde in Aus bereits am 15. September aufgenommen.Der genaue Standort der Funkstelle bei Aus ist heute nicht mehr bekannt. Nach einem Gedenkstein vor Ort wurde die Funkenstation im Dezember 1914 von Oberleutnant Brock eingeweiht. Die Allgemeine Zeitung (AZ Windhoek) veröffentlichte am 31. Mai 2018 eine Luftaufnahme vom Januar 1915 von der Funkenstation bei Aus.

In Der Erste Weltkrieg im Schutzgebiet steht:

Ausweichfunkstation Tsumeb