Detransition, seltener auch Retransition, bezeichnet das Ablegen der Identifikation mit einem anderen Geschlecht und das ganz oder teilweise Rückgängigmachen der geschlechtlichen Transition in sozialer, rechtlicher oder körperlicher Hinsicht.

Es gibt bislang nur wenige Informationen von Therapeuten und Ärzten, aus denen sich Hinweise ergeben, wie häufig das Phänomen der Detransition insgesamt sein kann. Es gibt gleichzeitig mit der Zunahme von Menschen, die den Weg einer Transition gehen, (PDF; 598 KB)Prävalenz: „Wie viele Transsexuelle gibt es in Deutschland?“ www.dgti.org www.trans-ident.de in den Medien Berichte über eine wachsende Zahl von Menschen, die sich zur Detransition entschieden haben und über ihren Lebensweg und die Motivationen berichten.

Das Thema der Detransition sorgt regelmäßig für Kontroversen, die den verschiedenen Sichtweisen von transgender, christlichen, konservativen und radikalfeministischen Interessenvertretern auf Transsexualität allgemein geschuldet sind.

Begriff Merkmale einer Detransition Der Begriff „Transition“ bezeichnet den Vorgang, bei dem eine sich als transsexuell, transgender oder transident identifizierende Person ihr Erscheinungsbild so ändert, dass sie einem anderen Geschlecht entspricht. Im deutschen Sprachgebrauch werden auch häufig fälschlicherweise der Begriff der „Geschlechtsumwandlung“ (der von Therapeuten wie Betroffenen nicht mehr benutzt wird) oder der „Geschlechtsangleichung“ beziehungsweise „Geschlechtsanpassung“ verwendet. Man kann die soziale, rechtliche und körperlich-medizinische Transition unterscheiden. Die soziale Transition kann die Änderung der Kleidung und Haartracht beinhalten sowie den (noch nicht gerichtlich bestätigten) Wechsel des Vornamens und der Personalpronomen (beispielsweise „er“ statt „sie“). Die rechtliche Transition entspricht in Deutschland der personenstandsrechtlichen Anpassung des Vornamens an die erlebte Geschlechtszugehörigkeit und die Änderung der personenstandsrechtlichen Geschlechtszuordnung nach den Vorgaben des Transsexuellengesetzes, die seit 2011 keine medizinischen Voraussetzungen mehr enthalten. Geschlechtsangleichende Maßnahmen in körperlich-medizinischer Hinsicht sind die Hormonersatztherapie und geschlechtsangleichende Operationen, denen sich jedoch nicht alle Transpersonen unterziehen. Bei der Hormonersatztherapie werden Geschlechtshormone des Wunschgeschlechts, also Testosteron beziehungsweise Estrogene, verabreicht; bei Transfrauen zusätzlich noch sogenannte Hormonblocker. Geschlechtsangleichende Operationen sind bei Transmännern vor allem die Mastektomie, Hysterektomie und Phalloplastie, bei Transfrauen vor allem die Brustvergrößerung und die Kolpopoese (das heißt das Anlegen einer Neovagina), gegebenenfalls aber auch eine sogenannte Facial Feminization Surgery, bei der die männliche Gesichtsform feminisiert wird.

Das Präfix „de-“ bei „Detransition“ steht für das Rückgängigmachen der Transition. Seltener wird auch der synonyme Begriff der „Retransition“ verwendet. Im Englischen werden Personen, die eine Detransition unterlaufen, als Detransitioners bezeichnet; ein deutscher Begriff hat sich noch nicht herausgeprägt. In sozialer und rechtlicher Hinsicht werden bei einer Detransition entweder der Geburtsname oder ein anderer Name, der dem Geburtsgeschlecht entspricht und die Pronomen angenommen, die zum Geburtsgeschlecht passen. Zudem wählen viele Detransitioners Kleidung, die ihrem ursprünglichen Geschlecht entspricht; teilweise kleiden sie sich aber auch weiterhin nicht geschlechtskonform oder in unisex Kleidung. Insbesondere Männer, die zeitweise als Transfrauen lebten, entscheiden sich wieder für typischere kürzere männliche Frisuren. Hat sich bei einer Frau, die zeitweise als Transmann gelebt hat, infolge einer Hormontherapie Gesichtsbehaarung eingestellt, ist dies nicht rückgängig zu machen, ebenso wie die durch Testosteron ausgelöste Vertiefung der Stimme. Bei Einstellung der Hormontherapie entwickelt sich der Körper zu seiner ursprünglichen Fettverteilung zurück und bei einstigen Transmännern setzt die Menstruation nach einiger Zeit üblicherweise wieder ein, sofern sie sich nicht einer Hysterektomie unterzogen haben. Die Fertilität kann durch eine Hormonbehandlung, auch wenn keine geschlechtsangleichenden Operationen stattgefunden haben, jedoch beeinträchtigt sein. Geschlechtsangleichende Operationen an den Genitalien können in der Regel nicht rückgängig gemacht werden. Es gibt Berichte über Einzelfälle von Phalloplastien bei Männern, die sich während ihrer Zeit als Transfrau Hoden und Penis abnehmen lassen hatten.

Abgrenzung einer Detransition von Desistance Im Kontext von Kindern und Jugendlichen, die sich in Behandlung bei Gender-Spezialisten begeben, gegebenenfalls Pubertätsblocker und Hormone des erlebten Geschlechts einnehmen, sich aber im Laufe der individuellen Therapie nicht für geschlechtsangleichende Operationen entscheiden, wird vornehmlich der Begriff der Desistance (deutsch: Abstandnahme) verwendet, wenn sie sich entscheiden, ihre Geschlechtstransition nicht weiter zu verfolgen, und die Behandlung einstellen.

In der Diskussion über die Häufigkeit werden je nach ideologischer Position die Häufigkeit eines Verzichts im Kindesalter mit der nach Einsetzen der Pubertät vermischt. Auch bestehen Zweifel darüber, ob die Angaben des häufig zitierten Autors Kenneth J. Zucker nach anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben ermittelt wurden.

Eine Bezeichnung für die in dieser Form abstandnehmende Person ist Desister. Das Antonym zur Desistance ist die sogenannte Persistence (deutsch: Beharren), die umschreibt, dass Kinder und Jugendliche bis ins Erwachsenenalter beständig an der Überzeugung festhalten, dass ihre Genderidentität nicht ihrem Geburtsgeschlecht entspricht.

Häufigkeit und Motivationen Insgesamt gibt es wenig Forschung zu Detransitionen, der Großteil der bestehenden Literatur kommt aber zu dem Schluss, dass sie relativ selten sind. Grundsätzlich wird der Anteil derjenigen, die eine Detransition vornehmen, mit weniger als 1 % bis 8 % angegeben. Außerdem gibt es Erkenntnisse, dass nur 24 % derjenigen, die eine Detransition machen, ihren Hausarzt informieren. Bei der Häufigkeit der Desister bei Kindern und Jugendlichen ist auf die Unterscheidung in Kinder vor der Pubertät, Tanner-1-Stadium, und Jugendliche, Tanner-2-Stadium und später, zu unterscheiden. Da bei Kindern vor Einsetzen der Pubertät eine medizinische Intervention zur Verhinderung der Ausprägung sekundärer Geschlechtsmerkmale nicht notwendig ist, wird diese auch nicht durchgeführt und ein Desistieren ist nicht mit Jugendlichen oder Erwachsenen zu vergleichen.

Häufigkeit von Desistance Für eine Studie, die 2008 veröffentlicht wurde, befragten Forscher Jugendliche und junge Erwachsene, die in ihrer Amsterdamer Klinik im Kindesalter wegen Geschlechtsdysphorie behandelt wurden. Von den 77 ehemaligen Patienten meldeten sich 54 zurück. Von ihnen gaben 21, also rund 39 %, an, weiterhin an Geschlechtsdysphorie zu leiden; fast alle davon waren homosexuell oder bisexuell. Die 33 Desister (rund 61 %) hingegen waren überwiegend heterosexuell, die Hälfte der männlichen Desister homosexuell. Insgesamt sei Geschlechtsdysphorie im Kindesalter jedoch indikativ für eine homo- oder bisexuelle Orientierung. Im Vergleich mit den Persistern stellte sich heraus, dass sie schon bei der ersten Behandlung weniger starke Anzeichen von Geschlechtsdysphorie gezeigt hatten.

Eine spätere Studie, für die Kinder und Jugendliche beobachtet wurden, die sich erstmals zwischen 2000 und 2008 an die Amsterdamer Klinik wandten, konnte ein ähnliches Ergebnis verzeichnen: Von 127 dieser ehemaligen Patienten wurden 47 (also rund 37 %) als Persister eingestuft; sie fragten auch noch Jahre später Hormonbehandlungen und geschlechtsangleichende Operationen an. 80 ehemalige Patienten (rund 63 %) hatten sich hingegen nicht erneut an die Klinik gewandt, welches die einzige im Land ist, die Behandlungen bei Geschlechtsidentitätsstörungen anbietet, und wurden deshalb als Desister eingestuft.

Die obigen Studien sowie eine ähnliche Studie in Ontario, welche maßgeblich Einfluss auf Leitlinien zur Betreuung geschlechtsdiverser Kinder haben, wurden wegen methodologischen Fehlern kritisiert. Unter anderem hatten viele der Kinder in den Studien nie eine Transgender-Identität für sich behauptet und hätten somit wahrscheinlich nie eine Transition angestrebt. Ebenfalls kritisiert wurde der Ausschluss von nichtbinären Geschlechtsidentitäten sowie die Annahme, dass alle diejenigen Teilnehmenden, die eine Folgeuntersuchung ablehnten, cisgeschlechtlich seien. Die Klinik des Hauptautors der kanadischen Studie wurde 2015 nach einer unabhängigen Untersuchung geschlossen. Einige Wissenschaftler empfehlen wegen der methodologischen Probleme und Unklarheiten in der Begriffsdefinition eine Abkehr vom Begriff „Desistance“ oder reden sogar von einem „Desistance-Mythos“.

Einer Urteilsbegründung des Australian Family Court zufolge identifizierten 96 % aller vom Royal Children’s Hospital Gender Service in Victoria als geschlechtsdysphorisch diagnostizierten Patienten sich bis ins späte Jugendalter weiterhin als transgeschlechtlich oder geschlechtsdivers.

Häufigkeit der Reue und der Detransition Der Psychiater Friedemann Pfäfflin des Universitätsklinikums Ulm veröffentlichte 1993 eine Studie zur Reue nach einer geschlechtsangleichenden Operation, bei der er sich auf 295 Patienten bezog, die sich in den vergangenen 30 Jahren derartigen Eingriffen unterzogen hatten, darunter sowohl Patienten, die sich bei ihm behandeln ließen, als auch Fälle, die bereits in der wissenschaftlichen Literatur besprochen worden waren. Er kam zu dem Ergebnis, dass Transmänner in seiner Untersuchungsgruppe keine Reue zeigten und auch nur weniger als 1 % der Operierten, deren Fälle in der Literatur behandelt wurden. Bei Transfrauen lag der Anteil der Bereuenden hingegen zwischen 1 % und 1,5 %.

1998 hatten sich rund 1100 Menschen (800 Transfrauen, 300 Transmänner) in den Niederlanden einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen. Für eine Studie zur Reue nach einer solchen Operation konnten die Forscher zehn dieser Personen gewinnen, neun Transfrauen und einen Transmann. Mithin empfanden mindestens 0,9 % aller Operierten in den Niederlanden Reue nach der Operation. Im Durchschnitt stellten sich bei ihnen 1,4 Jahre nach dem Eingriff Gefühle der Reue ein. Sieben der zehn Personen hatten sich entschieden, wieder permanent in ihrem Geburtsgeschlecht zu leben. Mit Ausnahme einer befragten ehemaligen Transfrau gaben alle an, dass sie sich, wären sie noch einmal mit der Frage konfrontiert, nicht mehr für eine geschlechtsangleichende Operation entscheiden würden. Sechs Personen machten eine falsche Diagnose für die bereute Entscheidung verantwortlich; drei warfen den Behandelnden sogar Inkompetenz vor. Andere Gründe waren soziale Isolation, enttäuschende Operationsergebnisse und das plötzlich nachlassende Bedürfnis, als Frau zu leben. Sieben der zehn Personen hatten bereits vor der geschlechtsangleichenden Operation Zweifel an ihrer Entscheidung.