mini|Fusang-Baum in einer Darstellung einer Abreibung der Reliefs an den Wu Liang Shrines, 2. Jh. Fusang () ist ein mythologischer Begriff in der antiken chinesischen Literatur. Er bezeichnet verschiedene Orte, und teilweise auch (Lebens-)Bäume. Oft beschreibt er ein geheimnisvolles Land im Osten.
Im Shanhaijing und mehreren zeitgenössischen Texten, bezieht sich der Begriff auf einen mythologischen Baum des Lebens, abwechselnd identifiziert mit dem Maulbeer- oder Hibiskusbaum. Sein Standort wird gewöhnlich weit im Osten von China sowie teilweise in variierenden konkreten Gebieten östlich von China verortet.
Mythologie Ein Land mit dem Namen Fusang wurde von dem buddhistischen Missionar Hui Shen () erstmals 499 n. Chr. beschrieben.《梁書•諸夷列傳》 (Collective Biographies of Foreign Countries, Book of Liang): 扶桑國者,齊永元元年,其國有沙門慧深來至荊州,说云:“扶桑在大漢國東二萬餘里” (The country of Fusang, in the year Yong-yuan 1 of the Qi Dynasty, a Shramana monk from there called Hui Shen came to Jingzhou, and said: "Fusang is 20,000 li to the East of the country of Dàhàn" Er gibt an, dass es ein Ort „20.000 Chinese li östlich von Da-han“ sei und damit östlich von China. Joseph Needham setzt Da-han mit einer Region gleich, die heute als Burjatien in Sibirien bezeichnet wird. Hui Shen fuhr mit dem Schiff nach Fusang und bei seiner Rückkehr berichtete er dem chinesischen Kaiser. Seine Beschreibungen sind im Liang Shu, einem Text aus dem 7. Jahrhundert von Yao Silian niedergeschrieben. Darin wird eine bronzezeitliche Zivilisation beschrieben. Das Fusang aus dieser Beschreibung wurde verschiedentlich verortet, unter anderem als Beschreibung von Amerika, Sachalin, der Kamtschatka-Halbinsel oder der Kurilen. Die Amerika-Hypothese wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert heiß diskutiert, nachdem Schriften von Joseph de Guignes aus dem 18. Jahrhundert neu herausgegeben und von Charles Godfrey Leland 1875 verbreitet wurden. Sinologen wie Emil Bretschneider, Berthold Laufer und Henri Cordier lehnten die Hypothese jedoch ab und bis zum Ersten Weltkrieg waren die Diskussionen darum beigelegt.
Spätere chinesische Schriften benutzen den Namen „Fusang“ für andere, weit weniger definierte Orte.
Mythologische Darstellung Ein früher Bericht erzählt, dass der Kaiser Qin Shihuangdi 219 v. Chr. eine Expedition von 3.000 Verurteilten entsandte zu einem Ort weit im Osten, hinter dem Ozean. Dieser Ort wurde Fusang genannte und die Verurteilten sollten Opfer für einen Vulkangott sein, der ein Lebenselixier in seinem Besitz hatte. Es gab tatsächlich wohl zwei Expeditionen unter Xu Fu, dem Hofzauberer, auf der Suche nach dem Elixir des ewigen Lebens. Die erste Expedition kehrte um 210 v. Chr. zurück und Xu Fu behauptete, ein gigantisches Seemonster hätte den Zugang versperrt. Auf die zweite Expedition wurden zahlreiche Bogenschützen mitgesandt, um das Monster zu erlegen, aber niemand hörte mehr von der Mannschaft. Jedoch, „...Anmerkungen in dem Buch der Geschichte deuten an, dass der Expeditionsleiter Xu Fu schon lange nach China zurückgekehrt sei und irgendwo bei Langya herumlungerte und das beeindruckende Budget verlebte.“„... asides in the Record of the Historian imply that its leader Xu Fu had returned to China long ago and was lurking somewhere near Langya, frittering away the expedition's impressive budget.“ Jonathan Clements: The First Emperor of China. Sutton Publishing 2007: S. 150. ISBN 978-0-7509-3960-7
Interpretationen der Darstellung von Hui Shen Ost-Japan Eine mögliche Zuordnung für Fusang ist Japan. Hui Shens Bericht unterscheidet jedoch Fusang vom antiken japanischen Königreich Wo, welches vermutlich in den Regionen Kinki, Kyūshū, oder den Ryūkyū-Inseln verortet war.Tsunoda Ryusaku: Japan in the Chinese Dynastic Histories: Later Han Through Ming Dynasties. ed. by Carrington C. Goodrich, tr., South Pasadena: P. D. and Ione Perkins, 1951: S. 5.
In der chinesischen Mythologie bezeichnet Fusang einen göttlichen Baum und eine Insel im Osten, dort, wo die Sonne aufgeht. Ein vergleichbarer Baum, der „Ruomu“ (若木) existiert im Westen und es hieß, jeden Morgen ginge die Sonne vom Fusang auf und fiel Abends in den Ruomu. Chinesische Legenden erzählen zehn Vögel (typischerweise Raben) lebten in dem Baum und während neun ruhen, würde der zehnte die Sonne auf ihrer Reise tragen. Diese Legende enthält Anklänge an das chinesische Märchen vom Bogenschützen Houyi, der die Welt rettete, indem er neun der zehn Sonnen vom Himmel schoss, als eines Tages alle zehn in den Himmel stiegen. Einige Gelehrte haben auch die Bronze-Bäume aus der archäologischen Stätte Sanxingdui mit den Fusang-Bäumen in Verbindung gebracht.
In der chinesischen Dichtung bezeichnete Fusang später direkt „Japan“ zumal das japanische Nihon (日本) wörtlich „Wurzel [= Quelle, Geburtsort, Ursprung] der Sonne“ bedeutet (Chinesisch Riben). Einige Dichter Tang-Dynastie glaubten Fusang „liege zwischen dem Festland und Japan“.lay between the mainland and Japan. Wang Wei (王维) schrieb 753 ein Abschiedsgedicht als Abe no Nakamaro (Chin.: Zhao Heng 晁衡) nach Japan zurückkehrte, in dem er schrieb: „The trees of your home are beyond Fu-sang.“Edward H. Schafer: Fusang and Beyond: The Haunted Seas to Japan. In: Journal of the American Oriental Society. 1989, 109.3: S. 379, 394.
Fusang wird im Japanischen „Fuso“ (ふそう 扶桑, vom klassischen Fusau ふさう) ausgesprochen und ist einer der antiken Namen von Japan. Mehrere Kriegsschiffe der Kaiserlichen Japanischen Marine wurden „Fusō“ benannt (beispielsweise die eisengepanzerte Schiff Fusō und das Schlachtschiff Fusō aus der Zeit der Weltkriege) und auch verschiedene Firmen (Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation) tragen noch heute den Namen.
Gustaaf Schlegel verortete Fusang in Karafuto oder Sachalin„the long island of Karafuto or Sakhalin“. Joseph Needham ergänzte, dass „wenn Kamtschatka und die Kurilen ebenfalls in Betracht gezogen werden können, es keine bessere Möglichkeit der Identifizierung zum gegenwärtigen Tag gibt“.„if Kamchatka and the Kuriles may also be considered there is no better means of identifying it at the present day.“ Joseph Needham, Ling Wang, Gwei-Djen: Science and civilisation in China. vol. 4, Physics and physical technology. pt. 3, Civil engineering and nautics. Cambridge University Press 1971: S. 540–542. ISBN 978-0-521-07060-7
In Japan selbst gab es eine alte Provinz Fusa-no kuni (Land von Fusa) im Osten von Honshū, heute das Gebiet der Präfektur Chiba und Teile des südwestlichen Ibaraki.
Amerika mini|Karte des französischen Kartographen Philippe Buache (1753). Fusang („Fou-sang des Chinois“, 'Fusang der Chinesen') nördlich von Kalifornien, im Gebiet von British Columbia. Einige Historiker wie Charles Godfrey Leland und Joseph de Guignes (Le Fou-Sang des Chinois est-il l'Amérique? Mémoires de l'Académie des Inscriptions et Belles Lettres, t. 28, Paris 1761) nehmen an, die Distanzen, welche von Hui Shen angegeben werden (20.000 Chin. Li), würden Fusang an die Westküste des Amerikanischen Kontinent verlegen, angenommen die Definition des li zur Zeit der Han-Dynastie. Einige europäische Karten des 18. Jahrhunderts verorten Fusang nördlich von Kalifornien, im Gebiet des heutigen British Columbia. Ein Ort in Amerika lässt sich allerdings nicht mit der Aussage in Deckung bringen, dass es Pferde gebe (die zu der Zeit in Nord- oder Südamerika nicht vorhanden waren) oder der Domestizierung und dem Melken von Hirschen.Kenneth L. Feder: Encyclopedia of Dubious Archaeology: From Atlantis To The Walam Olum. Greenwood 2010: S. 117. ISBN 978-0-313-37919-2
Beschreibungen von Fusang mini|Erwähnung von Fusang (Fousang des Chinois) auf einer französischen Karte von 1792, im Gebiet des heutigen British Columbia. Nach dem Bericht von Hui Shen bei seinem Besuch in China, in der Fassung des Liang Shu:
Das Liang Shu beschreibt auch die Konversion von Fusang zum Buddhismus durch fünf buddhistische Mönche aus Gandhara:
Einzelnachweise
Literatur Charles Godfrey Leylamd: Fusang; Or, The Discovery of America by Chinese Buddhist Priests in the Fifth Century, New York: Barnes & Noble (1875) 1973. Reprint: Forgotten Books 2010. ISBN 978-1-4400-7044-0 Edward P. Vining: Inglorious Columbus; or, Evidence that Hwui Shan and a Party of Buddhist Monks from Afghanistan Discovered America in the Fifth Century, A.D. New York: D. Appleton and Company 1885. ISBN 978-0-217-68056-1 S. Wells Williams: Notices of Fu-sang, and Other Countries Lying East of China, in the Pacific Ocean. Translated from the Antiquarian Researches of Ma Twan-Lin, with Notes. Tuttle, Morehouse & Taylor, New Haven 1881. archive.org
Weblinks www.uh.edu/ Description of Fusang in ancient Chinese literature 《梁書•五十四•列傳四十八》 Article at CRIENGLISH.com on Xu Fu's expedition to Japan
Also full view at Google Books.
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