mini|Blick auf die Hellersiedlung Die Hellersiedlung ist eine Gartenkolonie im Norden der sächsischen Landeshauptstadt Dresden auf dem Areal des Hellers. Sie zählt zum statistischen Stadtteil Albertstadt im Stadtbezirk Neustadt. mini|Eingang zur Hellersiedlung

Vorgeschichte mini|Stadtplan von 1917 mini|Hellergut mini|Hellerlandschaft Die Hellerberge sind eine leicht bewaldete hellsandige dünenförmige Landschaft mit größeren Sandablagerungen mit binnendünenartigem Charakter. Im 16. Jahrhundert siedelte eine Bauernfamilie und baute sich ein eigenes Gut mit einem großen Bauernhaus, Nebengebäuden und zwei Fachwerkhäusern unterhalb der Hellerberge, so entstand das Hellergut am Augustusweg. Der Maler Otto Altenkirch malte einige Bilder der Hellerlandschaft und auch das nicht mehr vorhandene Hellergut. Im Jahr 1673 eröffnete die angrenzende Schänke Grüner Baum nahe der Poststraße nach Radeburg für Fuhrleute und Reisende.

Militärische Nutzung im Königreich Sachsen Im Jahr 1827 begann man den kargen Bewuchs der Dünenlandschaft abzuholzen und zu roden. Bis zu den Weinbergen am nahen Wilden Mann erstreckten sich die Rodungen.Lars Herrmann: In: Dresdner-Stadtteile.de. Das Gelände wurde für die Öffentlichkeit gesperrt und es begann die militärische Nutzung des Hellers. Ein Exerzierplatz für die königlich-sächsische Armee entstand.Stadtarchiv Dresden Von 1834 bis 1837 wurde Platz für den Bau von Unterkünften zur Unterbringung von Armeeangehörigen und deren Gerät des 1. und 2. Linieninfantrieregiments König vacant Niesemeuchel weitere 75 Hektar Wald gerodet. Für die sächsische Kavallerie entstand ein Übungsschießplatz. Im Jahr 1861 wurde der Schießplatz auf Grund der moderneren Geschütze um das Doppelte erweitert.

Zur Mobilmachung im Deutschen Krieg 1866 wurde die 32.000 Mann starke Armee zusammen gezogen und dem Kronprinzen Albert als Oberbefehlshaber unterstellt. Im Krieg zwischen Österreich und Preußen kam es zur Niederlage der Österreicher und dem Verbündeten Sachsen. Am 23. Oktober 1866 schlossen Sachsen und Preußen Frieden. Sachsen trat dem Norddeutschen Bund bei. Fast die gleiche Szene 1870, für den Deutsch-Französischen Krieg, wiederum wurde die nun nach preußischem Vorbild umgestellte sächsische Armee auf dem Heller versammelt. Im Jahr 1880 kaufte die Militärverwaltung Sachsen ein Grundstück mit lockerem Kiefernbestand im Süden der Hellerberge von einem Privatmann. Als erstes wurde eine breite Heerstraße angelegt, die heutige Stauffenbergallee. In der Folgezeit entstand die Albertstadt, eine 3,5 Kilometer lange zusammenhängenden Kasernenanlagen mit für die Soldaten fast wohnlichem Komfort. Im Jahr 1894 wurde der Hellerhof südwestlich oberhalb des Trachenberger Weinhanges für die Eselhaltung umstrukturiert. Es wurde für Kuhmilch-Allergiker Eselsmilch erzeugt und vor Ort verabreicht.

Übungsgelände wird Flugplatz Im Jahr 1900 wurde das Übungsgelände um 600 Hektar erweitert. Um 1908 erreichten die Stadtteile auf Grund der wachsenden Bevölkerungszahlen die geografischen Stadtgrenzen von Hellerberge. Südlich der Stauffenbergallee entstand das Industriegelände und nördlicherseits die Gartensiedlung Hellerau mit den Deutschen Werkstätten. Am 1. August 1912 landete das 148 Meter lange Zeppelinluftschiff des Typs LZ 11 mit dem Namen Victoria Luise auf dem Hellergelände. Extra dafür wurde ein großer runder Landeplatz mit großen spiralförmigen Ankern eingerichtet. Im Jahr 1914 stellte Sachsen zum letzten Mal eine eigene Armee auf. Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ausrufen der Weimarer Republik fiel das Areal an die Reichswehr.Ralf Weißflog: Geschichte des Hellers zu Dresden und der Hellersiedlung. 2009.

Flugplatz mini|Stehaufchen-Gleiter Im Jahr 1922 beschloss der Stadtrat im Einvernehmen mit der Reichswehr, auf dem östlichen Teil des Kavallerieübungsplatzes einen Flugplatz anzulegen. Es wurde eine Rollbahn planiert und dabei wurden die Senken mit Unrat aufgefüllt und eine dünne Schicht Erde aufgetragen. Ein Gemisch aus Gras und Klee sorgte für eine strapazierfähige Oberfläche. Dazu entstand ein großes Abfertigungsgebäude am Ende der Magazinstraße. Bereits beim Bau der Rollbahn war den Verantwortlichen bekannt, dass der Flugplatz zu klein war, und so diente er als Zwischenlösung bis 1935. Während dieser Zeit nutzten auch Modellflugvereine und Segelsportfreunde das Areal der heutigen Hellersiedlung für ihre Aktivitäten. Die erste Motorseilwinde zum Aufziehen der Segler wurde von Ingenieur und Segelfluglehrer Albert Hick installiert. In gemeinsamer Klubarbeit entstand der erste eigene Segler, der Hellervogel. Ebenso vertreten war die akademische Fliegergruppe der Technischen Hochschule mit ihrer zweisitzigen Maschine D-B 9.

mini|Sportflugzeug Klemm L25 Im Jahr 1933 übernahm die SS das Areal vom Hellerhof bis zur Drachenschlucht und nutzte es als Übungslager. Drei Jahre später wurde der Flugplatz offiziell geschlossen und nach Klotzsche verlegt. Ein Teil des Geländes wurde zur Entsorgung von Hausmüll genutzt. Ein besonderes Ereignis war noch der Start zu einem mitteldeutschen Rundflug am 15. Juli 1939 unter dem Verband Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK), vormals Deutscher Luftsportverband e. V. Ziel war, die Stadt Braunschweig über Erfurt in Formation einer Segelflugschleppkette zweier Segler Baby II und dem Segler D-Standfuss zu erreichen. Diese wurden von drei Sportflugzeugen Klemm Kl 25 geschleppt.

Militärische Nutzung im Zweiten Weltkrieg Als im Jahr 1940 der erste Luftalarm in der Stadt ausgelöst wurde, entschloss man sich zur Verteidigung von Luftangriffen. So wurden acht Luftabwehrgeschütze auf zuvor betonierten Geschützständen installiert. Die Geschütze wurden allerdings bereits im Herbst 1944 zur Front abgezogen. Während der verheerenden Bombardierungen Dresdens im Frühjahr 1945 wurden der neue Flughafen Klotzsche, die Kasernenstadt und der Heller nicht von Bomben getroffen und blieben unversehrt. Die Wehrmacht verließ fluchtartig im April die Kasernen, so zogen die Ausgebombten in die leerstehenden Gebäude. Dazu kamen noch unzählige Heimatvertriebene und Flüchtlinge.

Nach 1945 Am 8. und 9. Mai 1945 besetzte die Rote Armee den Dresdner Norden und übernahmen die Kasernengebäude und vertrieben die vorübergehend eingezogenen Ausgebombten und Flüchtlinge. Anordnung der Alliierten: Bis 1951 Verbot, Segelflugzeuge herzustellen oder zu besitzen. Damit kam auch der Segel- und Modellflugsport zum Erliegen.Stadtarchiv Dresden,Sign,4.1.1-Nr.2-31 Die neuen Machthaber forderten eine Neubildung des Stadtrates und die Wahl von demokratischen, nicht nationalsozialistisch vorbelasteten Amtsträgern. Es ergaben sich zwei Hauptaufgaben für den Stadtrat, die Beseitigung von Trümmer aus der auf 15 Quadratkilometer total zerstörten Stadt und die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Weiterhin befahl die sowjetische Kommandantur, ihre Befehle ohne zeitlich Verzögerung umzusetzen. Dabei ging es um die Entnazifizierung und die Beschlagnahme von Fahrzeugen, Schmuck, Uhren, Schreibmaschinen, Pelzmänteln, Radioempfängern, Fahrrädern, Kunstgegenständen und die Demontage noch funktionierender Maschinen aller Art, Bahngleise und Technik. Der Stadtrat konnte nicht selbstständig entscheiden und musste immer bei allen Beschlüssen um Erlaubnis und Genehmigungen bitten.Stadtarchiv Dresden,Sign,4.1.1-Nr.2-31 Der neue Bürgermeister Walter Weidauer erstellte einen Wiederaufbauplan. Darin war ein Bestandteil die Brachlandaktion. Dabei sollten Bürger brachliegende Flächen wie Sportplätze, Wiesen und herrenlose Grundstücke kurzerhand umgraben, um Essbares anzubauen.Stadtarchiv Dresden,Sign,4.1.1-Nr1-5 Große Begier erstreckte sich auf den ehemaligen Flugplatz und weitere große Teile des Hellers (Exerzierplatz).

Hellersiedlung Der Stadtrat stellte den Antrag auf Übereignung des ehemaligen Wehrmachtsgrundstückes. Der Antrag wurde zu früh gestellt, es gab noch keine Landesregierung, und wurde abgelehnt. Ein weiterer Versuch wurde von der Forstverwaltung zurückgewiesen. Eine Voranfrage für eine Besiedlung des ehemaligen Flugplatzes beim Kommandeur der Besatzungsmacht wurde zugesagt. Somit wurde der Heller mit in die Stadtplanung einbezogen.Stadtarchiv Dresden,Sign,4.1.3-Nr.6-96 Die erste Maßnahme war ein eingesetztes Räumkommando in einer Stärke von 17 Personen, darunter 12 Frauen. Diese waren beauftragt, alle umher liegenden militärischen Gegenstände einzusammeln und zu einer Sammelstelle in der Riesaer Straße zu bringen. Am 10. Oktober 1945 schließlich beschloss die Landesverwaltung die Übereignung von Teilflächen. Auf Bitten des Bauausschusses bei der Kommandantur erfolgte der Einsatz eines Räumpanzers, um die riesige Fläche zu planieren. Gleichzeitig wurden auf Weisung der sowjetischen Militäradministration die ehemaligen Flughafengebäude gesprengt, obwohl in der zerstörten Stadt große Wohnungsnot herrschte.

Anfang In einer öffentlichen Beratung am 21. November 1945 verkündete der Bürgermeister die neue Nutzung des ehemaligen Flugplatzgeländes. Damit war der Weg frei für die neue Brachlandsiedlung.Stadtarchiv Dresden,Sign,4.1.3-Nr.6-96" Am 27. Januar 1946 gab der Stadtrat die Richtlinien zur Siedlerauswahl bekannt. Bevorzugte Personen sollten aktive Gegner des NS-Regimes, Mitglieder der Kommunistischen Partei, Antifaschisten und kinderreiche Familien sein. Weiterhin wurden die Inhalte der Pachtverträge und die Vermessung sowie die Zuweisungen beschlossen. An Gebühren für die Vermessung waren 25 Reichsmark und für die Zuweisung 5 RM zu entrichten. Über 800 Einzelgärten erstreckten sich auf über 55 Hektar, verbunden durch parallel verlaufende Stichstraßen, die von Süden nach Norden mit den Buchstaben A bis N bezeichnet wurden. Die einzelnen Parzellen waren 1000 oder auch 2000 Quadratmeter groß. Damit entstand die wohl größte Kleingartensiedlung Deutschlands. Seit 1947 wird in der Brachlandsiedlung, oder auch Hellerflughafensiedlung, fleißig gewerkelt. Es entstanden die ersten kleinen Häuschen.

1947 mini|Aufbau der Hellersiedlung (1949) Am 13. Februar 1947 bewilligte der Stadtrat den Bau einer Wasserversorgung der Siedlung, die Kosten von 38000 RM übernahm die Stadt.Stadtarchiv Dresden,Sign,4.1.3-Nr.6-103 Am heutigen D-Weg endete die Leitung. Die Weiterführung erfolgt als Sommerwasserleitung und wurde von den Siedlern übernommen. In der nächsten Sitzung des Stadtrates am 4. März 1947 wurde wiederum um die Vergabe und Auswahl verhandelt. In einer weiteren Sitzung am 12. Juni 1947 wurden die ersten Auflagen zur Planung der Besiedlung und Bebauung festgelegt. Im Jahr 1948 wurden besondere Personalausweise für Brachlandsiedler ausgegeben, damit die Personen auch berechtigten Zutritt nachweisen konnten. Denn inzwischen hatte sich das 443. Pionierbataillon der Roten Armee der Kasernen und des nördlich gelegenen Teil des Hellers als ständigen Übungsplatz bemächtigt. Um 1949 wurde ein weiterer Wasseranschluss am K-Weg in Betrieb genommen.

1950er Jahre mini|Parzelle in der Hellersiedlung (1957) mini|Hubschrauber-Beobachtungstower