mini|Blick auf die Stadt Merkendorf mini|Merkendorfer Marktplatz mit Stadtkirche, Amtshaus und Rathaus mini|Stadtmauerpartie in Merkendorf mini|hochkant|Unteres Tor in Merkendorf mini|hochkant|Unteres Tor mit Torwachhaus und Stadtgraben. Fotografie von Kurt Hielscher, 1924

Merkendorf (, ostfränkisch Mergadorff; früher auch Merkendorf bei Ansbach) ist eine Stadt im Landkreis Ansbach in Mittelfranken (Bayern) und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Sie entstand aus einer slawischen Siedlung und erhielt 1398 die Stadtrechte. Die Altstadt stammt aus dem Spätmittelalter, die Grundsteinlegung der Stadtkirche Unserer Lieben Frau erfolgte 1478. Merkendorf wurde im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen niedergebrannt und im Zweiten Weltkrieg durch die US-Armee stark zerstört. 1978 wurden Merkendorf und fünf weitere Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft Triesdorf zusammengeschlossen, der damalige Bürgermeister Heinrich Helmreich klagte jedoch erfolgreich dagegen und Merkendorf erhielt 1980 wieder seine Eigenständigkeit zurück. Heute wohnen etwa 3000 Personen in Merkendorf, das sich als Tor zum Fränkischen Seenland bezeichnet.Tourismus und Freizeit auf merkendorf.de, abgerufen am 7. Juni 2020 Es ist durch seinen seit dem 18. Jahrhundert belegten Krautanbau als Krautstadt bekannt.Geschichte des Krautanbaus im Merkendorfer Land auf merkendorf.de, abgerufen am 16. November 2013 Merkendorf ist selbstversorgend mit elektrischem Strom aus erneuerbaren Energien. Die Landstadt liegt in der Planungsregion 8 Westmittelfranken und bildet mit dem östlich gelegenen Wolframs-Eschenbach ein Kleinzentrum.Regionaler Planungsverband auf region-westmittelfranken.de, abgerufen am 16. November 2013

Geografie und Geologie Merkendorf liegt im Südosten des Landkreises Ansbach. Sie ist die südlichste Gemeinde des Rangaus, befindet sich im östlichen Altmühltal und im nördlichen Fränkischen Seenland.

Das Stadtgebiet erstreckt sich auf einem sehr sandigen Keuperboden und liegt in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land.Wilhelm Koch, Heinrich Helmreich: Der Raum um Merkendorf in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Merkendorf – Historische Kleinstadt im Fränkischen Seenland. Merkendorf 1988, S. 12 ff.

Nachbargemeinden

Flächennutzung + Gemeindefläche Nutzung Größe Landwirtschaft 2057,20 ha Wald 278,03 ha Verkehr 142,77 ha Gebäude- und Freifläche 86,26 ha Wasser 19,40 ha Betriebe 9,15 ha Erholung 6,82 ha Sonstige 7,21 ha Gesamt 2606,84 ha (Stand: 31.12.1992)Wilhelm Koch: Merkendorf heute: Stichworte – Namen – Zahlen. In: 600 Jahre Stadt Merkendorf 1398–1998. Merkendorf 1998, S. 121.

Naturschutzgebiete Innerhalb des Stadtgebietes liegt das Naturschutzgebiet Heglauer Wasen. Es ist Teil des gemeindeübergreifenden Naturschutzgebietes Wiesmet, das sich von Ornbau über Hirschlach/Heglau bis zur Vogelinsel bei Muhr am See erstreckt. Im Heglauer Wasen brüten viele selten gewordene Vogelarten.Landschaft und Naturschutz. In: 800 Jahre Hirschlach-Neuses 1208–2008. Herausgeber Stadt Merkendorf, 2008, S. 125 ff.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Merkendorf hat 12 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Waldeck ist kein amtlich benannter Gemeindeteil.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gerbersdorf, Großbreitenbronn, Heglau, Hirschlach und Merkendorf. Die Gemarkung Merkendorf hat eine Fläche von 6,567 km² und ist in 1527 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Triesdorf Bahnhof (zum Teil) und Weißbachmühle.

Geschichte Urgeschichte bis Mittelalter Jungsteinzeitliche Funde in der Flur Wacholder belegen, dass das Gebiet um Merkendorf schon seit etwa 4500 bis 1800 v. Chr. besiedelt war.Wilhelm Koch: Merkendorfer Chronik. In: 600 Jahre Stadt Merkendorf 1398–1998. Merkendorf 1998, S. 13.

Merkendorf entstand im 9./10. Jahrhundert.Informationsflyer „Heimatmuseum Merkendorf in der Zehntscheune am Marktplatz“. Herausgeber: Heimatverein Merkendorf e. V. und Stadt Merkendorf 2011. 1249 wurde der Ort als „Mirkindorf“ erstmals urkundlich erwähnt. Bestimmungswort des Ortsnamens ist der slawische Personenname „Mьrk“ (=Mirk). Demnach ist der Ort von einem slawischen Siedler dieses Namens gegründet worden.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 185W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 147.Wilhelm Koch: Merkendorfs Name und Wappen. In: 600 Jahre Stadt Merkendorf 1398–1998. Merkendorf 1998, S. 12.

Um 1300 waren in Merkendorf die Herren von Muhr, die Grafen von Oettingen, das Kloster Auhausen, die Herren von Eschenbach und die Burggrafen von Nürnberg begütert. Im Jahre 1383 bestätigte der Landrichter von Graisbach, Degenhard von Gundelfingen, dem Kloster Heilsbronn, zu dessen Besitz der Ort bis 1578 gehörte, Merkendorf befestigen zu dürfen. 1398 erhielt Merkendorf auf Bestreben des Klosters Heilsbronn durch König Wenzel die Stadtrechte. 1424 genehmigte König Sigismund einen Jahrmarkt, vier Jahre später Markgraf Friedrich I. von Brandenburg einen Wochenmarkt abzuhalten. 1437 wurde der Bau einer Stadtmühle zugestanden.Alexander Biernoth: "Ereignisreiche Geschichte". In: Fränkische Landeszeitung von Mittwoch, 31. August 2022, S. 9 1478 wurde der Grundstein der Stadtkirche gelegt, in der 1524 die erste evangelische Predigt gehalten wurde.

Neuzeit 1506 stattete der römisch-deutsche König Maximilian I. der Stadt einen Besuch ab und wurde im heutigen Rathaus willkommen geheißen.Wilhelm Koch: Merkendorfer Chronik. In: 600 Jahre Stadt Merkendorf 1398–1998. Merkendorf 1998, S. 14.

Im Jahre 1535 wurden erstmals ein Stadtvogt und 1546 ein Stadtschreiber erwähnt. Ein Stadtbrauhaus wurde 1542 errichtet, seit 1599 war in Merkendorf eine große Leinenweberzunft bekannt.

Von 1578 bis 1792 gehörte Merkendorf zum Gebiet des Fürstentums Ansbach.

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Merkendorf 84 Mannschaften verzeichnet, die alle das Verwalteramt Merkendorf als Grundherrn hatten. 66 Mannschaften lebten innerhalb und 18 Mannschaften außerhalb der Stadtmauer. Außerdem gab es ein Pfarrhaus, Schulhaus, Stadthaus, Schreibershaus und 2 Hirtenhäuser. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 16. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 731. Im 16-Punkte-Bericht des heilsbronnischen Vogtamts Merkendorf aus dem Jahr 1616 wurden die 84 Mannschaften als 9 Höfe und 75 Güter näher qualifiziert.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 25, 24. Zitiert nach Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 742.

Während des Dreißigjährigen Krieges musste Merkendorf immer wieder Einquartierungen hinnehmen, so 1626 von lauenburgischen und pollandischen Truppen. Von 1632 bis 1634 wurde Merkendorf wiederholt von plündernden Söldnern heimgesucht. 1640 waren nur noch acht Familien in der Stadt, die anderen waren geflohen.Wilhelm Koch: Merkendorfer Chronik. In: 600 Jahre Stadt Merkendorf 1398–1998. Merkendorf 1998, S. 15. Am 12. März 1648 war die Stadt mit geflohenen Landbewohnern, schwedischen Reitern und Vieh überfüllt. Beim Abzug der Schweden entstand Feuer, das nur 25 meist kleinere Häuser verschonte.Informationstafel „Die Stadt brennt“ am Zwei-Städte-Radweg Merkendorf – Wolframs-Eschenbach, gesehen im März 2011. In den Folgejahren wurden der Ort und die Stadtkirche wieder aufgebaut, die 1655 wiedergeweiht wurde. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) gab es erneut Einquartierungen in Merkendorf.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es 127 Anwesen. Das Hochgericht übte weiterhin das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Stadtherrschaft hatte das Verwalteramt Merkendorf inne. Alle Anwesen hatten Brandenburg-Ansbach (Verwalteramt Merkendorf: 126, Kastenamt Windsbach: 1) als Grundherrn. Außerdem gab es herrschaftliche, kommunale und kirchliche Gebäude.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 885 f.

Vom 1792 bis 1806 war das Ansbacher Markgrafentum an Preußen angegliedert. Von 1797 bis 1808 unterstand Merkendorf dem Justiz- und Kammeramt Windsbach. Es gab zu dieser Zeit 103 Untertansfamilien.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 291.

19. Jahrhundert Mit der Rheinbundakte und der Auflösung des Markgrafentums Ansbach fiel Merkendorf 1806 an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahre 1808 der Steuerdistrikt Merkendorf gebildet, zu dem Dürrnhof gehörte. Die Munizipalgemeinde Merkendorf entstand 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt Merkendorf. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Dürrnhof nach Heglau umgemeindet. Nach 1820 jedoch spätestens 1824 wurde Weißbachmühle nach Merkendorf umgemeindet.Wird in dem Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern von 1820, S. 43 noch der Gemeinde Gerbersdorf zugerechnet. 1824 zur Munizipalgemeinde Merkendorf gehörig. 1830 erhielt Merkendorf den Status einer Landgemeinde. Von 1857 bis 1862 gehörte Merkendorf zum Landgericht Gunzenhausen, ab 1862 zum Bezirksamt Gunzenhausen (1939 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und ab 1865 zum Rentamt Gunzenhausen (1919 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Gunzenhausen (1879 in Amtsgericht Gunzenhausen umbenannt).Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1000. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 6,593 km².

Im Jahre 1873 wurde die Friedenseiche am Gänswasen zur Erinnerung an die gefallenen Merkendorfer Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg gepflanzt. Ein Jahr darauf wurde die Freiwillige Feuerwehr Merkendorf ins Leben gerufen und 1875 der Kriegerverein als Kampfgenossenverein gegründet. 1880 wurde eine Gendarmeriestation eingerichtet, 1886 die Sparkasse eröffnet und 1891 eine Postagentur und Telegraphenanstalt errichtet.Wilhelm Koch, Heinrich Helmreich: Das 19. Jahrhundert. In: Merkendorf – Historische Kleinstadt im Fränkischen Seenland. Merkendorf 1988, S. 52 ff.

20. Jahrhundert 1902 wurde der Friedhof erweitert und die Leichenhalle errichtet. Der Anschluss an das Stromnetz des Fränkischen Überlandwerkes folgte 1910.Wilhelm Koch: Merkendorfer Chronik. In: 600 Jahre Stadt Merkendorf 1398–1998. Merkendorf 1998, S. 16–17.

Im Jahre 1914 zogen auch Merkendorfer in den Ersten Weltkrieg, von denen die meisten während der Kämpfe fielen.Wilhelm Koch, Heinrich Helmreich: Der Erste Weltkrieg und seine Folgen. In: Stadt Merkendorf – Historische Kleinstadt im Fränkischen Seenland. Merkendorf 1988, S. 66. Die Kriegsbegeisterung war, wie im gesamten Deutschen Kaiserreich, in der Stadt sehr hoch.