mini|hochkant=2|Zentralasien mit dem Amudarja zusammen mit dem vermuteten alten Flussbett des Amudarja und dem Westlichen Usboi; ohne Kelifer Usboi (aus John Bartholomew’s XXth Century Citizen’s Atlas, 1903)

Der Usboi (, ) ist ein Fluss im heutigen Turkmenistan, der mit mehreren Armen die Nebenflüsse des Amudarja bildete und im 16. Jahrhundert durch Verlagerung des Amudarja versiegte. Auf aktuellen Karten ist meist der nordwestliche (nicht durchgängige) Flussarm eingezeichnet,vgl. Der neue große Bertelsmann Weltatlas. Wissen Media Verlag GmbH (Lizenzausgabe), Gütersloh und München, 2003 da er heute als Teil eines Entwässerungssystems saisonal wieder Wasser führt, das aber größtenteils in der Wüste am Balkan versickert. Die Verbindungsarme als historisch durchgehendes Fließgewässer vom Amudarja bis zum Kaspischen Meer sind umstritten.

Bekannte Flussverläufe mini|Karte des westlichen Usboi von 1913 mini|Schematische Darstellung des gegenwärtigen Flussbettes des westlichen Usboi. Der Usboi ist nicht über die gesamte Länge des Flussbetts wasserführend. Gesichert ist ein Abschnitt des Usboi, der am Westende des Kjurendag (bei Gyzylarbat) entlang des Großen und Kleinen Balkan nach Nebit-Dag (Balkanabat) führte,УЗБОЙ im Geografischen Wörterbuch Ecosystem (russisch) dem heutigen Endpunkt des Karakumkanals. Gesichert ist weiterhin der südlichste Nebenfluss, der Kelifer Usboi. Er führte den Amudarja von Kelif bis vor Kerki und durchfloss nach Westen die Obrutschew-Steppe bis in die Senke bei Mary. Der weitere Verlauf zwischen diesen Abschnitten konnte nicht vollständig rekonstruiert werden. Er dürfte grob dem heutigen Karakumkanal entsprechen, bei dessen Bau zahlreiche Abschnitte des Usboi freigelegt wurden. Der Westliche Usboi beginnt bei Igdi und verläuft in westlicher Richtung, wo er zwischen Großem und Kleinem Balkan auf das ursprüngliche Bett traf und bis Nebit-Dag führte. Von Nebit-Dag dürfte er südlich des Balkanbusen in das Kaspische Meer gemündet haben.

Nordwestlicher Abschnitt Ein weiterer Flussverlauf, der im Holozän zum wichtigsten wurde, liegt im Nordwesten Turkmenistans. Heute ist aufgrund der nachweisbaren Sedimente bekannt, dass auch dieser Fluss ab der Sarykamysch-Senke den Amudarja mit dem Kaspischen Meer durchgängig verband, die wiederum durch das Wasser des Amudarja gefüllt worden ist. Historisch gesichert ist nach Angabe von L. S. Berg, dass der Usboi „für die gesamte Zeit des Bestehens des Abflusses 13 km nördlich des nördlichen Kugunek-Hochlandes“ gespeist wurde, wo das Wasser des Amudarja unterirdisch zur Sarykamysch-Senke durchbrach.Gladyshew A. I.: Путешествие по уснувшей реке (Reise entlang des schlafenden Flusses). Nature Nr. 9, 2002, S. 42–50 (online archiviert bei kungrad.com) Vermutet wird weiterhin, er könne den nach Westen abgelenkten Amudarja über die Flüsse Kunjadarya und Daudan verlängert haben. In diesem Abschnitt fließt er westlich der Zaunguz-Wüste, umrundet das Kaplankyr-Plateau östlich und südlich,Karte des Usboi, Ursprung: UdSSR – researchgate.net, abgerufen am 22. April 2019 bis er östlich vor Igdi den Westlichen Usboi erreicht, liegt die südliche Kehre des Usboi direkt bei Igdi. Die plausible durchgängige Verbindung könnte den Amudarja über den Sarykamyschsee zum Kaspischen Meer geführt haben. Die Verbindung von Amudarja und Usboi, also der Zufluss der Sarykamyschseen, war der Daryalik, dessen nördlichster Punkt unterhalb von Köneürgenç liegtDer Begriff „Daryalik“ in der großen sowjetischen Enzyklopädie. (auf der Karte Kone Urgenj bezeichnet bzw. deutsch Kunja-Urgentsch). Demnach hätte sich ein durchgehendes Fließgewässer ergeben vom Amudarja über Daryalik, die Sarykamysch-Senke, den Usboi und Westlichen Usboi bis ins Kaspische Meer. Zusammen mit dem nördlichen Teil des Amudarja, der im Sarykamysch-Delta beginnt, wäre dieser Fluss 550 km lang gewesen, mit allen Windungen 775 km. Das Gefälle bis zum Kaspischen Meer beträgt 75 Meter, davon allein 40 Meter auf den letzten 200 km.The Aral Sea and South Prearalie. cawater-info.net, 22. April 2019, abgerufen am 22. April 2019 Er durchzieht steile Hänge und ehemalige Wasserfälle. Die tiefsten Felsen erstrecken sich entlang des Flussufers. Der Fluss war 20–30 m breit und seine Täler an einigen Stellen 4–6 km breit.P. Tolstov S.: Po drevnim del'tam Oksa i YAksarta. M., 1962; Kes A. S., Ruslo Uzboy i yego genezis ("Tr. Inta geografii AN SSSR", M.L., 1939, t.30). Neuauflage Let Me Print 2013, ISBN 978-5-458-40504-1 (russisch)

Seit 2000 versucht Turkmenistan, das durch die Bewässerung herangeführte überschüssige Wasser durch Drainagesysteme abzuführen, um die Bodenversalzung durch steigendes Grundwasser abzuwehren. Ein Bestandteil dieses Systems ist die Senke Karaschor mit dem saisonal wasserführenden Karakumsee bzw. , wo der See des Goldenen Zeitalters entstehen soll.Ein See mitten in der Wüste. Die Presse, 11. Juni 2008 Er soll über das ehemalige Flussbett des mittleren Flusslaufs des Usboi entwässern, das heute zumindest zeitweise wieder Wasser führt, wie z. B. Auf Google Maps gut zu erkennen ist. Der Daschogus-Sammler, einer von zwei Zuflüssen des neuen künstlichen Sees, folgt etwa zur Hälfte dem Bett des Usboi.

Ungus Vermutet wird weiterhin ein Arm des (Paläo-)Oxus durch das Tal des Ungus etwa mittig des Karakums, wo ebenfalls Flussläufe gefunden wurden. Im selben Flussbett existiert heute ebenfalls ein Bewässerungskanal, der heutige (nicht schiffbare) Turkmenische Hauptbewässerungskanal, der auf Satellitenbildern nördlich von Türkmenabat in westlicher Richtung aufgrund weiträumiger Überschwemmungsflächen gut sichtbar ist. Er ist nicht identisch mit der Route des in den 1930er Jahren geplanten Turkmenischen Hauptkanals.General map of Turkmenistan: At different times in the past the Amu Darya River flowed. Der Oxus dürfte dort vor Igdi auf den Westlichen Usboi getroffen sein (siehe Karte).

Kelifer Usboi mini|Kelifer Usboi (Bras de Tokai) auf einer französischen Karte (1734) Der Kelifer Usboi markiert einen weiteren Verlauf im Süden zum Kaspischen Meer. Die nebenstehende Karte von 1734 (mit Fehlern) orientiert sich grob an den bekannten Höhenangaben und nimmt einen durchgängigen Fluss an. Einzelne Abschnitte konnten erst mit dem Bau des Karakumkanals rekonstruiert werden. Ob er jemals durchgängig bis zum Kaspischen Meer floss, ist bis heute unbewiesen. Als der Amudarja weiter nach Norden vorstieß, dürfte er vermutlich verschiedene Altarme gebildet haben und ähnlich wie noch heute Hari Rud (Tedschen) und Murgab in dieser Wüstengegend versiegt sein. Historisch gesichert war dieser östliche Zweig. Sein Bett wurde in den 1950er Jahren ab Kerki zum Bau des Karakumkanals reaktiviert. Im südlichen Karakum wurden beim Kanalbau verschiedene Abschnitte des Usboi gefunden. Der genaue historische Verlauf blieb aber unbekannt.

Geschichte

Tektonische Bewegungen im Pliozän hoben und senkten die Region rund um den Aralsee. Sie veränderten den Verlauf der Flüsse, hauptsächlich des Amudarja und dessen Nebenflüsse, zu denen der Usboi gehörte. In die Aralo-Kaspische Niederung ragte das Ustjurt-Plateau als Halbinsel hinein. Es trennte zuerst bei Bala-İşem das Kaspische Meer vom Aralsee, danach bildete sich das Tal des Usboi und weitere natürliche Verbindungskanäle zwischen den beiden Seen. Die Entwicklung der Küstenlinien kann durch die Untersuchung verschiedener Übergangsablagerungen Kaspischer Mollusken (Weichtiere), Salzablagerungen durch ausgetrocknete Wasserkörper (Sors) an den ehemaligen Küstenlinien, Salztonebenen (Takyrs) und anderer prähistorischer Zeugnisse nachempfunden werden. Während der Eiszeit wurden die Steilhänge des Ustjurt-Plateaus zum vorerst letzten Mal von einem Binnensee umspült. Er wurde vom Amudarja gespeist, der auch die riesigen Sandmengen in die Wüste brachte und ihn dabei immer wieder zwangen, sich ein neues Bett zu suchen.Feuerstuhl und Wüstensand. Auf MZ durch die Karakum. Dokumentation. Fernsehen der DDR, 1987. Archiviert bei YouTube 13:28 Zeugnisse der Veränderungen beider Seen durch Änderungen von Wassermengen und Bewässerungsentwicklung gibt es von Forschern und Historikern seit der Antike.

Usboi und Westlicher Usboi mini|hochkant=1.5|Der Usboi auf der Karte der Seen Sibiriens und Zentralasiens während der Eiszeit In dieser Zeit floss der Amudarja durch die Sarykamysch-Senke und von dort durch den Usboi, dessen Bett ab dem Südrand der Sarykamysch-Senke im Kaplankyr-Naturreservat nachweisbar ist, östlich und südlich um die Senke Karaschor längs des Großen und Kleinen Balkans südlich des Balkanbusens in das Kaspische Meer.Amu oder Amu-darja – Artikel im Brockhaus Konversationslexikon, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894–1896 Bereits in der Antike wurde er von Herodot als Zweig des Amudarja beschrieben und auch die mittelalterlichen Autoren (Muqaddasiy, Hamdallah, Qazviniy, Hofizi Abru, Abulgʻoziy) übernahmen diese Ansicht.

Bis ins Pleistozän blieb diese Verbindung erhalten. Am Ufer des Sarykamyschsees wurden neolithische Siedlungen und Keramik aus der Bronzezeit, sowie Orte aus dem 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Um 3000 v. Chr. und um 1000 v. Chr. dürfte die Verbindung unterbrochen gewesen sein, denn der Wasserstand des Aralsees war zu dieser Zeit besonders hoch. Danach verlagerte sich der Amudarja erneut nach Osten und mündete nicht mehr ins Saryiamischdelta, sondern in den Aralsee. Zeitweise (der genaue Zeitraum ist unbekannt) war auch ein Teil des Oxusdeltas (Amudarja-Delta) beim Aralsee geflutet und band dort den Aralsee mit ein. Das Bett des Westlichen Usboi dürfte aber nicht trockengefallen sein. Dieser Verlauf wurde 1886 von Wladimir Obrutschew untersucht. Er fand einen Brunnen südlich des Samykamischsees an einer Straße nach Xiva: „200 Schritte westlich des Bala-İşem-BrunnensKoordinaten Bala-İşem-Brunnens 40°15 N, 57° S, auf der Sardar-Chiwa-Straße. Zwischen den sandigen Hügeln ist Sandstein nicht so bedeutend. Dieses Meisterwerk, Uzboydur, hat unter den Gelehrten der Welt große Kontroversen ausgelöst. Es ist noch nicht vollständig untersucht worden.“Wladimir Obrutschew: Избранные работы по географии Азии (Ausgewählte Arbeiten zur Geographie Asiens). М.: Государственное издательство географической литературы, 1951. V. 1. - S. 169. Zu dieser Zeit galt es als umstritten, ob der Usboi tatsächlich den Amudarja mit dem Kaspischen Meer verband oder ob das Tal des Usboj „nur ein Produkt der Trennung des Aralsees vom Kaspischen Meere“ gewesen sei.