mini|Tri martolod als Schiffsname eines bretonischen Holzboots Tri martolod ( „Drei Matrosen“) ist ein bretonisches Volkslied. Textautor und Komponist der Melodie sind nicht bekannt; das Lied, das gelegentlich auch den Titel Tri martolod yaouank (Drei junge Matrosen) trägt, entstand vermutlich im 18. Jahrhundert. Die, soweit bekannt, älteste gedruckte Fassung stammt von 1809. In der von Polig Monjarret, einem Pionier der Rückbesinnung auf bretonische Identität und Kultur, 1968 veröffentlichten Liedersammlung Sonioù Pobl (Klänge des Volkes) hieß es An tri-ugent martolod (Die sechzig Matrosen). Auch zu diesem Lied wurde überall in der Bretagne getanzt. Unter dem Titel Les trois marins de Nantes (Die drei Seeleute aus Nantes) war es zudem in einer französischsprachigen Fassung verbreitet, wobei nicht bekannt ist, welche der beiden Sprachversionen die ursprüngliche ist.

Alan Stivell hat Tri martolod 1972 mit neuem Arrangement versehen, gesungen und als Vinyl-Single auf Fontana mit der B-Seite The King of the Fairies veröffentlicht. Das Lied ist außerdem auf seiner kommerziell erfolgreichen LP Alan Stivell à l’Olympia in einer gleichfalls rund dreieinhalb Minuten langen Fassung enthalten. Das Konzert im Olympia vom 28. Februar 1972 war zudem live auf Europe 1 übertragen worden. Stivells folgende Single Pop-Plinn, einer der ersten Titel des „Bretonenrock“ (Brezhoneg Raok), verkaufte sich in den Plattengeschäften zwar besser als dieses Traditional, aber Tri martolod entwickelte sich neben der inoffiziellen Nationalhymne Bro gozh ma zadoù in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten identitätsstiftenden Lieder der bretonischen Musik.

Seit dem Beginn der „bretonischen Renaissance“ Ende der 1960er Jahre wurde das Lied bei Konzerten und durch Plattenaufnahmen insbesondere auch durch Tri Yann und Nolwenn Leroy sowie eine Vielzahl weiterer Interpreten einer breiten Öffentlichkeit in Erinnerung gehalten. Auch Stivell hat es, häufig mit unterschiedlichen Arrangements, während seiner gesamten Karriere regelmäßig vorgetragen. Es ist seither in zahlreiche andere Sprachen übersetzt und in unterschiedlichen Stilrichtungen aufgenommen worden. So singen Santiano es in einer Mischung aus deutschen und bretonischen Strophen, Manau hat die Melodie in seinen Hip-Hop-Millionen-Hit La tribu de Dana eingearbeitet und die Schweizer Band Eluveitie eine Folk-Metal-Version veröffentlicht.

Der Text Form und Handlung Die längste überlieferte Fassung des Liedes besteht aus 20 Strophen.Bernard Lasbleiz, Tri martolod à travers les mailles du filet, 1999, S. 15; siehe auch den Liedtext einer Langfassung mit 15 Strophen auf Bretonisch und Französisch sowie einer Notation der Gesangsstimme. Sie setzen sich durchgehend jeweils aus einem zweizeiligen Couplet und einem zweizeiligen Refrain zusammen, in dem der letzte Teil der zweiten Verszeile doppelt wiederholt wird. Am Ende jeder ersten Zeile folgt ein längeres Trällern ohne lexikalische Bedeutung (tra la la …), nach der ersten Refrainzeile ein knapper Ausruf (gê!). Insofern weist jeder dieser Vierzeiler lediglich eine kurze Information auf – beispielsweise „Drei junge Matrosen machten sich auf die Reise“ –, die vollständig bereits in der zweiten Zeile formuliert ist. Diese Liedform entspricht dem traditionellen Kan ha diskan, sinngemäß „Gesang und Antwort“, bei dem ein Wechselgesang zwischen zwei, seltener drei Sängern oder Sängerinnen erfolgt. Im Unterschied zu dem verwandten formbildenden Prinzip des Call and Response kommt den Vortragenden hierbei aber eine gleichwertige Bedeutung zu, weil beide den Tanzenden Tempo und Rhythmus vorgeben.Pascal Lamour, Un monde de musique bretonne, 2018, S. 36.In nahezu allen historischen Varianten des Lieds (siehe dazu weiter unten) besteht in den Strophen eine identische Metrik mit 13 Versfüßen, davon sieben im Refrain.Bernard Lasbleiz, Tri martolod à travers les mailles du filet, 1999, S. 15.

Der Text beginnt mit der Beschreibung einer Atlantikfahrt dreier junger Seeleute nach Nordamerika und entwickelt sich ab der fünften Strophe zu einem Dialog zweier Menschen, die beide in ärmlichen Verhältnissen leben. Bei diesem Übergang wechselt auch die Erzählperspektive; an die Stelle des unbeteiligten Erzählers (auktoriale Situation) tritt die direkte Unterhaltung zwischen einem der Matrosen – die beiden anderen kommen in der Folge nicht mehr vor – und einer Frau, der er nach dem Anlegen begegnet. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden sich nicht nur aus Frankreich kennen, sondern sich dort die Ehe versprochen und in NantesSeit dem Mittelalter war Nantes die historische bretonische Hauptstadt gewesen, ehe durch Verfügung des Vichy-Regimes 1941 die Stadt und das umgebende Département Loire-Atlantique (auf Bretonisch Liger-Atlantel, Ordnungsnummer 44) von der neuzeitlichen Verwaltungsregion Bretagne (Breizh) abgetrennt wurde. Mit Bretagne réunie, 44 = Breizh und Breizh 5/5 gibt es im 21. Jahrhundert aber eine Reihe von Vereinen und Bewegungen, die die Wiedervereinigung aller fünf bretonischen Départements anstreben. sogar schon gemeinsam Trauringe angeschaut hatten. Allerdings waren beide mittellos, so dass sie das Versprechen nicht einhalten konnten. Aufgrund welcher Umstände sie damals getrennt wurden, beantwortet das Lied ebenso wenig wie die Frage, was die Frau „über den großen Teich“ verschlagen hat.

An dieser Stelle des Liedes, mit der achten Strophe, wechselt das Tempus von der Vergangenheits- in die Zukunftsform (futur simple) – das Paar spricht also darüber, was sie ab jetzt tun werden. Dabei beschreibt die Frau ihrer beider materielle Situation detailliert und anschaulich: „Wir besitzen kein Haus und keinen Halm [sinnbildlich für einen Acker], nicht einmal ein Bett, weder Laken noch Zudecke oder Kopfkissen. Es fehlen uns Essnapf und Löffel und alles, woraus wir Brot backen können“ (Nous n’avons ni maison ni paille, ni lit pour dormir la nuit, […] ni drap ni couverture ni édredon sous la tête, […] ni écuelle ni cuiller. […] Ni de quoi faire du pain). Er hält dem entgegen, dass sie sich einfach die Natur zum Vorbild nehmen sollen: „Wir machen es wie das Feldhuhn und schlafen auf dem Boden; und so wie die Schnepfe stehen wir bei Sonnenaufgang auf“ (Nous ferons comme la perdrix: nous dormirons sur la terre. Nous ferons comme la bécasse: quand le soleil se lève elle va courir). Mit der anschließenden Erklärung, sein Lied sei nun zu Ende, aber „setze es fort, wer das vermag“, lässt er offen, ob sich die skeptische Vernunft oder die naive Liebe durchsetzt und die Beziehung des Paares diesmal eine Fortsetzung findet. Dieser offene Schluss ermöglichte es zudem, durch Hinzudichtung weiterer Strophen die Dauer des Tanzes zu verlängern.Bernard Lasbleiz, Tri martolod à travers les mailles du filet, 1999, S. 16.

Alan Stivells Fassung von 1972 mini|Harfenist Alan Stivell (links) 2012 im Olympia mit einer bretonischen Bagad Alan Stivell hat in seinen frühen Schallplattenfassungen lediglich die ersten sechs Strophen verwendet (siehe den bretonischen Text und die deutsche Übersetzung hierunter);Stivells 1972er-Fassung bei YouTube andere Versionen wie etwa die von Tri Yann sind länger ausgefallen. Dass ihnen mit der Kurzfassung der Hauptteil der Handlung mit seiner überraschenden Wendung verborgen blieb, dürfte Anfang der 1970er aber nur einem sehr kleinen Teil der Zuhörer bewusst geworden sein, denn die Zahl der Franzosen, die die bretonische Sprache wenigstens passiv beherrschten, war seinerzeit äußerst gering. Deren Gebrauch wurde durch die von Stivell und anderen ausgelöste Rückbesinnung auf die eigenständige bretonische Kultur ja erst „wiederbelebt“.Seit die Zentralregierung in Paris 1977 mit der Bretonischen Kulturcharta in der Bretagne den bilingualen Unterricht (Französisch und Bretonisch) an allen Schulen zugelassen hatte, stieg die Zahl der daran teilnehmenden Schüler von 1.774 (1992) auf mehr als 14.000 (2012) – Jean-Jacques Monnier und Jean-Christophe Cassard, Toute l’histoire de Bretagne, 2014, S. 813. Eine Untersuchung der Regionalregierung ergab für 2024, dass in den fünf Départements, also einschließlich Loire-Atlantique, rund 107.000 Menschen des Bretonischen mächtig sind – La langue bretonne à la relance., Le Télégramme vom 6. September 2025, S. 3. Dessen ungeachtet nahmen schon damals bald „Bands und Orchester selbst in [Pyrenäenorten wie] Tarbes und Pau Stücke wie Tri martolod […] in ihr Repertoire auf“.Jean-Jacques Monnier und Jean-Christophe Cassard, Toute l’histoire de Bretagne, 2014, S. 773.

Zwei thematische Aspekte dieses Lieds waren dem Sänger persönlich nicht ganz unvertraut. So hatte er bereits 1970 auf seiner LP Reflets ein Je suis né au milieu de la mer betiteltes Stück über die Armut von Seemannsfamilien veröffentlicht. Und die Abwanderung von Bretonen aus ihrer Heimat hatte auch seine eigenen Familie betroffen; sowohl seine in der Landwirtschaft tätigen Großeltern väterlicherseits als später auch einer ihrer Söhne, Alans Vater, waren aus dem Morbihan nach Paris gezogen, wo sie sich ein besseres Auskommen erhofften.Laurent Bourdelas, Alan Stivell, 2017, S. 20 und 62.

Während Stivells Konzert im Olympia geschah etwas, das in dem ehrwürdigen Musiktheater absolut ungewöhnlich war: Teile des Publikums standen auf und begannen zu dem Stück zwischen den Stuhlreihen zu tanzen. Dies sollte sich ein Jahr später bei einem Auftritt im Bobino wiederholen.Laurent Bourdelas, Alan Stivell, 2017, S. 76 und 80. Allmusic erklärt dies mit den Worten, „die emotionalen Schwingungen während des gesamten Vortrags [seien] durchweg reizvoll, weit über die [rational] erfassbaren musikalischen Qualitäten hinaus“.Review der Konzertaufzeichnung von Bruce Eder bei allmusic.com Der Künstler selbst, der das Lied 1972 anfangs lediglich als eines von mehreren bretonischen Liedern für seinen Olympia-Auftritt ausgewählt hatte, äußerte 2012 im Rückblick dazu, dieses Lied sei „kein emblematischer Rock-Song gewesen; vielleicht war es gerade das, was dem Publikum so gefallen hat.“Artikel „L’hymne bis“ aus dem Magazin Bretons, Heft 80, Oktober/November 2012 Tatsächlich wurden von der Langspielplatte im ersten Jahr nach ihrem Erscheinen rund 150.000 Exemplare verkauft,Laurent Bourdelas, Alan Stivell, 2017, S. 77. in den folgenden Jahren etwa 50.000 weitere.Artikel „Alan Stivell, aus vielen Richtungen beeinflusst“ vom 29. Februar 2008 bei telerama.fr Zahlen für die Single werden in der verwendeten Literatur nicht angegeben.

Tri martolod yaouank tra la la la la la la la la la Tri martolod yaouank o voned da veajiñ O voned da veajiñ, gê! O voned da veajiñ.

Gant ’n avel bet kaset tra la la … Gant ’n avel bet kaset betek an Douar Nevez Betek an Douar Nevez, gê! Betek an Douar Nevez.

E-kichen mein ar veilh tra la la … E-kichen mein ar veilh o deus mouilhet o eorioù O deus mouilhet o eorioù, gê! O deus mouilhet o eorioù.

Hag e-barzh ar veilh-se tra la la … Hag e-barzh ar veilh-se e oa ur servijourez E oa ur servijourez, gê! E oa ur servijourez.

Hag e c’houlenn ganin tra la la … Hag e c’houlenn ganin pelec'h 'n eus graet konesañs Pelec’h ’n eus graet konesañs, gê! Pelec’h ’n eus graet konesañs.

E Naoned er marc’had tra la la … E Naoned er marc’had hor boa choazet ur walenn Hor boa choazet ur walenn, gê! Hor boa choazet ur walenn.

Drei junge Matrosen, tra la la … Drei junge Matrosen machten sich auf die Reise Machten sich auf die Reise, he ho! Machten sich auf die Reise

Unterstützt von den Winden, tra la la … Unterstützt von den Winden bis in die Neue Welt Bis in die Neue Welt, he ho! Bis in die Neue Welt.

Nahe einem Mühlenstein, tra la la … Nahe einem Mühlenstein haben sie den Anker fallen gelassen Haben sie den Anker fallen gelassen, he ho! Haben sie den Anker fallen gelassen.

Und in der Mühle, tra la la … Und in der Mühle, da war eine Dienstmagd Da war eine Dienstmagd, he ho! Da war eine Dienstmagd.

Und die fragt mich, tra la la … Und die fragt mich, woher wir uns kennen Woher wir uns kennen, he ho!