mini|Stadtansicht vom Schloss Schillingsfürst
Schillingsfürst () ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach, Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schillingsfürst und Teil der Metropolregion Nürnberg.
Geographie Geographische Lage Die Stadt Schillingsfürst liegt im Naturpark Frankenhöhe.
Die Stadt befindet sich auf der Europäischen Hauptwasserscheide Nordsee/Schwarzes Meer. Genauer fließt der Davidsbach nach Westen über den Wohnbach hin zu Tauber, Main, Rhein und schließlich zur Nordsee; in Richtung Südsüdwest fließt die Wörnitz zur Donau, nach Südosten fließt die Sulzach ebenso zur Wörnitz und Donau, während im Nordosten der Stilzendorfer Bach über den Hagenbach und die Altmühl ebenfalls zur Donau und somit zum Schwarzen Meer entwässert.
Die Nachbargemeinden von Schillingsfürst sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Gebsattel, Buch am Wald, Leutershausen, Dombühl, Wörnitz und Diebach.
Gemeindegliederung Es gibt 21 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Ober- und Untermühle gehörten zu Schorndorf und sind beide mittlerweile zur Wüstung geworden. Frankenheim galt bis 1961 als Gemeindeteil von Schillingsfürst, danach ist es im Wesentlichen in der Frankenheimer Straße, einer Ortsstraße von Schillingsfürst, aufgegangen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Faulenberg, Schillingsfürst und Stilzendorf. Die Gemarkung Schillingsfürst hat eine Fläche von 6,444 km² und ist in 853 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Bersbronn, Fischhaus, Marienhof, Oelmühle, Schafhof, Schmeermühle, Stützenhof, Thiergartenhof, Wittum und Ziegelhütte.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Der Ort „Xillingesfirst“ ist erstmals in einer Wildbannurkunde von Kaiser Otto III. für den Bischof Heinrich von Würzburg, ausgestellt am 1. Mai 1000, als Grenzpunkt zehn genannt. Ab Grenzpunkt neun „Breitenbrunnen“ bildet in dieser Urkunde die Altstraße die Grenze des Wildbannbezirks: auf dem Höhenrücken Xillingesfirst oberhalb von Leipoldsberg gelegen, bis zum Grenzpunkt Perenwarda (wo dieser Punkt sich befand, ist nicht lokalisierbar; es könnte sich dabei um eine Befestigungsanlage oder eine Wildwarte gehandelt haben).regesta-imperii.de (MGD O III. Nr. 358) Urkunde vom 1. Mai 1000 Bild mit Übersetzung
mini|Schloss Schillingsfürst Bereits 1300 war Schillingsfürst im Besitz des Hauses Hohenlohe. Nachdem die Schillingsfürster Linie ausgestorben war, übernahm um 1300 die verwandte, ebenfalls zum Uradel zählende Hohenlohe-Familie die Burg und das dazugehörende Dorf Frankenheim, das sich unterhalb der Burg befand und aus dem sich die heutige Stadt entwickelte.urlaub-bayern-ferien.de 1316 wurde die Burg von Ludwig dem Bayern zerstört. Seit 1500 war Schillingsfürst dem Fränkischen Reichskreis bzw. der Fränkischen Grafenbank zugeordnet. Die wiederaufgebaute Burg wurde im Bauernkrieg 1525 niedergebrannt. Die zum dritten Mal erbaute Burg wurde 1632 im Dreißigjährigen Krieg wiederum zerstört. Am 21. Mai 1744 erhob Kaiser Karl VII. Reichsgraf Philipp Ernst von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst und Reichsgraf Karl Philipp von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein und ihre Nachkommen zu Reichsfürsten. Ihre Landesteile wurden erst am 14. August 1757 durch Kaiser Franz I. zum Reichsfürstentum erhoben. Unter Fürst Karl Albrecht erfuhr Schillingsfürst 1753–1793 eine erste wesentliche Erweiterung durch planmäßige Siedlungspolitik. Auf die Zuwanderung von Handwerkern und Fahrenden seit 1758 wird auch das von sozial schlechter gestellten Bürgern zum Teil noch heute gesprochene Schillingsfürster Jenische zurückgeführt.Edith Nierhaus-Knaus: Geheimsprache in Franken – Das Schillingsfürster Jenisch. Verlag J. P. Peter, Rothenburg ob der Tauber 1973. Es stellt jedoch keine lokale Besonderheit dar, sondern entspricht in seinem Wortschatz allgemein dem auch schon wesentlich früher im süd- und südwestdeutschen Sprachraum verbreiteten Rotwelsch.Siegmund A. Wolf: Rezension zu Edith Nierhaus-Knaus, in: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 44,2 (1977)', S. 177–179. 1792 wurde ein Jägerregiment aufgestellt, die Keimzelle der späteren französischen Fremdenlegion. Zwischen 1500 und 1806 war Hohenlohe, vertreten durch Hohenlohe-Neuenstein, somit auch Schillingsfürst, ein Teil des Fränkischen Reichskreises.
Das benachbarte Markgraftum Ansbach ging 1792 vom letzten Markgrafen Karl Alexander in preußischen Besitz über. Seine Resignation im Jahr 1791 zu Gunsten des preußischen Königs Friedrich Wilhelms II. brachte eine massive Störung im politischen Gleichgewicht des Reichskreises. Freiherr Karl August von Hardenberg nahm als bevollmächtigter Minister die Ansbacher und Bayreuther Stimme im Kreiskonvent wahr. Der Konvent tagte zur damaligen Zeit aufgrund der Gefahr, die von den französischen Revolutionärsheeren ausging, permanent. Die aggressive Gebietspolitik Preußens in Franken war ebenfalls Thema, vor allem für die kleineren Kreisstände. Der dirigierende Minister Karl August Freiherr von Hardenberg versuchte durch Aufkäufe von Herrschaften das Gebiet zu arrondieren, was aber nur teilweise gelang. Er erhöhte den Druck auf die reichsritterschaftlichen Gebiete durch herrschaftliche Eingriffe und militärische Aktionen, die größtenteils dem Reichsrecht zuwider standen. Außer Protesten und Klagen in Wien und den dortigen Bescheiden, bis hin zu Exekutionsbeschlüssen, war jedoch nichts zu erlangen, geschweige denn diese Exekutionsbeschlüsse durchzusetzen. So wurden fast alle Akten des Archivs und der Registratur des Kantons Altmühl am 22. November 1796 überfallmäßig durch eine Regierungskommission aus Ansbach beschlagnahmt und nach Ansbach geschafft, um den reichsritterlichen Herren wichtige Dokumente für die Prozessführung zu entziehen. Dabei wurden auch Soldaten eingesetzt. Dem waren zuvor schon preußische Patentanschläge in den an Ansbach-Bayreuth angrenzenden ritterlichen Herrschaften und Reichsstädten im Februar und März 1792 vorausgegangen.Michael Puchta: Mediatisierung »mit Haut und Haar, Leib und Leben«: Die Unterwerfung der Reichsritter durch Ansbach-Bayreuth (1792–1798), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2012. ISBN 978-3-525-36078-1 In Schillingsfürst kam man dem zuvor, dort wurden mit einem umfassenden Landesvergleich die bestehenden verworrenen nachbarschaftlichen Verhältnisse neu geregelt. Im Vorfeld wurden sogar Untertanen ausgetauscht und 1804 eine neue und wesentlich schlüssigere Landesgrenze über 26 Kilometer Länge mit ca. 100 neuen, repräsentativen Grenzsteinen festgelegt, wovon 75 als Originale heute noch stehen.nordbayern.de Bericht zur Ergänzung der Grenzsteine Für die kleineren Herrschaftsgebiete bahnten sich durch den Friedenskongress von Rastatt bereits die weitreichenden Folgen an (Aufteilung von Territorien zwischen Bayern und Preußen), die dann durch den am 25. Februar 1803 in Regensburg verabschiedeten und mit der kaiserlichen Ratifikation am 27. April 1803 in Kraft getretenen Reichsdeputationshauptschluss Wirklichkeit wurden: die fränkischen Bistümer Würzburg und Bamberg wurden bayerisch. Das Hochstift Eichstätt wurde als Entschädigungsmasse dem Großherzogtum Toskana zugewiesen, bis es im Jahr 1805 ebenfalls an Bayern fiel. Am 15. Dezember 1805 ging das Fürstentum Ansbach im Tausch gegen das Kurfürstentum Hannover an Frankreich und 1806 an das Königreich Bayern. Durch die am 12. Juli 1806 in Paris geschlossene Rheinbundakte kam die Reichsstadt Nürnberg zu Bayern und verlor damit die Reichsunmittelbarkeit. Die Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 durch Kaiser Franz brachte die Auflösung des Reiches und der alten Reichsverfassung.Claus Grimm ‘‘Reichsstädte in Franken‘‘ Band 15,1, Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur, Herausgeber: Bayerische Staatskanzlei 1987; Peter Fleischmann V. Das Ende des fränkischen Kreises, S. 121–123.Rudolf Endes: Zur Geschichte des fränkischen Reichskreises. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 29, 1969, S. 168–183. Das Schillingsfürster Land blieb von diesen Umwälzungen zunächst verschont, bis mit der Bildung der Königreiche Bayern und Württemberg auch das Fürstentum Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst mediatisiert wurde.Bayerische Deklaration vom 19. März 1807 über die künftigen Verhältnisse der der königlichen Souveränität unterworfenen Fürsten, Grafen und Herrn zu den verschiedenen Zweigen der Staatsgewalt. Die Besitzungen um die Exklave Schillingsfürst kamen zu Bayern, die Fürsten wurden Reichsräte der Krone Bayern.
Mit dem Gemeindeedikt wurde der Steuerdistrikt Schillingsfürst gebildet. Zu diesem gehörten Bersbronn, Bronnenhaus, Ebertsmühle, Fischhaus, Frankenheim, Oelmühle, Schafhof, Schmeermühle, Stützenhof, Thiergartenhof, Wittum und Ziegelhütte. Zugleich entstand die Munizipalgemeinde Schillingsfürst, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Herrschaftsgericht Schillingsfürst (1840 in das Landgericht Schillingsfürst umgewandelt) und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Ab 1824 gehörte Schillingsfürst zum Rentamt Rothenburg ob der Tauber (1919 in Finanzamt Rothenburg ob der Tauber umbenannt). Bronnenhaus wurde nach 1861 nach Stilzendorf umgemeindet. Ab 1862 übernahm das neu gebildete Bezirksamt Rothenburg ob der Tauber die Verwaltung (1939 in Landkreis Rothenburg ob der Tauber umbenannt). In der Gerichtsbarkeit blieb das Landgericht Schillingsfürst zuständig (1879 in Amtsgericht Schillingsfürst umbenannt), von 1928 bis 1973 war es das Amtsgericht Rothenburg ob der Tauber. Die Gemeinde Schillingsfürst hatte 1964 eine Fläche von 11,303 km².
Stadt Am 4. November 1959 wurden dem damaligen Markt Schillingsfürst die Stadtrechte verliehen.Mitteilungsblatt der Stadt Schillingsfürst, 45. Jg., Nr. 52/52, S. 1.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Stilzendorf und am 1. Januar 1977 die Gemeinde Faulenberg eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2291 auf 2835 um 544 Einwohner bzw. um 23,8 %.
Gemeinde Schillingsfürst Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2005 2011 2015Einwohner 1480 1498 1652 1668 1604 1606 1625 1640 1615 1630 1631 1526 1599 1558 1599 1598 1586 1510 2449 2196 1897 2082 2290 2832 2787 2777HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 300 303 292 297 300 290 288 296 343 609 732 737Quelle Für die Gemeinde Schillingsfürst zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Bersbronn (S. 9), Bronnenhaus (S. 13), Fischhaus (S. 26), Frankenheim (S. 26), Oelmühle (S. 70), Schafhof (S. 80), Schmeermühle (S. 82), Stützenhof (S. 90), Thiergarten (S. 91), Wittumhof (S. 104) und Ziegelhütte (S. 106). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis 1953 hatte die Gemeinde 1482 Einwohner. Schillingsfürst: 943 Einwohner; Frankenheim: 428 E. Schillingsfürst: 920 Einwohner; Frankenheim: 437 E. Schillingsfürst: 943 Einwohner, 159 Wohngebäude; Frankenheim: 437 E., 87 Wgb. Schillingsfürst: 890 Einwohner, 160 Wohngebäude; Frankenheim mit Oel- und Schmeermühle: 394 E., 82 Wgb. Schillingsfürst: 992 Einwohner, 162 Wohngebäude; Frankenheim mit Oel- und Schmeermühle: 400 E., 80 Wgb.
Ort Schillingsfürst (inkl. Frankenheim) Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 1252 1280 1371 1357 1380 1284 1392 1944 1723 1911 1695Häuser 248 254 246 242 242 247 294 438Quelle
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Schillingsfürst hat 14 Mitglieder ohne den Bürgermeister. SPD CSU FWG FDP Gesamt 2002 2 6 5 1 14 Sitze 2008 2 7 4 1 14 Sitze 2014 3 6 5 – 14 Sitze 2020 3 6 5 – 14 Sitze
Bürgermeister