Die Kirche des Unbefleckten Herzens Mariens in Barciany () ist ein Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert. Bis 1945 war sie zentrales Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Barten in Ostpreußen. Heute ist sie eine römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. mini|150px|Der massive Kirchturm mini|150px|Der Altar mini|150px|Die Kanzel mini|150px|Die Orgel auf der Westempore mini|Kircheninnenansicht Geographische Lage Barciany am Flüsschen Liebe () liegt in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren an den Woiwodschaftsstraßen DW 590 und DW 591.

Der Standort der Kirche befindet sich südwestlich der Hauptstraße (DW 591).

Kirchengebäude Die Kirche Barten stammt wohl aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 78, Abb. 290 auch wenn eine Quelle aus dem 16. Jahrhundert 1325 bis 1330 ansetzt.Kirche in Barten bei ostpreussen.net Dem chorlosen Backsteinbau auf Feldsteinfundament wurden später Anbauten hinzugefügt: die Sakristei im Süden und eine Vorhalle im Norden. Den Ostgiebel baute man 1714 um, die zusätzliche südliche Vorhalle mit neuem geripptem Kreuzgewölbe entstand 1783. Der massive Kirchturm aus dem 16. Jahrhundert wurde von 1729 bis 1741 durch Maurermeister Hünchen und Zimmermann Effried aus Königsberg (Preußen) wiederaufgebaut und erhielt 1804 den Dachabschluss.

Der ursprünglich gewölbte Innenraum der Kirche erhielt eine flache Bretterdecke. Teile gotischer und barocker Wandbemalungen konnten freigelegt werden. Der Altar mit dem Wappen der Familie von Rautter stammt von 1643 und ist – ebenso wie die Kanzel von 1664 – eine einfache Schnitzarbeit. Aus dem 17. Jahrhundert stammt auch das Gestühl mit ausgemalten Fächern. Bemerkenswert ist der um 1750 entstandene Taufengel. Zarin Elisabeth von Russland soll der Kirche zwei Kronleuchter aus Messing geschenkt haben, signiert mit einem Doppeladler, einer 1699 angefertigt, der andere „renov. 1751“.

Die Orgel des Königsberger Orgelbaumeisters Adam Gottlob Casparini von 1749/50 war einmanualig und hatte zwölf Register, aber ohne Pedal.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band I: Mosengel, Caspari, Casparini. Berlin 2008, S. 326–330 Letzteres wurde erst 1861 mit vier Registern durch den Orgelbauer Johann Rohn aus Wormditt () ergänzt. Zuvor war das Instrument 1820 von Orgelbauer Johann Scherweit umfangreich restauriert worden. 1934 war die Orgel unspielbar und wurde von Orgelbauer Emanuel Kemper instand gesetzt. Die dabei ausgetauschte Klaviatur blieb erhalten und konnte so im Jahre 2003 zur Rekonstruktion der Casparini-Orgel der katholischen Heilig-Geist-Kirche in Wilna () herangezogen werden.

Das Geläut der Kirche besteht aus drei Glocken.

In den Jahren 1989/90 wurde die Kirche grundlegend renoviert und entsprechend den veränderten römisch-katholischen Bräuchen umgestaltet. Sie ist dem Unbefleckten Herz Mariä gewidmet.Parafia Barciany im Erzbistum Ermland

Kirchengemeinde Die Kirche Barten ist vorreformatorischen UrsprungsWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 473 und wurde mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen lutherisch.

Evangelisch Kirchengeschichte Bereits im Jahre 1528 amtierte an der Kirche in Barten ein evangelischer Geistlicher.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg, 1968, S. 20 Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg tat noch ein zweiter Pfarrer zusätzlichen Dienst. Die Kirchengemeinde gehörte zur Inspektion Rastenburg (), dann bis 1945 zum Kirchenkreis Rastenburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. 3880 Gemeindeglieder zählte das Kirchspiel Barten im Jahre 1925. Sie wohnten in einem die Stadt Barten und etwa 20 Ortschaften umfassenden Sprengel.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung bereiteten der evangelischen Gemeinde in dem dann Barciany genannten Dorf ein vorläufiges Ende. Heute gibt es wieder eine kleine Gemeinde mit einer eigenen Kapelle. Sie ist eine Filialgemeinde der Pfarrei in Kętrzyn in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Barten gehörten bis 1945 neben der Stadt Barten noch 18 Orte, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name * Baumgarten Ogródki Modgarben Modgarby * Dombehnen Dębiany Plienkeim, Adlig ~ Plinkajmy Małe * Freudenberg Radosze Plienkeim, Köllmisch ~ Plinkajmy Jankenwalde Jankowice * Sansgarben Gęsie Góry Kudwinnen Kudwiny * Sausgörken Suchawa Lenzkeimbis 1904: Sorgenstein Łęsk Silzkeim Gumniska Marienwalde Wólka Jankowska Skandlack Skandławki * Meistersfelde Gęsiki * Taberwiese Taborzec Milchbude Pastwiska Wickerau Wikrowo

Pfarrer (1528 bis 1945) An der Kirche Barten amtierten zwischen 1528 und 1945 als evangelische Geistliche die Pfarrer: Christoph Meddingen, 1528–1535 Johann N., 1552 Georg Cellinus, 1553–1567 Christoph Sperber, 1568–1615 Georg Platanus, 1582–1588 Stanislaus Wendenberg, 1596 NN. Michael Breuer, ab 1618 Michael Glaser, bis 1640 Stanislaus Wannowius, 1654–1665 Christoph Fröhlich, 1665–1678 Andreas Grassius, bis 1666 Martin Freyhut, ab 1666 Ernst Schultz, 1679–1684 Paul Owander, 1684–1713 Georg Stabenau, 1687–1715 Matthias Leonhard Northoff, 1713–1725 Johann Friedrich Domeyer, 1716–1720 Georg Chr. Rhenius, 1720–1731 Christoph Keiper, 1726–1742 Michael Pisanski, 1732–1733 Jacob Friedrich Roscius, 1735 Michael Nitzki, 1736–1742 Johann Friedrich Faber, 1742–1746 Johann Friedrich Kahnert, 1742–1752 Georg Albert Rogalla, 1747–1801 Johann Gottfried Keip, 1755–1763 Michael Chr. Schiffert, 1763–1786 Gerhard Gottfried Vogler, 1786–1803 Friedrich Chr. Morzfeld, 1801–1814 Karl Wilhelm Mattern, 1803–1825 Johann Gottlieb Behnisch, 1814–1822 Johann Ferdinand Hoewig, 1823–1829 Johann Karl Friedrich Engel, 1826–1849 Friedrich Wilhelm Wogram, 1830–1838 Julius Otto Ed. Meyhöfer, 1838–1851 Gustav Peter Westphal, 1847–1848 Heinrich Hermann Gottfried Grämer, ab 1850 Friedrich Eduard Michalik, 1851–1864 Friedrich Tappenteit, 1856–1872 Eduard Leo Wilhelm Neide, 1864–1866 Ludwig Fr. A. Hoffmann, 1866–1873 Julius Gustav Ludwig, 1873–1876 Johann Theodor Gustav Glodkowski, 1873–1882 Heinrich Otto Emil Krantz, 1885–1886 Friedrich Wilöhelm Mäkelburg, 1886–1927 Richard Alfred Roseé, 1887–1898 Leo Adolf Stamm, 1899–1909 Otto Nikutowski, 1910–1920 Erich Buchholz, 1928–1930 Friedrich Brenner, 1930–1932 Franz Klinschewski, 1933–1935 Hans-Werner Surkau, 1935 Fritz N., bis 1937

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Barten haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Berlin 1992³, S. 23–24 Taufen: 1743 bis 1944 Trauungen: 1748 bis 1764, 1787 bis 1944 Begräbnisse: 1757 bis 1944 Konfirmationen: 1886–1928 Kommunikanten: 1787 bis 1806, 1825 bis 1845, 1836 bis 1882, 1846 bis 1944. Zur Verfügung stehen dazu noch zahlreiche Namenslisten bzw. alphabetische Register.

Römisch-katholisch In der Region Barten lebten vor 1945 nur wenige Katholiken. So waren es in der Stadt Barten 1925 lediglich 24, gegenüber 1293 evangelischen Kirchengliedern. Eingepfarrt waren sie in die Kirche Rastenburg im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg) im damaligen Bistum Ermland.

Mit der Neuansiedlung vor allem polnischer Bürger nach 1945 stieg im Gebiet Barciany die Zahl der katholischen Einwohner stark an. Es bildete sich eine römisch-katholische Gemeinde, die das bisher evangelische Gotteshaus für sich reklamierte und es zu ihrer Pfarrkirche machte. Die nach dem Unbefleckten Herz Mariä benannte Pfarrei () gehört heute zum Dekanat Kętrzyn II im jetzigen Erzbistum Ermland. Neben dieser Gemeinde gibt es in Barciany noch eine Griechisch-katholische Kirchengemeinde.

Verweise Weblinks

Historische Aufnahmen von Kirche und Stadt und Burg Barten

Einzelnachweise

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