Leo Friedrich, wirklicher Name: Leo Hermann (* 6. Mai 1842 in Wien; † 2. August 1908 in BerlinÖsterreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. S. 288, Hermann, Leo; Ps. Friedrich Leo (1842–1908), Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller) war ein österreichischer und deutscher Schauspieler sowie Lehrer für Dramaturgie, Regisseur und Schriftsteller.

Leben und Wirken Der Sohn eines Zahnarztes in Österreichs Hauptstadt absolvierte zu Zeiten von Erzherzog Heinrich eine militärische Ausbildung als Kadett, zu der auch „Benimm- und Tanzunterricht“ gehörte. Auf Grund seiner schauspielerischen Begabung schloss er sich im 21. Lebensjahr einem reisenden Schauspieltrupp in der Steiermark an und wirkte seit 1869 am Theater in der Josefstadt in Wien. 1870/1871 war er Charakterspieler am Theater an der Wien. Dort spielte er in der Operette Die Banditen von Jacques Offenbach mit.Rollen-Porträt aufgenommen von Fritz Luckhardt, Wien; Theatermuseum Wien, Onlinesammlung

Namensänderung Ursprünglich lautete sein Familienname Loewy,als Leo Friedrich Löwy geboren, laut auch Levy geschrieben. Er ließ ihn 1871 amtlich in Hermann ändern, als er den Beruf des Schauspielers bereits ausübte. Danach legte er sich das Pseudonym Leo Friedrich zu, wobei „Friedrich“ ehemals sein zweiter, offizieller Vorname war. Damit einher erfolgte sein Austritt aus dem mosaischen Glauben. Anschließend trat er in die römisch-katholische Kirche ein.Anna L. Staudacher: „... meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“. [18000 Austritte aus dem Judentum in Wien, 1868–1914: Namen – Quellen – Daten] Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am M. / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Oxford / Wien 2009, ISBN 978-3-631-55832-4, S. 378 Der Schriftsteller und Journalist sowie Theaterkritiker Siegfried Loewy (1857–1931) war sein jüngerer Halbbruder.

Burgschauspieler Im Jahre 1871 wechselte der junge Schauspieler an das Hofburgtheater. In seinen ersten Bühnenauftritten spielte er hier die Rollen des „Streichbergers“ im Geadelten Kaufmann, „Don Cletos“ in Rezept gegen Schwiegermutter und des „Schulmeisters“ in Deborah. Zu seinen Hauptrollen zählten weiter „Duperron“ in Der arme Marquis, „Cimber“ in Julius Cäsar, „Cheops“ in Atho, der Priesterkönig und „Franz Moor“ in Die Räuber. Am Burgtheater wurde er zeitweilig als Komparserie-Direktor und Regisseur eingesetzt.Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band 2, 6. Auflage, Leipzig 1913, S. 286.

Lehrkraft am Wiener Konservatorium Im Jahre 1877 schied Leo Friederich als Hofschauspieler aus, um sich in Vollzeit seiner seit 1874 bestehenden Nebentätigkeit als Professor am Wiener Konservatorium für die Fachgebiete „dramatische Darstellung“ und „mündlicher Vortrag“ zu widmen. Zudem wirkte er als Regisseur an der Opernbühne des Wiener Konservatoriums. Die Dresdner Opernsängerin Mathilde Fröhlich (1967–1934) gehörte zu seinen Schülerinnen ebenso wie die Schauspielerin und Gründerin einer Theaterschule in Frankfurt am Main im Jahre 1896 Thessalia Klinkhammer (1859–1934).

Leiter des Schlosstheaters in Tata (Ungarn) Vorübergehend leitete Leo Friedrich das 1888 fertiggestellte, private Schlosstheater im ungarischen Tata (deutsch: Totis) des Grafen Esterhazy (1839–1897).

Auszeichnung Zu seinen Auszeichnungen gehörte eine goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft,Leo Friedrich: Heitere Vorträge für Salon und Vereine, Dritter Band. Vermerk auf dem (Innen-)Titelblatt die ihm von der Gesellschaft „Promotore“ in NeapelAdolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger 1889; Digitalisat der Wien-Bibliothek verliehen wurde.

Professor am Stern’schen Konservatorium in Berlin Ab 1890 wirkte Leo Friedrich am Stern’schen Konservatorium in Berlin.Standort des Konservatoriums in der Bernburger Straße 22a Er wohnte mehrere Jahre während seiner Berliner beruflichen Tätigkeit in der SchönebergerNeuer Theater-Almanach. Theatergeschichtliches Jahr und Adressen-Buch. 20. Jahrgang 1909, S. 172: Sterbedatum: 2. August 1908, als Sterbeort wird „Wien“ genannt, was laut anderer, neuerer Quellen, jedoch Berlin/Brandenburg war. Martin-Luther-Straße. Am Konservatorium arbeitete Friedrich an der zugehörigen „Opernschule“ und er war zugleich Leiter der versuchsweise neu eingerichteten „Schauspielschule“. Nach dem Ableben von Friedrich führte der Rezitator Bruno Tuerschmann die Schauspielschule weiter.Wilhelm Klatte, Ludwig Misch: Das Sternsche Konservatorium der Musik zu Berlin: 1850–1925. Festschrift zum 75jährigen Jubiläum. S. 50, 51.

Ruhestätte: Evangelischer Friedhof Matzleinsdorf Seine letzte Wohnung in Deutschland befand sich in der Charlottenburger Rankestraße.Seinerzeit war Charlottenburg eine selbständige Gemeinde in der Provinz Brandenburg. Friedrich wurde auf dem Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf in Österreichs Hauptstadt bestattet. Er hinterließ drei erwachsene Kinder, zwei Söhne und eine Tochter.Wiener Abendpost, Nr. 177, Beilage zur Wiener Zeitung, 3. August 1908; Rubrik Theater, Literatur und Kunst, S. 5 Spalte 1 Seine Frau war schon Jahre zuvor verstorben. Ein Sohn, Fritz, war Schauspieler in Wien. Die Tochter, Hella Friedrich-Hermann, wohnte ebenfalls in Wien.Wien IX. Bezirk, Porzellangasse 60; Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, 1909, Band 2, S. 280, Spalte 3 In der Wiener Porzellangasse war auch Leo Friedrich – zuletzt vor seinem Umzug nach Berlin – ansässig,Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, 1905; Digitalisat der Wien-Bibliothek, Band 2, S. 316 Spalte 2 als er noch eine eigene Bühnenschule besaß.

Werke Heitere Vorträge für Salon und Vereine. [Eine Sammlung selbst verfasster und fremder Gedichte für den Vortrag eingerichtet und in öffentlichen Vorlesungen erprobt von Leo Friedrich. Einband mit Porträtfoto des Autors]. Daberkow’s Verlag, Wien o. Jahr (Erstveröffentlichung 1895); insgesamt 3 Bände. Nach Tische (Lustspiel). Mitautor: Karl Gröber (1847–). 1904.Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band 2. Leipzig 1913, S. 448. Jeanette (kleines Schauspiel), 1904 veröffentlicht. Die Nihilistin (Schwank) mit Karl Gröber verfasst.

Literatur

Friedrich, Leo (eigentlich Hermann). In: Neuer Theater-Almanach. Theatergeschichtliches Jahr und Adressen-Buch, 17. Jahrgang, 1906, S. 641 () – Friedrich, S. 210 (). Friedrich. In: Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band 2, Leipzig 1913, S. 286 (deutschestextarchiv.de).

Weblinks

Der Künstler als junger Schauspieler/Theatermuseum Wien, Onlinesammlung Theatermuseum Wien - Online-Sammlung: Porträt des Schauspielers 1871 Rollenporträt Leo Friedrich Rollenporträt Friedrichs als „Don Cleto, Arzt“ im Lustspiel Rezept gegen Schwiegermütter von Manuel Juan Diana (1818–1884); Theater an der Wien Rolle in Die Probiermamsell von Ottokar Franz Ebersberg (1833–1886) Zivilporträt: Leo Friedrich um 1880; Theatermuseum Wien – Online-Sammlung

Einzelnachweise

Kategorie:Hofschauspieler Kategorie:Burgschauspieler Kategorie:Theaterpädagoge Kategorie:Hochschullehrer (Stern’sches Konservatorium) Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1842 Kategorie:Gestorben 1908 Kategorie:Mann