Das Kloster Amelungsborn (auch Amelunxborn) ist eine Zisterzienser-Abtei, heute ein evangelisches Kloster am Südrande des Odfeldes bei Negenborn und Stadtoldendorf im Landkreis Holzminden östlich des Voglers an der B 64 in Südniedersachsen. Es ist nach dem Kloster Walkenried die älteste Gründung des Zisterzienserordens in Niedersachsen. Die Klosterkirche St. Marien ist zugleich Gemeindekirche der ehemaligen Klosterdörfer Negenborn und Holenberg. Kloster Amelungsborn ist Handlungsort des Romans Das Odfeld von Wilhelm Raabe.
Geschichte mini|Ansicht der Klosterkirche von Süden (2017)
Im Jahr 1124 erreichten Mönche aus dem niederrheinischen Zisterzienserkloster Altenkamp das ihnen von Siegfried IV., dem letzten Grafen von Northeim-Boyneburg und Homburg, zu einer neuen Klostergründung gestiftete Gelände westlich des heutigen Stadtoldendorf.Große Baudenkmäler. Heft 338. Kloster Amelungsborn. 5. Auflage Deutscher Kunstverlag, 1998, S. 2.
Die „villa Amelungsborn“, die ihren Namen nach der im Klosterareal noch heute nachweisbaren Quelle, dem „Born“ (Brunnen) des Amelung trägt, gehörte zu den Erbgütern des Fürstengeschlechts.N.C. Heutger: Das Kloster Amelungsborn im Spiegel der zisterziensischen Ordensgeschichte. Hildesheim 1968, S. 13. Am 5. Dezember 1129 wird das Kloster von Papst Honorius II. bestätigt, die Echtheit dieser Urkunde ist allerdings umstritten.
Eine Stiftungsurkunde liegt nicht mehr vor. Als wahrscheinlichstes Jahr der Stiftung gilt 1129, da laut Zisterzienser-Verzeichnissen am 20. November 1135 Abt und Konvent in das Kloster einzogen und zwischen der Stiftung und dem Einzug des Konvents üblicherweise sechs Jahre vergingen. Mit der Stiftung des neuen Zisterzienserklosters Amelungsborn verfolgte Graf Siegfried IV. von Boyneburg – ebenso wie mit dem Neubau der nahegelegenen Burg Homburg – das Ziel, sein Territorium fern seinem Stammsitz in Nordhessen abzusichern.Hans-Günter Partisch: Stadtoldendorf und seine Beziehungen zum Kloster Amelungsborn (; abgerufen am 16. November 2014).
1135 erfolgte die Weihe des Klosters durch Bischof Bernhard I. von Hildesheim. Die Besetzung erfolgte wie bei Walkenried und später auch bei Michaelstein bei Blankenburg von Altenkamp am Niederrhein aus, so dass Amelungsborn Enkelkloster von Morimond und Urenkelkloster von Cîteaux, dem 1098 gegründeten Stammkloster der Zisterzienser, war. Erster Abt des Klosters wurde 1141 Abt Heinrich I., ein Halbbruder des Grafen Siegfried IV.
Weitere Entwicklung und Tochtergründungen Die positive wirtschaftliche Entwicklung der Abtei ermöglichte die Ausbreitung des Ordens. Bereits 1138 stellte Amelungsborn den Gründungsabt für Kloster Mariental bei Helmstedt. 1145 entsandte Amelungsborn einen vollständigen Konvent zur Gründung des Klosters in Riddagshausen bei Braunschweig und wurde so zum Mutterkloster von Riddagshausen. Dort legten die Ordensbrüder eine Teichlandschaft für die Fischzucht an, die heute Naturschutzgebiet ist; von den ehemals 28 Teichen existieren heute noch elf.
Amelungsborn wurde Mutterkloster des reichen und mächtigen Kloster Doberan (im heutigen Bad Doberan) bei Rostock, dessen Besetzung 1171 und nochmals 1176 durch den von Amelungsborn ausgehenden Wendenbekehrer Mönch Berno veranlasst wurde. Dieser wurde im Jahr 1158 erster Bischof von Mecklenburg.
Die älteste Nachricht (zwischen 1199 und 1206)750 Jahre Wennigsen 1200–1950. Herausgegeben vom Vorbereitenden Ausschuß für die 750-Jahrfeier der Gemeinde Wennigsen. Gedruckt bei den Buchdruckwerkstätten Hannover, 1950, S. 8. über den Ort Wennigsen, die nur in einer Abschrift des 13. Jahrhunderts im Copialbuch des Klosters Amelungsborn überliefert ist, befindet sich in einer Urkunde des Hartbert (Bischof von Hildesheim 1199–1216)Liste der Bischöfe von Hildesheim sowie externer Link 20. November 2005, S. 31. In diesem Dokument wird beurkundet, dass Graf Bernhard von Poppenburg und Spiegelberg aus Wennigsen auf die Verwaltung des vom Kloster Amelungsborn seinem Vater übertragenen Salzwerkes in Swalenhusen salzhemmendorf.de; abgerufen am 16. November 2014. bei Hemmendorf verzichtet.
Weitere Enkelklöster wurden Kloster Isenhagen bei Wittingen und Kloster Wahlshausen (heute Fuldatal Ortsteil Wilhelmshausen) durch Riddagshausen sowie Dargun und Pelplin durch Doberan. Amelungsborn wurde das reichste und zugleich mit der ostdeutschen Kolonisationsbewegung am stärksten verbundene Kloster des welfischen Bereiches. Um 1280 lebten in der Zisterzienserabtei Amelungsborn 50 Chormönche und 90 Laienbrüder.
Auch nach der Entfremdung der hauptsächlich um Satow und Dranse gruppierten mecklenburgischen und brandenburgischen Güter im 14. Jahrhundert sicherte sich die Abtei Amelungsborn reichlich Besitz, der außer durch die Edelherren von Homburg, als Rechtsnachfolger des Gründers, insbesondere durch die Grafen von Everstein zwischen Weser und Leine freigiebig vermehrt wurde. Darunter befanden sich die teils aus gelegten Dörfern oder Weilern gebildeten Wirtschaftshöfe (Grangie): Allersheim bei Holzminden, Schnedinghausen bei Moringen, Erzhausen, Bruchhof und Holtershausen bei Greene, dazu Stadthöfe in Einbeck, Höxter und Hameln sowie Forstbesitz in der Nähe des Klosters. Für Hermann II. von Everstein und seine Frau Adelheid wurde Mitte des 14. Jahrhunderts im Chor der Klosterkirche ein vollplastisches Grabmal geschaffen.Grabmal Hermann von Everstein und Frau
1372 wirkte der Amelungsborner Mönch Jan von Brunswick als Schreiber einer illuminierten Wigalois-Handschrift für Herzog Albrecht I. von Braunschweig-Grubenhagen.
Nach der Reformation mini|Ansicht des Klosters von Süden bei Matthäus Merian, veröffentlicht 1654
Im 16. Jahrhundert geriet die Abtei Amelungsborn fast widerstandslos in landesfürstliche welfische Abhängigkeit. 1549 erfolgte die erzwungene Abtretung des reichen Außenhofes Allersheim bei Holzminden an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig. 1568, nach dem Regierungsantritt von Herzog Julius von Braunschweig, erfolgte die Einführung der Reformation und die Verbindung des Klosters mit einer Lateinschule. 1588 starb der erste evangelische Abt und Begründer der Klosterschule Andreas Steinhauer. Der Unterhalt der Lateinschule blieb Hauptaufgabe des Klosters. Der Direktor der Lateinschule wurde jeweils zum Prior des Klosters ernannt, die Lehrer waren Konventualen.
Seit dem Dreißigjährigen Krieg, als in Amelungsborn unter dem Landdrostenregiment Herzog Friedrich Ulrichs zeitweilig eine Kipper- und Wipper-Münze betrieben wurde, blieben die wirtschaftlichen Verhältnisse zerrüttet. So diente die nördlich gelegene Abtskapelle zwischenzeitlich als Molkerei.
1655 erließ der Herzog eine neue Klosterordnung und bestellte den in Holzminden neu eingesetzten Generalsuperintendenten des Braunschweigischen Weserdistriktes zum Abt des Klosters.
1760 wurde die Klosterschule durch Herzog Karl I. nach Holzminden verlegt und mit der dortigen Stadtschule vereinigt, aus der später das heutige Campe-Gymnasium hervorgegangen ist. Um 1810 endete jeder korporative Zusammenhalt, obgleich das Amt des Abtes auch im 19. Jh. weiter bestehen blieb. Als 1875 die schulischen Aufgaben des Klosters durch die Verstaatlichung der Schule endeten, bestand das Abtsamt noch als Ehrentitel für hohe braunschweigische Geistlichkeit fort.
1837 fiel das Kloster an Wolfenbütteler Konsistorialräte und war seit 1912 vakant, weil die Frage des Besetzungsrechts zwischen der Staatsregierung und der braunschweigischen Landeskirche umstritten war.
Ab 1874 wurden erste Restaurierungen durchgeführt, bei denen jedoch einige Gebäudeteile, wie der Kreuzgang und die Abtskapelle, gänzlich abgerissen wurden. mini|Carl Büttger: Kloster Amelungsborn, 1894
20. Jahrhundert Durch den Gebietsausgleich vom 1. August 1941 gelangte der Landkreis Holzminden vom Land Braunschweig zur preußischen Provinz Hannover. Gleichzeitig kam die Kirche zur Landeskirche Hannover. Der Kirchensenat trat in die Rechte des früheren Landesherrn ein und übernahm die Zuständigkeit für Kloster Amelungsborn.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Klosteranlage durch Kriegshandlungen schwer beschädigt. Am 6. April 1945 stießen amerikanische Truppen, aus Eschershausen und aus Bevern kommend, bis zum Kloster vor. Kurz vor dem Einmarsch wurde ein Verpflegungsdepot der Reichsregierung für die Bevölkerung freigegeben. 20 bis 30 Soldaten der Waffen-SS leisteten zunächst noch Widerstand mit leichten Waffen, bis sie ihre Munition aufgebraucht hatten und in Richtung Stadtoldendorf flohen. Obwohl Amelungsborn frei von deutschen Soldaten war, ließen die US-amerikanischen Truppen am 8. April Bombardierungen vornehmen und nahmen das Kloster unter heftigen Beschuss. Rund 21 Bombentreffer gingen auf die Häuser und Ställe der Klosteranlage nieder.
Das Längsschiff der Kirche erhielt einen Treffer und stürzte ein, der Südteil brach völlig zusammen, und die südliche Säulenreihe wurde völlig zerstört. Ebenso wurde das große Ostfenster von 1350 vernichtet. Artilleriefeuer setzte gegen 13 Uhr den Zeiger der Turmuhr außer Betrieb. Kanzel, Altar und Kirchenbänke nahmen schweren Schaden, ein Pfeiler im Chorraum drohte umzustürzen, alle Fenster wurden zerstört.Gedenktafel zum 6. April 1945 in der Klosterkirche flickr.com am 17. September 2006
Mit dem Wiederaufbau wurde 1954 begonnen, der zur Kirchweihe am 12. Juli 1959 weitgehend abgeschlossen war.
Neue Möglichkeiten für das Kloster brachte der Loccumer Vertrag, ein Staatsvertrag von 1955 zwischen dem Land Niedersachsen und den fünf evangelischen Landeskirchen. Die zuständigen kirchlichen Behörden konnten nun die Prälaturen Amelungsborn, Königslutter, Mariental und Riddagshausen ohne staatliche Mitwirkung regeln.
1960 wurde Christhard Mahrenholz neuer Abt, berief einen Konvent und gründete die Laienbruderschaft der Familiaritas. Der frühere Klosterbezirk, der bis dahin von der Braunschweig-Stiftung verwaltet wurde, ging 1965 wieder in den Besitz des Konvents über.
Die Verfassung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers vom 11. Februar 1965 besagt: „Das Kloster Amelungsborn ist eine geistliche Körperschaft in der Landeskirche, die landeskirchliche Aufgaben zu erfüllen hat. Die Oberaufsicht über das Kloster führt der Kirchensenat; er erläßt die Klosterverfassung und bestimmt im Einverständnis mit dem Landessynodalausschuss die landeskirchlichen Aufgaben des Klosters. Der Abt wird nach Anhörung des Konvents vom Kirchensenat ernannt.“ Der Konvent besteht heute aus dem Abt und acht Konventualen. Zur Familiaritas gehören etwa 40 Männer (Familiaren, Novizen und Hospitanten), die sich elfmal im Jahr zu Einkehrwochenenden im Kloster treffen.
Die Klostergebäude dienen heute als Tagungsstätte und sind eine Station am Pilgerweg Loccum–Volkenroda.
Postgeschichte mini|Poststempel von Amelungsborn
Im Klostergut gab es 1825 eine Postwärterei mit einem Postwärter, die 1842 geschlossen wurde. Ab 1847 bestand eine Postsammelstelle für die örtliche Korrespondenz. Die Postversorgung erfolgte über die durchfahrenden Postkutschen zwischen Eschershausen und Stadtoldendorf. Von 1840 bis 1842 fand ein Einkreisstempel „Amelunxsborn“ mit Datumstrich Anwendung. Ab 1843 gab es einen Zweizeiler-Stempel „Amelunxborn/Datum (Tag in Ziffern, Monat in Buchstaben)“ auf den Briefen.
Zur Entwicklung des Postwesens in Amelunxborn siehe: Postroute Braunschweig-Holzminden.
Klosteranlage