Die Burg Treswitz liegt in dem Ort Burgtreswitz, heute ein Teil des Oberpfälzer Marktes Moosbach. Die mittelalterliche Burg ist als Baudenkmal (D-3-6440-0048) in die Denkmalliste von Moosbach eingetragen. Ebenso wird sie als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-3-6440-0048 im Bayernatlas als „archäologische Befunde und Funde des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Bereich des Schlosses Burgtreswitz, zuvor mittelalterliche Burg“ geführt.
Geschichte Wie der Name Treswitz nahelegt, ist das Gebiet, in dem die Burg Treswitz liegt, zuerst von Slawen besiedelt worden. Im Hochmittelalter kam der Nordgau an die Grafen von Sulzbach, die eventuell diese Burg im frühen 12. Jahrhundert gründeten. Mit Gebhard III. von Sulzbach erlosch dieses bedeutende Geschlecht 1188 im Mannesstamm. Auf dem Heiratsweg, Gebhards Tochter Elisabeth hatte Graf Rapoto geehelicht, kamen diese Besitzungen an das Geschlecht der Ortenburger. Dazu gehörte auch Murach, der dortige Zweig der Ortenburger nannte sich von Ortenburg-Murach.
mini|Wappen der Draeswitz nach Siebmachers Wappenbuch von 1605
In einer Urkunde vom 8. März 1232 ist als ortenburgischer Ministerialer ein „Pernold der Jüngere, Sohn des Pernoldus von Draeswitz“, genannt. In einer weiteren Urkunde von 1255 wird als Zeuge „Siboto von Dreswitz“ erwähnt. Pernold der Jüngere ist vor dem 20. November 1256 verstorben. Seine Söhne Otto, Jordanus, Pernoldus, Martinus und Zezerna de Dreswitz sind durch Schenkungen an das Kloster St. Emmeram und die Propstei Böhmischbruck belegt. Das Domkapitel Regensburg nahm diese Brüder in seinen Schutz.
Ihren ersten Sitz hatten die Herren von Treswitz in Altentreswitz; der dortige Burgstall stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist später durch die Kirche St. Matthäus überbaut worden. Die Treswitzer verlagerten ihren Wohnsitz in das nahe gelegene Burgtreswitz. Die Besitzungen in Altentreswitz und Burgtreswitz schenkte Bernold von Treswitz um 1256 der Kirche Mariä Himmelfahrt in Böhmischbruck. Im gleichen Jahr schenkte Bernoldus miles de Dreaswitz dem Domkapitel Regensburg seinen Besitz in Böhmischbruck; seine Söhne Otto, Jordan, Pernold, Martin und Zezerna von Treswitz traten ihre Vogtei über Böhmischbruck an das Kloster St. Emmeram ab. Nach dem Verkauf an die Wittelsbacher zogen die Treswitzer nach Hohentreswitz, besaßen in Burgtreswitz aber noch Ländereien. Im 16. Jahrhundert ist dieses Geschlecht in Rothenstadt ausgestorben.
Graf Rapoto IV. von Ortenburg-Murach verkaufte am 6. November 1272 seine Besitzungen zwischen Donau und Böhmerwald an Herzog Ludwig II. aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Aus dem Herzogsurbar von ca. 1280 über das Viztumamt „jenseits der Donau“ geht hervor, dass dazu auch Treswitz gehörte. Noch in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind Einkünfte aus der Burg Draeswitz (der „zurückgegebenen Burg in Treswitz“, lat. Redditus castri) im Urbar des Viztumamtes Lengenfeld genannt. Als Zugehörungen zur Burg sind die Ortschaften Moosbach, Ödpielmannsberg, Tröbes, Burgtreswitz, Gebhardsreuth, Ragenwies und Waltenrieth ausgewiesen. 1304 wurde als erster Pfleger Konrad II. von Paulsdorf genannt.
Im Hausvertrag von Pavia von 1329 wird auch die Burg Treswitz genannt, die bei diesem Teilungsvertrag an die Pfalzgrafschaft bei Rhein fiel. Nach dem Ableben des Pfalzgrafen Rudolf II. drängte Pfalzgraf Ruprecht II. auf ein eigenes Fürstentum, wie es ihm nach seinem Vater Adolf von der Pfalz zustand; das wurde ihm am 18. Februar 1338 durch Kaiser Karl IV. bestätigt und Treswitz kam mit anderen Ortschaften (Nabburg, Neunburg vorm Wald, Murach) an ihn. In diese Zeit fiel auch die Bildung eines Pflegamtes Treswitz, dem die Urbarämter Eslarn, Waidhaus und Treswitz zugeordnet waren. Am Fürstentag von Passau am 17. Juli 1353 wurde Burg Treswitz an Kaiser Karl IV. verpfändet. 1353 ist als erster Richter Otto der Zenger nachgewiesen. Bei einer erneuten Landesteilung unter den Söhnen des nachgefolgten Ruprecht III. von der Pfalz fiel das Pflegamt Treswitz 1410 an den Pfalzgrafen Johann von Pfalz. Nach seinem Tod († 1443) wurde sein Sohn Christoph III., der durch Heirat auch König von Schweden (1441), Dänemark (ab 1440) und Norwegen (ab 1442) war, sein Nachfolger. Als Pflegsverwalter setzt er Hans von Parsberg und Hans von Wildenstein ein. Die Pfleger von Treswitz übten nur die niedere Gerichtsbarkeit aus, die Blutgerichtsbarkeit wurde vom Landgericht Nabburg und ab 1441 vom Landgericht Neunburg vorm Wald ausgeübt. Treswitz gehörte bis 1499 zum Herzogtum Pfalz-Neumarkt. Nach dem plötzlichen Tod Christophs III. kam die Obere Pfalz an Otto I. Er verpfändete Burg und Amt Treswitz an den früheren Pfleger Hans von Pleystein. Unter Otto II. musste der neue Pfleger Georg Zenger schriftlich bestätigen, dass er die Schuld von 800 Gulden an die Witwe des verstorbenen Hans von Pleystein entrichtet habe. Ab 1520 begann unter dem Pfleger Hans Degenreuter die Baurechnung der Burg.
1518 hatte die Burghut in Treswitz der Kaspar Grunschilt, der auch die Landsassenfreiheit besaß. Seine Nachfolger wurden der Hammermeister Hermann Eschenbegk und danach seine fünf Söhne Balthasar, Hans, Hans, Sebastian und Jörg. 1545 kam die Burghut an Paul Ott, dem aber die Landsassenfreiheit nicht mehr zustand. 1543 verlieh Friedrich II. dem Pflegamt ein Wappen, das heute das Wappen von Moosbach in der Oberpfalz ist.
mini|Wappen des Pflegamtes Treswitz und heute der Gemeinde Moosbach
Ab 1585 erhielt das Amt Treswitz auch die Hohe Gerichtsbarkeit; diese wurde damals von dem Administrator der Kurpfalz, Pfalzgraf Johann Casimir, allen Pflegern und Richtern zugebilligt. Die Richtstätte befand sich nordöstlich von Burgtreswitz auf den Galgenfeldern. 1594 erfolgte der Zusammenschluss der Pflegeämter Treswitz und Tännesberg mit Sitz in Burgtreswitz. Die Ämtervereinigung bezog sich auf die Hochgerichtsbarkeit, die von dem Oberamtmann in Burgtreswitz ausgeübt wurde, ein Richteramt bestand in Tännesberg weiter, ebenso in Eslarn und in Waidhaus. 1610 war Christoph von Crailsheim Pfleger. Am 1. Juli 1620 wurde der Pfleger Georg Friedrich von Landersheim zu Eigelberg zum Kapitän des Fähnleins Treswitz ernannt.
Unter dem pfälzischen Feldherrn Philipp von Mansfeld sollte der Vormarsch bayerischer Truppen unter Feldmarschall Tilly unterbunden werden, was nicht gelang. 1623 wurde die Oberpfalz und somit auch Treswitz an Kurfürst Maximilian verpfändet und ihm 1628 dauerhaft zugesprochen, Treswitz wurde demzufolge ein kurbayerisches Pflegamt und Gericht. 1622 wurden zwei Kompanien spanischer Reiter in der Burg einquartiert und richteten großen Schaden an, die Amtsräume wurden verwüstet und das Archiv wurde in Brand gesteckt. Damals wurde der Sohn des Pflegers von Kötzting, Mathias Rosenhammer, hiesiger Pfleger. 1632 berichtete der seit 1628 im Amt befindliche Pfleger Hans Jacob Schad, dass 30 Mann des Eckmühl’schen Fähnleins unter seinem Kommando in der Burg einquartiert seien. Damals wurde die Reitstallung repariert, die Toranlage verbessert und eine zusätzliche Palisadenbefestigung geschaffen. 1634 wurde die Burg auf Befehl des Grafen von Wahl völlig abgebrannt (s. u.). 1641 konnte der Pflegsverwalter Georg Weyermüller in das Viehhaus der nicht ganz abgebrannten Vorburg ziehen. Noch 1650 beklagte sich der Pfleger Christoph Albrecht von Sazenhofen, er müsse in der Burg wie ein Bauer hausen, die Küche befinde sich im Flez des Viehhauses und das sei einem Pfleger nicht würdig. 1652 bedrängte der Pfleger Albert von Sazenhofen die Regierung um Mittel für einen Wiederaufbau des Schlosses, unterstützt wurde er dabei von seinem Schwager Nothafft von Weißenstein, damals Rentmeister in Amberg.
mini|Wappen der Freiherrn von Lichtenstern nach Siebmachers Wappenbuch
Unter den Freiherrn von Lichtenstern, die als Pfleger im 18. Jahrhundert tätig waren, erlebte Treswitz einen großen Aufschwung, der mit der Schaffung eines Landgerichts seinen Höhepunkt (1799) hatte. Die Lichtenstern wurden am 9. März 1753 in den Freiherrenstand erhoben.Otto Titan von Hefner; Gustav Adelbert Seyler: Die Wappen des bayerischen Adels. Repro. J. Siebmacher’s großes Wappenbuch. II. Band. Nürnberg 1856 Band 22, Abgestorbene bayerische Geschlechter. Bauer & Raspe, Neustadt an der Aisch, 1971, ISBN 3-87947-022-7. 1708 wurde Franz Christoph Reisner von Lichtenstern (verheiratet mit Anna Korona Katharina Freiin von Asch) aus Hauzendorf der erste Amtsinhaber aus dieser Familie. 1738 übergab er sein Amt seinem Sohn Franz Ferdinand (* 1710 in Burgtreswitz; † 1763; verheiratet mit Freifrau Rummel von Waldau); dieser wurde von Kurfürst Maximilian III. Joseph 1753 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. 1763 wurde Franz Emanuel von Fernberg auf Gröbenstädt zum Pfleger bestellt, der damalige Gerichtsschreiber Giehrl von Sonnenberg ließ die Statue des Heiligen Nepomuk bei der Pfreimdbrücke errichten. 1770 war Johann Michael Franz von Wildenau auf Köblitz der Pflegsverwalter. In seiner Amtszeit fielen große Mauerteile bei der Toreinfahrt ein.
mini|Nepomukstatue an der Pfreimdbrücke in Burgtreswitz
Franz Marquard von Lichtenstern (* 1748; † 1807 in Nabburg; verheiratet mit Freifrau Meichsner von Alkofen), Sohn des Franz Ferdinand', wurde 1772 bis 1802 Pfleger in Treswitz. Der Einzugsbereich des Landgerichts umfasste damals die Orte Vohenstrauß, Moosbach, Pleystein, Eslarn, Waidhaus, Tännesberg, Waldthurn und Leuchtenberg.
Erwähnenswert ist auch Karl Franz Reiser Freiherr von Lichtenstern (* 14. August 1776 auf Burg Treswitz; † 24. Mai 1864 in Amberg), der mit 27 Jahren Landrichter (1803–1861) in Nabburg und danach in Parkstein wurde; dort übernahm er ein Hochgericht, zudem war er Oberst der Landwehr. Sein Grabmal befindet sich in Neustadt an der Waldnaab. Er wurde bekannt durch seine eigenwillige Rechtsprechung: So übergab er einen wegen Totschlags Verurteilten zur Strafe der Witwe des Erschlagen, um die Feldarbeit zu verrichten; auch war er großzügig, wenn Notleidende Feldfrüchte gestohlen hatte, hingegen wollte er die Prügelstrafe nicht abschaffen, auch wenn er deswegen von der übergeordneten Behörde gerügt wurde. Er ist auch bekannt für den von ihm angeordneten Wiederaufbau von Floß nach dem Brand von 1813: Da sich die Bürger nicht einigen konnten, ließ er kurzerhand Grund und Boden enteignen und befahl, große und breite Straßen anzulegen und alle Städel an den Ortsrand zu verlegen, um einem erneuten Brand vorzubeugen. Floß erhielt dadurch ein städtisches Gepräge mit gepflasterten Straßen und mit Linden- und Kastanienbäumen bepflanzten Plätzen.Adam Wolfgang Schuster: 100 Jahre Floss. Zum Heimatfest des Marktes Floß im Oberpfälzer Wald. Marktgemeinde Floß, Floß 1976, S. von 291–292.
1803 wurde das Landgericht Treswitz durch die Kurfürstliche Landesdirektion in der oberen Pfalz zu Amberg neu organisiert, aber mit Reskript des Staatsministers Maximilian von Montgelas vom 16. März 1809 wurde das Landgericht Treswitz in das nahegelegene Vohenstrauß in die Friedrichsburg verlegt.
mini|Luftbild von Burgtreswitz, Mitte rechts ist die Burg Treswitz zu sehen