Die Betfred Snookerweltmeisterschaft 2019 wurde vom 20. April bis zum 6. Mai 2019 im Crucible Theatre in Sheffield ausgetragen. Das Turnier war der abschließende Höhepunkt der Saison 2018/19 der Snooker Main Tour.
Nachdem in den ersten Runden mehrere favorisierte Spieler, wie Ronnie O’Sullivan oder Titelverteidiger Mark Williams, ausgeschieden waren, erreichten John Higgins zum dritten Mal in Folge und Judd Trump zum zweiten Mal nach 2011, als Higgins ihn mit 18:15 besiegt hatte, das Finale. Mit 18:9 gewann Trump seinen ersten WM-Titel und wurde zugleich das elfte Mitglied des Triple Crown Clubs.
Preisgeld Das insgesamt auszuschüttende Preisgeld war zum ersten Mal auf über 2 Mio. Pfund angestiegen. Noch einmal knapp eine Viertelmillion Pfund gab es mehr als im Vorjahr. Genau eine halbe Million bekam der Sieger nach 425.000 Pfund im Vorjahr.
Preisgeld Sieger 500.000 £ Finalist 200.000 £ Halbfinalist 100.000 £ Viertelfinalist 50.000 £ Achtelfinalist 30.000 £ Letzte 32 20.000 £ Letzte 48 15.000 £ Letzte 80 10.000 £ Höchstes Break (Hauptrunde/Qualifikation) 10.000 £1.000 £ Insgesamt 2.231.000 £
Für ein Maximum Break in der Hauptrunde hatte World Snooker die Prämie auf 50.000 £ aufgestockt.
Hauptrunde Die 16 führenden Spieler der Weltrangliste waren gesetzt. Ihre 16 Erstrundengegner hatten sich zuvor in der Qualifikation durchgesetzt.
Turnierverlauf Runde 1
Für die größte Überraschung in der ersten Runde sorgte James Cahill. Als erster Amateur, der die WM-Endrunde im Crucible Theatre erreicht hatte, traf er auf den Turnierfavoriten Ronnie O’Sullivan. Der 43-Jährige war mit fünf Turniersiegen der erfolgreichste Spieler der Saison gewesen und hatte kurz zuvor Platz 1 in der Weltrangliste übernommen. Er machte jedoch viele Fehler und ermöglichte dem 20 Jahre jüngeren Cahill mitzuhalten und die erste Session mit 5:4 zu gewinnen. Er konnte in der zweiten Session sogar auf 8:5 davonziehen und zeigte sich unbeeindruckt, als O’Sullivan zum 8:8 ausglich. Die nächsten beiden umkämpften Frames gingen wieder an ihn und mit 10:8 zog der ehemalige und zukünftige Profi ins Achtelfinale ein. Für O’Sullivan war es die erste WM-Erstrundenniederlage seit 2003.Cahill Stuns Rocket In Crucible Shock, World Snooker, 23. April 2019
Ein weiterer Favorit aufgrund der Vorleistungen war Judd Trump, gegen den schnellsten Spieler auf der Tour Thepchaiya Un-Nooh tat er sich aber sehr schwer. 6:3 und 7:4 führte der Thailänder, bevor sich Trump vier Frames in Folge sichern konnte und 8:7 in Führung ging. Thepchaiya hielt dagegen und rettete sich in den umkämpften Decider, den er nach einem entscheidenden Fehler aber verlor.Trump Edges Un-Nooh In Quickfire Showdown, World Snooker, 24. April 2019 Der dritte große Favorit war Neil Robertson, der die vorangegangenen China Open überzeugend gewonnen hatte. Gegen Crucible-Debütant Michael Georgiou gewann er ebenso überzeugend nach einer 9:0-Session mit 10:1. Besser machte es nur Shaun Murphy, der nach einer 9:0-Führung gegen Luo Honghao auch den 10. Frame gewann und damit erst den zweiten „Whitewash“ in der Hauptrunde im Crucible Theatre schaffte. (1992 gewann John Parrott ebenfalls mit 10:0 gegen Eddie Charlton.) Der 19-jährige Luo erzielte in den zehn Frames des Spiels zusammen nur 89 Punkte und stellte damit einen Minusrekord auf.Murphy Scores Rare Crucible Whitewash, World Snooker, 22. April 2019 Sein neun Jahre älterer Landsmann Li Hang war beim 1:10 gegen Barry Hawkins ebenfalls chancenlos.
Spektakulär war dagegen das 10:9 von Stuart Bingham gegen Graeme Dott. Mit 8:1 führte Bingham nach Session 1 und nach dem 9:4 fehlte ihn nur noch ein Frame. Als ihm der 15. Frame aberkannt wurde, weil er dreimal eine direkt anspielbare Kugel verfehlt hatte („three-miss rule“), lagen die Nerven blank. Dott gelang tatsächlich noch der Ausgleich, zeigte aber im Entscheidungsframe selbst Nerven und konnte die Aufholjagd nicht krönen.Bingham Holds Off Dott Fightback In Thriller, World Snooker, 24. April 2019
Keine Blöße gab sich Titelverteidiger Mark Williams, der gegen Martin Gould in Session 1 mit 6:3 in Führung ging und den Vorsprung bis zum 10:7 verteidigte. Mit demselben Ergebnis schlug die vormalige Nummer 1 Mark Selby nach 1:5-Rückstand den am niedrigsten platzierten Profi Zhao Xintong. Kyren Wilson, John Higgins, Stephen Maguire und Ding Junhui schafften ebenfalls unspektakuläre Favoritensiege. Neben Ding kam nur ein Chinese in Runde 2: Zhou Yuelong gelang die zweite Überraschung der Auftaktrunde mit einem 10:7-Sieg gegen den Weltranglisten-6. Mark Allen nach einer 7:2-Führung nach der ersten Session. Jack Lisowski konnte seinen Finaleinzug bei den China Open zwei Wochen zuvor und seine bisher beste Saison nicht bestätigen, er verlor gegen Ali Carter ebenfalls mit 7:10. Auch Luca Brecel konnte eine gute Saison nicht krönen. Zwar führte er gegen Gary Wilson mit 5:3 und 7:5, der Engländer konnte aber immer wieder ausgleichen und nach vier Framegewinnen in Folge mit 9:7 in Führung gehen. Nach dem 8:9 von Brecel musste die zweite Session aber abgebrochen werden, weil nicht mehr genug Zeit vor dem nächsten angesetzten Match blieb. Als wieder ein Tisch frei war, schaffte der Belgier den Ausgleich und es ging in den Decider. Nachdem sich beide Spieler festgespielt hatten, wurde das Spiel ein zweites Mal aufgesetzt und erneut entstand eine Stellung, in der nicht viel voranging. Nach einem taktischen Kampf, der insgesamt 79 Minuten und 31 Sekunden dauerte, hatte Wilson das Spiel und damit das Match gewonnen. Es war der längste Frame in der Crucible-Geschichte.Wilson Downs Brecel In Crucible’s Longest Frame, World Snooker, 21. April 2019
Achtelfinale
David Gilbert hatte seine erste direkte WM-Qualifikation durch einen Auftaktsieg gegen Joe Perry bestätigt. Die zurückliegende Saison war seine bisher beste gewesen, er hatte zweimal ein Turnierfinale erreicht und seine Partie gegen Mark Williams war die Neuauflage des Endspiels beim World Open am Saisonanfang. Gilbert revanchierte sich für die knappe 9:10-Niederlage und warf den Titelverteidiger mit 13:9 aus dem Turnier. Zwar war Williams in der entscheidenden Session durch gesundheitliche Probleme am Abend zuvor gehandicapt,Gilbert Floors Champ Williams, World Snooker, 27. April 2019 Gilbert hatte aber zuvor schon das Match dominiert und fast durchgängig in Führung gelegen.
Trotz seines souveränen Auftaktsiegs verlor Barry Hawkins sein Achtelfinalmatch gegen Kyren Wilson mit 11:13. Der Spieler, der in den letzten sechs Jahren einmal das Finale und weitere viermal das Halbfinale erreicht hatte, lag 4:0 und 6:2 in Führung und hatte dabei schon vier Centurys erzielt, in der zweiten Session verkürzte Wilson aber nach 4:8-Rückstand noch auf 7:9. In der dritten Session glich er sofort zum 9:9 aus. Danach teilten sie sich die nächsten 4 Frames, bevor Wilson zwei Centurys zum 13:11-Sieg gelangen. Beide Spieler zusammen erzielten neun Century-Breaks in dem Match, der Crucible-Rekord stand vor diesem Turnier bei zehn.
Neben Hawkins hatten Shaun Murphy und Neil Robertson am deutlichsten in Runde 1 gewonnen und die beiden mussten bereits im Achtelfinale gegeneinander antreten. Der Australier übernahm von Anfang an die Führung, aber Murphy konnte bis zum 6:8 die Begegnung offen halten. Dann vergab er im nächsten Spiel den Frameball, Robertson holte sich doch noch den Frame und erhöhte zum Sessionende weiter auf 10:6. Die letzten drei Frames zum 13:6-Sieg holte er in Session 3 mit Breaks von 120, 88 und 95 Punkten und ließ dem Engländer dabei nur noch einen einzigen Punkt.Red-Hot Robertson Burns Off Murphy, World Snooker, 26. April 2019
Stuart Bingham zeigte sich erholt von der Zitterpartie gegen Dott und hatte bis zum 5:4 leichte Vorteile in seiner Partie gegen John Higgins. Dann bekam der Schotte leichtes Übergewicht, konnte jedoch auch keine große Führung herausspielen. Beim Stand von 11:11 reduzierte sich das Match auf „Best of 3“ und es war Higgins, der sich die nächsten zwei Frames zum 13:11-Sieg sicherte.
In der zweiten Hälfte des Turnierbaums entwickelte sich Gary Wilson zum Überraschungsspieler. Gegen den Weltranglistenzweiten Mark Selby bestimmte er die Partie, ging immer wieder in Führung, auch wenn Selby beharrlich ausglich. Nur ein einziges Mal, beim 6:7, geriet Wilson in Rückstand. Als es 10:10 stand, startete er eine kleine Serie und gewann mit 13:10.
Mit Ali Carter und Zhou Yuelong trafen in einem wechselhaften Match zwei Qualifikanten aufeinander. Der Engländer erwischte einen Fehlstart und lag schon 1:5 zurück, bevor er wieder verkürzen konnte. Beim Stand von 4:6 räumte er im 11. Frame den Tisch leer und wollte schon die Arena verlassen, weil er glaubte, gewonnen zu haben. Er hatte aber lediglich nach Punkten ausgeglichen und musste für die „respotted black“ zurückgehalten werden. Er gewann den Frame doch noch und anschließend ging er 7:6 in Führung, bevor Zhou das Match wieder auf 9:7 drehte.Warrior Cuts Hawk’s Advantage, World Snooker 28. April 2019 In der letzten Session zeigte sich dann aber die fehlende Erfahrung des 21-jährigen Chinesen, Carter gewann Frame um Frame und setzte sich nach sechs gewonnenen Spielen in Folge mit 13:9 durch.
Den Vormarsch des einzigen Amateurs hatte zuvor schon Stephen Maguire beendet. James Cahill hatte sich heftig gewehrt und dem Schotten alles abverlangt. Zum zweiten Mal musste Maguire in den Decider und zum zweiten Mal gewann er und kam eine Runde weiter.
In der letzten Achtelfinalpartie setzte sich der favorisierte Judd Trump gegen Ding Junhui durch und nahm damit den letzten der fünf angetretenen Chinesen aus dem Turnier. Die erste Session ging mit 5:3 an den Engländer, Ding drehte die zweite Session in eine 9:7-Führung, konnte dann in der letzten Session aber keinen einzigen Frame mehr gewinnen und Trump siegte 13:9.
Viertelfinale
Im Viertelfinale hatte David Gilbert nach seinem Sieg über Mark Williams die Gelegenheit, auch für seine zweite Finalniederlage in dieser Saison, beim German Masters, Revanche zu nehmen. In der ersten Session teilte er sich mit Kyren Wilson noch die acht Frames, die zweite Session gewann er aber 6:2. In Berlin hatte Gilbert am Ende noch vier Frames in Folge und damit das Match verloren, diesmal verteidigte er aber erfolgreich seinen Vorsprung und besiegelte im 21. Frame den 13:8-Sieg. Bei seiner fünften WM-Endrundenteilnahme schaffte er damit erstmals den Halbfinaleinzug.
In der Viertelfinalpartie gegen John Higgins fehlte Turnierfavorit Neil Robertson die bisherige Souveränität und er bekam zunehmend Probleme mit den komplizierten Stellungen. Bis zum 7:5 dominierte er zwar das Match, konnte den Vorsprung aber nie über zwei Frames hinaus ausbauen. Dann nutzte Higgins eine schwächere Phase des Australiers und gewann fünf Frames in Folge. Davon erholte sich Robertson nicht mehr, auch wenn er von 7:10 noch auf 10:11 verkürzte. Die nächsten beiden Frames holte der Schotte und gewann mit 13:10.
Im dritten Match kämpften die zwei verbliebenen Qualifikanten ums Halbfinale. Ali Carter erwischte diesmal einen guten Start und ging 3:0 in Führung, Gary Wilson holte sich danach aber gleich 5 Frames in Folge und damit die erste Session. Diesen Vorsprung verteidigte er dann im zweiten Teil der Partie. In der abschließenden Session gelang es Carter wiederum nicht heranzukommen, stattdessen war es beim Stand von 11:9 Gary Wilson, der davonzog und schließlich mit 13:9 gewann. In der Geschichte der Weltmeisterschaften waren bis dahin nur vier Spieler, die das Halbfinale erreicht hatten, schlechter platziert als der Weltranglisten-32.Wonderful Wilson Into Semis, World Snooker, 1. Mai 2019