Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Österreichs – Hitlerbewegung, kurz NSDAP (Hitlerbewegung) oder NSDAP-Hitlerbewegung, war eine österreichische nationalsozialistische Partei in der Ersten Republik, die 1926 aus der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP) hervorging. Sie verstand sich als Schwesterpartei der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in der Weimarer Republik und unterstellte sich Adolf Hitler als Führer. Anfänglich eine unbedeutende politische Splittergruppe, entwickelte sie sich Anfang der 1930er Jahre zu einer Massenpartei und wurde 1933 verboten. Sie bestand im Untergrund weiter und ihre Mitglieder versuchten durch einen Putsch und durch teilweise terroristische Subversion an die Macht zu gelangen. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Partei als Teil der nun „großdeutschen“ NSDAP reorganisiert.
Geschichte der NSDAP-Hitlerbewegung Vorgeschichte Die ideologischen Vorläufer des österreichischen Nationalsozialisten sind bei den deutschnationalen Burschenschaften des 19. Jahrhunderts zu finden, sowie besonders bei der Alldeutschen Bewegung Georg von Schönerers, dessen rassischer Antisemitismus und Antiklerikalismus später von der völkischen Bewegung und den Nationalsozialisten übernommen wurden.
Organisatorisch reichen die Wurzeln der österreichischen NSDAP zurück zur Gründung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) 1903/04 aus deutsch-„völkischen“ Gehilfen- und Arbeitervereinen in den nordböhmischen Industriegebieten, wo sich deutschsprachige Arbeiter durch den Zuzug Tschechisch sprechender Arbeiter aus Zentralböhmen wirtschaftlich bedroht fühlten. Die Partei wollte eine „Zusammenfassung aller Schaffenden auf dem Boden des eigenen Volkstums“ und benannte sich 1918 in Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) um.
Durch den Zerfall der Habsburgermonarchie spaltete sich auch die DNSAP. Während aus den Hauptbetätigungsgebieten der Partei die tschechoslowakische DNSAP hervorging, war die österreichische DNSAP nur eine unbedeutende Splitterpartei, was sich bei der Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung im Februar 1919 und der Nationalratswahl im Oktober 1920 mit schwachen Wahlergebnissen bemerkbar machte, die Partei erzielte keine Mandate. Eine noch kleinere Splittergruppe bestand im nun polnischen Schlesien. Über „zwischenstaatliche Tagungen“ hielt man Kontakt zu den nationalsozialistischen Parteien in den Sudetengebieten, Schlesien und Deutschland. Als Emblem wurde ab 1920 das Hakenkreuz geführt. Es wurde eine militärisch organisierte Ordnertruppe aufgestellt, die 1923 in Vaterländischer Schutzbund umbenannt wurde und die auch als Sturmabteilung (SA) bezeichnet wurde.
In der deutschen NSDAP übernahm Adolf Hitler 1921 die Macht und führte die Partei mit diktatorischen Vollmachten. In dem Maß, wie die deutsche NSDAP wuchs, vergrößerte sich auch ihr Einfluss auf den zwischenstaatlichen Konferenzen. Im August 1923 forderte Hitler von den österreichischen Nationalsozialisten erfolgreich die Wahlenthaltung bei der anstehenden Nationalratswahl. Der steigende Einfluss Hitlers führte zu einem grundlegenden Konflikt in der Frage, ob die österreichische Partei ihre Politik selbständig oder in bedingungsloser Unterwerfung unter Hitler gestalten sollte.
1926 kam es schließlich zur Spaltung: Unter der Leitung des Mittelschullehrers Richard Suchenwirth und des Führers der niederösterreichischen SA, Josef Leopold, gründeten etwa 150–250 vor allem jüngere und aktivistische Parteimitglieder am 4. Mai den Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterverein, der sich die Zusatzbezeichnung Hitlerbewegung gab. Dieser unterstellte sich organisatorisch am 11. Mai der Münchner NSDAP-Zentrale, übernahm das 25-Punkte-Programm und erkannte Hitler als Führer an. Am 15. Juli versicherte in München auch der Führer der österreichischen SA, Hermann Reschny, Hitler seine „uneingeschränkte Loyalität“.
Hitler forderte am 12. August auf einer Versammlung in Passau von den beiden rivalisierenden Gruppen eine Erklärung über ihre bedingungslose Unterwerfung oder deren Verweigerung. Während die bisherige Partei eine Erklärung veröffentlichte, wonach sie die organisatorische Selbständigkeit beibehalten werde, akzeptierten Vertreter der Hitlerbewegung die Forderung noch am selben Tag. Sie erklärten ihr neuer Verband, die NSDAP Österreichs (Hitlerbewegung) gliedere sich als Gau Österreich in die Gesamtbewegung ein und bilde mit dieser eine organisatorische und ideenmäßige Einheit.
Die alte, bisherige nationalsozialistische Partei, die sich ebenfalls zeitweilig NSDAP nannte, wurde nun zur Unterscheidung nach ihrem Führer Karl Schulz Schulz-Gruppe genannt und ihre Vertreter wählten als Parteiuniform graue statt brauner Hemden.
1926–1931: Die Hitlerbewegung als Kleinstpartei Bei einer Führertagung in München am 28. August 1926 wurde Österreich in acht Gaue eingeteilt, die sich mit Ausnahme der zusammengefassten Länder Tirol und Vorarlberg mit den Landesgrenzen deckten. Zum Landesleiter mit Sitz in Wien ernannte Hitler den bis dahin weitgehend unbekannten pensionierten Oberst Friedrich Jankovic. Suchenwirth wurde Propagandaleiter.
Bei der Nationalratswahl in Österreich 1927 beteiligte sich die NSDAP am Völkischsozialen Block, einem kurzfristigen Bündnis mit den Bund der Freien von Hans Kipper. Es wurden 26.991 Stimmen erreicht, nicht genug für ein Mandat. Im niederösterreichischen Wahlkreis „Viertel unter dem Manhartsberg–Korneuburg“ kandidierte die NSDAP selbständig und erhielt dort 779 Stimmen. Bei der zeitgleich durchgeführten Kärntner Landtagswahl konnten die Nationalsozialisten einen Sitz im Landtag erreichen.
Jankovic trat bereits vor der Wahl im April 1927 als Landesleiter zurück, weil er mit der Entwicklung der Partei nicht mehr einverstanden war. Es kam auch in der neuen Bewegung zu Eifersüchteleien und Intrigen, verschiedene Seiten wandten sich regelmäßig Unterstützung suchend nach München. Daher verfasste Hitler am 31. Mai 1927 ein Rundschreiben, in dem er betonte, dass die Reichsleitung es ablehne, „sich mit den Streitigkeiten der österreichischen Parteigenossen in 1. Linie zu befassen“. Er komme „bei solchen nur als letzte und endgültig entscheidende Beschwerde-Instanz in Betracht“. Er forderte Disziplin und eine strenge Befolgung des Führerprinzips ein. Das Amt des Landesleiters blieb vorläufig unbesetzt, als „Vertrauensmann“ der Reichsparteileitung wurde der steirische Parteiführer Heinrich Schmidt eingesetzt. Bei einem Parteitag am 3. August 1927 in Freilassing sollte die Lage geklärt werden. Auch Vertreter der Schulz-Gruppe waren erschienen, die eine Vereinigung der beiden Gruppen forderten, und dass ein gemeinsamer Parteitag einen Führer für Österreich wählen solle. Damit stießen sie auf vehementen Widerstand Hitlers, der ihnen vorwarf, das 1925 durchgesetzte Führerprinzip auszuhöhlen. Die Landesleitungen der NSDAP-Hitlerbewegung blieben weiterhin München unterstellt, wo Gregor Strasser als Bevollmächtigter für die österreichische Partei eingesetzt wurde. Da der Mitgliederstand im Westen Österreichs sehr niedrig blieb, wurden die Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg 1928–1932 zu einem einzigen Westgau zusammengelegt.
Da die österreichischen Gauführer weiterhin zerstritten waren und zunehmend Wahlerfolge die Aufmerksamkeit der Funktionäre der deutschen NSDAP erforderten, ersuchte die Münchener Parteizentrale 1929 den sudetendeutschen DNSAP-Politiker Hans Krebs als Außenstehenden die Landesleitung in Österreich zu übernehmen. Als Abgeordneter zum tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus hatte er jedoch wenig Zeit, die verworrene Situation unter den österreichischen Nationalsozialisten zu regeln. Aus zeitlichen und geografischen Gründen verlegte er den Sitz der Landesleitung von Wien nach Linz. Er bemühte sich – gegen das von Hitler verfochtene Führerprinzip und letztlich erfolglos – um eine Einigung von Hitlerbewegung und Schulz-Gruppe. Im März 1930 resignierte er und gab die Landesleitung wieder ab.
Der kometenhafte Aufstieg der NSDAP in Deutschland bei der Reichstagswahl im September 1930, bei der sie von einer politischen Randerscheinung zur zweitstärksten Kraft im Reichstag avancierte, spiegelte sich nicht in der österreichischen NSDAP wider. Im Oktober 1930 kam es zu Verhandlungen zwischen Ernst Rüdiger Starhemberg, dem Führer der Heimwehr, mit Gregor Strasser und Hitler über ein mögliches Wahlbündnis für die anstehende Nationalratswahl am 9. November. Diese scheiterten jedoch an der Frage, welche Bewegung die Führung des Bündnisses übernehmen dürfe. Bei der Wahl erzielte die Hitlerbewegung mit 111.627 Stimmen nur etwa halb so viele Stimmen wie die neugeschaffene Heimwehrpartei Heimatblock. Im Gegensatz zu dieser verfehlte die Hitlerbewegung wieder den Einzug in das Parlament, jedoch war ein Aufwärtstrend zu beobachten, der Stimmenanteil wurde gegenüber der letzten Nationalratswahl vervierfacht.
Gemäß Organisationsstatut der NSDAP waren die sechs Gauleiter – ab 1932 wieder sieben – der österreichischen Landesleitung und diese der Reichsleitung in München unterstellt. Da sich bislang keine starke Landesleitung etabliert hatte, konnten die Gauleiter ihre Machtposition ausbauen. Besonders erfolgreich waren darin Walther Oberhaidacher in der Steiermark und Alfred Frauenfeld in Wien.
Oberhaidacher, der seit 1928 Gauleiter der Steiermark und seit 1929 Grazer Gemeinderat war, verschärfte vor dem Hintergrund der einsetzenden Weltwirtschaftskrise erfolgreich die antisemitische, antimarxistische und antiliberale Agitation. Die steirische NSDAP konnte das deutschnationale Vereinswesen durchdringen und erhielt erheblichen Zuzug, speziell vom Steirischen Heimatschutz, der 1931 durch den gescheiterten Putschversuch seines Führers Walter Pfrimer in eine Krise geschlittert war. Viele Anhänger wechselten auch von der Großdeutschen Volkspartei (GDVP) zur Hitlerbewegung.
Als Frauenfeld 1930 die Leitung des Wiener Gaus – den Hitler 1927/28 vorübergehend wegen „Disziplinlosigkeit“ aufgelöst hatte – übernahm, hatte die Partei dort etwas über 1.000 Mitglieder. Unter Frauenfelds Führung vervierfachte sich der Mitgliederstand bis April 1931, was zum Teil auch an der Sogwirkung der Erfolge der NSDAP bei der deutschen Reichstagswahl lag. Bei den Wiener Hochschulwahlen im Februar 1931 wurde der bislang nur eine marginale Rolle spielende Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) zur stärksten Fraktion. An den Wiener Hochschulen entstand der Eindruck, dass drei von vier Studenten Nationalsozialisten waren oder mit ihnen sympathisierten.