San Giovanni a Carbonara ist ein religiöser Gebäudekomplex in Neapel, am Ende der Via Carbonara.Geschichte von „San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: storia e architettura, gesehen am 12. März 2019 (italienisch) Es handelt sich um eines der bedeutendsten Ensembles von Räumlichkeiten und Kunstwerken des Spätmittelalters und der Renaissance in Neapel, darunter vor allem das berühmte Grabmonument des Königs Ladislao, und Grabkapellen der Familien Caracciolo del Sole und Caracciolo di Vico.

Geschichte mini|Das Innere von San Giovanni a Carbonara San Giovanni a Carbonara lag ursprünglich vor der Stadt, in einem Gebiet, wo man einst Müll verbrannte (daher der Beiname Carbonara).„San Giovanni a Carbonara“ auf „www.neapel-stadt.de“, gesehen am 12. März 2019 (deutsch) Im Mittelalter fanden in dieser Gegend auch viele Turniere statt.

Gualtiero Galeota, ein neapolitanischer Adliger aus dem Geschlechte der di Capua, schenkte 1339 den beiden Mönchen Giovanni d’Alessandria und Dionigi di Burgo mehrere Häuser und Landstücke, auf dem diese eine Kultstätte für den Heiligen Johannes den Täufer errichten sollten.Kreuzgänge von „San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, gesehen am 12. März 2019 (italienisch). Die dortigen Informationen stammen aus dem Buch von Maria Rosaria Costa: I chiostri di Napoli, Newton & Compton, Rom, 1996. Kirche und Kloster und ein kleiner Kreuzgang wurden mit Unterbrechungen ab 1343 erbaut.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ließ König Ladislao den ganzen Komplex vergrößern und mit marmornen Dekorationen verschönern und erwählte die Kirche als seine Grablege. Dabei entstand auch ein neuer und wesentlich größerer Kreuzgang, der nach ihm benannt ist (Chiostro del Re Ladislao oder di Ladislao), und wo während der Renaissance Zusammenkünfte berühmter Intellektueller und Humanisten stattfanden, darunter auch Giovanni Pontano, Jacopo Sannazaro und Benedetto Gareth, genannt „Chariteo“.„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: Chiostro di Ladislao, gesehen am 12. März 2019 (italienisch)

Auch Ladislaos Schwester Königin Johanna II. bevorzugte das Kloster und schenkte den Mönchen immer wieder beachtliche Summen. Später suchte Karl VIII. während eines Volksaufstandes im Kloster Zuflucht. rechts|mini|hochkant|Plan des Gebäudekomplexes von San Giovanni a Carbonara:██Chiesa della Pietatella a Carbonara██Kirche San Giovanni a Carbonara██Kreuzgänge des Klosters██ehemalige Caserma Garibaldi (Kaserne)██Torri aragonesi (ehem. Stadtmauer) Nachdem Sergianni Caracciolo, der Liebhaber von Johanna II., nach seiner Ermordung (1427) in der eigens dafür errichteten Kapelle ein Grabmonument erhalten hatte, wurde San Giovanni a Carbonara auch in der Folge von verschiedenen Zweigen der Familie Caracciolo gefördert. So entstand im 16. Jahrhundert die Cappella Caracciolo di Vico als Mausoleum dieses Familienzweiges (siehe unten). Während der ganze Gebäudekomplex um 1513 und 1522 restauriert wurde, stiftete Slancia Caracciolo, die Gräfin von Ailano, 1000 Dukaten für den Bau eines neuen Kreuzgangs, der wegen seiner Lage in der Nähe des Eingangspforte zum Kloster als Chiostro della Porteria bezeichnet wird.„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: Chiostro della Porteria, gesehen am 12. März 2019 (italienisch)

1570 wurde auf Wunsch von Kardinal Marcello Seripando ein weiterer Kreuzgang (der Chiostro Nuovo) errichtet,„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: Chiostro Nuovo, gesehen am 12. März 2019 (italienisch) wo eine bedeutende Bibliothek untergebracht war, die bis 1729 bestand. In diesem Jahr wurden auf Befehl Kaiser Karls VI. beinahe alle Manuskripte und griechischen und lateinischen Codices aus dieser Bibliothek nach Wien überführt. Andere Teile der Bibliothek gingen während der zehnjährigen französischen Herrschaft unter Murat zu Beginn des 19. Jahrhunderts verloren, der Rest befindet sich heute in die Biblioteca Nazionale von Neapel.

Nach dem verheerenden Erdbeben von 1688 mussten die Gebäude restauriert werden und die Mönche entschieden, im Kloster ein Noviziat und ein Internat einzurichten. Dieses wurde von den Söhnen einiger der einflussreichsten Adelsfamilien von Neapel frequentiert und war ein bedeutendes Zentrum des Humanismus und der Wissenschaften. Im 18. Jahrhundert wurde außerdem eine Schule für die Dienerschaft der Adligen gegründet, die auch eine eigene Kapelle erhielten.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtete Ferdinando Sanfelice die monumentale Treppenanlage vor der Kirche und die darunterliegende Kirche Santa Maria Consolatrice degli Afflitti.

Das Kloster wurde im 19. Jahrhundert wie viele andere aufgehoben und in eine Kaserne umgewandelt – die sogenannte Caserma Garibaldi. 1856 wurde die Kirche durch Federico Torvagnini restauriert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex durch die Bombardierungen von 1943 stark beschädigt und musste nach dem Krieg wieder restauriert werden.

Das Äußere mini|links|Seitenfassade mit Eingangsportal von San Giovanni a Carbonara Es handelt sich um einen relativ verschachtelten Komplex verschiedener Kirchen, Kapellen und Innenhöfe.

Man steigt zur Kirche über die von Ferdinando Sanfelice 1707–08 erbaute doppelläufige Treppenanlage aus Piperno hinauf.„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: L’esterno, gesehen am 12. März 2019 (italienisch) Links unten vor der Treppe steht die Chiesa della Pietatella a Carbonara. Zwischen den Treppenläufen am Fuß der eigentlichen Kirche liegt der Eingang zu einer weiteren kleinen Kirche (oder Kapelle) aus dem 18. Jahrhundert: der Chiesa della Consolazione a Carbonara, in der man eine Statue von Johannes dem Täufer von Annibale Caccavello sehen kann; der Hauptaltar von Giuseppe Sanmartino befand sich ursprünglich in der darüberliegenden Kirche San Giovanni.

Die oberhalb der Treppe sichtbare repräsentative Fassade ist eigentlich der Eingang zur Cappella di Santa Monica (siehe unten), die rechts vom Chorraum von San Giovanni liegt. Um zur eigentlichen Kirche zu gelangen, muss man sich nach links wenden und durch ein Portal in den dahinterliegenden Innenhof gehen: Hier befindet sich die Seitenfassade mit dem Eingang von San Giovanni. Das Gebäude ganz links ist die Cappella Seripando.

Die Fassade zu San Giovanni wird durch ein gotisches Portal geprägt, das seit Jahrhunderten den einzigen Zugang zur Kirche bildet. An dessen Pfeilern um den Bogen sind acht Wappen der Anjou angebracht und die Sonne (sole) als Symbol der Adelsfamilie Caracciolo del Sole. Die Lünette über dem Portal wurde vermutlich von Leonardo da Besozzo freskiert.

Das Innere Plan Chiesa della Pietatella a Carbonara (Kirche) Chiesa della Consolazione a Carbonara (Kirche) Cappella di Santa Monica Cappella Seripando die Kirche San Giovanni a Carbonara Altarbild Verkündigung Grabmal für Antonio Galeazzo d’Itri Cappella d’Eboli di Castropignano Altare della Purificazione Cappella Somma Altare del Carmine Grabmal von Angelillo Manco und Fresko San Nicola Tolentino Altare (oder Cappella) Miroballo Altar der Rosenkranzmadonna (Madonna del Rosario) Cappella Recco (mit der Krippe) Gnadenaltar (Altare delle Grazie) Sakristei Skulptur von Johannes d. Täufer Cappella Caracciolo di Vico Grabmonument des Ladislao di Durazzo Cappella Caracciolo del Sole Kreuzigung von Giorgio Vasari Skulptur des Hl. Augustinus Kreuzeskapelle (Cappella del Crocifisso) Cappella Argento Altare Recco rechts|250x250px|Plan des Komplexes von San Giovanni a Carbonara

Der Grundriss von San Giovanni entspricht einem lateinischen Kreuz, mit einem einzigen rechteckigen Kirchenschiff und mehreren unregelmäßig verteilten Seitenkapellen. Der Raum ist von einem hölzernen Dachstuhl bedeckt (soffitto a capriate).„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: storia e architettura, gesehen am 12. März 2019 (italienisch) mini|hochkant|rechts|Der Altare Miroballo (15. Jahrhundert) Der Zugang zur Kirche erfolgt durch ein Portal der rechten Seitenwand. Genau gegenüber dem Eingang an der linken Wand des Kirchenschiffs befindet sich der große Altar Miroballo (auch Cappella Miroballo genannt), der zum Teil noch Reste einer Vergoldung aufweist. Er ist (wie die ganze Kirche) Johannes dem Täufer gewidmet und gilt als Werk von Tommaso Malvito oder Jacopo della Pila.„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: Cappella Miroballo, gesehen am 12. März 2019 (italienisch) Neben mehreren Figuren von Kirchenvätern finden sich im untersten Bereich auch weibliche allegorische Figuren wie die Mäßigung und die Stärke. Darüber im halbkreisförmigen Bogen ein Relief mit einer thronenden Madonna mit Kind mit den Heiligen Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist und den Stiftern Troiano Miroballo und seiner Frau. Oben in einem Tondo sieht man den segnenden Christus und darüber den Erzengel Michael.

Links davon, vor einer Nische mit Fresken aus dem Leben des Hl. Nikolaus von Tolentino, befindet sich das Grabmal des Antonio Miroballo von Lorenzo Vaccaro. mini|links|Die Cappella di Somma (1557–66) Ganz links am hinteren Ende der Kirche (ehemals der Haupteingang), ist der Eingang zur prächtigen Cappella di Somma, die von 1557 bis 1566 von Annibale Caccavello und Giovan Domenico D’Auria geschaffen wurde. Ihre Wände und Gewölbe sind komplett mit Fresken und mit Dekorationen aus weißem Marmor geschmückt.

Rechts und links vom Eingang der Cappella di Somma befinden sich zwei Altäre: der Altar der Reinigung (della Purificazione) und der Altar der Madonna del Carmine (Altare del Carmine). In der Nähe steht eine weitere Madonna mit Kind von Michelangelo Naccherino von 1601, und das Grabmal von Biagio Marsicano von der Hand des Annibale Caccavello (1565–1567).

Rechts vom Altar Miroballo sieht man einen marmornen Altar mit einem prächtigen Altarbild einer Rosenkranzmadonna.

Im Kirchenschiff befinden sich außerdem der Altar der Madonna delle Grazie (Gnadenmadonna) und eine Skulptur einer Madonna mit Kind – beides wiederum Werke von Michelangelo Naccherino aus dem Jahr 1578.

In der alten Sakristei hingen einst 18 Bilder von Giorgio Vasari.

Der Triumphbogen zum Chorraum wird links und rechts von zwei Skulpturen flankiert, die Johannes den Täufer und den Heiligen Augustinus darstellen.

In der Apsis hinter dem Hauptaltar erhebt sich das berühmte Grabmonument von König Ladislao. Im Chorraum rechts eine Kreuzigung von Giorgio Vasari; links der Eingang zur Cappella Carracciolo di Vico (siehe unten).

Grabmonument von König Ladislao mini|hochkant|Das Grabmonument von König Ladislao, 1414–1428 Das Grabmonument von König Ladislao entstand im Auftrag seiner Schwester Johanna II. von Anjou. Es wurde in seinem Todesjahr 1414 begonnen und 1428 vollendet„San Giovanni a Carbonara“ auf der Website „napoligrafia“, Unterpunkt: Monumento funebre di Re Ladislao, gesehen am 12. März 2019 (italienisch) und wird meistens Andrea da Firenze zugeschrieben, könnte jedoch auch ein Gemeinschaftswerk diverser toskanischer und lombardischer Bildhauer sein. Der architektonische Rahmen ist im großen Ganzen noch von gotischen Formen geprägt, obwohl einzelne Elemente, wie der breite halbkreisförmige Bogen in der Mitte bereits auf die Frührenaissance verweisen.

Der Hauptcorpus des Monumentes ruht auf vier allegorischen Karyatiden, welche die Tugenden der Mäßigung (Temperanza), Stärke (Fortezza), Vorsicht (Prudenza) und der Großmut (Magnanimità) verkörpern. Zwischen den beiden mittleren Figuren liegt der Eingang zur Cappella Caracciolo del Sole.