Die Fakultät für Gestaltung ist eine Fakultät der Technischen Hochschule Augsburg.
Geschichte Reichsstädtische Kunstakademie Augsburg war nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges verarmt, verschuldet und entvölkert und hatte seine frühere politische Bedeutung verloren. Es fanden hier nur noch selten bedeutende Ereignisse statt, wie früher die Reichstage, Krönungen der deutschen Könige oder ihrer Gemahlinnen. Die Schulden der Stadt betrugen 1,5 Millionen Gulden, die Einnahmen durch Steuern dagegen etwa ein Zehntel dieses Betrages. Zwar erging es anderen, ehemals blühenden Reichsstädten ähnlich, doch Augsburg fand mit Hilfe der Kunst verhältnismäßig schnell einen Ausweg. So wurden im Zeitraum 1650 bis 1680 durch die Initiative einzelner Ratsherren 30 Maler als Meister neu aufgenommen. Zu diesen Initiativen gehörte auch die Gründung einer Kunstakademie. Joachim von Sandrart, ein protestantischer Patrizier aus Frankfurt am Main, war ein hoch gebildeter und weit gereister Maler. Seine Ausbildung hatte er sich in Nürnberg, Prag und Utrecht erworben und verbrachte anschließend mehrere Jahre in London und an verschiedenen Orten in Italien. Von 1670 bis 1674 lebte er in Augsburg und verfasste hier den größten Teil der ersten deutschen Kunstgeschichte Teutsche Academie. In Nürnberg beendete er dieses wichtige Werk, für das er Vorbilder in Italien bei Giorgio Vasari und in den Niederlanden bei Karel van Mander gefunden hatte. In Italien lernte er in Rom die Accademia di San Luca kennen und gründete 1674 in Augsburg zusammen mit dem Maler Sigmund Müller eine Maler- und Zeichnerakademie, die zunächst privaten Charakter hatte. 1684 wurde sie vom protestantischen Teil des Stadtrats mit dem anerkannten protestantischen Maler J. U. Mayr als Direktor getragen. Erst 1710 schloss der gesamte Stadtrat sich an und 1712 wurden öffentliche Räume zur Verfügung gestellt: das obere Geschoss der Stadtmetzg, zentral gelegen und mit einer schönen repräsentativen Fassade. Jedoch gab es immer wieder Beschwerden, etwa wegen des üblen Geruchs aus dem Schlachthaus und des engen Treppenaufgangs. Doch für lange Zeit blieb hier der Sitz der Augsburger Akademie. Diese Akademie bot den jungen Künstlern nicht die Grundausbildung; die erhielten sie in ihrer Lehrlings- und Gesellenzeit bei ihrem jeweiligen Meister, vielmehr wurde hier eine Möglichkeit zur Fortbildung geboten, z. B. in graphischen Techniken. Die Leitung hatten jeweils anerkannte Augsburger Maler und Kupferstecher. Nach dem Augsburger Prinzip war die Leitung paritätisch besetzt, gleichzeitig mit einem katholischen und einem protestantischen Künstler. Obwohl die Goldschmiede in Augsburg eine große Rolle spielte, stellten doch ausschließlich Maler und Stecher die Direktoren. Dies waren insgesamt neun Künstler, davon vier gebürtige Augsburger.
Johann Rieger(1655 bis 1730) Johann Rieger aus Dinkelscherben war in Rom und bekam dort in der nordischen Künstlervereinigung, der Schilderbent, den Spitznamen „Sauerkraut“. Von seinen Fresken nenne ich die in Kloster Holzen. Direktor von 1710 bis 1730, katholisch.Georg Philipp Rugendas d. Ä.(1666 bis 1742)Familie eingewandert aus Spanien, er selbst aus Augsburg; in Rom war sein Spitzname „Schild“, in Italien viel gereist, Schlachten- und Pferdemaler, Reiterszenen in der Malerei, Schabkunst, Radierung. Direktor von 1710 bis 1742, protestantisch.Johann Georg Bergmüller(1688 bis 1762)Aus Türkheim/Schwaben, Reise in die Niederlande. Deckenfresken in Diesen und in Augsburg: Barfüßerkirche, kath. HL. Kreuz (beide zerstört), St. Anna, Residenz. Direktor von 1730 bis 1762, katholisch.Gottfried Eichler(1677 bis 1759)Aus Liebstadt/Sachsen, erste Lehre in Augsburg, dann mehrjährige Reise in Italien, weitere Ausbildung in Rom. Bildthemen sind Porträt und religiöse Gemälde. Direktor von 1742 bis 1759, protestantisch.Matthäus Günther(1705 bis 1788)Aus Tritschengreith (Hohenpeißenberg), Lehre in Murnau; Ausbildung als Geselle bei Cosmas Damian Asam in München, seit 1731 in Augsburg und Heirat mit der Witwe eines Freskomalers, dadurch Meisterrecht in Augsburg. Einflussreicher Rokokomaler. Werke in und um Augsburg: Kleiner Goldener Saal, Friedberg, Herrgottsruh; Innsbruck, Stift Wilten. Direktor von 1762 bis 1783, katholisch.Johann Elias Ridinger(1698 bis 1767)Aus Ulm, dort hatte er seine erste Lehre zum Maler. Die für sein Gesamtwerk so wichtige Radiertechnik lernte er an der Reichsstädtischen Kunstakademie in Augsburg bei G. Ph. Rugendas d. Ä. Er schuf vor allem Jagd- und Tierdarstellungen, nur wenige Gemälde. Direktor von 1759 bis 1767, protestantisch.Johann Esaias Nilson(1721 bis 1788)Aus Augsburg, Schüler des Gymnasiums bei St. Anna, Lehre in Augsburg, erbte nach dem Tod seines Vaters 1751 dessen Meisterrecht, 1761 Hofmaler. Direktor von 1765 bis 1786, protestantisch.Johann Joseph Anton Huber(1737 bis 1815)Aus Augsburg, Lehre in Augsburg bei Johann Georg Bergmüller, mit 19 Jahren Meisterrecht und Heirat in Augsburg. Malte 1783 auf eigene Kosten den Saal der Kunstakademie in der Stadtmetzg aus und wurde daraufhin Nachfolger von Matthäus Günther als katholischer Direktor der Reichsstädtischen Kunstakademie. Werke: Deckenfresko in Oberschönenfeld und in St. Margareth, Augsburg. Direktor von 1784 bis 1815, katholisch.Johann Elias Haid(1739 bis 1809)Aus Augsburg, Lehre bei seinem Vater, übernahm dessen Verlag. Kupferstecher und Schabkünstler mit dem Hauptthema Porträt. Direktor von 1786 bis 1809, protestantisch.
Der Patrizier Paul von Stetten d. J. (1731–1808), Jurist, seit 1770 Mitglied des Stadtrats, 1792 bis 1808 Stadtpfleger (d. h. Bürgermeister), veranlasste 1778 die Gründung einer Gesellschaft von Kunstfreunden zur Unterstützung der Reichsstädtischen Kunstakademie. Im Jahr darauf, 1779, gelang es, im Obergeschoss der Stadtmetzg zusätzliche Räume für die Stadtakademie zu gewinnen, die zuvor für eine Gesellschaft von Musikliebhabern hergerichtet worden waren; nun wurden sie als Studienräume zum Zeichnen für die Kunstakademie In der Stadtmetzg befand sich die Reichsstädtische Kunstakademie (links), viele Studierende kennen noch die langen Gänge des alten Hauptkrankenhauses, in dem der Fachbereich Gestaltung vor dem letzten Umzug untergebracht war. (Mitte) Seit 2006 befindet sich die Fakultät in ihrem neuen Gebäude am Roten Tor. 4 angemessen eingerichtet. Die erste feierliche Preisverleihung mit einer Medaille von Johann Martin Bückle, verbunden mit einer Ausstellung, war am Osterdienstag 1780 und so erfolgreich, dass man eine Fortsetzung wünschte. Im Saal der Stadtmetzg wurden Abgüsse von bedeutenden Antiken – wie z. B. der noch heute im Besitz der Fakultät befindliche Torso, der auch auf einer der Preismedaillen abgebildet ist – zum Abzeichnen und eine Bibliothek aufgestellt. Weitere kleinere Räume wurden für Studienzwecke hergerichtet und man sorgte für Heizmaterial und für Kerzen zur Beleuchtung. Neue Lehrkräfte waren Franz Xaver Habermann und Gottlieb Friedrich Riedel. Dies alles brachte einen neuen Aufschwung. Doch der Verlust der Reichsfreiheit führte 1813 zum Ende der Reichstädtischen Kunstakademie.
Königliche Höhere Kunstschule Augsburg – Provinzialkunstschule Augsburg (1814) 1820 bis 1835 Die Königliche Höhere Kunstschule Augsburg war von den Weisungen und Vorschriften aus München abhängig. Der Sitz der Kunstschule war weiterhin das Obergeschoss der Stadtmetzg und blieb es, mit Ausnahme von 1835 bis 1864, bis zum Jahr 1906. In den Jahren unmittelbar nach dem Verlust der alten Unabhängigkeit engagierten sich aus alten Künstlerfamilien mehrere Künstler als Lehrer: Johann Lorenz Rugendas d. J., Matthäus Gottfried Eichler, Johann Paul Thelott und Christoph Andreas Nilson. Eine neue künstlerische Drucktechnik, die Lithographie, wurde durch den Münchner Maler Zimmermann bzw. seinen Schüler, den Augsburger Franz Michael Veith, von der Kunstschule aus in Augsburg heimisch. Doch die Hoffnung auf einen neuen Anfang erfüllte sich für die Kunstschule nicht.
Polytechnische Schule 1835 bis 1864 1835 wurde aus München die Auflösung der Kunst- und Zeichenschule angeordnet. Sie wurde mitsamt allem Inventar und Vermögen der Polytechnischen Schule eingegliedert. Die ablehnende Haltung der Stadt Augsburg konnte nichts bewirken. Das noch vorhandene Inventar – Bücher, Zeichnungen, die Grafiksammlung, Gipsmodelle und Skelette, Objekte zum Abzeichnen – wurden in der Stadt verteilt. Auch den eigenständigen Standort in der Stadtmetzg verlor die Kunstschule als Teil der Polytechnischen Schule, die nun im ehemaligen Dominikanerinnenkloster St. Katharina, dem heutigen Holbein-Gymnasium, untergebracht war. Die Kunstschule war praktisch ausgelöscht. Doch wurde weiterhin Freihandzeichnen gelehrt sowie technische Zeichenfächer. Der Ruf der alten Zeichenschule blieb bestehen. So kam 1852 aus Schrobenhausen Franz Lenbach zum Zeichenunterricht nach Augsburg. 1864 wurde die Polytechnische Schule geschlossen und an ihre Stelle kam die Maschinenbauschule und die Industrieschule. Der Unterricht der Zeichenschule wurde ohne eigene Schulordnung weitergeführt. Den Versuch, 1873 zusätzlich eine Kunstgewerbeschule in Augsburg zu installieren, lehnte der Magistrat ab.
Städtische Höhere Kunstschule Erst 1877 wurde der Kunstunterricht wieder gefördert. Die Städtische Höhere Kunstschule wurde eröffnet und hatte bis 1881 Bestand mit dem Bildnis- und Historienmaler Christian Glocker als Direktor, in dessen Person erstmals wieder Kontinuität für die nächsten 40 Jahre erreicht wurde. Die Stiftung des Bankiers Lorenz von Schaezler machte das möglich. Wieder war das Obergeschoss der Stadtmetzg der Sitz der Kunstschule. Der Rahmen für diese Schule war jetzt höchst bescheiden. Sie bot nun eine Grundausbildung im Zeichnen nach antiken Vorlagen und nach lebenden Modellen. Ziel für die meisten Schüler war die Aufnahme an der Kunstakademie in München. Diese Funktion als Zubringerschule konnte die Augsburger Schule gut erfüllen und gewann dafür zunehmend Schüler. 1906 wurde es möglich, dass das Dachgeschoss des neu errichteten großen Schulgebäudes an der Maximilianstraße / Ecke Hallstraße als Ateliergeschoss nach den Bedürfnissen der Kunstschule mit großen Fenstern ausgebaut wurde. Damit wurde die im Grunde unerfreuliche Situation in der Stadtmetzg verlassen. Im resümierenden Rückblick auf das 19. Jahrhundert zeigt sich als die eigentliche Leistung, dass die ehemalige Reichsstädtische Kunstakademie auf der Basis des Lehrprogramms aus dem 18. Jahrhundert überdauert hat.
Städtische Kunstschule zu Beginn des 20. Jahrhunderts