Horst Krüger (* 17. September 1919 in Magdeburg; † 21. Oktober 1999 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Kulturjournalist und Schriftsteller. Seine Erinnerungen Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland gilt als exemplarische, kritische Darstellung einer Jugend in Deutschland zur Zeit des Dritten Reichs und fand dementsprechend internationalen Anklang. Seine Reiseerzählungen aus vielen Teilen der Welt fanden ein großes Publikum.

Leben Kindheit und Jugend Horst Krüger war der Sohn von Fritz und Margarethe KrügerBiographische Notiz. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 279., seine Zwillingsschwester Ruth starb drei Monate nach der Geburt.Horst Krüger: Biographische Notiz, in: Diese Lust am Leben, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1993, S. 245. Der Vater, deutsch-national orientierter Beamter im gehobenen Dienst, arbeitete als Amtsrat im Preußischen Kultusministerium.Die Zeit: Ein Deutschlandbuch ohne Lüge, 22. April 1966Horst Krüger: Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland, Hoffmann und Campe, Hamburg 1976, S. 25.Die Zeit: Ein Deutschlandbuch ohne Lüge, 22. April 1966Horst Krüger: Kennst du das Land. Reise-Erzählungen, Hoffmann und Campe, Hamburg 1987, S. 255. Seine Kindheit und Jugend verlebte Krüger in Berlin. Er besuchte vier Jahre die Wald-Grundschule in EichkampRadiozeit. Als das Berliner Funkhaus entstand, in: Horst Krüger: Diese Lust am Leben. Zeitbilder, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt 1993, S. 207., neun Jahre das Grunewald-Gymnasium, wo er 1939 das Abitur ablegt. Krügers ältere Schwester Ursula beging 1938 mit 21 Jahren Suizid.Horst Krüger: Biographische Notiz, in: Diese Lust am Leben, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1993, S. 245. Seine Eltern starben 1945.Horst Krüger: Biographische Notiz, in: Diese Lust am Leben, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1993, S. 247.

Studium, politische Haft, Krieg Krüger studierte Philosophie und Literaturwissenschaften, zunächst an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin bei Nicolai Hartmann, Eduard Spranger und Romano Guardini.Biographische Notiz. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 280 Im Dezember 1939 verhaftete ihn die Gestapo – er saß im Untersuchungsgefängnis Moabit. Man warf ihm Vorbereitung zum Hochverrat vor, weil er als Kurier für eine von Ernst Niekisch gegründete Gruppe von Nationalbolschewisten gearbeitet hatte. Im März 1940 auf Bewährung entlassen, . setzte er sein Studium bei Martin Heidegger in Freiburg fort.Horst Krüger: Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland, Hoffmann und Campe, Hamburg 1976, S. 103, S. 131.Ein Deutschlandbuch ohne Lüge 1942 zur Wehrmacht eingezogen wurde er zwei Jahre später bei der Schlacht um Monte Cassino schwer verwundet. Nach seiner Genesung lief er Ostern 1945 bei Unna zu den Alliierten über und kam in das amerikanische Kriegsgefangenenlager bei Cherbourg, aus dem man ihn 1946 nach Freiburg entließ.Horst Krüger: Zeittafel, in Horst Krüger: Diese Lust am Leben, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt 1993, S. 249Horst Krüger: Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland, Hoffmann und Campe, Hamburg 1976, S. 159 ff.

Kulturredakteur Nach 1946 arbeitete er zunächst als Mitarbeiter im Verlag Herder, ab 1947 als literarischer Mitarbeiter für das Feuilleton der neugegründeten Badischen Zeitung in Freiburg. Von 1952 bis 1964 leitete er das Literarische Nachtstudio des Südwestfunks in Baden-Baden.Biographische Notiz. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 281.Hoffmann und Campe: . Dort versuchte er vor allem die Literatur der verbannten und emigrierten Schriftsteller wieder bekannt zu machen. Zu seinen im Radio übertragenen Gesprächsrunden kamen unter anderem Theodor W. Adorno, Arnold Gehlen, Ernst Bloch und Alexander Mitscherlich.Horst Krüger: Biographische Notiz, in: Horst Krüger: Diese Lust am Leben, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1993, S. 247.

Schriftsteller, Journalist 1964 zog er als freier Schriftsteller nach Frankfurt am Main.Biographische Notiz. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 282. Er freundete sich mit dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer an, beobachtete auf dessen Einladung vier Wochen lang den ersten Frankfurter Auschwitzprozess.Horst Krüger: Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland, Hoffmann und Campe, Hamburg 1976, S. 222.Der Spiegel: Hitler, der uns bleibt, 28. Februar 1966. Der Prozess wurde zum Auslöser seiner Erinnerungen über seine Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus, die 1966 erschienen und sehr häufig wieder aufgelegt wurden, zuletzt 2023.Horst Krüger: Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland. Kampa Verlag, Zürich 2023, ISBN 978-3-311-15068-8. Ab 1969 schrieb er vor allem Reise-Erzählungen, die oft eine sozial-ethnographische Perspektive einnahmen und bei aller Eloquenz auf feuilletonistische Beliebigkeit verzichteten. Krügers Themen waren stets auch die nationalsozialistische Vergangenheit und ihre Folgen, die deutsche Teilung und die Erinnerungen an seine Jugend in Berlin.

Zwischen 1963 und 1987 schrieb er für das Feuilleton der Wochenzeitung Die Zeit.Die Zeit: Horst Krüger, abgerufen am 25. November 2024. Seine Texte trug er regelmäßig im Rundfunk vor. Dabei fiel er durch den sogenannten Krüger-Sound auf: ein lyrisches Parlando, das Punkte, Kommata und andere Satzzeichen ausließ.Biographische Notiz. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 283.Godehard Schramm: Schreibend kommt alles zurück, in: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 25 Seine Lesungen lösten stets viel Hörerpost an die Rundfunkanstalten aus.Wolfgang Buhl: Lobrede. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 33 f. Für ARD und ZDF drehte er Dokumentarfilme, darunter mit István Bury die Städteporträts Der Kurfürstendamm – Glanz und Elend eines Boulevards (1982), Frankfurt am Main – Plädoyer für eine verrufene Stadt (1983), San Francisco – Beschreibung einer Faszination (1983) und Einladung nach Budapest (1985).

Letzte Jahre In seinen letzten Lebensjahren hinderten ihn Krankheiten am Weiterschreiben.Der Spiegel: Gestorben: Horst Krüger, 1. November 1999. Seinen 80. Geburtstag hatte er bereits schwer erkrankt auf einer Intensivstation verbracht.Hamburger Morgenpost: Frankfurter Schriftsteller Horst Krüger gestorben, 21. Oktober 1999.

Er war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland und des Autorenrats im Freien Deutschen Autorenverband.

Privatleben Von 1948 bis zur Scheidung 1955 war er mit der Psychotherapeutin Hildegard Lange-Undeutsch verheiratet.

Auszeichnungen und Ehrungen 1970: Thomas-Dehler-Preis des Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen 1972: Johann-Heinrich-Merck-Preis 1973: Deutscher Kritikerpreis 1975: Ernst-Reuter-Preis 1980: Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main 1982: Goldene Kamera für sein Drehbuch zum Film Der Kurfürstendamm 1983: Journalistenpreis der Stadt München 1988: Friedrich-Märker-Preis 1990: Hessischer Kulturpreis 1990: Bundesverdienstkreuz am Bande laut Hessischer Staatsanzeiger 1990.

Werke Was ist heute links? Thesen und Theorien zu einer politischen Position. Herausgegeben und eingeleitet von Horst Krüger. Paul List, München 1963. Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland. Rütten und Loening, München 1966; neu aufgelegt mit einem Nachwort von Martin Mosebach, Schöffling & Co. 2019, ISBN 978-3-89561-014-1. Stadtpläne: Erkundungen eines Einzelgängers. Rütten und Loening, München 1967. Deutsche Augenblicke: Bilder aus meinem Vaterland. Piper Verlag, München 1969. Fremde Vaterländer: Reiseerfahrungen eines Deutschen. Piper, München 1971, ISBN 3-492-01896-3. Zeitgelächter: Ein deutsches Panorama. Hoffmann und Campe, Hamburg 1973, ISBN 3-455-04013-6. Ostwest-Passagen: Reisebilder aus zwei Welten. Hoffmann und Campe, Hamburg 1975, ISBN 3-455-04012-8. Poetische Erdkunde: Reise-Erzählungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1978, ISBN 3-455-04026-8. Ludwig, lieber Ludwig: Ein Versuch über Bayerns Märchenkönig. Hoffmann und Campe, Hamburg 1979, ISBN 3-455-04009-8. Unterwegs: Gesammelte Reiseprosa. Hoffmann und Campe, Hamburg 1980, ISBN 3-455-04007-1. Spötterdämmerung: Lob- und Klagelieder zur Zeit. Hoffmann und Campe, Hamburg 1981, ISBN 3-455-04027-6. Der Kurfürstendamm: Glanz u. Elend eines Boulevards. Hoffmann und Campe, Hamburg 1982, ISBN 3-455-04023-3. Erste Augenblicke: Reiseprosa. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1983, ISBN 3-423-10103-2. Tiefer deutscher Traum: Reisen in die Vergangenheit. Hoffmann und Campe, Hamburg 1984, ISBN 3-455-04015-2. Zeit ohne Wiederkehr: Gesammelte Feuilletons. Hoffmann und Campe, Hamburg 1985, ISBN 3-455-04018-7. Die Frühlingsreise: 7 Wetterbriefe aus Europa. Eremitenpresse, Düsseldorf 1988, ISBN 3-87365-239-0. Kennst du das Land: Reise-Erzählungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1987, ISBN 3-455-01892-0. Ein himmlisches Vergnügen: Eine Reise mit der "Donauprinzessin". Mit Illustrationen von Ingrid M. Schmeck. Reederei Peter Deilmann, Neustadt 1990. Wie Gott in Frankreich: Meine Reise mit der "Princesse de Provence". Illustrationen von Ingrid M. Schmeck. Reederei Peter Deilmann, Neustadt 1992. Diese Lust am Leben: Zeitbilder. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-38763-4. Kein schöner Land: Eine Flußreise in die Erinnerung mit der "Prinzessin von Preussen". Illustrationen von Ingrid M. Schmeck. Reederei Peter Deilmann, Neustadt 1996.

Schriften Essay und Publizistik, in: Anstöße. Berichte aus der Arbeit der Evangelischen Akademie Hofgeismar, 3/1960, S. 113–124 Der Radioessay. Versuch einer Bestimmung, in: Neue Deutsche Hefte, 101/1964, S. 97–110 Fremdling in der Stadt – Gedenkblatt für Fritz Bauer, in: Die Zeit, Nr. 28, 12. Juli 1968 Über Reisen schreiben. Eine Bilanz, in: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, Jb. 1988, S. 78–89

Fernsehfilme Die Zufallsreise – Porträt der kastilischen Stadt Valladolid, mit Luis Trenker, Südwestfunk, 1958 Der Mann aus Aix – Porträt von Paul Cézanne, Südwestfunk 1960 El Escorial – Spaniens dunkler Traum, Saarländischer Rundfunk, 1976 Reval-Tallin – Bilder aus Estland, ZDF, 1979 Der Kurfürstendamm – Glanz und Elend eines Boulevards, mit István Bury, ARD, 1981 Frankfurt am Main – Plädoyer für eine verrufene Stadt, mit István Bury, ARD, 1982 San Francisco – Beschreibung einer Faszination, mit István Bury, ARD, 1983 Zur Heimat erkor ich mir die Liebe – Ein Film über die Dichterin Mascha Kaleko, ZDF, 1984 Bayreuther Szene – Zu Gast bei Richard Wagner, ZDF 1984 Einladung nach Budapest, mit István Bury, ARD 1985 Berlin – die schöne Inselstadt, Südwestfunk, 1987Bibliographie. In: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Horst Krüger – ein Schriftsteller auf Reisen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, S. 286.

Hörfunk-Features Camping – Bilder aus einer neuen Freizeitgesellschaft, mit Fritz Schröder-Jahn, Südwestfunk/SFB, 1969 Das perfekte Schattenreich – Erfahrungen bei einer Schweden-Reise, Südwestfunk/SFB/WDR 1970 Die Normalisierung – Prag, vier Jahre nach dem August 1968, SFB 1972 An den Küsten Kaliforniens, hr/SFB/WDR 1973, Wiederholung auf SWR2 - Essay am 15. Juli 2019 Bayreuther Szene – Beobachtungen in der Festspiel-Stadt, Bayreuth und seine großen Tage, BR 1973 Die Grenze, SFB 1975 Das freundliche Trotzdem – Bilder einer Ungarnreise, hr/SFB 1975 Wien – oder die Last der Vergangenheit – Ein deutscher Versuch, Österreich zu verstehen, hr/SFB/WDR 1976 Fremde Heimat – Touristische Erfahrungen zwischen Brandenburg und Frankfurt/Oder, SFB/DLF/WDR 1976