Lohmen ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Güstrow-Land mit Sitz in der nicht amtsangehörigen Stadt Güstrow verwaltet.
Geografie mini|links|Blick auf Lohmen vom Kirchturm, im Hintergrund der Lohmer See (2011) Die Gemeinde Lohmen liegt im nördlichen Endmoränengebiet der Mecklenburgischen Seenplatte zwischen den Städten Güstrow und Goldberg. Sie grenzt an den Landkreis Ludwigslust-Parchim, hat Flächen im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide und im Naturpark Sternberger Seenland. Im Gemeindegebiet liegen mehrere Seen, unter anderem der Garder See und der Nienhäger See, die beide von der Bresenitz durchflossen werden, der Lähnwitzsee und der Lohmer See.
Umgeben wird Lohmen von den Nachbargemeinden Gülzow-Prüzen und Gutow im Norden, Zehna und Reimershagen im Osten, Dobbertin im Süden, Borkow und Mustin im Westen sowie Klein Upahl im Nordwesten.
Zu Lohmen gehören die Ortsteile Altenhagen, Garden, Gerdshagen, Lähnwitz, Nienhagen, Oldenstorf und Rothbeck.
Geschichte der Orte Lohmen Historische Entwicklung Das Gebiet der jetzigen Gemeinde wurde schon vor wenigstens 5000 Jahren besiedelt. Davon zeugen Megalith- und Hügelgräber in der Umgebung des Ortes, darunter ein größeres Gräberfeld aus mindestens zehn bronzezeitlichen Grabhügeln im Waldgebiet Lohmer Stüde, welche aus den Jahren 1200 bis 600 v. Chr. stammen.
Lohmen wurde als Lohme erstmals in einer Schenkungsurkunde am 28. September 1225 erwähnt, als Fürst Heinrich Borwin II. von Mecklenburg das Dorf Lohme mit allem Ackerland dem Klosters Dobbertin schenkte.MUB I. (1863) Nr. 343. Seine Söhne Johann von Mecklenburg und Nikolaus I. von Werle bestätigen am 28. August 1227 in Güstrow dem Kloster Dobbertin den ihm von ihrem verstorbenen Vater zwei Jahre vorher übereigneten Güterbesitz, darunter „das dorff Lome“.
Seit Verleihung des Archidiakonats der Kirche zu LohmenLHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 299 Patronatskirchen des Klosters. durch den Schweriner Bischof Brunward am 27. Oktober 1234 gehörte diese zum Kloster Dobbertin.MUB I. (1863) Nr. 425. Fürst Nicolaus von Rostock beurkundete am 23. November 1237 in Güstrow den Dobbertiner Nonnen mit den Grenzen des Klosters auch ihren Besitz am Dorf Lohmen.MUB I. (1863) Nr. 469. 1263 nahm Papst Urban IV. das Kloster Dobbertin, dessen Güterbesitz und Rechte, darunter das Patronat von ius patronatus im dorffe Lumene, in seinen Schutz.MUB II. (1864) Nr. 983.
Lohmen leitet sich vom altslawischen Wort Lomu für Bruch, Wind- und Steinbruch ab.Paul Kühnel: Die slawischen Ortsnamen in Mecklenburg. MJB 46 (1881) S. 86. Da der heutige Begriff Bruch vieldeutig ist, wäre eine Deutung als Sumpf- und Feuchtwiesenort entsprechend den alten Flurbezeichnungen wahrscheinlicher.Heinz Koch: Lohmen. 2012, S. 98. Lohmens Ortsteile Garden und Lähnwitz sind slawischer Herkunft, was ihr Namen verrät. Die Ortsteile Oldewinesthorp (Oldenstorf), Gerardershagen (Gerdshagen), Woluerameshagen (Altenhagen) und Nienhagen wurden durch deutsche Siedler während der Ostkolonisation gegründet.
Die Geschichte des Dorfes war über siebenhundert Jahre eng mit dem Kloster Dobbertin verbunden. Solange das Klosteramt bis 1919 bestand, war Lohmen ein Klosterdorf und gleichzeitig ein Bauerndorf. Während der Reformationsjahre wurde auch in Lohmen die unter dem Patronat des Klosters stehenden Kirchen visitiert. Ende September 1557 wurde festgestellt, dass der dortige Pastor Joachim Rossow „ein alter Mann sei, der nach dem Zölibat lebte, den Katechismus und die Artikel nicht so recht verstand.“Friedrich Lisch: Die Reformation des Klosters Dobbertin. MJB 21 (1857) S. 116–117.
1594 wurde Chim Möller wegen schlechter Bewirtschaftung seines Katens und Pferdediebstahls durch das Dobbertiner Klosteramtsgericht aus Lohmen ausgewiesen.LHAS 10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Nr. 275 Clagebuch des Klosters Dobbertin 1593–1598.
Auch nach der Reformation, als das Kloster ab 1572 zu einem Damenstift umgewandelt wurde, blieb die Abhängigkeit vom Kloster Dobbertin bestehen. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Ort von der Pest heimgesucht. Den Dreißigjährigen Krieg überlebte nur die Witwe des Dorfschulzen mit ihren Söhnen und von den vormals 17 Bauernstellen des Dorfes waren im Jahr 1690 erst sieben wieder besetzt. 1777 war die Lohmer Brücke in einem schlechten Zustand, so dass dort ein Pferd von der Postkutsche des Postillons Pester nach Güstrow verunglückte. Seine Klage gegen das Klosteramt wurde auf dem Landtag zu Sternberg abgewiesen.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 26. November 1777, Nr. 17.
Lohmen entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten wieder zu einem der zentralen Orte im Klosteramt. Viele der im Dobbertiner Kloster beschäftigten Arbeiter wohnten in Lohmen. Im 19. Jahrhundert gab es in Lohmen 200 Einwohner und einige landwirtschaftliche und handwerkliche Betriebe wie Fischerei, Ziegelei, Schmiede, Dorfkrug mit Kolonialwarenhandel und eine Stellmacherei. 1896 brannte durch Blitzschlag ein zweihischiger Katen ab.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 18. November 1896, Nr. 8.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR wurden am 1. Juli 1950 die bis dahin eigenständigen Gemeinden Altenhagen, Garden und Oldenstorf nach Lohmen eingegliedert. Am 25. Januar 1953 gründete sich im Ort die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Bernhard Quandt, benannt nach dem ostdeutschen Politiker Bernhard Quandt. Der Zusammenschluss der LPG mit anderen Genossenschaften führte zu einem Anstieg an Wohnraumbedarf. So wurden die Siedlungsfläche erweitert und neue Häuser errichtet. Es entstanden rund 70 Eigenheime westlich der heutigen Chausseestraße, der Landstraße nach Bützow. Hier wurden auch eine Schule mit Turnhalle, ein Sportplatz, ein Kindergarten, eine Kinderkrippe und ein Einkaufszentrum neu gebaut. In den 1970er Jahren entstanden am Garder See ein Campingplatz, Ferienhäuser und zwei Kinderferienlager im Ortsteil Garden.
Die Wende veränderte die verwaltungstechnische, wirtschaftliche und soziale Struktur. Die LPG löste sich auf, es entstand ein privat geführter Fischereihof, darüber hinaus ein Wohn- und Pflegezentrum für Senioren. 1996 eröffneten die Reha-Klinik Garder See mit den Bereichen Gastroenterologie, Onkologie, Orthopädie, Pulmologie, Urologie und Psychosomatik.Homepage Reha-Klinik Garder See, abgerufen am 30. Juni 2020. und ein Hotel. Verschiedene gewerbliche Betriebe und Dienstleister siedelten sich an. Lohmen entwickelte sich zu einem Wirtschaftsstandort im ländlichen Raum, was mit einer hohen Beschäftigungsrate und stabiler Bevölkerungsentwicklung verbunden ist. Verwaltungsmäßig schlossen sich mehrere kleine Dörfer zur Gemeinde Lohmen zusammen. Allerdings musste die Schule im Ort ebenso wie die Lebensmittel-Kaufhalle schließen. Die Schule wurde zum Sitz der Freiwilligen Feuerwehr umfunktioniert, die Kaufhalle abgerissen.
Eine überregionale Bekanntheit erlangte Lohmen 2017 durch den NDR-Film 7 Tage … im Auftrag des Herrn.7 Tage im Auftrag des Herrn auf www.ndr.de.
Im Ort Lohmen konnten ab den 2010er Jahren etliche Rekonstruktionsarbeiten ausgeführt werden, weil sowohl durch die EU als auch durch das Land Mecklenburg-Vorpommern finanzielle Hilfen bereitgestellt wurden und werden.
Bauwerke Dorfkirche
mini|hochkant|Westturm (2011) Die Kirche mag Mitte des 13. Jahrhunderts schon im Bau gewesen sein. Seit 1234 war sie Patronatskirche des Dobbertiner Klosters. Als rechteckiger Feldsteinbau, bestehend aus Chor, Schiff und Turm, wurde sie in mehreren Bauphasen errichtet. Der Chor mit seiner geraden Ostwand wurde als erster Bauteil ausgeführt. Er wird auf 1285 datiert.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 100. Das rechteckige etwas höhere aus behauenen Feldsteinen und mit einem Satteldach versehene Kirchenschiff soll um 1300 entstanden sein. Der quadratische eingezogene Westturm wurde erst zwischen 1450 und 1560 angebaut.Fred Beckendorff, Reinhard Schaugstat: Lohmen. 2003, S. 46. Das Lohmener Gotteshaus ist eine für Mecklenburg typische Feldsteinkirche mit klarer Staffelung der einzelnen Bauglieder.
Pfarrgebäude Der Bau einer neuen Scheune auf dem Pfarrhof wurde 1839 bewilligt.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 13. November 1839, Nr. 18. Ab 1843 folgten die gründliche Reparatur und der Durchbau des Pfarrhauses bis 1846 und des Küsterhauses mit einer kleinen Scheune nebst Stallungen.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 8. November 1843, Nr. 22. 1878 wurde das Kaufmannshaus vollendet und bezogen.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 6. November 1878, Nr. 17.
Ziegelei Aus wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Gründen hatten 1838 die Klostervorsteher vorgesehen, die Ziegelei von Lähnwitz nach dem Altenhägener Schmiedegehöft zu verlegen, doch die Schmiedehufe war schon verpachtet.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokokll, 14. November 1838, Nr. 3, 7. Im Jahr 1839 begann südlich von Lohmen an der Landstraße in Richtung Dobbertin der Aufbau der Ziegelei. Sie lag am Rande einer feuchten Niederung, in der Torf gewonnen wurde. 1840 übernahm Zieglermeister Reinhold von der klostereigenen Ziegelei aus Mestlin den Neubau in Lohmen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 752 Präsentatenbuch 1838–1842, 16. Juni 1839, S. 159. 1842 stand das Zieglergehöft.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3840, Zieglergehöft.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 12. November 1840, Nr. 1.
Ziegler waren: 1840 Reinhold, Zieglermeister aus Mestlin. 1852 Johann Joachim Friedrich Bartels, Zieglergeselle. 1854 Friedrich Goldberg, Zieglermeister, an 1872 Hufenpächter zu Lohmen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4632 Verpachtung Hufe VIII. (Ziegelei). 1867 Friedrich Goldberg, Zieglermeister und Sohn Theodor, Ziegler. Johann Schultz, Zieglergeselle und Wilhelm Kort, Zieglerlehrling.
Außerdem wohnten in der Ziegelei die Ehefrau, vier Töchter, vier Söhne, die Schwiegermutter, ein Hauslehrer, zwei Mädchen, vier Knechte und der Hirtenjunge. Die Ziegelei war verhältnismäßig recht groß und produzierte bis 1872. Forstamt mini|Forstamt (2011) Das Kloster richtete 1884 eine Revierförsterei ein und siedelte Forstarbeiter an. 1883 wurde der neue Forstarbeiter-Katen errichtet.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 21. November 1883, Nr. 19. Ein weiterer Forstarbeiter-Katen mit Anbau wurde 1903 für 4554,19 Mark gebaut.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 14. November 1904, Nr. 9.
Molkerei, Krug und Wohngebäude Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden im Ort eine Molkerei und 1903 durch den Amtsmaurermeister Andreas ein Tanzsaal am Kruggehöft gebaut.LHAS 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Nr. 4698. Am 28. zum 29. Juni 1907 brannte durch Blitzschlag ein alter mit Schilf gedeckter Fachwerk-Katen mit 6 Wohnungen und massivem Stall völlig ab.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 1907, Nr. 19. Im Jahr 1931 erhielt Lohmen elektrischen Strom.
Aus der Schule wird das Gebäude der Feuerwehr Im April 1945 wurde die alte Schule auf dem Küstergehöft durch eine Fliegerbombe zerstört und brannte ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdreifachte Lohmen durch Flüchtlinge, Umsiedler und andere Zuzüge seine Einwohnerzahl. Ein neues Schulgebäude entstand an der früheren Stelle.
Ein früherer Getreidespeicher aus dem Jahr 1910 erfuhr einen Umbau und wurde so zum Dorfmuseum Lohmen, das von einem Verein getragen wird. Die historische Pfarrscheune konnte ebenfalls rekonstruiert werden und dient mittlerweile als Festscheune insbesondere für größere Veranstaltungen. Unter dem Dach befindet sich ein Erntekranz, der mit einem Durchmesser von zwei Metern der größte im Land Meck-Pomm sein soll. Er wird in unregelmäßigen Abständen von freiwilligen Helfern erneuert.
Ursprüngliche Trafostation