Lohner Carlson ist der Name des Künstlerduos Henning Lohner und Van Carlson, dessen künstlerische Arbeit im Jahr 1989 begann. Seit Carlsons Tod 2011 wird sie von Lohner alleine fortgeführt. Bekannt ist das Duo vor allem durch die Werkreihe Active Images, die einen Grenzbereich zwischen Film und Fotografie markiert.

Arbeiten mit John Cage Die künstlerische Zusammenarbeit des Filmkomponisten und Filmemachers Henning Lohner mit dem Kameramann und Photographen Van Carlson begann 1989. Prägend für die Kollaboration des Künstlerduos waren die gemeinsamen Arbeiten mit dem Komponisten John Cage. Zu diesen Arbeiten zählt der akribisch geplante Kunstfilm One11 und 103.David W. Bernstein, Christopher Hatch: Writings through John Cage's Music, Poetry, and Art. University of Chicago Press, 2010, ISBN 0226044874, S. 291 () Das Werk, das Cages einziger Langfilm ist, hat keine Handlung und besteht aus Schwarz-Weiß-Bildern, die als Drehbuch einer komponierten Partitur zugrunde liegen und von Cages Stück 103 begleitet werden. Der Film beschäftigt sich mit der Wirkung von Licht in einem leeren Raum und der Wahrnehmung dieser und gilt als „poetischer wie suggestiver filmischer Essay“. In der Rezeption wurde die Einzigartigkeit des Werkes in der Film- und Musikgeschichte betont, wobei Kritiker ihn als „meisterhaft“, „traumartig“ und „magisch“ bezeichneten.

Mit der vollständig durchkomponierten Hommage Die Rache der toten Indianer (1993) setzten Lohner und Carlson Cage posthum ein filmisches Denkmal. Zahlreiche Künstler treten darin auf, unter ihnen Dennis Hopper, Matt Groening, Heiner Müller und Yoko Ono, und sprechen über Cages Werk und seinen Einfluss. Die Tageszeitung schrieb dazu, Lohners 130-Minuten-Hommage an den Avantgarde-Musiker Cage führe "in unaufdringlicher Bild-Ton-Didaktik zu den Kompositionsprinzipien des Mannes, dem die moderne Musik die Symbiose von Harmonie und Chaos verdankt."

Active Images 1995 wurde erstmals Lohners und Carlsons audiovisuelle Installation Raw Material, Vol. 1–11 gezeigt, die unter anderem in Den Haag, Rom und Berlin ausgestellt wurde. Die Videokomposition entstand aus Lohners mehrere hundert Stunden umfassenden Rohmaterial-Archiv und zeigte auf elf Monitoren sowohl Interviews als auch Landschaften in „einer gleichwertigen Koexistenz der Sprache, der Bilder und der Töne.“

Aus dieser Installation ging die Werkreihe Bewegte Bilder / Active Images hervor, die 2006 erstmals in der Galerie Springer in Berlin unter dem Titel raw material – portraits and landscapes zu sehen waren. Die Idee entstand laut Lohner aus der „Liebe zur Videofotografie und der später aufkommenden Verzweiflung über den Verlust dieser Bilder, wenn aus ihnen ein Film geschnitten wurde.“ Lohner und Carlsons gerahmte Videobilder markieren den Grenzbereich zwischen Film und Fotografie; in statischen Kameraeinstellungen werden Filmausschnitte von Landschafts- und Porträtaufnahmen gezeigt. Der ausgewählte Ausschnitt der Welt bewegt sich, die Kamera ist regungslos.

Seit Carlsons Tod im Jahr 2011 setzt Lohner das Werk alleine fort. Lohner selbst bezeichnet die Arbeiten auch als „visuelle Musik“.

Lohner Carlsons Medienkunst wurde weltweit an zahlreichen Ausstellungsorten gezeigt, unter anderem am Centre Georges-Pompidou, San Francisco Museum of Modern Art, Solomon R. Guggenheim Museum in New York, Museu Calouste Gulbenkian in Lissabon, der Galleria Traghetto in Venedig und Rom, Kunsthalle Emden, National Art Gallery in Kuala Lumpur und der Mira Art Collection in Tokyo.

2021 waren Lohner Carlsons Werke als Teil der Gerhard-Richter-Ausstellung Haus Liebermann der Stiftung Brandenburger Tor zu sehen. Die Frankfurter Rundschau schrieb dazu: "Der Filmemacher Henning Lohner hat den Maler verewigt, wie er an der Wand seines Kölner Ateliers schwungvoll zeichnet. [...] Und ein extra Raum mit Filmen von Lohner und Van Carlson gibt intime Einblicke in die Arbeit Richters."

Rezeption Der Kulturjournalist Detlef Wolff schrieb 1996, die Arbeit von Lohner Carlson erhebe sich „weit über die häufig so öden Niederungen der Videokunst. Sie kann einen Gipfel bilden, weil ihr Urheber die technischen Voraussetzungen für einen kreativen Umgang mit der Kamera perfekt beherrscht und keine nur wenig durchdachten Absichtserklärungen schon als Ergebnisse ausgibt. [...] Lohner weist sich mit seiner Arbeit als ein permanent neugieriger und zu genauem Hinsehen befähigter Künstler aus. Immer wieder gelingt es ihm, im scheinbar Normalen das Außerordentliche zu entdecken.“

Tip Berlin schrieb über die „malerischen Videoszenen“, sie setzten „die Zeit außer Kraft. So kann man sich quasi endlos in Wasserspiegelungen verlieren, dem Verkehrsfluss auf der Istanbul Bridge folgen oder sich vom springenden Fisch im Märchenwaldsee bezaubern lassen.“

Die Rheinische Post beschrieb eine Ausstellung im Jahr 2015 folgendermaßen: „Die sich sehr langsam bewegenden und Zeit einfordernden Film-Bilder sind von einer starken, wenn auch oft subtilen Rhythmik gekennzeichnet. Die Gondeln des Londoner Riesenrades bewegen sich wie Taktzeichen, die reflektierende Fassade am Canary Wharf weist eine rhythmische Gliederung auf. Die Bewegungen eines blühenden Busches wirken wie ein Tanz zu unhörbarer Musik.“

Eine andere Rezension bemerkte, dass Lohner Carlson „die Grenze zwischen Stand- und bewegtem Bild auf faszinierende Weise verknüpfen“: „Die Grenze von Bild und Film wird fließend. […] Durch starke Lichtreflexe wird Bewegung assoziiert, die in starkem Kontrast zur ruhigen Stadtszenerie steht. Das Verweilen im Augenblick, getragen von der Idee, der uns gewohnten Bilderdichte zu entkommen, definieren das zentrale Thema.“

Ausstellungen

Einzelausstellungen 2021: Art Break – Henning Lohner: Gerhard Richter im Atelier, Stiftung Brandenburger Tor – Max Liebermann Haus, Berlin 2018: Galerie Hus, Paris 2017: Felix Ringel Galerie, Düsseldorf 2017: Ars Electronica Center, Linz 2017: Ikono.tv, weltweit 2015: Galerie Löhrl, Mönchengladbach 2014: RSA Antiquitäten, Wiesbaden 2013: Egeskov Fine Arts, Copenhagen 2013: RSA Antiquitäten, Wiesbaden 2013: INM – Institut für Neue Medien, Frankfurt am Main 2013: Galerie Springer, Berlin 2012: Erik Thomsen Gallery, New York 2012: Galerie Brachfeld, Paris (2×) 2012: SEZ – Sport- und Erholungszentrum, Berlin 2012: Galerie Hus, Paris 2011: Galerie Son, Berlin 2009: Bilirubin Gallery, Berlin 2008: Galerie Springer & Winckler, Berlin 2007: Galleria Traghetto, Rom 2006: Galerie Springer & Winckler, Berlin 1997: Goethe Institute Rome (Festival Internationale della Installazione Sonora), Rom 1996: Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern 1996: 12th International Video & Film Festival, Kassel 1996: World Wide Videofest, Gemeente Museum, The Hague 1995: Lichthaus, Bremen 1995: Hessisches Landesmuseum, Wiesbaden 1995: Foro Artistico in der Eisfabrik, Hannover

Gruppenausstellungen 2022: Im Tiefenrausch. Film unter Wasser, DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main 2022: 10 Jahre Galerie Springer Jubiläumsausstellung, Berlin 2021: Nothing to see ness, Akademie der Künste, Berlin 2018: Holocaust Memorial Day, Ikono TV, weltweit 2017: Art & Technology, Palais des Beaux-Arts de Bruxelles, Brüssel 2016: Musicircus, Centre Pompidou, Metz 2015: Alles hat seine Zeit, WimmerPlus, Prien am Chiemsee 2014: The Vertigo of Reality, Akademie der Künste, Berlin 2014: Neither, Seventeen, London 2014: Serpentine Cinema, Serpentine Gallery, London 2014: Hannah Rickards Exhibit, Modern Art Oxford, Oxford 2013: A Grammar of Subversion, Barbican Centre, London 2012: The Freedom of Sound - John Cage Behind The Iron Curtain, Ludwig Museum of Contemporary Art, Budapest 2012: Raum – Räume, Galerie Springer, Berlin 2012: Dennis Hopper: The Lost Album, Martin Gropius Bau, Berlin 2012: John Cage and …, Museum der Moderne, Salzburg 2012: John Cage and …, Akademie der Künste, Berlin 2012: A House full of Music, Mathildenhöhe, Darmstadt 2012: Sounds like Silence, Hartware Medienkunstverein, Dortmund 2012: Warsaw Autumn, Exhibition Space of the Austrian Embassy, Warschau 2011: INM 20th Anniversary Exhibition, Ministry of Economics, Wiesbaden 2011: Tendencies in Contemporary Art, Wirtschaftsforum, Berlin 2011: Group Show Heisig – Oh – Lohner Carlson, Galerie Son, Berlin 2010: Realismus, Kunsthal Rotterdam, Rotterdam 2010: Realismus, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 2010: Realismus, Kunsthalle Emden, Emden 2008: Performance Art, SFMOMA, San Francisco 2007: Tendencies in Contemporary Art, Galleria Traghetto, Venedig 1996: National Art Gallery of Malaysia, Kuala Lumpur 1996: Portland Art Museum, Portland, Oregon 1995: Artist in Residence, INM – Institut für Neue Medien, Frankfurt am Main 1995: Videofest, Podewil, Berlin 1994: Rolywholyover a Circus, The Menil Collection, Houston 1994: Artists of the INM, Galerie der Stadt, Sindelfingen 1993: Rolywholyover a Circus, Museum of Contemporary Art, Los Angeles 1993: European Media Arts Festival, Osnabrück 1993: Secondo Colloquio internationale di Musica Contemporanea, Palermo 1992: 30 Years Fluxus, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, Wiesbaden 1991: Classique en Images, La Scala, Mailand 1991: Classique en Images, Louvre, Paris

Weblinks Lohner Carlson bei der Galerie Springer Lohner Carlson – Silences / Active Images

Einzelnachweise

Kategorie:Künstlerduo (Bildende Kunst) Kategorie:Videokunst Kategorie:Künstlergruppe (Medienkunst)