Ummerstadt ist eine Stadt im Landkreis Hildburghausen in Thüringen und seit 1994 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Heldburger Unterland. Mit 462 Einwohnern (31. Dezember 2024) ist sie die kleinste Stadt Thüringens, die kleinste der Region Franken und die drittkleinste in Deutschland. mini|Ummerstadt von Westen
Geographische Lage Ummerstadt liegt im Heldburger Land im südlichsten Zipfel des Freistaates Thüringen. Ein großer Teil der Gemarkungsgrenzen ist zugleich Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern, hinter der das Coburger Land liegt. Die Nachbarstadt in Thüringen ist Heldburg, Nachbarstädte in Bayern sind Bad Rodach, Seßlach und Coburg. Durch seine Lage am Flüsschen Rodach, das über die Itz in den Main entwässert, gehört Ummerstadt zum Einzugsgebiet des Rheins.
Geschichte Im Codex Eberhardi, einer Urkundensammlung des Klosters Fulda, deren Kopien um 1140 entstanden, wurden zahlreiche Orte des Grabfeldgaus erstmals genannt. Zu Ummerstadt gehört wohl einer der beiden nicht sicher zuordenbaren Namen „Uundrungeuui“ (Urkunde 507 vom 17. Oktober 837) oder „Gubrahtestat“ (Urkunde 520 vom 2. Oktober 838). In beiden Urkunden werden auch Heldburg und Hellingen genannt. Eine Würzburger Urkunde Nr. 5630 vom 1. Februar 1223 nennt wiederum Heldburg und „Umerstat“ gemeinsam. Ein wettinisches Kopialbuch enthält die Abschrift der verloren gegangenen Stadtrechtsurkunde vom 2. Dezember 1394, die im „Dorf Heldburg“ ausgestellt wurde. Heldburg erhielt am gleichen Tag Stadtrecht. Die Ummerstädter betonten aber, dass sie schon unter den Hennebergern Stadtrechte (also spätestens 1374, dem letzten Jahr der hennebergischen Herrschaft), erhalten hätten, die Urkunde aber verloren gegangen sei. Tatsächlich wurde 1347 im Zusammenhang mit dem Übergang der hennebergischen Pflege Coburg als Mitgift (zu der unter anderem Ummerstadt gehörte) an den Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen, Friedrich III. der Strenge, Ummerstadt eine Stadt genannt. Ummerstadt besitzt damit hennebergisches und wettinisches Stadtrecht.
Auf dem Kirchberg von Ummerstadt befand sich eine Befestigungsanlage. Die Mauer, das Tor und der Torturm sowie Reste des Wallgrabens zeugen noch davon.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 158.
Während des Dreißigjährigen Krieges brannten im September 1632 52 Wohnhäuser sowie alle öffentlichen Gebäude ab. In den Folgejahren hatte die Stadt nur noch etwa 100 Einwohner. Elf Jahre später gab es nur noch 26 bewohnte Häuser.
Ab dem 18. Jahrhundert war das Töpferhandwerk der dominierende Wirtschaftszweig der kleinen Stadt.
Durch seine Lage im Grenzgebiet der DDR war Ummerstadt schon vor dem Fall der Mauer einer starken Abwanderung ausgesetzt. Bereits 1952/1953 mussten Bürger, bei denen eine politische Gefahr gesehen wurde, durch Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze die Stadt verlassen. Hatte Ummerstadt bei Gründung der DDR 1949 noch fast tausend Einwohner, halbierte sich diese Zahl in den folgenden Jahrzehnten fast. Der Ortsteil Erlebach wurde bis 1982 vollständig geräumt. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde Ummerstadt zur kleinsten Stadt der DDR. Nach 1990 setzte sich der Abwanderungstrend unverändert fort. 1992 stimmte die Bevölkerung in einem Bürgerentscheid für den Erhalt der Selbständigkeit Ummerstadts.
Einwohnerentwicklung mini|Entwicklung der Einwohnerzahlen der Stadt Ummerstadt Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1861: 887 1885: 825 1949: 969 1983: 600 1987: 550 1994: 539 1995: 545 1996: 540 1997: 538 1998: 541 1999: 534 2000: 539 2001: 528 2002: 526 2003: 526 2004: 526 2005: 533 2006: 530 2007: 522 2008: 507 2009: 508 2010: 500 2011: 492 2012: 487 2013: 488 2014: 487 2015: 484 2016: 474 2017: 462 2018: 461 2019: 463 2020: 468 2021: 452 2022: 452 2023: 458 2024: 455 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Dialekt In Ummerstadt wird wie im Coburger Land der mainfränkische Dialekt Itzgründisch gesprochen.
Politik Stadtrat Der Stadtrat in Ummerstadt besteht aus fünf Ratsmitgliedern – darunter eine Frau –, die bei der Kommunalwahl am 27. Mai 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden. Vier gehören den Freien Wählern und einer der Wählergruppe Für Ummerstadt an. Ein weiterer der Wählergruppe zustehender Sitz konnte nicht besetzt werden.
Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2022 Florian Lorz. Zuvor war seit 2004 Christine Bardin im Amt.
Wappen Blasonierung: Geviert von Gold und Blau, darin vier einander zugewendete Löwen: im ersten und vierten Feld schwarz mit roter Zunge und Bewehrung, im zweiten und dritten siebenmal von Silber und Rot geteilt.Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der DDR. 2. Aufl., Leipzig 1984, S. 468/469. – Dort wird das Lexikon der Städte und Wappen der DDR wie folgt zitiert: „Geviert von 1:4 Gold und 2:3 Blau, darin vier einander zugewendete aufgerichtete Löwen: vorn oben und hinten unten schwarz mit roter Zunge und Bewehrung, hinten oben und vorn unten siebenmal von Rot und Silber geteilt“ (d. h. der Löwe beginnt oben rot wie der Thüringer Löwe im heutigen Landeswappen). Das auf der Seite dargestellte Wappen zeigt jedoch einen oben silbernen Löwen.
Das Wappen von Ummerstadt zeigt einerseits die markmeißnischen und andererseits die thüringischen Löwen, womit sowohl die ehemalige Zugehörigkeit zum Hause Wettin (als Balthasar von Meißen die alten verlorengegangenen Stadtrechte von neuem bestätigte) als auch zum Lande Thüringen bestätigt wird. Die vier Felder mit den Löwen erschienen erstmals auf einem 1400 entstandenen Siegel.
Bauwerke Die gesamte historische Ortslage von Ummerstadt steht unter Denkmalschutz, daneben gibt es zahlreiche Einzeldenkmale. Als Denkmal der Stadt- und Verkehrsgeschichte ist die rund 36 Meter lange Rodachbrücke von 1565 von Bedeutung. Die Altstadt verfügt noch über ein geschlossenes Fachwerkensemble. Besonders sehenswert ist der Marktplatz mit dem historischen Rathaus; nach einem im Sockelgeschoss befindlichen Stein soll es 1558 erbaut worden sein. Es wurde 1682 nach dem „Schwedenbrand“ erneuert. Die zuvor aus Furcht vor weiteren Stadtbränden verputzte und reich geschmückte Hausfassade wurde erst 1929 wieder freigelegt. Auf dem Markt befindet sich der Marktbrunnen von 1687 und in der Nähe die evangelische Pfarrkirche St. Bartholomäus. Die Bergkirche St. Andreas geht wohl auf eine bereits um das Jahr 880 von schottischen Mönchen angelegte Kapelle zurück und gilt als eine der ältesten Kirchen im Umkreis. Beeindruckend ist auch die später hinzugefügte Wehranlage, die das romanische Gotteshaus noch immer teilweise umgibt. Auf dem anschließenden Gelände befindet sich der Friedhof, von dort führt ein Fußweg zum Pfarrhaus. Am Rand der Altstadt befindet sich auch das ehemalige Brauhaus. Für die Trinkwasserversorgung und zum Bierbrauen wurde vor Jahrhunderten bereits eine Wasserleitung als „Röhrenfahrt“ angelegt, auf die man sehr stolz ist; die fünf Laufbrunnen in der Ortslage brachten Ummerstadt später den Necknamen „Fünf-Brunnen-Stadt“ ein. mini|hochkant|Friedhofskirche, ehemalige Stadt- und Wehrkirche
Söhne und Töchter der Stadt mini|hochkant=0.6|Johann Georg Rosenmüller Justus Laurentius Diez (1692–1750), lutherischer Theologe Johann Georg Rosenmüller (1736–1815), Theologe, Superintendent der Leipziger Thomaskirche Friedrich Konrad Müller (1823–1881), Dichter Erich Scharf (1908–1943), kommunistischer Arbeiter, Thüringer KPD-Landtagsabgeordneter, Schutzhäftling und Wehrmachtssoldat.
Literatur
Max-Rainer Uhrig: Das Heldburger Land. In: Frankenland, Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege. Heft 6, Würzburg, Juni 1990 (online erreichbar uni-wuerzburg.de PDF). Norbert Klaus Fuchs: Das Heldburger Land, ein historischer Reiseführer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, ISBN 978-3-86777-349-2. Paul Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Heft XXXI: Herzogthum Sachsen-Meiningen, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild. 1904 (Reprint, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-86777-378-2).
Weblinks
Private Website über Ummerstadt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Hildburghausen Kategorie:Stadt in Thüringen Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1394