Der Weinbau in Italien ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Italien gehört zu den wichtigsten europäischen Weinproduzenten. Im Jahr 2020 hatte das Land eine Gesamtrebfläche von 168.850 Hektar für die Weinerzeugung.

Im Jahr 2020 wurden in Italien insgesamt 48.860.109 Hektoliter Wein erzeugt. Davon waren 63,0 % (= 330) DOC-Weine, 22,5 % (= 118) waren IGT-Weine. 25,30 % waren Vini Comuni e Varietali, dies sind einfache Weine ohne Qualitätseinstufung (Vini Generici, seit 2009). Jede der 20 italienischen Regionen hat ihre eigenen Rebflächen, wobei die Toskana in zwei und das Piemont in vier Unterzonen unterteilt sind. Wein ist in Italien fester Bestandteil des Alltagslebens.

mini|500px|Regionen in Italien mini|Weinlandschaft im Chianti-Gebiet der Toskana

Qualitätsstufen in Italien In Italien gibt es 76 DOCG-Weine (mit kontrollierter und garantierter Herkunftsbezeichnung), 330 DOC-Weine (mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung) sowie 118 IGT-Weine (Landweine), Stand 2023.

Daneben gibt es noch Klassifizierungen wie in Spanien, die auf die Lagerung hinweisen, so etwa die Prädikate Riserva oder Vecchio, die auf eine längere Fasslagerung als vorgeschrieben hinweisen. Das Wort Superiore steht in der Regel für einen Wein, der einen höheren Alkoholgehalt hat als der Standard DOC-Wein.

Zusätzlich gibt es Bezeichnungen wie „Vino Nobile di …“ (beispielsweise Montepulciano – Ortsangabe, nicht Traube).

Generell verboten in Italien ist das Anreichern von Weinen mit Zucker (Chaptalisation), wie es in Deutschland oder bei Bordeaux-Weinen zugelassen ist. Zulässig ist jedoch das Anreichern schwacher Weine mit starkem Most, zum Beispiel aus Süditalien.

Das Weinbaurecht in Italien wurde zuletzt 2009 nach französischem Vorbild reformiert. Zuvor waren die Gesetze gültig, die 1963 kurz nach Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) erlassen worden waren. 1966 kam mit dem Vernaccia di San Gimignano der erste DOC auf den Markt. Danach gibt es die drei Qualitätsstufen IGT, DOC und DOCG (siehe unten). Alle nicht klassifierten italienischen Weine werden wie im übrigen Europa in Wein, Landwein, Qualitätswein und Prädikatswein aufgeteilt (siehe Internationaler Vergleich der Begriffe).

Mit der 2009er Reform wurde vor allem Wert auf die geschützten Herkunftsbezeichnungen gelegt. Eine Seite zum Download aller Vorschriften und Beschreibungen wird vom italienischen Landwirtschaftsministerium bereitgestellt.

Vini Comuni e Varietali (auch Vini Generici) Dies ist die einfachste Qualitätsstufe. Sie enthält keine geografischen Angaben. Der frühere Begriff „Tafelwein“ wurde in der EU-Weinmarktordnung 2009 durch den Begriff „Wein“ ersetzt. Vini Generici können mit (con annata e vitigno = „mit Jahrgang und Rebsorte“) oder ohne Jahrgangs- und Rebsortenangabe vermarktet werden, alle höherwertigen Weine müssen genaue geografische Angaben tragen.

IGT (Indicazione Geografica Tipica)

Ist eine Qualitätsstufe, die in etwa dem deutschen „Landwein“ vergleichbar ist. Unter der Deklarierung IGT findet sich ein breites Spektrum von belanglosen Tröpfchen bis hin zu höchstwertigen Weinen, denen eine DOC- oder DOCG-Klassifizierung zum Beispiel verwehrt bleibt, weil sie aus anderen als den hierfür vorgeschriebenen Trauben gekeltert sind. Bemerkenswert ist, dass, anders als in Deutschland, nicht die Mehrzahl der Weine einen Rang als Qualitätswein zuerkannt bekommen. Einfache Vini Generici oder IGT-Weine gelten in Italien als alltägliche Tischweine und jederzeit als akzeptabel.

DOC (Denominazione di origine controllata)

Diese Stufe entspricht dem deutschen „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA)“. Die Bezeichnung weist darauf hin, dass nur Rebmaterial aus dem genannten Gebiet verwendet werden darf und dass dies auch kontrolliert wird. Weine mit DOC- oder DOCG-Siegel dürfen nicht in Gebinde mit einem Volumen abgefüllt werden, das größer als fünf Liter ist.

DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita)

Die nächsthöhere und damit höchste amtliche Qualitätsstufe heißt DOCG. In Deutschland entspricht dies dem „Prädikatswein“. Diese Weine müssen im Anbaugebiet auf Flaschen gezogen werden, sie dürfen also nicht in Tanks transportiert und anderswo abgefüllt werden. Dies gilt nicht für italienischen Wein, der in der Schweiz abgefüllt wird. Die beiden Staaten haben 1994, basierend auf Artikel 5 des Abkommens von 1961, eine Vereinbarung getroffen, welche das Abfüllen von DOCG-Wein in der Schweiz unter Einhaltung bestimmter Richtlinien gestattet. Alle DOCG-Weine tragen eine Banderole am Hals.

DOP (Denominazione d’Origine Protetta)

Diese geschützte Ursprungsbezeichnung umfasst beide zuvor genannten Qualitätsstufen, also DOC und DOCG. Abweichend von den Bestimmungen der Gemeinschaftsverordnungen können die Mitgliedstaaten weiterhin ihre eigenen traditionellen Begriffe für die Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben verwenden. Es wird also möglich sein, die Akronyme (in Italien) weiter zu verwenden: DOCG – DOC – IGT.

Die Anzahl der jeweiligen Qualitätsweine in den Regionen:

Region IGT DOC DOCG Abruzzen 8 7 2 Aostatal 1 Apulien 6 28 4 Basilikata 1 4 1 Emilia-Romagna 9 19 2 Friaul-Julisch Venetien 2 12 4 Kalabrien 10 9 Kampanien 9 15 4 Latium 6 27 3 Ligurien 4 8 Lombardei 15 22 5 Marken 1 15 5 Molise 2 4 Piemont 41 18 Sardinien 15 17 1 Sizilien 7 23 1 Toskana 6 41 11 Trentino-Südtirol 4 9 Umbrien 6 13 2 Venetien 7 29 14 Italien 118 330 76

Produktionsmengen DOP-Weine nach Regionen

2020 wurden laut der Organisation Federdoc (Confederazione Nazionale Dei Consorzi Volontari Per La Tutela Delle Denominazioni Dei Vini Italiani) in den einzelnen Regionen folgende Mengen an DOP-Weinen (DOCG- und DOC-Weine) produziert:

+ Größte Produzenten von DOP-Weinen (2020) Rang Land Menge(in hl) 1 Venetien 8.725.025 2 Friaul-Julisch Venetien 5.869.791 3 Trentino-Südtirol 2.477.379 4 Piemont 2.037.903 5 Toskana 1.446.419 6 Sizilien 1.433.811 7 Emilia-Romagna 1.396.152 8 Lombardei 1.119.836 9 Abruzzen 1.114.489 10 Apulien 406.174 11 Marken 369.958 12 Latium 365.721 13 Sardinien 334.230 14 Kampanien 297.512 15 Umbrien 154.783 16 Ligurien143.157 17 Kalabrien 35.895 18 Basilikata30.902 19 Molise 18.064 20 Aostatal 15.774 SUMME27.792.975

Rebsorten

Geschichte

Geographie und Klima In Italien dominieren das Gebirge sowie das Mittelmeer die Landschaft. Im Norden schirmen die Alpen den Stiefel vor Schlechtwettereinflüssen ab, und innerhalb des Stiefels ziehen sich die Apenninen über die gesamte Länge bis zur Spitze in Kalabrien. Verallgemeinerungen lassen sich auf einer Länge von mehr als 1200 km nicht machen. Ein gemeinsamer Nenner ist jedoch, dass die besseren Qualitätsweinlagen fast immer Hanglagen sind. Die fetteren Böden der Tallagen werden seit jeher für den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse genutzt. Die kargeren Hanglagen sind dem Wein und der Olive vorbehalten.

Abruzzen mini|hochkant|Abruzzen Die Weine der Abruzzen ( Singular ) sind vor allem für ihr außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt. Die Rebfläche in den Abruzzen beträgt 33.352 Hektar. Die Abruzzen stehen mengenmäßig auf Platz 8 der Rangliste der Regionen Italiens, nahezu gleichauf mit Südtirol.

Die zwei DOCG-Weine der Abruzzen Montepulciano d’Abruzzo Colline Teramane als Subzone des Montepulciano d’Abruzzo. Terre Tollesi oder Tullum

Die sieben DOC-Weine in den Abruzzen Abruzzo, Cerasuolo d’Abruzzo, Controguerra, Montepulciano d’Abruzzo, Trebbiano d’Abruzzo, Ortona, Villamagna. (Stand 2016)

Die acht IGT-Weine in den Abruzzen Colli Aprutini, Colli del Sangro, Colli Frentane, Colline Pescaresi, Colline Teatini, Del Vastese oder Histonium, Terre Aquilane, Terre di Chieti. (Stand 2018)Übersicht aller IGP- und DOP-Vorschriften, auf www.ismeamercati.it, (italienisch), abgerufen am 26. November 2020.

Aostatal mini|hochkant|Aostatal Das Aostatal ist die kleinste politische Region Italiens. Sie liegt im äußersten Nord-Westen des Landes, vollständig im Hochgebirge der Walliser Alpen, der Mont-Blanc-Gruppe, der Rutor-Gruppe und der Paradiso-Gruppe. Weinwirtschaft ist nur auf einigen wenigen günstig gelegenen Parzellen des namengebenden, gleichnamigen, etwa 90 km langen Aostatals möglich, dessen Talschluss im Nord-Westen das Mont-Blanc-Massiv bildet, und das sich im Südosten bei Carema zum Piemont hin öffnet.

Weinbau Erzeugt wurden 2020 insgesamt 16.820 hl Wein, davon 5.160 hl einfache „vini comuni“ und 11.660 hl DOC-Weine.

Von der Federdoc werden ebenfalls Zahlen zur Weinerzeugung veröffentlicht. Diese nennt für 2021 nur eine Produktion von 12.693 hl und 2020 nur 15.774 hl. Hierin liegt aber kein Widerspruch. Denn wie es der Name der Federdoc (Confederazione Nazionale Dei Consorzi Volontari Per La Tutela Delle Denominazioni Dei Vini Italiani) schon sagt, handelt es sich hier um den nationalen Verband der freiwilligen Konsortien zum Schutz der italienischen Weinbezeichnungen. Und von der Freiwilligkeit einer Mitgliedschaft in diesen Konsortien macht auch im Aostatal so mancher Winzer dahingehend Gebrauch, dass er sich die Mitgliedsbeiträge an das Konsortium spart und dort nicht Mitglied ist. Das Konsortium wiederum kann nur die Produktionszahlen seiner Mitglieder veröffentlichen. Ein Teil der Gesamtproduktion bleibt bei Federdoc also unveröffentlicht.

Was die nicht einmal 125.000 Einwohner der Region Aostatal von der Pro-Kopf-Produktion von jährlich nur etwa 15 Litern nicht selbst trinken, konsumieren die unzähligen durch den Mont-Blanc-Tunnel von und nach Frankreich Reisenden und die noch zahlreicheren Touristen. So bleibt von den im Vergleich teuren Weinen nur wenig für den Export.

Slow Foods „slow wine“ und der Weinführer „Gambero Rosso“ bestätigen dem Aostatal seit Jahren eine stark steigende Weinqualität. Im Führer für das Jahr 2020 wurden vom „Gambero Rosso“ sechs Weine aus dem Aostatal mit der Höchstbewertung „Tre bicchieri = drei Gläser“ ausgezeichnet.

Die DOC-Weine Seit 1985 existiert nur noch eine einheitliche regionale Denomination (DOC) mit dem Namen „Valle d’Aosta“ oder „Vallée d’Aoste“ für das ganze Aostatal. Deren „Disciplinare di produzione dei vini“ (Produktionsvorschriften), beinhalten in Art. 5 Abs. 8, neben den 19 auf die Rebsorten Müller-Thurgau, Gamay, Pinot nero oder Pinot noir, Pinot grigio oder Pinot gris, Pinot bianco oder Pinot blanc, Chardonnay, Mayolet, Petite Arvine, Merlot, Fumin, Syrah, Cornalin, Nebbiolo, Petit rouge, Prëmetta, Moscato bianco oder Muscat petit grain, Traminer aromatico o Gewürztraminer, Gamaret, und Vuillermin bezogenen „sottodenominazioni“ (Unter- bzw. Teil-Denominationen), auch die geografischen „sottodenominazioni“: Donnas, Arnad-Montjovet, Chambave, Chambave Moscato oder Chambave Muscat, Nus, Nus Malvoisie, Torrette, Enfer d’Arvier und Blanc de Morgex et de La Salle. Zudem erlaubt die DOC die Vinifikation von „novello oder nouveau“; Chambave Moscato Passito oder Chambave Muscat Flétri, Nus Malvoise Passito oder Nus Malvoisie Flétri, Moscato bianco Passito oder Muscat petit grain Flétri, Traminer aromatico Passito oder Gewürztraminer Flétri, Passito oder Flétri".

Im oberen Teil des Tals, zwischen den Gemeinden Morgex und Pré-Saint-Didier dürfen – nach Art. 3 Abs. 9 des Disciplinares für die DOC – die Rebflächen bis auf eine Höhe reichen von 1300 m „s.l.m“ (sul livello del mare = über Meer(esspiegel), in Italien bezogen auf den Pegel Genua). Außerhalb der DOC reichen einzelne Rebparzellen noch höher hinauf. Die Rebflächen von Morgex konkurrieren so, neben bspw. Visperterminen in der Schweiz und Kloster Marienberg (Vinschgau) in Südtirol, um den Status des (angeblich) höchsten Weinbergs Festlandeuropas. Denn auf Teneriffa werden Trauben bis in eine Höhe von 1800 m erzeugt.

Apulien mini|hochkant|Apulien